Japanbücher – Teil 2 von 5

Die Ladenhüterin von Sayaka Murata – Japan live, Alltag im Konbini

Der Titel ist ein herrliches Wortspiel – ich weiß allerdings nicht ob es im japanisch Originaltitel auch so hin haut, ich mag so was ja gern. Die Ladenhüterin hütet das Konbini, ein japanischer 24h Supermarkt, in welchem Angestellte aus der Umgebung auch ihr Mittagsessen herbekommen. Ziemlich gut beschrieben, ich zumindest bekam gleich ein Gefühl dafür.
Außerdem ist die junge Frau eine Ladenhüterin in dem Sinn, daß sie schon über das übliche gesellschaftliche Alter zum heiraten hinaus ist, und da auch nichts in Aussicht steht. Die Familie und die wenigen Bekannten bedenken Keiko, so ihr Name, deshalb schon immer reichhaltig mit Ratschlägen. Die sie sich fast staunend anhört.

Keiko Furukura berichtet persönlich von ihrem Alltag im Verkaufsshop und ihren sensiblen Beobachtungen. Sie hat einen echten Blick für Details und hört auch ganz genau hin. Sie geht vollkommen auf in ihrem Konbini, obwohl sie nur als Aushilfe angestellt ist. Eigentlich ist das ganze nämlich ein Studentenjob, sie hat ihn aber schon viele Jahre und ist damit eine echte Ausnahme.
Wir erfahren einiges aus ihrer Kindheit, über ihre Familie, oder z.b. das sie weniger emotional war als andere Kinder und einen gewissen Hang zur „Gewalttätigkeit“ – oder ist es Pragmatismus, fehlendes Mitgefühl? hatte.
Sie merkt schon als Kind, daß die Menschen auf sie irritiert reagieren und beginnt von da an sich besser anzupassen, beobachtet ganz genau. Übernimmt sogar Stimme und Betonung, aber auch Verhaltensweisen.
Durch ihre Beobachtungen führt sie uns die moderne Gesellschaft in Japan vor, die nicht viel anders ist als auch in Deutschland. Es gibt viele Normen, und nur wenn man diesen folgt ist man Normal. Die Protagonistin z.b. ist der Norm nach eigentlich viel zu alt um in diesem Supermarkt zu arbeiten und noch nicht verheiratet zu sein. Das Ding ist, sie strebt nichts anderes an. Ihre Arbeitsstelle ist einfach ihr Ding. Dort gibt es klare Regeln und Abläufe die Sie aus dem FF beherrscht und denen Sie folgt als wären es Tanzschritte. Im Grunde lebt sie für den Konbini.
Sie hat aber durchaus noch Kontakte zu alten Bekannten aus der Schulzeit und zu ihrer Familie. Die Urteile die ihr entgegen schwappen verunsichern Sie in soweit das Sie überlegt was Sie tun kann um nicht weiter aufzufallen und weitere Urteile oder komische Blicke auf sich zu ziehen. Auch wünscht Sie sich das ihre Familie glücklich ist und sich keine Sorgen macht.

So klar wie hier im Buch diese ganzen Normen und Verhaltensweisen angesprochen werden, auch von den einzelnen Darstellern, das hat schon etwas extremes. Die Vorstellung nur wenn der andere dem entspricht was ich von ihm/ihr erwarte, nur dann ist es gut, ist eine Aussage die rüberkommt. Die gesellschaftliche Norm steht über dem individuellen Lebensvorstellungen.

Keiko versucht auch dem zu entsprechen, ziemlich ernsthaft sogar, aber das tut sie nicht für sich.

Ein weiteres interessantes Thema, welches durch die Beobachtungen Keikos hervorspringt ist die Ähnlichkeit von Gruppen untereinander. die sich so ergeben oder nach und nach durch den täglichen Umgang entstehen. Ja, alles hat eben so seine Wirkung auf uns, die Räume, die Menschen, alles was uns so umgibt. Umso schöner finde ich wie Keiko doch trotz allem Sie selbst bleibt. Eine schöne und auch etwas schräge Geschichte mit einer besonderen Heldin.

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Die Ladenhüterin von Sayaka Murata
Übersetzer/in
Ursula Gräfe

18,00 € , Aufbau Verlag

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Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman „Die Ladenhüterin“ gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/videos/sayaka-murata-roman-die-ladenhueterin-100.html

 

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Pirasol

Pirasol – das ist im Roman eine alte Villa. Das Zuhause der alten Gwendolin. Sie lebt schon eine ganze Weile hier. Früher mit dem viel älterem Ehemann und dem Sohn, der eine inzwischen tot, der andere lange fort. Die alte Dame ist aber nicht allein. Sie hat sich, wie schnell klar wird leider, auf eine Mitbewohnerin eingelassen. die Mitbewohnerin ist um einiges Jünger und schaltet und waltet sehr bestimmend. Gwendolin fühlt sich überhaupt nicht wohl damit.
Dieser Geschichtenstrang zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Buch und ist ein ziemlich angespannter Strang, mir wird am Schluß schon ganz hibbelig, so gespannt bin ich auf die Auflösung.
In den Zeiten dazwischen erinnert sich Gwendolin an ihre Zeit die Sie in Pirasol verbracht hat, aber auch an ihre Kindheit und Jugend im Krieg und vor allen den Nachkriegsjahren.

„…und sich gewundert hatte, warum er nur Papier ohne Zeilen benutzte und sich weigerte, seine Schrift auf gezogenen Linien abzulegen.“

Die ganze Geschichte hat etwas schleifendes, so wie das Leben Gwendolin geschliffen hat, wird auch der Leser geschliffen. Es fiel mir schwer das mitzumachen und durchzuhalten. Denn zwischendurch stopp es kurz und dann wird neu angesetzt. alles wird mehrfach aufgegriffen, jedesmal geht es ein Stück tiefer und Häppchenweise erfahren wir was in der Vergangenheit passiert ist.
Erfahren wie Gwendolin ihre Eltern verlor und in welcher bangen Hoffnung sie nach dem Krieg grade so überlebt.
Es scheint Sie ist erstarrt durch das was Sie schon früh erlebt hat. In ihrer Ehe wird das Ihr und dem gemeinsamen Sohn zum Verhängnis.
Was macht man nun mit diesen Erfahrungen, die einen still werden ließen. Was macht man jetzt im hohen Alter mit diesem Leben?

„… und Gwendolin spürte, wie sie sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete: die Einsamkeit, wenn man andere Menschen zueinander geführt hatte.“

Susan Kreller hat eine feine angenehme Sprachmelodie in den Roman gewirkt, immer wieder webt sie kleine Poesien sein, die viel Atmosphäre erzeugen. Eine echte Stärke des Romans. Er hat mich sehr berührt und so manches mal sind mir die Tränen gekommen, was mir eher selten beim lesen passiert.
Beim schleifenden der Geschichte bin ich mir nicht scher ob es ein ausgefuchstes Stilmittel ist, welches uns immer mehr hineinziehen soll oder ob es nicht eine Schwäche in der Erzählung ist? Zwischendurch empfand ich es schon durchaus auch als lästig und hätte mir gewünscht das die Dinge mit einem mal „erledigt“ werden und nicht zwei-, dreimal wieder angefasst werden um dann doch noch wieder neues zu offenbaren. Ja ich denke man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und es hätte ihr vielleicht auch gut getan. Aber ich glaube dann wäre nicht diese besondere Stimmung zu Tage getreten. Welches Leben läuft schon gerade? Was gelingt schon im ersten Anlauf? Und ja, wie vieles gelingt nie?

„..und der das, was war, in aller Lautstärke vergaß.“

Worüber ich froh war, das war das versöhnliche Ende, welches ich Gwendolin auch aus tiefstem Herzen gegönnt habe.
Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Wermutstropfen, auch wenn es die Geschichte von Gwendolin ist, dreht sich doch sehr viel mal wieder um die Männer, erst den Vater, dann den Ehemann und später den Sohn. Die Frauen bleiben zu oft Randfiguren, sehr schade.

„Er lachte, weil es seine Art zu weinen war … und wie sie selbst weinte, indem sie nicht mehr weinte“

Näheres zum Inhalt:

Das Mädchen was von einer Nachbarin gerettet wird, unter Umständen die ihr das fühlen abgewöhnen. Umstände die viel Kraft kosten um sie zu überleben. Der Vater der aus dem Krieg heimkehrt, mit dem das Mädchen in seiner Abwesenheit all die Bücher geteilt hat, die eigentlich längst verbrannt sein sollten. Bücher die das Mädchen nie vergessen wird, und die auch ihr Sohn ganz heimlich entdeckt, viel viel später. Bücher spielen eine große Rolle und haben sehr viel zur Rettung beigetragen – ich kenne das. Bücher die einen sich selbst wiederfinden lassen. Bücher die trösten oder neue Welten zeigen. Bücher die ein Heimatgefühl oder Geborgenheit schenken. Bücher auch in Form von Buchläden als Zufluchtsorten und Buchhändlern als Vertraute.
In der Erstarrung und Einsamkeit findet Gwendolin ein aufgewecktes paar graue Augen und lässt sich davon einnehmen. Lernt das Haus Pirasol kennen und verliebt sich sofort. Die Ehe wird ein Alptraum, die grauen Augen werden hart und bitter und lassen besonders am gemeinsamen Sohn alle Bösartigkeiten und Demütigungen aus. Strafen Gwendolin mit einer Kälte die Sie weiter in einer stummen Erstarrung verharren lässt. Der Widerstand so zart und leise das er nur für sehr kleine Glücksmomente reicht. Für ihren Sohn reicht es nicht.

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Pirasol
Susan Kreller

Piper/Berlin Verlag
Hardcover 20,- €  / Taschenbuch 11,- €

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Ein Auszug aus dem Roman erhielt den GWK- Förderpreis 2014
Susan Kreller: Geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin

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zum reinhören
https://www1.wdr.de/kultur/buecher/susan-kreller-pirasol-104.html

Der Sommer ihres Lebens

Eine Amsel. Sie singt ihr Lied. Und dann begegnen wir Frau Wendt. Vor dem Speisesaal. Sie macht sich Gedanken über Zeit und Ewigkeit und überlegt wohin Sie muß.
Frau Wendt läuft an ihrem Rollator durchs Haus und nach draußen. Immer wieder verschwimmt das Jetzt und Erinnerungen tauchen auf. Wir dürfen dann das „Mädle“ kennenlernen, welches in Mathe so viel besser wie die Buben war.
Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch. Es erzählt soviel über diese Geschichte und die Erzählweise. Gerda wie sie springt und Gerda wie sie nur noch langsam mit dem Rollator vorwärts kommt. Mir schnürt es ein wenig die Kehle zu.

Es wird schnell klar das Gerda eher eine Außenseiterin war, was mich persönlich gleich mit ihr verbindet, weil es mir auch so ging. Und Gerda hat eigene Interessen und weiß sich zu beschäftigen.
In kleinen dunklen Kästchen erzählt die Stimme aus dem Off…  Gerda Wendt die sich erinnert, …sich erinnern will.

Mein nächstes Lieblingsbild: Gerda mag Zahlen und Sterne, von denen sie sagt sie sind ihr ähnlich… sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht. *Schluck*
Ist das nicht wundervoll getroffen, dies Spiegelung in der gedachten Fensterscheibe?
Gerda beginnt einen vielversprechenden Weg und doch, wie bei sovielen Frauen, gibt es die Institution Ehe und ein Kind. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.
Ich möchte nicht viel mehr verraten. Ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Eine Anmerkung ist mir noch wichtig, mir gefällt das das Altenheim neutral bis positiv dargestellt ist.
Mein letztes Lieblingsbild zeige ich nicht, es ist das mit den vielen „i“´s.
Dieses Grafik Novel berührt sehr. Liegt es am sentimentalen der Erinnerungen – wie es eben Erinnerungen so an sich haben? An der „schwere“ und den „Umständen“ des Alterns? Oder weil ich persönlich Verbindungen ziehe? An der eigenen Einstellung zum Tod, der ja unweigerlich folgt? Irgendwann ist es zu Ende. Für jeden von uns. Wir treffen Entscheidungen. Dinge nehmen ihren Lauf und wie Gerda sagt: „am Ende bleibt nur eine Möglichkeit übrig, eine Wirklichkeit.“
Die Farben und Zeichnungen ziehen mich ganz schön hinein in die Geschichte. Aber auch die Geschichte selbst berührt mich sehr. Es bleibt ein Kloß im Hals. Ein Menschenleben.

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Der Sommer ihres Lebens

,

80 Seiten, farbig, 19 x 29 cm, Hardcover

20,- €,  Reprodukt

Ein untadeliger Mann

Gardam_24924_mit_BS_MR1.inddDas Buch war mir gleich sympatisch, wahrscheinlich weil es so schön britisch ist (ich träume heimlich von der grünen Insel, einem Cottage und dem Garten von Highgrove). Und ja, für meinereiner ein Buch zum reinknien. Eins wo man sich Abends zur Lesezeit so richtig schon reinkuscheln kann.

Eine herrliche Geschichte die sich da vor dem Lesenden entfaltet – das Titelbild schien mir dann auch recht brav für den Inhalt. Und Feathers, um den es in diesem Buch geht war lang nicht so brav wie es anderen erscheint. Wir erfahren über Ihn, den Anwalt, ein Urgestein der Juristenszene des Empire, viel über seine Jugend und ein wenig über seine letzte Zeit. Und nebenbei einiges über die britische Geschichte rund um den 2. Weltkrieg. Insgesamt erstaunlich wild, was der Zeit seiner Geburt geschuldet ist. Feathers wurde früh Halbweise, die Mutter starb kurz nach der Geburt. Er kam in den Kolonien, dem heutigen Malaysia, auf die Welt kam und lebte dort die ersten Jahre als freies Kind bei seiner Amme, dann dort herausgerissen wurde und zur Erziehung nach England geschickt… ich will nicht zuviel verraten. Eins sei gesagt ein spezieller Typ mit einer wirklich spannenden Lebensgeschichte. Mit Stil, Haltung und noch echten Manieren aber auch einem recht festgefügtem Weltbild, mit welchem er so manchem lieber mit Ignoranz begegnet, über die ich oft schmunzeln mußte. Schon eine echte Type der Edward Feathers – diesen Ausdruck würde er natürlich nicht akzeptieren.

Für mich auch besonders schön die detailierten Beschreibungen die gleich Bilder in meinem Kopf entstehen lassen, als würde mit im Raum stehen und alles beobachten, inklusive Gedankenlesen.

Und nun hab ich herausgefunden das dieses Buch eine Fortsetzung hat, jipiii – da werd ich nächstesmal gleich mal in der Bücherei schauen.

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Jane Gardam

Ein untadeliger Mann

Hanser Verlag, 22,90 €

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stl0445gardam_805492kJane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren. Als einzige Schriftstellerin wurde sie gleich zweimal mit dem Whitbread/ Costa Award ausgezeichnet. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im Alter von 43 Jahren, nachdem ihr drittes Kind eingeschult war.

Mit Ein untadeliger Mann stand sie auf der Shortlist des Orange Prize und mit Letzte Freunde auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

Foto: Jeremy Sutton-Hibbert

Baba Dunjas letzte Liebe – Alina Bronsky

dscn7718Baba Dunja lebt in einem kleinen Dorf. Ihr Heimatdorf, in welches Sie nach Tschernobyl zurückkam und mit ihr noch ein paar alte Leute, die die Verstrahlung nicht mehr fürchten. Eine kleine Idylle. Hauptsächlich verlassen die Menschen sich hier auf die Selbstversorgung, es ist beschwerlich in den nächsten größeren Ort zu kommen und in das Dorf kommt im allgemeinen keiner, weil die Menschen Angst vor der Strahlung haben. Nur manchmal kommen Wissenschaftler und wollen von allem Proben nehmen, den Früchten im Garten und dem Blut der Einwohner.

Das kleine Dorf ist eine eingeschworene Gemeinschaft, auch wenn sich nicht alle so besonders gut verstehen. Wenns hart auf hart kommt unterstützt man sich. Und generell macht man das Beste aus allem. Im Sommer ist es im Grunde genommen auch sehr schön. Es ist ruhig und grün, und die Zeit gehört den Menschen und nicht umgekehrt.

Aber Baba Dunja hat eine Tochter und eine Enkelin. Die Enkelin hat sie noch nie gesehen und das macht sie sehr traurig – Sie erinnert sich an früher als die Enkel der Alten in den Ferien immer ins Dorf kamen und ihre Lebendigkeit mitbrachten, aber sie weiß es wäre nicht gut. Für junge Menschen ist es zu gefährlich, das mit der Strahlung. An dieser Stelle fühle ich mich ganz verbunden mit der alten Baba Dunja, auch ich hab Bilder in meinem Kopf von einer anderen Welt und wie es eigentlich sein müßte, und lebe doch in einer neuen Ordnung, in der man sich zurecht wurschtelt so gut es eben geht.

Baba dunja ist aber trotz dem Herzschmerz eine praktische und lebensnahe Person und so hat sie von den Anderen auch den Respekt. Als eines Tages Fremde ins Dorf kommen ändert sich alles.

Eine schöne Geschichte, ein liebevolles Buch, ich mochte es sehr. Trotz der teilweise schweren Themen erzählt Alina Bronsky auf eine muntere Art. Eine gute Geschichtenerzählerin. Mich erinnert das Buch an die Werke von Marina Lewycka, die es in ihren Büchern auch immer wieder schafft ernste Themen in eine unterhaltsame Geschichte mit wunderbaren Figuren einzubetten. Ich hab auch schon gleich das nächste Buch von Alina Bronsky aus der Bücherei geholt.

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Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte Liebe

Kiepenheuer&Witsch, 16,- €

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Alina Bronsky

Alina Bronsky, Köln, 14.02.2013, Fotografin Bettina Fürst-Fastré

»Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« und »Nenn mich einfach Superheld«. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft.

Fotografin: Bettina Fürst-Fastré

 

 

Eierlikörtage

groenHendrik Groen lebt in einem Altersheim und möchte einfach mal was raus lassen und fängt deshalb an ein Tagebuch zu führen. Ein paar Tage später gesteht er das er sich heimlich einen Erfolg als Whistleblower wünscht mit seinen Aufzeichnungen. Im Heim ist nämlich nicht alles so toll und die Leiterin ein scharfer Hund und ärgert die Bewohner mit allerlei finsteren Ideen und Vorschriften.

Hendrik Groen ist ein sehr genauer Mensch und sehr zuverlässig, jeden Tag notiert er etwas über seinen Tag. Er hat Humor und neigt ein wenig zum Sarkasmus, und bleibt bei der Wahrheit. Seien es Probleme mit anderen Bewohnern, mit Krankheiten oder insgesamt dem Alt werden – er läßt es nicht unerwähnt. Alt werden ist echt nicht einfach, das ist einem spätestens nach diesem Buch klar. Und auch wenn Hendrick Groen wirklich Humor hat, bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken.

Wenn man im Heim wohnt fallen viele Freiheiten weg, manchmal aus Sicherheitsgründen und manchmal wohl damit es die Heimleitung einfacher hat. Zufälligerweise ist meine Mutter auch Heimleiterin und ich weiß Sie ist auf keinen Fall so wie diese aus „Eierlikörtage“.

Zum Glück hat Herr Groen Freunde, und so ist er allem Schlamassel nicht allein ausgeliefert. Die Clique gründet einen Club auch mit dem Ziel dem Leben noch ein wenig Freude abzugewinnen und sich nicht mit der täglichen Langeweile im Heim abzufinden.

Es liest sich langsam. Tag für Tag. Schritt für Schritt, so wie Hendrik Groen vermutlich spazieren geht wenn das Wetter passt. Ich denke für Pflegekräfte und ähnliche Berufe sollte es auf jedenfall auf der Leseliste stehen. Ich empfinde das Buch als Ehrlich und klar, einfach zu lesen war es aber deshalb nicht für mich. Was vielleicht auch damit zu tun hat das ich selber Angst davor habe alt zu werden und in ein Heim zu müssen – ich glaube ohne diesen Club und Hendriks Freunde wäre es ein ziemliches Elend.

Wer nach Titelbild und Klappentext denkt das es ein humoristisches Werk ist oder abenteuerlich wie „der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg“ wird enttäuscht werden. Hier finden wir viel eher Realität von Hendrik Groen einzigartig, schlicht und klar berichtet. „Von Feierlichkeiten und Todesfällen“ könnte ein guter Untertitel sein.

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Hendrik Groen: Eierlikörtage.
Piper, 22,00 Euro
416 Seiten

Albert – Graphic Novel

DSCN5427„Albert“ – ein sehr persönliches Buch. Albert, geboren 1922 im Westerwald – ist die Hauptperson dieser hervorragend aufgemachten Graphic Novel. Sein Sohn Eberhard erzählt das Leben seines Vaters und der Enkel Sebastian illustrierte das Ganze.

Albert hatte keinen guten Start ins Leben und wird dann auch noch in eine Zeit und Stellung hinein geboren die auch die Kindheit nicht einfach macht.

Und man ist seiner Geschichte hier von Anfang an nah. Sie trifft einen ins Mark. Durch das persönliche ist man mittendrin und bleibt nicht im Entsetzen stecken wie es doch manchmal bei Dokus und Berichten ist.  Ich erfahre hier hautnah, unterstützt durch die starken Zeichnungen, wie sich die Zeiten und die Üblichkeiten auf ein Menschenleben auswirken. Wie schwer Kindheit und Jugend damals war. In Finsternis gehüllt, wo es keine Wahl gab und das Leben soviel Schwere und Mühsal hatte. Und dann auch noch der Krieg. Nicht Erwachsen, schon an die Front. Überall Gewalt.

dscn5424Sebastian Jung scheut sich nicht vor einem kräftigen schwarzem Strich, der auch mal viel Raum einnehmen darf. Reduziert und oft grob sind die Striche und geben wieder was erzählt wird in einer zweiten Sprache welche die Erzählung wunderbar unterstützt. Immer wieder gibt es auch private Fotos, die uns noch näher an Albert heranrücken lassen.

Erzählt wird sachlich beschreibend. Mann spürt an einigen Stellen eine Einfachheit die sich anfühlt als würde uns jemand selbst die Geschichte erzählen, ganz privat unter uns, auf der Bank vor dem Haus.

Wir dürfen Albert durch sein Leben folgen bis zum Ende. Ich muß gestehen ich habe Rotz und Wasser geheult bei der Lektüre, in 3 Happen verschlungen. Ein wunderbares Buch, so authentisch und auf eine ganz reine Art schlicht.

Wir brauchen solche Bücher um unsere Geschichte zu verstehen. Um zu verstehen was die Zeiten, die Politik, die Erziehung mit den Menschen gemacht haben. Wie wenig Raum in diesen Leben zu sein schien, wie eng der Radius. Soviel von Anfang an vorgegeben. Soviel Schmerz und sowenig Möglichkeiten einer freien Lebensgestaltung. Die Wünsche waren nicht groß – aber selbst die….

dscn5422Was für Eltern gehen aus diesen Geschichten hervor, was für Kinder folgen? Und warum wirkt die Zeit des 2. WWK immer noch in uns nach? Gesammelte Essenzen in den alten Menschen. Geschichten die nie vorbei gehen, auch wenn viele Andere folgen. Die Kindheit und Jugend kann einem keiner zurückgeben und was danach kam … es bleibt alles bis zum Ende und darüber hinaus in den Kindern und Kindeskindern. Ein Buch was genau aufzeigt wie sich Politik in jedem einzelnem Lebenslauf zeigt. Ein Mensch der einfach nur Leben wollte, seinem Wesen entsprechend, so wie Wir auch. Ein Buch was ganz klar zeigt auf was es ankommt.

Das Buch bekam den Hamburger Graphic Novel Förderpreis!

Sebastian Jung

„Albert“

mairisch Verlag

Erscheint am 1. Oktober 2016

15,00 €

***

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http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/lesezeichen/sebastian-jung-albert/-/id=12944736/did=18508078/nid=12944736/v0fjd6/index.html

SchriftstellerInnen sind Diebe und Vampire, ist das wahr?

DSCN2074Die Dorris Dörrie gehört aufjedenfall zu meinen Lieblingsautoren, Sie schafft es immer wieder in melancholische und depressive Leben Hoffnung zu zaubern. Immer wieder schön in Ihre Bücher einzusteigen. Ganz zu schweigen von Ihren Filmen. Da blieb mir so manches tief ins Gedächtnis geschliffen.
Das neue Buch Diebe und Vampire hab ich schon länger im Laden gesehen aber ich hab erstmal gewartet bis es in der Bücherei zu haben war, und darüber bin ich auch ganz froh, denn ich muß sagen ich mochte es nicht sonderlich. Hab es aber aus alter Traue zu Ende gelesen auch in der Hoffnung das die Geschichte die Kurve noch kriegt. Ich weiß nicht ob es eine Art ZenÜbungsstück werden sollte oder ob einfach kein richtiger Plot auftauchen wollte? Für mich wabert die ganze Story irgendwie ganz schön zäh vor sich hin.

Es geht um eine Schriftstellerin, die davon lebt, zumindest wird es nicht nur mit dem Titel so angedeutet, das Sie anderen Menschen Ihre Geschichten „wegnimmt“, Sie ihnen gar aussaugt, eben wie ein Vampir seinen Opfern das Blut. Dafür kommt die „Vampirin“ mir im Buch aber doch noch etwas zu schlappi vor. Und auch das „Opfer“ – is Sie das? wer macht Sie dazu? Hält Sie sich selbst dafür? Oder ist sie es aus unserer Sicht?, eine junge Frau, die in der bekannten Schrifstellerin (der Vampirin) eine Meisterin zu sehen glaubt, möchte gerne schreiben. Sie tut es auch irgendwie. Wir begegnen Ihr später viele Jahre später wieder, wo Sie selbst auf jüngere Schreiber trifft.

Vielelicht fehlt mir einfach eine leichte Pointe. Oder irgendwie mehr Hoffnung die sonst irgendwie am Ende eigentlich immer zu finden war in Dörries Büchern. Immer gabs da diesen Schimmer am Horizont, eine wandlung, Veränderungen, neues Leben. Ja das fehöt mir hier. Ich empfand es im grunde als zutiefst depremierend, aber vielelicht geht mir auch der Humor ab, den es vielleicht untergründig gibt? Je ne sais pas. Oder vielleicht stecke ich selbst noch zu tief drin… who knows.

Literaturen sieht das alles etwas anders. Ich bleibe dran und werd mich sicher nochmal ein älteres Dörriebuch zur Hand nehmen, ich sammel da ein wenig (gebraucht) und will mir unbedingt den neuen Film „Fukushima“ anschauen. Dooferweise läuft der nur am anderen Ende der Stadt, aber was muß das muß. Kirschblütenhanami ist einer meiner Lieblingsfilm, zum weinen schön. Liegt vielleicht an meinem Faible für das Asiatische besonders das japanische und Butho und so… Oder kennt Ihr anderes von Frau Dörrie? Habt Ihr ein Lieblingsbuch von Ihr? Schaut Ihr Euch Fukushima an? http://www.gruesseausfukushima.de/

 

 

 

Literatur des Nordens 1 von 3

Manchmal häufen sich die Dinge ganz zufällig, indem wie Sie einem eben zufallen. Dieser wunderbare Umstand faszinierte mich am Jahresende als mir 3 Bücher mit nordischem Inhalt begegneten.

Buch Nummer 1: Zwei „alte“ Frauen von Velma Wallis

4B56696D677C7C32383930353533317C7C434F50Dies ist die Ausgabe von 2011, es gibt auch eine aktuellere und zwei ältere. Es ist ein ganz kleines Büchlein, und ein schönes. Eine Geschichte aus dem Volk der Athabaskastämme, den Gwich´in. Die hier aufgeschriebene Legende ist sehr alt und wurde von einer Generation zur nächsten getragen in der alten Weise des Geschichten erzählens.

Ganz interessant zu wissen ist das Velma Wallis` Großmutter ähnliche Erfahrungen machte und Velma sich wohl deshalb der Geschichte verbunden fühlt, so sehr das sie diese für mehr Menschen zugänglich machen wollte. Velma Wallis kennt das Leben genau von welchem Sie hier berichtet. Als umherziehende Jäger in Schnee und Eis. Man ist sehr schnell mittendrin und freut sich über die Schilderungen der Natur. Trotzdem geht es um ein hartes Leben, aber auch um ein Leben in und mit den Kreisläufen der Natur.

Ich denke man kann diese Legende durchaus als Gleichnis bezeichen. Es führt auf beiden Seiten, also bei den zwei alten Frauen auf der einen und Ihrem Volk auf der anderen, zu Veränderungen, deren Weisheit dann noch Generationen später erzählt wird.

Wirklich ein schönes Büchlein an einem Winterabend. Und eine wichtige Geschichte die wir uns heute noch genauso zu Herzen nehmen können. Übrigens ein ausführliches und sehr interessantes Nachwort zur Autorin, zur Geschichte und zur Entstehung des Buches.

Hier noch ein ganz wunderbares Kommentar einer weiteren Leserin

Zwei alte Frauen

Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

128 Seiten,Gebunden (Leinen)
Piper Verlag 10 €

Elternbücher – „Vergiss mein Nicht“ und „Können Wir nicht über etwas anderes reden“

DSCN1562In „Vergiss mein nicht“ erzählt David Sieveking über die fortschreitende Demenz seiner Mutter bis hin zu Ihrem Tod. Vor längerer Zeit lief mir mal ein Trailer seines Filmes dazu über den Weg, ich glaub der Film war auch der ursprüngliche Gedanke, leider habe ich Ihn noch nicht gesehen. Ich vermute das es eine sehr schöne Doku ist. Denn wer berichtet schon so zärtlich wie ein liebendes Kind es tut. Und gerade im ersten 1/3 des Buches ist es doch ein arges Gretel dies und Gretel das. Gretel seine Mutter, die sich rapide verändert und von der alle Ärzte aber meinen es wäre nichts weiter und schon gar nicht eine Demenz.

Ich lese alles was ich zum Thema finde. Ich weiß gar nicht so genau warum. Aber ich glaube inzwischen das die Demenz verschiedene Ebenen hat und auch psychosomatische Gründe des Vergessen wollens. Demenz ist wirklich eine sehr extreme Krankheit, die alle Angehörigen und Pflegekräfte vor die größten Herausforderungen stellt. Und oftmals findet sich an ganz unerwarteter Stelle Frieden. So wie im Buch der Vater von David und Ehemann Gretels für Sie in dieser Zeit da ist obwohl Sie beide eine eher offene Ehe führten. Es kommt zu ganz bezaubernden Momenten, die aber auch wehmütig machen weil man sie allen früher gewünscht hätte und trotzdem machen auch diese Momente die Krankheit ertragbarer.

Ab der Mitte hat mich das Buch dann wirklich gepackt und ging mir sehr nah. Manchmal dachte ich an „Der alte König im Exil“ wo aber in einer ganz anderen Art und Weise erzählt wird. Eigentlich in einer Art die mir besser gefiel. Aber es sind 2 ganz verschiedene Geschichten, vor allem dadurch verschieden das die Leben der Kranken so unterschiedlich waren und in ganz verschiedenen Milieus spielten, von daher läßt es sich auch nicht so ganz vergleichen. Was mir besonders gut gefallen hat das waren die Bilder. Und deshalb würde ich mir auch sofort den Film anschauen wenn er irgendwo läuft.

DSCN1563Meine Großtante litt auch an einer Demenz und verwandelte sich zusehends in einen anderen Menschen in dieser Zeit. Auch bei Ihr wurde nicht rechtzeitig diagnostiziert, so aber konnte Sie wenigstens zu Hause sterben. Mithilfe eines Pflegedienstes kam Sie noch lange recht gut zurecht. Ich selber fühlte mich heillos überfordert von der ganzen Situation und habe bis heute ein schlechtes Gewissen nicht mehr dagewesen zu sein. Ich konnte sehr schlecht damit umgehen. Umso mehr bewundere ich auch den Umgang der Familie hier im Buch.

Bei meiner Großtante war es ähnlich wie bei Gretel, das so eine ganz eigene Zartheit zu Tage trat, die fast ein wenig kindlich wirkte und dabei sehr authentisch war. Und manche Eigenheiten verschwanden ganz, so wie auch bei Gretel. So als zählten Sie nicht mehr im Land der Demenz, als wären  Sie nicht mehr nötig. Es ist schon immer wieder erstaunlich, finde ich, wie zum Lebensende hin die Menschen weniger werden aber auch mehr in Ihrer Essenz sind. Das hat etwas von einer sanften Kraft die sehr viel Liebe zulässt und auch zeigt.

„Vergiss mein nicht“

von David Sieveking

Herder Verlag

240 Seiten, 17,99 €

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hier noch ein Link zum Thema: http://buhl-coaching.de/author/2015/12/06/demenz-ist-keine-krankheit-demenzkranke-sind-die-fluechtlinge-unserer-gesellschaft/

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Ein anderes Buch zum Thema „das Altern der Eltern“ lief mir zufällig beim Rowohlt Verlag über den Weg und auf meine Anfrage hin bekam ich ein verkürztes Leseexemplar zugesandt. Die Autorin Roz Chast ist eine bekannte Illustratorin von Cartoons im weltberühmten „New Yorker“. DiDSCN1561e Geschichte „Können wir nicht über was Anderes reden?“ greift viel weiter aus als „Vergiss mein nicht“; ist eine typisch jüdisch-amerikanische würde ich sagen, oder vielleicht auch nur eine typische Geschichte über Menschen mit jüdischem Hintergrund. Damit meine ich, das sich viel mit der eigenen Familiengeschichte auseinander gesetzt wurde, zumindest so, das auch was über die Vorfahren, alte Geschichte und sogar eigentliche Familiengeheimnisse bekannt ist. Ich liebe diese Art sehr. Bei mir selbst bedauere ich immer wieder die blinden Flecken die schon bei der Herkunft meiner Großeltern auftauchen – was vielleicht auch was ziemlich deutsches ist, ich bin mir nicht ganz sicher.

Der Zeichenstil ist wunderbar schnoddrig und passt hervorragend zur Geschichte, die an dem Punkt einsetzt als Roz´Eltern schon an die 90 Jahre alt sind und Roz Chast Sie das erste mal nach über 10 Jahren in Brooklyn besucht. Beide Eltern werden bis ins Detail wunderbar beschrieben mit Ihren Eigenheiten und Macken. Die Mutter streng, praktisch und der Vater meistens irgendwie hilflos und leicht panisch. Und dann wird die Mutter, die eigentlich alles praktische im Haushalt macht auch noch krank, und muß ins Krankenhaus. Wohin nun mit dem Vater?

Roz Chast erzählt echt mit viel schwarzem Humor und bringt alle Ihre Stimmungen wirklich genial rüber, schon allein in Ihren Zeichnungen. Trotzdem lese ich die Tragik zwischen den Zeilen, die ich allerdings auf mein Wissen über die Nachwirkungen von schlimmen Ereignissen auf das weitere Leben zurückführe. Ich weiß nicht ob das jeder so rausliest. Psychologisch betrachtet scheint mir vieles an den Eigenheiten auf Traumafolgen zurückzuführen zu sein. Und da hier nicht drumrum geredet wird sondern alles auf den Tisch kommt, obwohl wohl ein Motto der Familie ist: „Und wenn wir nicht drüber reden, passiert es auch nicht“, läßt sich das auch einfach so lesen. Dem vorhandenen Drama begegnet die Tochter und Autorin mit Pragmatismus. Was bleibt Ihr auch anderes übrig. Ich denke in diesem Buch konnte Sie vieles auch verarbeiten. Einfach ist Ihre Geschichte, sind Ihre Eltern, nicht, aber Sie findet einen tollen Weg das alles zu erzählen. Und selbst das tragische wird unterhaltsam. Ich kann natürlich nur für den Bereich der Geschichte sprechen den ich kenne, das sind 81 Seiten von 236. Ich bin aufjedenfall sehr neugierig wie die Geschichte weitergeht und mag den Stil von Roz Chast sehr. Und auch die verrückten Eltern wachsen einem irgendwie ans Herz.

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„Können wir nicht über was Anderes reden?“

von Roz Chast, Rowohlt Verlag

236 Seiten im Original, für 19,95 €

 

Nachtrag 23.2.2016: Nun habe ich den Vollständigen Band in der Bücherei bekommen und die besten Sachen sind in der Leseprobe nicht enthalten, also von mir volle Empfehlung für http://www.rowohlt.de/hardcover/roz-chast-koennen-wir-nicht-ueber-was-anderes-reden.html! Es wird echt Hardcore, und ich finde das Buch sehr mutig, sehr gut!

Hier noch ein interessanter Text zum Thema Demenz

http://www.bzw-weiterdenken.de/2016/03/das-andere-in-der-demenz/

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