Ein untadeliger Mann

Gardam_24924_mit_BS_MR1.inddDas Buch war mir gleich sympatisch, wahrscheinlich weil es so schön britisch ist (ich träume heimlich von der grünen Insel, einem Cottage und dem Garten von Highgrove). Und ja, für meinereiner ein Buch zum reinknien. Eins wo man sich Abends zur Lesezeit so richtig schon reinkuscheln kann.

Eine herrliche Geschichte die sich da vor dem Lesenden entfaltet – das Titelbild schien mir dann auch recht brav für den Inhalt. Und Feathers, um den es in diesem Buch geht war lang nicht so brav wie es anderen erscheint. Wir erfahren über Ihn, den Anwalt, ein Urgestein der Juristenszene des Empire, viel über seine Jugend und ein wenig über seine letzte Zeit. Und nebenbei einiges über die britische Geschichte rund um den 2. Weltkrieg. Insgesamt erstaunlich wild, was der Zeit seiner Geburt geschuldet ist. Feathers wurde früh Halbweise, die Mutter starb kurz nach der Geburt. Er kam in den Kolonien, dem heutigen Malaysia, auf die Welt kam und lebte dort die ersten Jahre als freies Kind bei seiner Amme, dann dort herausgerissen wurde und zur Erziehung nach England geschickt… ich will nicht zuviel verraten. Eins sei gesagt ein spezieller Typ mit einer wirklich spannenden Lebensgeschichte. Mit Stil, Haltung und noch echten Manieren aber auch einem recht festgefügtem Weltbild, mit welchem er so manchem lieber mit Ignoranz begegnet, über die ich oft schmunzeln mußte. Schon eine echte Type der Edward Feathers – diesen Ausdruck würde er natürlich nicht akzeptieren.

Für mich auch besonders schön die detailierten Beschreibungen die gleich Bilder in meinem Kopf entstehen lassen, als würde mit im Raum stehen und alles beobachten, inklusive Gedankenlesen.

Und nun hab ich herausgefunden das dieses Buch eine Fortsetzung hat, jipiii – da werd ich nächstesmal gleich mal in der Bücherei schauen.

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Jane Gardam

Ein untadeliger Mann

Hanser Verlag, 22,90 €

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stl0445gardam_805492kJane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren. Als einzige Schriftstellerin wurde sie gleich zweimal mit dem Whitbread/ Costa Award ausgezeichnet. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im Alter von 43 Jahren, nachdem ihr drittes Kind eingeschult war.

Mit Ein untadeliger Mann stand sie auf der Shortlist des Orange Prize und mit Letzte Freunde auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

Foto: Jeremy Sutton-Hibbert

Baba Dunjas letzte Liebe – Alina Bronsky

dscn7718Baba Dunja lebt in einem kleinen Dorf. Ihr Heimatdorf, in welches Sie nach Tschernobyl zurückkam und mit ihr noch ein paar alte Leute, die die Verstrahlung nicht mehr fürchten. Eine kleine Idylle. Hauptsächlich verlassen die Menschen sich hier auf die Selbstversorgung, es ist beschwerlich in den nächsten größeren Ort zu kommen und in das Dorf kommt im allgemeinen keiner, weil die Menschen Angst vor der Strahlung haben. Nur manchmal kommen Wissenschaftler und wollen von allem Proben nehmen, den Früchten im Garten und dem Blut der Einwohner.

Das kleine Dorf ist eine eingeschworene Gemeinschaft, auch wenn sich nicht alle so besonders gut verstehen. Wenns hart auf hart kommt unterstützt man sich. Und generell macht man das Beste aus allem. Im Sommer ist es im Grunde genommen auch sehr schön. Es ist ruhig und grün, und die Zeit gehört den Menschen und nicht umgekehrt.

Aber Baba Dunja hat eine Tochter und eine Enkelin. Die Enkelin hat sie noch nie gesehen und das macht sie sehr traurig – Sie erinnert sich an früher als die Enkel der Alten in den Ferien immer ins Dorf kamen und ihre Lebendigkeit mitbrachten, aber sie weiß es wäre nicht gut. Für junge Menschen ist es zu gefährlich, das mit der Strahlung. An dieser Stelle fühle ich mich ganz verbunden mit der alten Baba Dunja, auch ich hab Bilder in meinem Kopf von einer anderen Welt und wie es eigentlich sein müßte, und lebe doch in einer neuen Ordnung, in der man sich zurecht wurschtelt so gut es eben geht.

Baba dunja ist aber trotz dem Herzschmerz eine praktische und lebensnahe Person und so hat sie von den Anderen auch den Respekt. Als eines Tages Fremde ins Dorf kommen ändert sich alles.

Eine schöne Geschichte, ein liebevolles Buch, ich mochte es sehr. Trotz der teilweise schweren Themen erzählt Alina Bronsky auf eine muntere Art. Eine gute Geschichtenerzählerin. Mich erinnert das Buch an die Werke von Marina Lewycka, die es in ihren Büchern auch immer wieder schafft ernste Themen in eine unterhaltsame Geschichte mit wunderbaren Figuren einzubetten. Ich hab auch schon gleich das nächste Buch von Alina Bronsky aus der Bücherei geholt.

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Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte Liebe

Kiepenheuer&Witsch, 16,- €

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Alina Bronsky

Alina Bronsky, Köln, 14.02.2013, Fotografin Bettina Fürst-Fastré

»Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft.

Fotografin: Bettina Fürst-Fastré

 

 

Eierlikörtage

groenHendrik Groen lebt in einem Altersheim und möchte einfach mal was raus lassen und fängt deshalb an ein Tagebuch zu führen. Ein paar Tage später gesteht er das er sich heimlich einen Erfolg als Whistleblower wünscht mit seinen Aufzeichnungen. Im Heim ist nämlich nicht alles so toll und die Leiterin ein scharfer Hund und ärgert die Bewohner mit allerlei finsteren Ideen und Vorschriften.

Hendrik Groen ist ein sehr genauer Mensch und sehr zuverlässig, jeden Tag notiert er etwas über seinen Tag. Er hat Humor und neigt ein wenig zum Sarkasmus, und bleibt bei der Wahrheit. Seien es Probleme mit anderen Bewohnern, mit Krankheiten oder insgesamt dem Alt werden – er läßt es nicht unerwähnt. Alt werden ist echt nicht einfach, das ist einem spätestens nach diesem Buch klar. Und auch wenn Hendrick Groen wirklich Humor hat, bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken.

Wenn man im Heim wohnt fallen viele Freiheiten weg, manchmal aus Sicherheitsgründen und manchmal wohl damit es die Heimleitung einfacher hat. Zufälligerweise ist meine Mutter auch Heimleiterin und ich weiß Sie ist auf keinen Fall so wie diese aus „Eierlikörtage“.

Zum Glück hat Herr Groen Freunde, und so ist er allem Schlamassel nicht allein ausgeliefert. Die Clique gründet einen Club auch mit dem Ziel dem Leben noch ein wenig Freude abzugewinnen und sich nicht mit der täglichen Langeweile im Heim abzufinden.

Es liest sich langsam. Tag für Tag. Schritt für Schritt, so wie Hendrik Groen vermutlich spazieren geht wenn das Wetter passt. Ich denke für Pflegekräfte und ähnliche Berufe sollte es auf jedenfall auf der Leseliste stehen. Ich empfinde das Buch als Ehrlich und klar, einfach zu lesen war es aber deshalb nicht für mich. Was vielleicht auch damit zu tun hat das ich selber Angst davor habe alt zu werden und in ein Heim zu müssen – ich glaube ohne diesen Club und Hendriks Freunde wäre es ein ziemliches Elend.

Wer nach Titelbild und Klappentext denkt das es ein humoristisches Werk ist oder abenteuerlich wie „der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg“ wird enttäuscht werden. Hier finden wir viel eher Realität von Hendrik Groen einzigartig, schlicht und klar berichtet. „Von Feierlichkeiten und Todesfällen“ könnte ein guter Untertitel sein.

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Hendrik Groen: Eierlikörtage.
Piper, 22,00 Euro
416 Seiten

Albert – Graphic Novel

DSCN5427„Albert“ – ein sehr persönliches Buch. Albert, geboren 1922 im Westerwald – ist die Hauptperson dieser hervorragend aufgemachten Graphic Novel. Sein Sohn Eberhard erzählt das Leben seines Vaters und der Enkel Sebastian illustrierte das Ganze.

Albert hatte keinen guten Start ins Leben und wird dann auch noch in eine Zeit und Stellung hinein geboren die auch die Kindheit nicht einfach macht.

Und man ist seiner Geschichte hier von Anfang an nah. Sie trifft einen ins Mark. Durch das persönliche ist man mittendrin und bleibt nicht im Entsetzen stecken wie es doch manchmal bei Dokus und Berichten ist.  Ich erfahre hier hautnah, unterstützt durch die starken Zeichnungen, wie sich die Zeiten und die Üblichkeiten auf ein Menschenleben auswirken. Wie schwer Kindheit und Jugend damals war. In Finsternis gehüllt, wo es keine Wahl gab und das Leben soviel Schwere und Mühsal hatte. Und dann auch noch der Krieg. Nicht Erwachsen, schon an die Front. Überall Gewalt.

dscn5424Sebastian Jung scheut sich nicht vor einem kräftigen schwarzem Strich, der auch mal viel Raum einnehmen darf. Reduziert und oft grob sind die Striche und geben wieder was erzählt wird in einer zweiten Sprache welche die Erzählung wunderbar unterstützt. Immer wieder gibt es auch private Fotos, die uns noch näher an Albert heranrücken lassen.

Erzählt wird sachlich beschreibend. Mann spürt an einigen Stellen eine Einfachheit die sich anfühlt als würde uns jemand selbst die Geschichte erzählen, ganz privat unter uns, auf der Bank vor dem Haus.

Wir dürfen Albert durch sein Leben folgen bis zum Ende. Ich muß gestehen ich habe Rotz und Wasser geheult bei der Lektüre, in 3 Happen verschlungen. Ein wunderbares Buch, so authentisch und auf eine ganz reine Art schlicht.

Wir brauchen solche Bücher um unsere Geschichte zu verstehen. Um zu verstehen was die Zeiten, die Politik, die Erziehung mit den Menschen gemacht haben. Wie wenig Raum in diesen Leben zu sein schien, wie eng der Radius. Soviel von Anfang an vorgegeben. Soviel Schmerz und sowenig Möglichkeiten einer freien Lebensgestaltung. Die Wünsche waren nicht groß – aber selbst die….

dscn5422Was für Eltern gehen aus diesen Geschichten hervor, was für Kinder folgen? Und warum wirkt die Zeit des 2. WWK immer noch in uns nach? Gesammelte Essenzen in den alten Menschen. Geschichten die nie vorbei gehen, auch wenn viele Andere folgen. Die Kindheit und Jugend kann einem keiner zurückgeben und was danach kam … es bleibt alles bis zum Ende und darüber hinaus in den Kindern und Kindeskindern. Ein Buch was genau aufzeigt wie sich Politik in jedem einzelnem Lebenslauf zeigt. Ein Mensch der einfach nur Leben wollte, seinem Wesen entsprechend, so wie Wir auch. Ein Buch was ganz klar zeigt auf was es ankommt.

Das Buch bekam den Hamburger Graphic Novel Förderpreis!

Sebastian Jung

„Albert“

mairisch Verlag

Erscheint am 1. Oktober 2016

15,00 €

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http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/lesezeichen/sebastian-jung-albert/-/id=12944736/did=18508078/nid=12944736/v0fjd6/index.html

SchriftstellerInnen sind Diebe und Vampire, ist das wahr?

DSCN2074Die Dorris Dörrie gehört aufjedenfall zu meinen Lieblingsautoren, Sie schafft es immer wieder in melancholische und depressive Leben Hoffnung zu zaubern. Immer wieder schön in Ihre Bücher einzusteigen. Ganz zu schweigen von Ihren Filmen. Da blieb mir so manches tief ins Gedächtnis geschliffen.
Das neue Buch Diebe und Vampire hab ich schon länger im Laden gesehen aber ich hab erstmal gewartet bis es in der Bücherei zu haben war, und darüber bin ich auch ganz froh, denn ich muß sagen ich mochte es nicht sonderlich. Hab es aber aus alter Traue zu Ende gelesen auch in der Hoffnung das die Geschichte die Kurve noch kriegt. Ich weiß nicht ob es eine Art ZenÜbungsstück werden sollte oder ob einfach kein richtiger Plot auftauchen wollte? Für mich wabert die ganze Story irgendwie ganz schön zäh vor sich hin.

Es geht um eine Schriftstellerin, die davon lebt, zumindest wird es nicht nur mit dem Titel so angedeutet, das Sie anderen Menschen Ihre Geschichten „wegnimmt“, Sie ihnen gar aussaugt, eben wie ein Vampir seinen Opfern das Blut. Dafür kommt die „Vampirin“ mir im Buch aber doch noch etwas zu schlappi vor. Und auch das „Opfer“ – is Sie das? wer macht Sie dazu? Hält Sie sich selbst dafür? Oder ist sie es aus unserer Sicht?, eine junge Frau, die in der bekannten Schrifstellerin (der Vampirin) eine Meisterin zu sehen glaubt, möchte gerne schreiben. Sie tut es auch irgendwie. Wir begegnen Ihr später viele Jahre später wieder, wo Sie selbst auf jüngere Schreiber trifft.

Vielelicht fehlt mir einfach eine leichte Pointe. Oder irgendwie mehr Hoffnung die sonst irgendwie am Ende eigentlich immer zu finden war in Dörries Büchern. Immer gabs da diesen Schimmer am Horizont, eine wandlung, Veränderungen, neues Leben. Ja das fehöt mir hier. Ich empfand es im grunde als zutiefst depremierend, aber vielelicht geht mir auch der Humor ab, den es vielleicht untergründig gibt? Je ne sais pas. Oder vielleicht stecke ich selbst noch zu tief drin… who knows.

Literaturen sieht das alles etwas anders. Ich bleibe dran und werd mich sicher nochmal ein älteres Dörriebuch zur Hand nehmen, ich sammel da ein wenig (gebraucht) und will mir unbedingt den neuen Film „Fukushima“ anschauen. Dooferweise läuft der nur am anderen Ende der Stadt, aber was muß das muß. Kirschblütenhanami ist einer meiner Lieblingsfilm, zum weinen schön. Liegt vielleicht an meinem Faible für das Asiatische besonders das japanische und Butho und so… Oder kennt Ihr anderes von Frau Dörrie? Habt Ihr ein Lieblingsbuch von Ihr? Schaut Ihr Euch Fukushima an? http://www.gruesseausfukushima.de/

 

 

 

Literatur des Nordens 1 von 3

Manchmal häufen sich die Dinge ganz zufällig, indem wie Sie einem eben zufallen. Dieser wunderbare Umstand faszinierte mich am Jahresende als mir 3 Bücher mit nordischem Inhalt begegneten.

Buch Nummer 1: Zwei „alte“ Frauen von Velma Wallis

4B56696D677C7C32383930353533317C7C434F50Dies ist die Ausgabe von 2011, es gibt auch eine aktuellere und zwei ältere. Es ist ein ganz kleines Büchlein, und ein schönes. Eine Geschichte aus dem Volk der Athabaskastämme, den Gwich´in. Die hier aufgeschriebene Legende ist sehr alt und wurde von einer Generation zur nächsten getragen in der alten Weise des Geschichten erzählens.

Ganz interessant zu wissen ist das Velma Wallis` Großmutter ähnliche Erfahrungen machte und Velma sich wohl deshalb der Geschichte verbunden fühlt, so sehr das sie diese für mehr Menschen zugänglich machen wollte. Velma Wallis kennt das Leben genau von welchem Sie hier berichtet. Als umherziehende Jäger in Schnee und Eis. Man ist sehr schnell mittendrin und freut sich über die Schilderungen der Natur. Trotzdem geht es um ein hartes Leben, aber auch um ein Leben in und mit den Kreisläufen der Natur.

Ich denke man kann diese Legende durchaus als Gleichnis bezeichen. Es führt auf beiden Seiten, also bei den zwei alten Frauen auf der einen und Ihrem Volk auf der anderen, zu Veränderungen, deren Weisheit dann noch Generationen später erzählt wird.

Wirklich ein schönes Büchlein an einem Winterabend. Und eine wichtige Geschichte die wir uns heute noch genauso zu Herzen nehmen können. Übrigens ein ausführliches und sehr interessantes Nachwort zur Autorin, zur Geschichte und zur Entstehung des Buches.

Hier noch ein ganz wunderbares Kommentar einer weiteren Leserin

Zwei alte Frauen

Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

128 Seiten,Gebunden (Leinen)
Piper Verlag 10 €

Elternbücher – „Vergiss mein Nicht“ und „Können Wir nicht über etwas anderes reden“

DSCN1562In „Vergiss mein nicht“ erzählt David Sieveking über die fortschreitende Demenz seiner Mutter bis hin zu Ihrem Tod. Vor längerer Zeit lief mir mal ein Trailer seines Filmes dazu über den Weg, ich glaub der Film war auch der ursprüngliche Gedanke, leider habe ich Ihn noch nicht gesehen. Ich vermute das es eine sehr schöne Doku ist. Denn wer berichtet schon so zärtlich wie ein liebendes Kind es tut. Und gerade im ersten 1/3 des Buches ist es doch ein arges Gretel dies und Gretel das. Gretel seine Mutter, die sich rapide verändert und von der alle Ärzte aber meinen es wäre nichts weiter und schon gar nicht eine Demenz.

Ich lese alles was ich zum Thema finde. Ich weiß gar nicht so genau warum. Aber ich glaube inzwischen das die Demenz verschiedene Ebenen hat und auch psychosomatische Gründe des Vergessen wollens. Demenz ist wirklich eine sehr extreme Krankheit, die alle Angehörigen und Pflegekräfte vor die größten Herausforderungen stellt. Und oftmals findet sich an ganz unerwarteter Stelle Frieden. So wie im Buch der Vater von David und Ehemann Gretels für Sie in dieser Zeit da ist obwohl Sie beide eine eher offene Ehe führten. Es kommt zu ganz bezaubernden Momenten, die aber auch wehmütig machen weil man sie allen früher gewünscht hätte und trotzdem machen auch diese Momente die Krankheit ertragbarer.

Ab der Mitte hat mich das Buch dann wirklich gepackt und ging mir sehr nah. Manchmal dachte ich an „Der alte König im Exil“ wo aber in einer ganz anderen Art und Weise erzählt wird. Eigentlich in einer Art die mir besser gefiel. Aber es sind 2 ganz verschiedene Geschichten, vor allem dadurch verschieden das die Leben der Kranken so unterschiedlich waren und in ganz verschiedenen Milieus spielten, von daher läßt es sich auch nicht so ganz vergleichen. Was mir besonders gut gefallen hat das waren die Bilder. Und deshalb würde ich mir auch sofort den Film anschauen wenn er irgendwo läuft.

DSCN1563Meine Großtante litt auch an einer Demenz und verwandelte sich zusehends in einen anderen Menschen in dieser Zeit. Auch bei Ihr wurde nicht rechtzeitig diagnostiziert, so aber konnte Sie wenigstens zu Hause sterben. Mithilfe eines Pflegedienstes kam Sie noch lange recht gut zurecht. Ich selber fühlte mich heillos überfordert von der ganzen Situation und habe bis heute ein schlechtes Gewissen nicht mehr dagewesen zu sein. Ich konnte sehr schlecht damit umgehen. Umso mehr bewundere ich auch den Umgang der Familie hier im Buch.

Bei meiner Großtante war es ähnlich wie bei Gretel, das so eine ganz eigene Zartheit zu Tage trat, die fast ein wenig kindlich wirkte und dabei sehr authentisch war. Und manche Eigenheiten verschwanden ganz, so wie auch bei Gretel. So als zählten Sie nicht mehr im Land der Demenz, als wären  Sie nicht mehr nötig. Es ist schon immer wieder erstaunlich, finde ich, wie zum Lebensende hin die Menschen weniger werden aber auch mehr in Ihrer Essenz sind. Das hat etwas von einer sanften Kraft die sehr viel Liebe zulässt und auch zeigt.

„Vergiss mein nicht“

von David Sieveking

Herder Verlag

240 Seiten, 17,99 €

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hier noch ein Link zum Thema: http://buhl-coaching.de/author/2015/12/06/demenz-ist-keine-krankheit-demenzkranke-sind-die-fluechtlinge-unserer-gesellschaft/

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Ein anderes Buch zum Thema „das Altern der Eltern“ lief mir zufällig beim Rowohlt Verlag über den Weg und auf meine Anfrage hin bekam ich ein verkürztes Leseexemplar zugesandt. Die Autorin Roz Chast ist eine bekannte Illustratorin von Cartoons im weltberühmten „New Yorker“. DiDSCN1561e Geschichte „Können wir nicht über was Anderes reden?“ greift viel weiter aus als „Vergiss mein nicht“; ist eine typisch jüdisch-amerikanische würde ich sagen, oder vielleicht auch nur eine typische Geschichte über Menschen mit jüdischem Hintergrund. Damit meine ich, das sich viel mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt wurde, zumindest so, das auch was über die Vorfahren, alte Geschichte und sogar eigentliche Familiengeheimnisse bekannt ist. Ich liebe diese Art sehr. Bei mir selbst bedauere ich immer wieder die blinden Flecken die schon bei der Herkunft meiner Großeltern auftauchen – was vielleicht auch was ziemlich deutsches ist, ich bin mir nicht ganz sicher.

Der Zeichenstil ist wunderbar schnoddrig und passt hervorragend zur Geschichte, die an dem Punkt einsetzt als Roz´Eltern schon an die 90 Jahre alt sind und Roz Chast Sie das erste mal nach über 10 Jahren in Brooklyn besucht. Beide Eltern werden bis ins Detail wunderbar beschrieben mit Ihren Eigenheiten und Macken. Die Mutter streng, praktisch und der Vater meistens irgendwie hilflos und leicht panisch. Und dann wird die Mutter, die eigentlich alles praktische im Haushalt macht auch noch krank, und muß ins Krankenhaus. Wohin nun mit dem Vater?

Roz Chast erzählt echt mit viel schwarzem Humor und bringt alle Ihre Stimmungen wirklich genial rüber, schon allein in Ihren Zeichnungen. Trotzdem lese ich die Tragik zwischen den Zeilen, die ich allerdings auf mein Wissen über die Nachwirkungen von schlimmen Ereignissen auf das weitere Leben zurückführe. Ich weiß nicht ob das jeder so rausliest. Psychologisch betrachtet scheint mir vieles an den Eigenheiten auf Traumafolgen zurückzuführen zu sein. Und da hier nicht drumrum geredet wird sondern alles auf den Tisch kommt, obwohl wohl ein Motto der Familie ist: „Und wenn wir nicht drüber reden, passiert es auch nicht“, läßt sich das auch einfach so lesen. Dem vorhandenen Drama begegnet die Tochter und Autorin mit Pragmatismus. Was bleibt Ihr auch anderes übrig. Ich denke in diesem Buch konnte Sie vieles auch verarbeiten. Einfach ist Ihre Geschichte, sind Ihre Eltern, nicht, aber Sie findet einen tollen Weg das alles zu erzählen. Und selbst das tragische wird unterhaltsam. Ich kann natürlich nur für den Bereich der Geschichte sprechen den ich kenne, das sind 81 Seiten von 236. Ich bin aufjedenfall sehr neugierig wie die Geschichte weitergeht und mag den Stil von Roz Chast sehr. Und auch die verrückten Eltern wachsen einem irgendwie ans Herz.

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„Können wir nicht über was Anderes reden?“

von Roz Chast, Rowohlt Verlag

236 Seiten im Original, für 19,95 €

 

Nachtrag 23.2.2016: Nun habe ich den Vollständigen Band in der Bücherei bekommen und die besten Sachen sind in der Leseprobe nicht enthalten, also von mir volle Empfehlung für http://www.rowohlt.de/hardcover/roz-chast-koennen-wir-nicht-ueber-was-anderes-reden.html! Es wird echt Hardcore, und ich finde das Buch sehr mutig, sehr gut!

Hier noch ein interessanter Text zum Thema Demenz

http://www.bzw-weiterdenken.de/2016/03/das-andere-in-der-demenz/

Mitsingbuch für Demenzkranke

Die Zeit, die Zeit – Martin Suter

DSC05140Auch in den letzten Tagen beendet. Ich arbeite mich so nach und nach durch alle Suterromane (nur nicht die BusinessStorys). Akribisch erzählt wie man es so kennt vom Herrn Suter. Trotz der Details und langwierigen Vorbereitungen der Figuren ein spannendes kleines Büchlein. Kann mir das sehr gut als Verfilmung vorstellen. Und mal ein Ende was mir richtig gut gefallen hat.

Es geht um die Zeit bzw. darum das es die Zeit eigentlich nicht gibt – diese Vorstellung kann ich gut verstehen, und das wird hier auch recht plausibel dargestellt. Die Hauptfiguren: ein jüngerer und ein älterer Mann die beide Ihre Frauen verloren haben… mehr verrate ich jetzt nicht, einfach lesen 🙂

Mein Lieblingsbuch von Ihm „Die dunkle Seite des Mondes“ schlägt es aber nicht.

Wir sind doch Schwestern

DSC05063Den Schmöker hat mir die liebe Mina von Aig an taigh ausgeliehen – Sie macht übrigens über das Pfingswochenende einen Lesemarathon und man kann mitmachen.

400 volle Seiten, das is ja so mein Ding. 🙂

Es geht um das Leben 3er Schwestern und um den 100. Geburtstag der Einen herum entspinnen sich die Lebensgeschichten der 3 Frauen. Es gibt immer wieder Zeitsprünge von heute zu gestern, beginnend mit dem Jahr 1945. Erst war ich deshlab ein bisschen enttäuscht weil ich grade zuviel mit den Themen des 2. Wk´s beschäftigt bin und dachte och nö nich noch son Thema, aber dann wars ok. Denn das Buch ist gute Unterhaltungsliteratur. Aber auf 400 Seiten für 3 Leute ist der Platz natürlich begrenzt und so wird manches eben weniger ausgiebig erzählt um den Höhepunkten dann etwas mehr Raum geben zu können. Auch wenn sich alles um den 100. Geburtstags Gertruds lang hangelt ist die Hauptperson doch eher Katty. Ihren Namen konnte ich am Schluß schon nicht mehr „hören“. Katty hier Katty dort. Ansonsten sind die 3 Schwestern doch auch ein Buch über die Emanzipation die im Leben so und so passieren kann. Und auch ein Zeugnis dafür wie unterschiedlich sich Wege entwickeln können. Am schönsten sicherlich das alle 3 Schwestern eben diesen besonderen Geburtstag feiern können und nebenbei auch noch Ihre Beziehung aufarbeiten und Frieden schließen mit sich und Ihrer Geschichte.

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#light #visitor - ein Lichtkolibri? #abendlicht #pflanzenliebe #pflanzenfotografie #baum #nature #beautyofnature #friedhof Wenn der Kater kuscheln will, ist erst mal Pause mit stricken Portrait of Daisy, #pflanzenliebe #pflanzenfotografie #gänseblümchen #blumenwiese #heilpflanzen "eine Poesie des Fuck you" #feiertagslektüre #untenrumfrei #margaretestokowski #rowohlt #instaread #bücherliebe #takeyourpower#fightforyourright Mit den kurzen Reihen der Ärmel geht es irgendwie viel langsamer vorwärts, dafür ist der Farbverlauf sehr schön #stricken #strickjacke #farbverlaufsgarn #farbfetischistin #colourwork
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