Die Ehefrau

dscn6402Eine Frau, die sich für das Schreiben interessiert, und wohl auch Talent dazu hat, erzählt von Ihrem Ehemann, dem Schriftsteller. In Rückblenden erfahren wir, dass er ihr Dozent auf dem College war und sie sich dort im Literaturunterricht kennengelernt haben. Das war in den 1950iger Jahren.
Er hält sie damals für sehr talentiert. Sie ihn eher nicht, und doch schaut sie zu ihm auf und ist beeindruckt von seinem Auftreten.

Die beiden brennen schlußendlich durch, sie gerade im ersten Semester, heiraten später und bekommen 3 Kinder. Er – Jo Castleman – wird berühmt. Joan dagegen nimmt den Platz der Ehefrau an seiner Seite ein. Keine Rede davon, daß Sie weitergeschrieben hätte, nach ihren vielversprechenden Anfängen auf dem College. Viel aber, davon die Rede wie Männer aus der Welt des Schreibens zusammenfinden und diskutieren. Die Frauen bewundern diese Männern und flirten mit Ihnen, oder sie stehen als Ehefrauen in eigenen Gruppen beisammen. Ein eigenes erfolgreiches bzw. überhaupt gutes, tiefsinniges Schreiben traut man ihnen, also den Frauen gar nicht erst zu. Die Posten scheinen klar verteilt.

Das Buch beginnt mit der Reise zu einer Preisverleihung. Beide sind inzwischen Jahrzehnte verheiratet, Jo hat viele Bücher veröffentlicht, das erste handelte von den eigenen Beziehungsanfängen, machte ihn bekannt.

Ich möchte in meinen Rezensionen nicht zu sehr spoilern – jeder soll die Bücher selbst für sich entdecken. In dieser Hinsicht rate ich ab von anderen Rezensionen zum Buch, da die meisten meiner Meinung nach, viel zu viel verraten.

Ich selbst bin irritiert von einigen anderen Rezensionen die ich zum Buch fand. Achtung eine dieser spoilernden Geschichten:  z.B. im Deutschlandradio Kultur http://www.deutschlandradiokultur.de/meg-wolitzer-die-ehefrau-bissige-abrechnung-mit-maennlicher.1270.de.html?dram:article_id=367047

Immer wieder wird vom Humor des Buches gesprochen oder auch einem satirischem Blick auf den Schriftstellerbetrieb. Vom „amüsanten Blick“, und die „Times“  meint etwas von „irrsinnig witzig“ – so steht es auf dem Buchrücken. Entweder ist das ein spezieller amerikanischer Humor – die Schriftstellerin Meg Wolitzer ist Amerikanerin – oder ich bin anscheinend ziemlich Humorlos. Oder die dritte Variante, es ist ziemlich ernst, und so empfinde ich es. Was jetzt nicht heißt, das es nicht auch hin und wieder mal etwas zum Lächeln ist.
Finde ich das Buch und das Thema eher ernst weil mir bewußt ist das Frauen auch hier nicht gleichberechtigt sind? Haben die, die es humorvoll finden das Thema nicht verstanden? Jetzt würde ich gern Meg Wolitzer persönlich fragen.

„Was macht die Kunst?“
Joe: „Ach, ich gebe alles, antwortete Joe mit einem tiefen Seufzer. „Und das ist nicht besonders viel“.

Ein signifikanter Satz wie sich später zeigt.

Joan dazu:

„Joe konnte immer gut an sich zweifeln. Die gesamten Fünfziger, Sechziger, Siebziger, Achtziger und die erste Hälfte der Neunziger hindurch gab er sich als verletzlicher, leidender Künstler, ganz gleich, ob er gerade betrunken oder nüchtern, gut oder schlecht rezensiert, geschmäht oder geliebt war.“

Ich finde das Buch fängt sehr gut an, obwohl die Autorin selbst erst Ende der 1950ger geboren wurde, beschreibt sie das Collegeleben  authentisch, zumindest gelingt es mir, mich hier sehr gut einzufühlen. Es erinnerte mich an andere Bücher, die ich gern las, ich muß zugeben von männlichen Autoren. Ich mag diesen Ort des amerikanischen Colleges. Kann aber auch sein, dass ich eine zu romatische Vorstellung davon pflege, weil ich zuviel „Gilmore Girls“ im Kopf habe, eine amerikanische Serie, in der es sehr viel um kluge Mädchen geht.

Meg Wolitzer weiß, wovon sie schreibt. Bisher  veröffentlichte sie elf Bücher und ihr Mann ist, wie im Buch, auch Schriftsteller. Ich habe bisher noch nichts von ihr gelesen, kann da aus keinem Kontext sprechen, sondern nur für dieses eine Buch. Das ich wiederrum noch nichts von Ihr gelesen habe, also noch nicht auf Ihre Bücher aufmerksam wurde, kann wirklich sehr gut mit dem Thema an sich zu tun haben, eben das männliche Autoren meistens in der ersten Reihe stehen und weibliche in der zweiten.

Auf der Seite des DuMont Verlages erfahren wir wenig über Meg Wolitzer, aber im Netz finden sich andere Informationsquellen. Und das dem Buch zugrundeliegende Thema findet sich im Leben der Autorin wieder, und vermutlich in dem vieler Frauen. Es ist das Thema männlichen Könnens und weiblichen Könnens, und wie dieses in unserer Welt „platziert“ wird und welche Beachtung die Geschlechter jeweils finden bzw. nicht finden.

Ein durchaus feministisches Buch, welches von einer Wahrheit erzählt, die im lezten Jahrhundert noch krasser war, als heute. Und was heute erschreckend aktuell ist. Das Buch ist schon über 10 Jahre alt, wurde jetzt erst übersetzt, was man dem Werk aber nicht anmerkt.
Die Autorin schreibt über das männliche und weibliche schreiben und wir kennen Sie doch alle die Long- und Shortlists der Bücherpreise – die weiblichen Autoren können wir an einer Hand abzählen. Und das liegt sicher nicht an der Qualität ihrer Arbeiten. Die den Frauen aber durch nicht-Nominierung und Nichtbeachtung abgesprochen wird.

Joan die Protagonistin und Erzählerin in „Die Ehefrau“ berichtet über das Leben Ihres „schreibenden“ Mannes und so nebenbei auch ein wenig von sich, ihrer Ehe und am Rande aus Ihrem Familienleben. In der Geschichte dreht sich aber Schlußendlich alles um Joe bis zum Knall am Ende des Buches. So wie es sich anschließend ergeben hat, daran haben beide Ihren Anteil, basierend auf den Entscheidungen die beide getroffen haben oder unterlassen haben zu treffen. Vielleicht spielt hier auch die Gewohntheit eine Rolle oder die fehlende Vorstellungskraft das es hätte auch anders gehen können.

Der mittlere Teil ist für meinen Geschmack zu lang und ich fand den Teil einwenig langweilig. Ddie Spannung hielt sich doch ziemlich in Grenzen. Und ich denke ohne etwas über die Autorin zu wissen, fragt man sich doch etwas, worauf Sie denn nun hinaus will. Das Ende überzeugt, aber hat mich gleichzeitig auch enttäuscht, immerhin läßt es einen Ausblick offen.

„Das Mädchen schämte sich, dachte ich, eine Geschichte öffnete sich vor mir, und ich verspürte Erleichterung darüber, eine literarische Distanz mir selbst und diesem Mann gegenüber einnehmen zu können“

***

Meg Wolitzer

Die Ehefrau

Übersetzung: Stephan Kleiner

DuMont Buchverlag, 23,00 €

***

passende Bücher:

„Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenides – wg. der Protagonistin

„Sommer ohne Männer“ von Siri Husvedt – weibliches schreiben

 

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6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Wortlichter
    Okt 29, 2016 @ 21:52:39

    Von Meg Wolitzer habe ich noch das Buch „Die Interessanten“ auf meinem Sub. Es klingt wirklich vielversprechend und ich möchte mir viel Zeit dafür nehmen. Dein vorgestelltes Buch, klingt allerdings auch gut. Was daran humorvoll sein soll, verstehe ich zwar auch nicht ganz, aber das Thema finde ich richtig Klasse. Denn es ist leider so, dass viele Frauen im Schatten ihrer Männer stehen. Und besonders in der Literatur gibt es dafür mehr als genug Beispiele.

    Liebe Grüße, Anja

    Antwort

    • madameflamusse
      Okt 29, 2016 @ 22:36:02

      Ja, ich fand das Thema auch spitze, das wird ja heute nur noch selten wahrgenommen, von daher nur her mit diesen Geschichten. Ich habe es auch an mir selbst gemerkt wieviel mehr Bücher von Männern ich gelesen habe… ich achte da jetzt drauf. Die Interessanten hab ich auch schon in der Bibo in der Hand gehabt, werd ich auch noch lesen. Sie hat ja unheimlich viel geschrieben, da gibts noch einiges.. 😉

      Antwort

      • Wortlichter
        Okt 30, 2016 @ 13:29:33

        Ich denke das Problem an der Wahrnehmung liegt daran, dass es ja „normal“ ist. Und das bereits viele Verbesserungen seit den 60ern durchgesetzt wurden. So haben Frauen heutzutage zumindest die Chance überhaupt publiziert zu werden.
        Allerdings habe ich das Gefühl, dass Frauen Unterhaltungsliteratur machen und Männer „richtige“ Literatur. Männer werden noch immer mehr rezipiert, haben den Expertenstatus und sind auch diejenigen, die Urteile ÜBER Literatur abgeben. Während die Frauen noch immer auf ihr Äußeres reduziert werden oder gar ignoriert werden. Während Männer irgendwie immer seriös sind, sind Frauen zu jung, zu alt, zu hübsch, zu hässlich, zu wenig angezogen, zuviel angezogen, haben zu wenig Erfahrungen beim Schreiben, oder schreiben zuviel des Guten etc.
        Und ja, ich merke es auch extrem, dass man öfter zu Literatur von Männern greift. Es funktioniert halt unbewusst. Ich lese gerade Virgina Woolfs ein Zimmer für sich allein, wo sie über Frauen und Literatur schreibt und ich habe nun ein unheimliches Bedürfnis, mehr Literatur von Frauen zu lesen.

        Liebe Grüße, Anja

      • madameflamusse
        Okt 30, 2016 @ 13:35:47

        Ah das Buch hab ich auch auf der Wunschliste. weißt Du warum wir mehr Männer lesen? Weil es viel mehr Büchern von Männern gibt, eben auch aus all den Gründen, die leider sehr existent sind. Und wie die autorin eben auch meint, die Frauen stehen in der zweiten Reihe – eben auch im Buchladen.

  2. Kabra
    Okt 25, 2016 @ 18:19:20

    Ich hatte es als Hörbuch und fand es ebenfalls eher ernst und traurig, weil ja die ganze Zeit mitschwingt, dass Joan sich nach Anerkennung sehnt.

    Antwort

    • madameflamusse
      Okt 25, 2016 @ 19:28:56

      Sie wirkt wie eine Beobachterin für mich, eine sehr schlaue eigentlich, aber irgendwie eben in der 2. Reihe. Sie dreht sich um Ihn, ich bin mir aber nicht sicher ob das nur das ist was Sie erzählt oder ob es so war.

      Antwort

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