Peter Stamm zum Zweiten

u1_978-3-10-002227-1Nach der gestrigen Recherche und einer ersten Einschätzung musste ich das Buch dann doch schnell fertig lesen und habe es heute beendet. Was auf Seite 73 anklang, beginnt sich auf Seite 163  auszubreiten. Hier nimmt das Buch in allem eine Wendung. Wir erfahren nun etwas über das Paar Astrid und Thomas, ihre Vorgeschichte und wie die beiden so sind, wie sie sich gefunden haben und wie jeder von Ihnen die Beziehung anging.

Wer bis dahin durchgehalten hat, sollte unbedingt weiterlesen, denn ab dieser Stelle macht das Buch mehr Sinn. Trotzdem ist es für mich keine Art des Schreibens, die ich genießen kann. Wie ich schon schrieb, stürzte ich doch sehr durch die Seiten – mein Geist suchte einen Anker für die Konzentration. Peter Stamm will dem Leser nichts vorwegnehmen und ihm nichts erzählen, sondern ihn selber die Zwischenräume, die Emotionen füllen lassen. Ich finde dies schwierig, wenn die Vorgaben so eng sind, der Rahmen der Geschichte sehr gesetzt ist.

Je weiter wir uns dem Ende des Buches nähern, desto mehr geht es um Möglichkeiten. Möglichkeiten, die aber nur so lange da sind, bis kurz vor dem Moment, wo etwas entschieden wird, oder in Gedanken, manchmal noch lange nachdem etwas stattgefunden hat. So ist auch nicht klar, was nun tatsächlich der Verlauf der Geschichte ist. Der Leser selbst kann entscheiden, welchem Erzählstrang er Glauben schenken mag. Endet die Geschichte auf Seite 163? Oder erst auf Seite 223? Welches ist der richtige Verlauf, welcher nur Phantasie… ach, stimmt, es ist ja alles nur ausgedacht! Und warum sich nicht mehr ausdenken und Möglichkeiten aufzeigen, gleichwertig stehenlassen und dem Leser die Wahl überlassen? Zugegeben, es ist eine Möglichkeit des Schreibens.

Marina von Literaturleuchtet – eine passionierte „Stamm“Leserin im doppelten Sinne, schrieb in einem Kommentar zu meiner Halbzeitrezension: „Ich finde gerade solche offenen Geschichten sehr reizvoll und Romane dürfen für mich auch gerne mal sperrig oder unbequem sein, Verwirrung ist auch ganz gut oder Rätselhaftigkeit“

Ich finde Verwirrung schafft er wirklich irgendwie, vor allem wenn man den Autor nicht kennt, ist man nicht auf diese Art des Schreibens gefasst. Aber für mich bliebt auch eine Leere zurück, die ich als Leserin gar nicht füllen möchte. Ich mag es eher, wenn ein Roman mir Fragen schenkt im Sinne eines „so hab ich noch gar nicht darüber nachgedacht“ oder auch eine klare Haltung, an die ich mich schmiegen oder an der ich mich reiben kann. Oder Erkenntnissgewinn, ich lese oft um Antworten zu finden, in den Geschichten der Anderen, oder auch ein (Wieder)Erkennen, Trost… Ich denke das Buch kann Anstoß sein, neben Funktionieren, und eigenen festen Abläufen. Für den, der Anreize sucht für neue Fragen, und eben einen neuen Raum für das Denken von Möglichkeiten. Bei mir läuft das den ganzen Tag sowieso im Hintergrundprogramm als HSP und Scanner. Kein Kuschelbuch, nichts Fertiges, keine Weisheiten, kein Resümee, eher so wie Marina schon schrieb: eine Art Rätsel, offen, sperrig, mit Freiraum.

zum ersten Teil der Rezension ->

***

Peter Stamm
Weit über das Land
Roman, S. Fischer Verlag

Preis 19,99 

 

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