Rückrat – Phillipe Djian / Der Hals der Giraffe – Judith Schalansky

41U8nr2T5QL._SL500_AA300_Ich kann der euphorischen Kritik über dieses Buch nicht ganz zustimmen. Aber irgendwie hat es mich trotzdem in seinen Sog gezogen. Allerdings fragte ich mich die ganze Zeit was Djian eigentlich erzählen will.

Besonders tolle Sätze habe ich auch nicht entdeckt oder das wirklich etwas spezielles über das Leben ansich erzählt worden wäre. Aber vielleicht liegt das auch am Beruf des Helden, der so ja nun nicht unbedingt einen Durchschnittsbürger darstellt. Nein, irgendwie scheint er immer noch genug Geld zu haben um sich der Stille, der Faulheit, dem Sinnieren oder dem Genuß hinzugeben. Und wer hat schon dieses Glück. Auch fand ich es eher befremdlich das der Protagonist immer schon ganz genau wußte was in Ihm selbst vorgeht. So als könnte er sich selbst gleichzeitig fühlen und beobachten.

Am Ende geht es  um einen Mann der seine Ehe versaut hat. Mit seinem Sohn lebt, den er über alles liebt, und dem er sich in den Zeiten der Pupertät neu nähern will/muß und der am Ende seine neue Beziehung zu einer jüngeren Frau, nach einer Menge Affären, endlich ernst nimmt. Eine weitere Geschichte ist die des Protagonisten als Schriftsteller, ehemaliger Schriftsteller, Ator für schlechte Fernsehserien bis hin zum Job als Auswähler neuerer Literatur für eine Stiftung/Förderung, an welchem er auch fast komplett zugrunde geht, die Ihn aber schließlich auch antreibt selbst wieder zu schreiben. Eine Message habe ich aber nicht gefunden, bzw. blieben mir die Figuren doch etwas fremd.

Ich war vor Jahren ein großer Fan des Films Betty Blue, habe seitdem das Buch hier stehen. Aber ich muß es wohl nochmal lesen, denn ich erinnere mich kaum noch daran. Außerdem habe ich mir noch die „Frühreifen“ besorgt. Mal schaun wie es mir damit geht. Aber bis jetzt bleibt mir Djian doch eher ein Rätsel.

hals der Giraffe

Ähnlich ging es mir mit dem Buch „Der Hals der Giraffe“. Im Gegensatz zu Rückrat liebe ich dieses Buch aber sehr. Viele Leser meinen das auch hier „nichts“ erzählt wird. Aber ich empfinde dieses Buch vielmehr als eine Verdichtung oder auch meditative Auffächerung 3er Tage der Frau Lohmark. Dies gelingt Djian meiner Meinung nach nicht, auch geht sein Roman über einen viel längeren Zeitraum und ist dadurch lang nicht so dicht wie „Der Hals der Giraffe“. Für mich ist dieses Buch echte Literatur. Natürlich ist es einen Gedanken wert ob es sich wirklich um einen Roman handelt. Aber das Wort „Bildung“ im Begriff Bildungsroman stimme ich voll zu. Bildung im Sinne von Selbsterforschung bzw. Analyse anhand von „Fakten“.

 

Gelebter Darwinismus

Inge Lohmark, die Protagonistin des Romans, ist Biologielehrerin an einer Schule in einer Kleinstadt in Vorpommern. Ihr Tage als Lehrerin sind gezählt. Denn es fehlen die Schüler in einem Landstrich, der von Abwanderung geprägt ist. Was durch Judith Schalansky einprägsam beschrieben wird. Darwinismus und dessen Anwendung auf ihre kleine Welt prägen das Denken und Handeln von Frau Lohmark.

Dieser Bildungsroman ist große Literatur. Bildungsroman, das passt in mehrfacher Hinsicht. Und selten habe ich einen Roman gelesen, in welchem der/die Schreibende so hinter der Hauptfigur verschwindet. Aber vielleicht ist das auch nur eine Mutmaßung, denn ich kenne Frau Judith Schalansky ja nicht. Wir werden beim Lesen Zeugen von Frau Lohmarks Gedanken, die so nahtlos in alle geschilderten Gespräche einfließen, dass es oft schwierig ist, beides auseinanderzuhalten. Was dem Roman aber überhaupt nicht abträglich ist, sondern Frau Lohmark und ihre Welt für den Leser nur noch verdichtet.

Fehlende Gefühle

Was man von Inge Lohmark erfährt, sind hauptsächlich ihre Gedanken – gefühlskalt wäre eine treffende Bezeichnung für ihre Person. Wenn nicht so überaus klar wäre, dass es nicht die Gefühlskälte ist, die Frau Lohmark beherrscht, sondern eher das Fehlen von Gefühl und einer eigenen Sinneswahrnehmung. Sie erklärt sich alles, aber auch wirklich alles, über Ihre ganz eigenen Ansichten vom Überleben des Stärkeren, im Sinne der sich anpassenden Natur. Eine Anpassung, um in einer sich verändernden Welt zu überleben. Was Sie selbst für sich in keiner Weise schafft.

Einprägsam, wunderschön

Schalansky hat so vieles in kurzen Abschnitten, wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht. Auf Frau Lohmarks Punkt wohlgemerkt. Ein sehr eigentümliches Buch. Ein sehr eigene Welt. Ein sehr einprägsames Buch, wie ich es vorher noch nicht gelesen habe.

Außerdem wunderschön: Der Leineneinband mit Prägedruck.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. alphachamber
    Jun 14, 2015 @ 14:18:41

    In der Tat, seit den ca. 60/70er Jahren gibt es kaum ein Roman, der es meine Zeit wert ist. dafür gibt es viel zu viel noch zu w i s s e n , finde ich. Und was Sachbücher anbelangt, sehe ich es genau so.
    Nette Grüße

    Antwort

  2. madameflamusse
    Jun 14, 2015 @ 13:24:55

    Hat dies auf reingelesen rebloggt und kommentierte:

    Throwback Sunday – ein Buch was richtig toll war und Dijan der wohl einfach nicht mein Fall ist (bis auf „Die Frühreifen“ – was wirklich gut war) Kennt Ihr eines der Bücher? Bzw. habt Ihr auch Schriftsteller glesen von denen Ihr das Gefühl habt das Sie immer das Gleiche schreiben?

    Antwort

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