Weibliches schreiben

Schon vor 2016 hat mich das Thema beschäftigt was ich eigentlich so lese. Wie ich feststellte war es viel amerikanische Literatur und vor allem Bücher die Männer geschrieben hatten. Franzen, Eugenides, Irving, Boyle, Murakami aber auch Suter, Schlink, Arjouni usw.

Mir fiel auf das ich wenig Literatur von Frauen las obwohl ich auch hier Favoriten habe wie Dörrie, Hustvedt, Allende, Niffenegger, Lewycka.

Dieses Jahr wurde ich wieder förmlich auf das Thema gestossen – es ging mehrfach um das weibliche Schreiben in den Büchern die ich las, Büchern von Autorinnen. Es ging vor allem aber auch darum wie Sie hintenanstehn mit ihrem schreiben, als Ehefrauen und Mütter und Assistentinnen des Mannes, mit eigentlich anderen Aufgaben bedacht.
„Die Ehefrau“ hat mir noch einmal nachdrücklich zu denken gegeben – hier wird davon gesprochen wie die Frauen im Literaturbetrieb in der zweiten Reihe stehen. Und das bestätigt sich für mich wenn ich dorthin schaue wo es Wettbewerbe und Preise gibt, Literaturzirkel und andere Öffentlichkeiten. Ich schaue nun auch im Buchladen ein wenig anders hin.

Und eins, ich möchte mich diesem Vorsortierten nicht mehr automatisch aussetzen oder unterordnen. Wenn weniger Frauen zum schreiben kommen, dann noch weniger veröffentlicht werden und dann auch noch schwieriger bekannt werden sind das ne ganze Menge Filter. Ich werde also expliziter nach Literatur von Frauen kucken und mein Lesejahr unter dem Motto „Literatur von Frauen“ angehen – so das auch hier in meinem Bücherregal ein wenig Ausgleich stattfindet.

Die Überlegung ist noch mich an die Buchhandlungen zu wenden und dazu anzuregen eine Ecke spezifisch für Literatur von Frauen zu reservieren und zwar so das man sie sieht  das macht wenig Arbeit, kostet nichts und unterstützt. Irgendein anderer Blog hatte das thema auch aufgegriffen, weiß leider nicht mehr welcher – das Problem mit den vielen Tabs, ihr kennt es vielleicht.

Ein schönes Beispiel finde ich z.b. “ Die Schwestern“, oder sagen wir ein trauriges Beispiel. Das Buch ist gut, die Geschichte ist gut und mir ist unklar warum ein Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichtes“ gefeiert wird und niemand Judka Strittmatter erwähnt. Ein sehr bedauerlicher Fehler.

***

Ein weiteres Thema ist auch das Thema deutsche Literatur – das was man liest, prägt einen, und ich muß zugeben oft habe ich mich in Neuengland, Main sehr zu Hause gefühlt, obwohl ich nie dort war, weil es immer wieder vorkam in meinen Büchern. Ich habe massenhaft Seiten gelesen über amerikanische Colleges und Hochschulen, mir dann auch noch entsprechende Serien angeschaut… das ist alles ganz nett, irgendwie heimelig aber weit entfernt von meinem Lebensumfeld.

Es ist ganz was anderes dann etwas zu lesen was mit meiner eigenen Geschichte zu tun hat, meiner eigenen Sozialisierung, mit meinem eigenem Land, zugebener maßen nicht immer so einfach die deutsche Literatur.

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6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Eva
    Jan 10, 2017 @ 10:21:28

    Mir ist auch aufgefallen, dass neben der Frauenthematik, vor allem englischsprachige Autoren bei uns gelesen werden. Deutschsprachige Pendants wie Goethe und Schiller, Dürrenmatt und Frisch wirken eingestaubt. Zeitgenössischen Autoren fehlt für meinen Geschmack allzu oft die Tiefe. Daher habe ich Zuflucht in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts gefunden und lese gerne nordische Literatur von Ibsen bis Lindgren. Mir müssen mal zeitgenössische AutorInnen aus unserem Sprachraum über den Weg laufen, um einen Ausglech zu schaffen. Momentan lese ich „Der Stift und das Papier“ von Hanns-Josef Ortheil – wieder ein Mann – aber „trotzdem“ sehr empfehlenswerte Lektüre über das Schreiben 🙂 Es gibt Hoffnung. Mir gefällt Dein Lesevorsatz fürs neue Jahr. Bin gespannt, was noch so in Dein Bücherregal wandert …

    Antwort

    • madameflamusse
      Jan 10, 2017 @ 10:43:24

      Oh ja ich bin auch gespannt, was da kommen mag, zeitgenössisches deutsches empfinde ich z.b. eher als schwer und bei den amerikanischen find ich mehr Geborgenheit irgendwie. Nordisches steht bei mir auch auf der Wunschliste.
      Ich poste nochmal ein paar tips demnächst. 🙂 viele liebe Grüße

      Antwort

  2. Jen
    Jan 09, 2017 @ 13:08:03

    Danke für den Artikel und die vielen Lesetipps! Ich schreibe selbst und habe leider in meinem Studium der Deutschen Literaturwissenschaft nur eine einzige Autorin behandelt. Sehr schade. Da Verlage meist nur an sogenannter oberflächlicher „Frauenliteratur“ interessiert sind, wird es, bis auf wenige Ausnahmen wie Juli Zeh, auch leider noch dauern bis mehr Autorinnen Aufmerksamkeit bekommen. Deine Idee mit den Buchhandlungen finde ich auf jeden Fall toll!

    Antwort

    • madameflamusse
      Jan 09, 2017 @ 13:20:16

      wir können es beeinflussen indem wir eben nicht dem Vorgegebenem folgen sondern achtsam sind und gezielt kaufen, lesen, empfehlen und darüber schreiben – ist ja echt krass das ihr nur eine Autorin durchgenommen habt.

      Antwort

  3. marinabuettner
    Jan 09, 2017 @ 11:32:55

    So ein Anliegen in einer kleineren Buchhandlung vorgebracht, ist sicher bereichernd und möglich. Große Buchhandlungen setzen auf ganz andere sogenannte „Frauenbücher“, siehe Bestsellerliste. Wegen des Umsatzes, versteht sich. Ich spreche aus eigener Buchhändlererfahrung.
    Ein Buchtipp fiel mir spontan ein: Rachel Cusk mit „Outline“. Sie hat eine Trilogie geschrieben, die sich für mich sehr stark auf spezifische Frauenthemen bezieht. In diesem Frühjahr kommt der 2. Band heraus. Ich verlinke mal:
    https://literaturleuchtet.wordpress.com/2016/04/16/rachel-cusk-outline-suhrkamp-verlag/
    Viele Grüße!

    Antwort

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