Bernhard Schlink – Die Heimkehr

„…Was wir für Wirklichkeit halten, sind nur Texte, und was wir für Texte halten, nur Interpretationen. Von der Wirklichkeit und den Texten bleibt nur, was wir  daraus machen…“

Die Heimkehr ist 2006 erschienen und ein dichter und gehaltvoller Roman. 374,5 gut gefüllte Seiten spielen von heute bis zu Kriegszeiten zurück. Viele Themen und Geschichten, werden serviert, die oft ins Philosophische gehen – was ja sehr passend ist zum Thema Gesetz und Recht, und auch der Bereich der Ethik wird gestreift. Gekonnt und spannend aufbereitet wie von Schlink gewöhnt. Man glaubt kaum das in ein so kleines Buch soviel hineinpasst. Es geht um einen Mann der in einem juristischem Verlag arbeitet, um seine Beziehungen, vorallem um seine Beziehung zu sich Selbst, zum Vater den er nie kennengelernt hat und die Beziehungen zu Frauen bzw. einer bestimmten Frau. Es entblättert sich alles Stück für Stück. Wir erfahren neue Gedanken zur Odysee genauso wie vieles zur Juristerei und auch dem Schreiben – sehr passend zum Autor selbst. Und alles so fein ineinander verflochten, das es am Ende schwer fällt die einzelnen Themen zu benennen.

Man merkt an diesem Buch woher der Autor selbst kommt und ich habe mich mehr als einmal gefragt wieviel Biografisches im Buch steckt. Ich hatte beim lesen oft das Gefühl Herrn Schlink näher zu kommen. Das ganze ist keine leichte Unterhaltungsliteratur. Und es ist so dicht das ich es ganz sicher nochmal lesen muß. Dadurch das ich aber die Stimmung des Buches jetzt kenne wird es nicht ganz so einfach sein eine passende Zeit dafür zu finden. Es geht nicht um Sympathie oder um etwas für das man Schwärmen könnte, auch nicht um eine Sprache in der man versinken könnte. Es zieht einen erstmal nicht viel an an diesem Buch. Und der Titel kann auch in die Irre führen – je nach Interpretation. Aber dieses Buch ist Geist- und Lehrreich und ich habe richtig Lust auf die lange Original Odysee bekommen, denn die neue überraschende Sichtweise gefällt mir gut, weil Sie mir so viel logischer erscheint. Wie oft nimmt man gegebenes hin ohne einen Gedanken daran zu verschwenden das es auch anders sein könnte, wie oft bleibt man bei einem ersten Eindruck stehen.

Und im Hinblick auf das erste Zitat von oben möchte ich nur sagen: Bitte selber lesen.

„… Das leidenschaftliche Herz heilige den leidenschaftlichen Einsatz. Was wir liebten sei keine Sache des Gefühls, sondern des Willens…“

Das es wieder ein Schlink ist ist übrigens Zufall, und es sind sogar 2 Schlinks, hatte grade Glück in der Bücherei. Die 2. Rezension folgt die Tage – muß ne Menge Nacharbeiten hatte jetzt lange weder Rechner noch Internet. Aufjedenfall ist Herr Schlink dieser Tage 70 Jahre alt geworden und ich wünsch Ihm noch mindestens 20 Jahre dazu, ganz Eigennützig, weil ich mir noch viele viele Romane und Kurzgeschichten von Ihm wünsche. Hier gibt es einen längeren Artikel zu Ehren seines Geburtstages in der FAZ. Und hier, ein Interview in der „Welt“ wo auch sein Heimkehr Buch erwähnt wird.

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