Christoph ist verschwunden..

Eine Aktionsaufgabe von Jutta Reichelt.

Was sagts Du zu diesem Anfangssatz?

Meine Variante/1. Versuch:

Christoph ist verschwunden. Wir haben es am spätem Vormittag gemerkt. Er hatte sich im alten Teil der Scheune, der für Gäste ausgebaut war, eingerichtet. Nun wir waren es gewohnt das er spät aufstand. Manchmal war auch den ganzen Tag kaum was von Ihm zu sehen. Man merkte nur an gewissen Vorgängen, wie z.B. dreckigen Spuren im Flur, dem geplünderten Kühlschrank – ich vermute nächtliche Fressflashs von seinem Dauergekiffe – das er noch da war. Wir hatten Ihn nicht eingeladen. Er war einfach nach 2 Jahren wieder aufgetaucht. Hatte wohl eine zeitlang in irgendeinem Selbstversorgernest in Spanien gelebt und fühlte sich jetzt sowas wie erleuchtet und sprach die ganze Zeit vom „Gemeingut“.

Irgendwie wurde ich aufmerksam weil die Glastür zum Gästezimmer angelehnt war. Ich trat langsam ein, die Türe machte kein Geräusch. Ich rief „Hallo“ hinauf zur Galerie mit der Matratze. Keine Antwort.

Schnell merkte ich das auch sein Zeug verschwunden war, seine ganzen Beutel und Taschen. Fand aber Gefäße mit Lösungsmittelresten und Klebstoff, die ich aber vorerst stehen ließ. Später Im Jahr fand ich auch die Graspflanzen. Das war so seine Angewohnheit überall dieses Zeug zu verteilen.

Ich war froh das er weg war. Die Stimmung wurde gleich erheblich besser. Irgendwie eine Erleichterung. Noch vor 2 Tagen waren wir dermaßen aneinander geraten das ich Ihm fast in sein blödes Schandmaul geschlagen hätte, ich der ich mich noch nie geprügelte hatte. Der Typ nervte einfach nur. Nicht mal Abends konnte man in Ruhe am Feuer sitzen. Der Junge war verdammt agressiv, vorallem wenn es nicht so lief wie er es gern hätte. Und im Grunde genommen passte Ihm Nichts hier im Haus. Aber das er uneingeladener Gast war schien er auch überhaupt nicht auf dem Schirm zu haben. Assi.

Ich setzte mich erstmal ans Scheunentor und zündete mir eine Zigarette an, danach würde ich es seiner Mutter sagen. Die hatte gestern schon geheult, ich bin mir nicht so ganz sicher aus welchem Grund, aber ich glaube Sie war im Grunde genommen ziemlich wütend, hatte aber keine Kraft mehr für einen weiteren Streit. Das ganze machte Ihr zusätzlich zu Ihrer Krankheit ganz schön zu schaffen. Der eigene Sohn.

Der Typ war einfach nicht tragbar. Er redete die ganze Zeit davon den Hof übernehmen zu wollen, weil was seiner Mutter gehörte ja auch automatisch Ihm als Sohn gehörte. Er wollte eine Art Komune gründen. Selber was zu den Dingen beizutragen war aber irgendwie nicht so sein Ding. Er hatte die Tage die er da war nicht einen Finger gerührt. Und das war es auch was mich an Ihm so ankotze, und seine rechthaberische Art. Ach sein ganzes Scheißagro Ding.

Naja später stellten Wir dann noch fest das nicht nur der Kühlschrank leer war  – ich hatte gestern erst für die ganze Woche eingekauft, der Supermarkt war ne halbe Stunde weit weg; sondern auch ein paar meiner Schuhe fehlten und das Fahrrad vom Nachbarn samt Anhänger….

Ein Arschloch, voll und ganz.

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Christiane
    Nov 26, 2015 @ 09:05:23

    Stimmt, den hatte ich gelesen, ich erinnere mich wieder … Ich finde deinen Text gut, cool und bisschen sperrig. Aber, da du es oben ansprichst, für mich ist der Erzähler nicht per definitionem ein Mann.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Antwort

    • madameflamusse
      Nov 26, 2015 @ 09:51:11

      hah das is ja toll das Du Dich erinnerst….. ja der Erzähler war bei mir auch nur ganz zufällig ein Mann. Ich hatte auch noch für den Katharinasatz was geschrieben, das liegt schon ewig hier…ich mag die Schreibimpulse sehr 😀 schönen Tag Dir

      Antwort

      • Christiane
        Nov 26, 2015 @ 09:55:03

        Ich docke auch ganz oft an den Schreibanregungen an …
        Dir auch einen schönen Tag, danke! Zumindest das Wetter scheint hier mitzuspielen … 😉

      • madameflamusse
        Nov 26, 2015 @ 09:55:59

        Übrigens danke für den Link zu den Southparkfiguren, sehr cool 😀

  2. juttareichelt
    Dez 05, 2014 @ 09:07:11

    Was für eine schöne „Christoph ist verschwunden“-Skizze! Was mir besonders gefällt sind die kurzen Sätze, in denen wir ganz beiläufig mehr über dieses etwas rätselhafte Arrangement erfahren: „Wir hatten ihn nicht eingeladen“, oder „Ich war froh, dass er weg war“. Und eben überhaupt: die Rätselhaftigkeit! Herzliche Grüße – und besten Dank für diesen „literarischen Hinweis“!

    Antwort

    • madameflamusse
      Dez 05, 2014 @ 09:11:32

      cool, DANKE, will da noch weiter dran arbeiten – eigentlich geht es um den Erzähler (wahrscheinlich) – kommt das rüber das das ein Mann ist, ich glaube sein Erzählstil lingt noch zu weich..? Nicht knapp genug?

      Antwort

      • kaetheknobloch
        Dez 05, 2014 @ 18:24:31

        Ich stolperte jetzt mal ganz unbedarft auf Christophs Spuren hinterdrein und freue mich murmeligkringelig darob. Ihr Rätseltext ist bonfortionös und ich lese und erkenne ihn, ja, von Frau zu Frau. Hat nichts mit Zuvielweichmannigkeit zu tun und über Knappheit kann eine Komakommentartöse wie ich nicht urteilen. Ich las es gernst und applaudiere freudig. Herzliche Grüße, Frau Knobloch, bitte mit o.

      • madameflamusse
        Dez 05, 2014 @ 18:28:58

        oh wie wunderbar das es so gut ankam, das gibt Mut zum weiterschreiben. Ich DANKE 😉

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