Die Grüne Grenze

Ich machs kurz, meins war es nicht. Ich habs ziemlich lang probiert aber ich fand das Buch, soweit ich es gelesen habe, furchtbar träge. Im Buch geht es um ein Künstlerpaar, welches im Grenzgebiet der DDR wohnt und eine kleine Tochter hat. Die Mutter bzw. Schwiegermutter auch in der Nähe.
Unglaublich zäh wand sich die Geschichte, die sich im ersten Teil vorallem um den Mann und jungen Vater dreht.
Im nächsten Stück ging es um die kleine Tochter. Hier stieß mir sehr auf wie furchtbar altklug und wenig kindlich dieses Mädchen dargestellt wurde. Das ist mir auch bei anderen Büchern und Schilderungen von Kindern schon aufgefallen, das so etwas selten gelingen.
Wenn ihr positive Beispiele habt schreibt mir doch etwas in die Kommentare.

Eigentlich hatte ich mich bezüglich der Thematik (DDR, Grenzgebiet, Geschichte) sehr auf das Buch gefreut, auch wenn ich irritiert war das es von einer US Amerikanerin geschrieben wurde. Was ja durchaus auch neugierig macht.
Ich hab jetzt leider nicht so ganz die Titel parat, aber kann es sein das das Thema grade sehr beliebt ist bei amerikanischen Autoren und Autorinnen? Ja manchmal hilft vielleicht der Abstand, wenn man also nicht involviert war, aber ich glaube hier nicht unbedingt. Vielleicht bin ich auch zu voreingenommen. Faszinierend ist die Geschichte der deutschen Teilung natürlich schon. Zu be_greifen allerdings recht schwierig wie ich finde.

Bei anderen scheint das Buch sehr gut anzukommen. Im unten verlinken Radiobeitrag wird es „poetisch“ geannnt – nun Poesie fand ich für mich nicht. Aber wie es eben so ist, die Empfindungen für Bücher bleiben subjektiv, auch wenn es sicher ein paar Eckpunkte gibt an denen man gute Bücher bzw. gute Geschichten festmachen kann. Ich denke es hätte durchaus bessere Kandidaten gegeben für die Nominierung zum Leipziger Buchmessepreis: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/preis-der-leipziger-buchmesse-isabel-fargo-cole-und-esther-kinsky-nominiert-a-1192423.html gegeben.

Mich wundert es immer noch das ich grade Bücher die für Preise nominiert sind oft gar nicht so mag. Und ja, leider kann ich hier keine Empfehlung aussprechen

http://www.deutschlandfunk.de/isabel-fargo-cole-die-gruene-grenze-poetische-landnahme-im.700.de.html?dram%3Aarticle_id=408757
***
Isabel Fargo Cole
geboren 1973 in Galena, Illinois, wuchs in New York City auf. Sie lebt seit 1995 lebt sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin. Ihr nominierter Roman „Die grüne Grenze“ spielt in Sorge, einem Dorf in der Sperrzone der DDR, in das ein junges Künstlerpaar 1973 zieht.

***

Die Grüne Grenze
Edition Nautilus
26,- €

***

https://www.volksstimme.de/kultur/literatur-amerikanerin-veroeffentlicht-harz-roman

Advertisements

Was verborgen bleibt

Mein erstes Buch von der „Frankfurter Verlagsanstalt“ – das sind die mit dem hübschen stilisiertem Elefantenlogo. Und der erste Roman der Autorin Britta Boerdner. Es hat mich gleich angesprochen, sicher auch wegen des schönen Covers, aber vor allem wegen der Geschichte.

Eine junge Frau reist ihrem Freund hinterher, der gerade dabei ist beruflich Fuß zu fassen. Und das in der Ferne, in Amerika. Weit über dem großen Teich.  Bei ihm hat es einfach zuerst geklappt. Sie hatten ausgemacht, vor längerem schon, daß der, der es zuerst schafft, den anderen sozusagen nachholt. Der Freund, Gregor heißt er, hatte Glück gehabt.

Nun ist sie also angekommen. Sieben Monate zwischen dem wir. 6000 km zwischen hier und dort. Wir begleiten die Ich Erzählerin durch die Tage in der großen Stadt, die nicht benannt wird, aber ständig beschrieben. Details, Orte, Besonderheiten. Sie kennt sich aus, das merkt man sofort, sie war schon mal da. Es gab gemeinsame Tage und es gibt gemeinsame Erinnerungen, eigentlich. Die Erzählerin will die Stadt nun zu ihrem neuen Zuhause machen, bald will Sie Ihre Leben in Deutschland in den Container packen und mit Ihrem Freund in Amerika neu anfangen. Bemüht sich alles anzueignen streift sie Tag um Tag durch die Straßen. Ich spüre die Liebe und die Vorfreude auf das kommende in den Zeilen, die wachen Augen lassen mich teilhaben. Ich darf den Gedanken lauschen.
Eendlich kann er umgesetzt werden der Plan, nach dieser langen Zeit der Entfernung. Alles ist bereit. Aber etwas kommt trotzdem nicht in Fluß. Und das ist die Beziehung zwischen der Erzählerin und ihrem „Freund“. Drei Wochen haben Sie Zeit sich wieder anzunähern. Aber sie erreicht ihn nicht, er ist schon so angekommen in der Stadt, hat ein eigenes Leben. In der zukünftigen gemeinsamen Wohnung scheint kein richtiger Platz für Sie zu sein.

Es ist schon eine Weile her das ich das Buch gelesen habe, aber sobald ich es wieder aufschlage und anfange zu lesen, fließt die besondere Atmosphäre mir entgegen. Es ist selten, daß mich Bücher („Die Entdeckung der Langsamkeit“ und „Die Zwillinge von Highgate“)  so in ihrem eigenem zeitlichen Fluß, in diesen ganz besonderen Rythmus mitnehmen. Wirklich kunstvoll geschrieben… wobei das Wort fast zu hart ist um die Schreibweise von Britta Boerdner zu beschreiben.
Die Erzählerin tastet sich vor, auf eine Art geschmeidig, aber auch scharf beobachtend, achtsam und dann immer mehr mit diesem inneren leisen Alarm. Ich spüre wie die Kraft nachlässt und die positive Energie mit der Sie gelandet ist. Sie findet keine Resonanz…

„Was verborgen bleibt“ war eine wirklich wunderbare Entdeckung am Ende des Jahres und kommt mit auf meine Best-of-2017 Liste. Und auf die Liste der „wieder zu lesenden Bücher“.
Ein Zusammentreffen von Neuanfang und Abschied. So lang geplantes und gewünschtes was nach und nach vollkommen in der Vergangenheit verschwindet im Winter in der großen Stadt. Auch wenn es kalt und düster ist auf eine Weise, habe ich immer wieder das Bild der gleißenden Sonne an einem weißem Wintertag vor Augen. Eine tolle Frauenfigur, eine wunderbare Erzählung und eine Autorin, auf deren weiteres Werk ich sehr gespannt bin.

***
Britta Boerdner
Was verborgen bleibt
Frankfurter Verlagsanstalt
Erschienen 2012, 160 Seiten, 18,90 €
***
Information von der Verlagsseite: Britta Boerdner, geboren in Fulda, studierte nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin Amerikanistik (das spürt man im Buch), Germanistik und Historische Ethnologie. Ihr Debütroman »Was verborgen bleibt« erschien 2012 bei der FVA. Für »Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam« (FVA 2017) erhielt sie das Inselschreiber-Stipendium der Sylt Foundation und das Stipendium des Hessischen Literaturrates in der Emilia Romagna. Britta Boerdner lebt in Frankfurt am Main.

Der Sommer ihres Lebens

Eine Amsel. Sie singt ihr Lied. Und dann begegnen wir Frau Wendt. Vor dem Speisesaal. Sie macht sich Gedanken über Zeit und Ewigkeit und überlegt wohin Sie muß.
Frau Wendt läuft an ihrem Rollator durchs Haus und nach draußen. Immer wieder verschwimmt das Jetzt und Erinnerungen tauchen auf. Wir dürfen dann das „Mädle“ kennenlernen, welches in Mathe so viel besser wie die Buben war.
Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch. Es erzählt soviel über diese Geschichte und die Erzählweise. Gerda wie sie springt und Gerda wie sie nur noch langsam mit dem Rollator vorwärts kommt. Mir schnürt es ein wenig die Kehle zu.

Es wird schnell klar das Gerda eher eine Außenseiterin war, was mich persönlich gleich mit ihr verbindet, weil es mir auch so ging. Und Gerda hat eigene Interessen und weiß sich zu beschäftigen.
In kleinen dunklen Kästchen erzählt die Stimme aus dem Off…  Gerda Wendt die sich erinnert, …sich erinnern will.

Mein nächstes Lieblingsbild: Gerda mag Zahlen und Sterne, von denen sie sagt sie sind ihr ähnlich… sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht. *Schluck*
Ist das nicht wundervoll getroffen, dies Spiegelung in der gedachten Fensterscheibe?
Gerda beginnt einen vielversprechenden Weg und doch, wie bei sovielen Frauen, gibt es die Institution Ehe und ein Kind. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.
Ich möchte nicht viel mehr verraten. Ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Eine Anmerkung ist mir noch wichtig, mir gefällt das das Altenheim neutral bis positiv dargestellt ist.
Mein letztes Lieblingsbild zeige ich nicht, es ist das mit den vielen „i“´s.
Dieses Grafik Novel berührt sehr. Liegt es am sentimentalen der Erinnerungen – wie es eben Erinnerungen so an sich haben? An der „schwere“ und den „Umständen“ des Alterns? Oder weil ich persönlich Verbindungen ziehe? An der eigenen Einstellung zum Tod, der ja unweigerlich folgt? Irgendwann ist es zu Ende. Für jeden von uns. Wir treffen Entscheidungen. Dinge nehmen ihren Lauf und wie Gerda sagt: „am Ende bleibt nur eine Möglichkeit übrig, eine Wirklichkeit.“
Die Farben und Zeichnungen ziehen mich ganz schön hinein in die Geschichte. Aber auch die Geschichte selbst berührt mich sehr. Es bleibt ein Kloß im Hals. Ein Menschenleben.

***

Der Sommer ihres Lebens

,

80 Seiten, farbig, 19 x 29 cm, Hardcover

20,- €,  Reprodukt

Blogparade – Ich bin der Typ der alles in sich reinfrisst

Heute mit Christiane vom Blog „Irgendwas ist immer“ mit Ihrem Beitrag
Bitte hier entlang ->

 

Frühere Beiträge:

Karolin
Bauchweh

Sandy
Das Essen und Ich

Marie
Körperfreundliche Kindererziehung

Maren
Der Pharma-Zoo

Solina
Thema Wohlfühlkörper und Fitness

Hiltrud

Schmerz und Leben und Humor

Wortbunt mit 3 Texten und Collagen

Augenwischerei

Schamhaare

Traumkörper

Chutriel
und die Geschichte ihrer Panik

Monika
HPU und Hochsensibilität

Nadine
„Mein Körper und ich“ und keine Waage

Die Zeit der Ruhelosen – Literatur aus Frankreich

Was rettet uns? Es sind die Bücher, die Literatur, die Worte…

***

Fiktion um die Wirklichkeit zu erzählen. Zeitgeschichte aktuell. Katrine Tuil ist ganz nah dran, am Jetzt, flechtet immer wieder „echte“ Begebenheiten in Ihre Erzählung ein. Gleich am Anfang landen wir bei 9/11 und in einem Auszug einer Rede von George W. Bush. Meiner Meinung nach hätte es das nicht gebraucht, aber das grundsätzliche Thema deutet sich damit im weitestem Sinne an. Man steigt sofort und brachial in die Thematik ein. Es folgt eine Art innerer Bericht eines Soldaten der in Afghanistan stationiert war. Ich gebe zu, ich konnte das nur überfliegen, zu schrecklich sind viele Details des Kriegseinsatzes.

Der Soldat ist Franzose. Wie kurz zuvor in der Rede von Bush zu lesen war, nehmen viele Länder am Kriegseinsatz im „Namen“ der Terrorismusbekämpfung teil.
Karine Tuil gelingt es eindringlich vom Krieg zu schreiben und vor allem auch davon, wie ein Soldat seine Einsätze erlebt und wie das Leben für ihn nach solchen Einsätzen weitergeht. Die Entfremdung vom „normalen“ Leben, das „nicht-vergessen-können“, die Bilder der Gewalt und Brutalität des Krieges ins Gehirn eingebrannt. Die Schuldgefühle, die Ängste, das Misstrauen und die Schreckhaftigkeit. Das sich „nicht mehr einstellen können“ auf ein Leben im Frieden.

Doch da ist auch ein Funken Hoffnung auf Trost, Rettung und eine Art Heilung, inform von körperlicher Nähe und Liebe. Der Rausch, den man nur mit jemand anderem zusammen finden kann. Leidenschaft, die eine ganz besondere Intimität entwickelt, einen Halt, ein sich verlieren im positiven Sinne, ganz nah an einem anderen Menschen, der auf seine eigene Art genauso empfindet. Romain Roller ist der Name des Soldaten. Und er trifft auf dem Weg aus dem Krieg auf die Schriftstellerin Marion Decker.

„Die Zeit der Ruhelosen“ ist ein 500 Seiten Werk, welches mich immer wieder staunen ließ. Es blieb durchgängig spannend und endet in einer fulminanten Implosion der angesprochenen Themen, und das sind nicht wenige. Absolut gekonnt und stilvoll wechselt die Erzählung zwischen den vier Protagonist*innen*en hin- und her, was zusätzlich noch eine ganz eigene Dynamik und Spannung aufbaut. Ich erinnere mich nicht, jemals solche phantastischen Übergänge gelesen zu haben. Als Leser*in gleitet man von der einen Person und ihrer Geschichte zur Anderen, ein regelrechtes aus- und einblenden, mit kleinen Überlappungen, die für mich immer wieder betonen wie doch jeder Mensch, verbindende und ähnliche Themen hat, bzw. sich in einer Geschichte etwas von der einen Seite wiederfindet und in der nächsten Geschichte von der anderen Seite, aber eben ein Thema. Sehr prickelnd für mich als Leserin.

„Während sie von traumatischen Verlusten, Kampfhandlungen und Konflikten mit internationalen Verästelungen erzählten, tobte in seinem Inneren ein völlig anderer Krieg.

Angst. Schon wieder nahm sie Romain die sicht, umgab ihn wie einen diffuser Nebel, blockierte seine Atemwege, behinderte seinen Gedankenfluß, sein Gehirn trübte sich ein, die Konzentration sank rapide… „

S: 100 – der erste Satz gehört zu Osmans Geschichte, der zweite zu Romains, ich denke man kann es hier gut nachvollziehen was ich meine.

Die Verbindungen verflechten sich im Laufe des Buches immer mehr, die Personen kommen sich immer näher, bis Sie am Ende alle auch live aufeinandertreffen. Mitten in einer gefährlichen Zone im Irak. Und wir bekommen immer mehr Einblick, nach und nach, erfahren Geschichten aus dem Hintergrund. Begreifen hier noch direkter als im Fernsehen oder Internet wie der Schrecken des Krieges, der Kleinen und der Großen, in unserer Welt zur Normalität gehören, die wir in den Friedenzonen natürlich besser ausblenden können.
Besonders interessant ist das bei der Figur Osman Diboula, der Politiker, der es, aus einfachen Verhältnissen stammend, vom Streetworker zum Vertreter seines Landes schafft. Karine Tuil erzählt hier nicht eine Story des „alles ist möglich“, sondern zeigt die Komplexität von Zufällen, Glück, harter Arbeit und der Funktionsweise von Politik und Macht auf, wirklich fabelhaft wie sich diese Storyline entwickelt.

Ähnlich wie die des Geschäftsmannes François Vély, dessen Leben ab dem Zeitpunkt der Erzählung immer weiter in den Untiefen von Machtspielen, Verleumdung, und Rassismus versinkt. Und grade hier begegnen wir immer wieder dem Brachialen und der Gewalt, welche die Autorin schon am Anfang des Buches als tragende Säule ins Spiel bringt. Entsetzlich auch wie der Lebenslauf von François sich punktuell deckt mit seinen jüdischen Vorfahren und ihm großes Leiden nicht erspart bleibt, das hat mich sehr betroffen gemacht beim Lesen und ist grandios geschildert.

Ungeschönt und ernsthaft tauchen wir in diese Geschichte, diesen Teil auch unserer Wirklichkeit, ein; bis alles kulminiert. Heftig und extrem schmerzhaft. Die Brutalität des Krieges und das lange leiden daran, zeigt sich an vielen Stellen. Und genau darauf wirft Katrine Tuil das Scheinwerferlicht. Unbarmherzig, ohne Weichzeichner und ohne etwas auszusparen. Ein Buch dem die 500 Seiten sehr gut stehen, keine scheint zuviel zu sein.

Eine Nebenfigur, der Vater von François, Paul Vély weiß am Ende Rat, vor dem Hintergrund eines langen Lebens. Einer davon sagt:

„Man muß das Leben wählen“

***

Die Zeit der Ruhelosen

Karine Tuil

Übersetzung aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff

Ullstein Verlag

24,- €

***

Interview:

http://www.resonanzboden.com/satzbaustelle/interview-karine-tuil-fiktion-realitaet/

Karine Tuil,
wurde als Tochter tunesischer Juden, 1972 in Paris geboren und lebt dort heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Sie studierte Kommunikations- und Informationswissenschaften sowie Recht an der Universität Panthéon-Assas. Sie hat zehn Romane veröffentlicht, deren Figuren sich mit sozialen, politischen, juristischen und ethischen Fragen auseinandersetzen.

 

 

Übersetzerin: Maja Ueberle-Pfaff,

geboren am 25. März 1954 in Karlsruhe, seit 1992 freiberufliche Literaturübersetzerin, Autorin und Herausgeberin

http://www.maja-ueberle-pfaff.de

***

Ich empfehle zur Ergänzung das Fluter Heft Frankreich

www.fluter.de/heft62

 

„das letzte“ – Dietland Falk

Dieses Buch hat mich doch eine Weile begleitet, es war nicht immer einfach zu nehmen und besser in Häppchen zu verdauen. Es haut einen echt um, durchaus im positiven Sinne. Es hat Gewicht und erwischt einen mit einer Wucht, der man nicht allzuoft begegnet in Büchern, vielleicht auch weil eine gewissen Scheu vor schwereren Themen beim Leser und der Leserin da ist.

Grad beim schreiben muß ich an „Tschik“ denken, das hier aber ist noch eine ganze Spur heftiger. Könnte mir durchaus auch eine Verfilmung sehr gut vorstellen. Für mich ist das große Kunst wie Dietlind Falk hier Verzweiflung und psychische Ausnahmezustände zu Papier gebracht hat. Auch wenn es einem am Anfang echt fast erschlägt, es lohnt sich sehr dran zu bleiben, es gibt auch ein Happy End, und das hat diese Geschichte auch verdammt verdient.

Das Umfeld und die Protagonisten werden vielen fremd sein und anderen sehr vertraut. Egal zu welcher Gruppe man gehört, man steigt mitten rein. Wenn man anfängt zu lesen verschwindet die Grenze zwischen Leser*Inn und Hauptfigur. Wir landen dort wo wir von Innen auf die Geschehnisse schauen. So heftig das an vielen Stellen auch ist, und man krasse Momente förmlich erlebt, die Heldin es nicht einfach hat, das Leben hier verdammt hart zuschlägt, nie wird es larmoyant oder zäh. Hurmorvoll finde ich das Buch aber trotzdem nicht – wie es auf dem Buchrücken steht – muß es für mich aber auch nicht sein. Muß dazu sagen das es mir oft so geht, das andere über Sachen lachen die mich eher betroffen machen, will sagen ich bin da wahrscheinlich kein Maßstab.

Die Protagonistin hatte kein einfaches Leben, sie hat, wie es so schön heißt, einen Knacks weg. Schon länger in Therapie und mit Medikamenten versorgt, hangelt sie sich von einem Tag zum nächsten. Zuviel Schlimmes ist in der Vergangenheit passiert. Ihr ist nur noch die Mutter geblieben, die soviel verloren hat das Sie alles mögliche einsammelt und reparieren möchte. Beide haben mit ihren „Päckchen aus der Vergangenheit“zu kämpfen – hier blitzt auch die Kriegsenkelthematik ganz klar durch (Stichwort Mutter/Großmutter/Erziehung).
Dann gibt es da noch einen Therapeuten in einer winzigen Nebenrolle, genauso wie Nachbarn und andere Outsider; und! die Wg. Die große Krise wird zur Chance für alle. Und Liebe gibt es auch.

Das Buch ist wirklich phänomenal und ich bin froh das ich den Albinoverlag entdeckt habe – er wurde 2015 neu gegründet. Schaut unbedingt mal rein.

Liebe Dietland Falk ich möchte mehr von Dir lesen! Hier gehts zu einem Interview mit der Autorin -> Jg. 85/Übersetzerin

*

„hart, stark, mitreißend“

***

Dietland Falk

das letzte

Albino Verlag

16,99 €

***

Mehr Feminismus – ein Manifest

Chimamanda Ngozi Adichie, ein Name der inzwischen nicht mehr unbekannt ist, aussprechen kann ihn aber wahrscheinlich kaum einer von uns wirklich korrekt. Ich habe vorher von der Autorin das Buch „Americanah“ gelesen, ein wirklich toller Schmöker durch den ich neue Blicke auf Nigeria und Amerika werfen konnte und mir einiges bewußt wurde zum Thema Hautfarbe und unterschiedliche Kulturen.

Chimamanda Ngozi Adichie, eine Frauenstimme aus Nigeria. Schon allein deshalb sehr spannend, und weil sie einfach wunderbar schreibt. Sie schafft es mich in wenigen Sätzen abzuholen und in ihre Welt zu beamen. Sie bringt mir die nigerianische Kultur nahe, für mich heißt das ein neues Land zu entdecken. Ich mag ihre weibliche Selbstverständlichkeit und ihren Stolz. Genauso wie ihre klaren Worten und ihre Erzählungen die immer mitten aus dem Leben kommen und alltägliche und gerade deshalb wichtige Dinge ansprechen.
Auch wenn sie aus einer anderen Kultur kommt, gibt es einige Parallelen zu entdecken, auch wenn es in Nigeria ganz anders zugeht ist mir hier in Deutschland einiges bekannt von den zwischenmenschlichen Dingen, die in Ihren Texten eine Hauptrolle spielen. Ein tolle Autorin, die ich sehr empfehlen kann.

In „Mehr Feminismus“ geht es viel um ganz grundlegende Themen zwischen Mann und Frau, weiblicher Welt und männlicher Welt, um die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Sensibilitäten bzw. Scheuklappen was gewisse gesellschaftliche Muster angeht und ihre „Normalität“ angeht. Ich mag Ihren Feminismus, auch wenn ich grundsätzlich auch einiges am Feminismus kritisiere. Sie beschreibt vieles was Sie erlebt und beobachtet, von sich, Freunden, Familien, auf der Straße etc. und ich bin mega gespannt was Sie schreiben wird wenn Sie selbst vielleicht einmal Kinder hat. Ganz deutlich zeigt Sie Strukturen und Muster auf die immer noch zu wenig hinterfragt werden, aber Sie läßt uns auch den Raum uns unsere eigenen Gedanken darüber zu machen. Kein Zeigefinger, keine Belehrung, das ist auch ein Grund warum ich das Buch so gut finde. Ein großes Talent zum Geschichten erzählen. Und erstaunlich wie viele Geschichten in das kleine Heft reingepasst haben. Ein Kauf lohnt sich.

Im Buch enthalten ist die bekannte TedTalkRede, die ich hier untendrunter verlinkt habe und wo Ihr die Autorin zumindest am bildschirm erleben könnt. Was mag ich diese Frauen, mit dem gradne und starken Rückrat, einfach beeindruckend, die Frau Adichie.
Ganz klar für mich, hier möchte ich unbedingt weiterlesen.

***

Chimamanda Ngozi Adichie

aus dem Englischen von Anette Grube

Mehr Feminismus

Ein Manifest und vier Stories

S. Fischer Verlag, 8 €

***

 

 

 

 

Chimamanda Ngozi Adichie

Mehr Feminismus!

„Ein Manifest und vier Stories“

Aus dem Englischen von Anette Grube

Preis  8,00

 

Mitten in einer Familie – Was ich euch nicht erzählte

9783423280754Die Geschichte spielt einmal in den 50iger Jahren:  eine Zeit in der Frauen immer noch als Unikate in bestimmten Fächern an der amerikanischen Uni zählen und genauso auch Nicht-Weiße hervorstechen – in dieser Geschichte ein junger Dozent – chinesischer Migrant der zweiten Generation, und nur durch Glück an dieser Stelle. Beide Außenseiter und Sie mit großen Plänen für die Zukunft.

Der andere Teil spielt Ende der 70iger Jahre. Die beiden, Er James P. Lee und Marylin Walker sind nun schon länger verheiratet und haben zusammen 3 Kinder.

Auf einer Ebene der Geschichte erfahren wir viel über die Eltern und ihre Kindheit, Ihre Entwicklung und Ihre Gedanken und Wünsche. Marylin wollte vorallem eins: nicht so leben wie Ihre Mutter, sie wollte Ärztin werden und es sah wirklich gut aus für Ihren Traum. Sie war fleißig, durchsetzungsfähig und wußte was Sie wollte.
Auf einer anderen Ebene erfahren wir jeweils etwas über die 3 Kinder, den Ältesten: Nathan, dann die zweitgeborene: Lydia, und die Jüngste: Hannah.

Und eins ist vom ersten Satz an klar, hier geht es nicht um eine schöne Geschichte oder Unterhaltungsliteratur. Der erste Satz erzählt uns davon das Lydia tot ist. So entwickelt sich die Geschichte hauptsächlich in einer Rückschau, und das vom feinsten.

Selten habe ich ein Buch gelesen wo jede Figur einer Familie so genau betrachtet wird und so gleichberechtigt zu Wort kommt. Für mich eine große Kunst die Entwicklung dieser Psychogramme der einzelnen Familienmitglieder. Sehr gut gemacht. Unheimlich fesselnd. Hier ein bisschen, da ein Stück und dort eine Scherbe. Und am Ende fügt sich alles wie ein sehr großes Puzzle zusammen.

Die Mutter hatte es nicht einfach, die Zeit, das angeborene Geschlecht – aber an irgendeinem Punkt scheint sie auch so vollkommen aufgegeben zu haben, so sehr Untertanin zu sein. Der Vater immer durch sein Aussehen von Anfang an ein Außenseiter – genau wie die Kinder – die so vieles wiederholen was schon den Geschichten der Eltern nicht gut tat. Aber so läuft das in Familien, wenn keiner die Muster durchbricht. Und Kinder passen sich einfach sehr gut an und ordnen sich unter, weil es für Sie überlebenswichtig ist, das erzählt hier Celeste Ng wirklich sehr präzise. Die Eltern schon früh „versehrt“, und wenig hinterfragend, beide irgendwie in ihren eigenen Schmerz verwickelt mit wenig Gespür für den anderen wie mir scheint. Auch wenn beide Außenseiter sind, ist das nicht unbedingt wirklich das verbindende Element, denn beide sind eine andere Art von Außenseiter.
Die Kinder bilden zusammen eine eigene kleine Welt, wie das so ist; denn Sie haben natürlich einen vollkommen anderen Blick von Ihrem Standpunkt aus. Lydia und Nathan sind sehr eng miteinander, vor allem seit einem Vorfall vor Hannahs Geburt verbindet Sie ein stummes Versprechen. Hannah dann, scheint zwischen all diesen Verknotungen, Verletzungen und Sprachlosigkeiten wie ein kleiner Geist durch das Haus zu tapsen, immer mit guten Gedanken für jeden in ihrer Familie. Man wünscht sich zwischendurch immer wieder sehr das wenigstens einer endlich etwas sagt.

Ein wunderbares Buch, und trotz der schwierigen und traurigen Thematiken verliert es sich in keinem und zügig geht es vorwärts. Als Leserin mochte ich es kaum aus der Hand legen.

***

Celeste Ng

Was ich euch nicht erzählte (Link führt zu einer speziellen Buchseite)

dtv, 19,90 €

***

Celeste Ng aufgewachsen in Pittsburgh in den späten 60iger Jahren, hat in Harvard studiert und für ihr Buch viele Preise bekommen. Es wurde in 20 Sprachen übersetzt.  Außerdem soll es verfilmt werden.

 

 

 

Das Geräusch des Lichts und die Welt der Mosspflanzen

dscn8040Ein Rahmen, in welchem sich die Geschichten wie Schichten von feinsten Fäden verweben. Manchmal ganz lose oder nur durch ein Detail verbunden und manchmal so als wäre es nur ein einziges festes Stück.
Kanada, Moos, Eis, Winter und der Planet der Tschu werfe ich mal als umschreibende Stichworte ein.
Es beginnt in einem Wartezimmer, von wo aus sich die Geschehnisse ausbreiten, und das so atmosphärisch dicht, sensibel und detailreich das ich ganz schnell versinke.  In der ersten Geschichte, in welcher das Moos die geheime Hauptrolle spielt z.b., oder  in der Geschichte mit dem Jungen der die Ausgänge zu einer anderen Welt finden will, weil er wissen möchte wohin seine Mutter und seine Schwester verschwunden sind.

Überhaupt zieht sich das Verschwinden wie ein roter Faden durch das Buch. Verschwundene Menschen, – verloren gegangen und die, die sie suchen und in ihren Spuren wandeln.

Alle landen irgendwie in Kanada, und wie es scheint an ein und dem selben Ort; und irgendwie in den jeweils eigenen Wirklichkeiten. Die Themen sind nicht immer einfach und es ist kein Buch welches man schnell liest. Zuviele Sätze und Geschichtenstückchen muß man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Hochsensible werden es mögen, selten achtet jemand auf soviele Kleinigkeiten und Ihre Beschaffenheit, wie hier die Erzählerin.
Es ist mein erstes Buch von Katharina Hagena , die durch ihr Buch „Der Geschmack von Apfelkernen“ bekannt wurde.

Was mich immer wieder etwas verwirrt hat war die Unterteilung des Buches, was aber auch daran liegen kann das ich wirklich so tief in die Geschichten eingestiegen bin, das es mich immer etwas verstörte wenn plötzlich eine andere Wirklichkeitsebene, gar ein anderer Ort, auftauchte, plötzlich dran war. Wobei mir ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen lieb gewesen wäre.

Ein wunderbares Buch. Ich liebe die Moosgeschichte, wahrscheinlich weil ich Moos so liebe und selten so über eine Pflanze gelesen habe. Irgendwie genauso weich wie das Moos selbst, wenn auch rätselhaft, so wie eigentlich das ganze Buch und vor allem das Ende. Welches für mich ein wenig so nach klingt wie Eis auf Eis. Weis, Kalt, sehr kalt, Kanada.

„Dritter sein“ – läßt den Kopf dann richtig brizzeln. Solche Geschichten sollte es viel öfter geben. Ich schreibe in Gedanken nebenbei das Drehbuch dazu, so grandios erzählt fand ich die Geschichte von R.D. … R D.. merkst du was -> ER DE – das Buch hat immer wieder solche Spielereien zu bieten. Famos famos. R. D. ein toller Junge der mit wachen Augen und einem Forschergeist die Welt erkundet – mit einem Vater der ihn nicht versteht und einen Großvater der voll auf seiner Seite ist… überhaupt merke ich bein lesen wie ich mich hier und da verbünde mit den Suchenden.

Ein wundervolles Buch. Es hat ein schönes Cover, gutes Papier, rundum gelungen.

***

Katharina Hagena

Das Geräusch des Lichts

Kiwi Roman, 20,- €

***

Ganz neugierig bin ich auch auf ein weiteres Werk: „Vom Schlafen und Verschwinden“ von 2012.

Und ich werde mal nach der Verfilmung von „Der Geschmack von Apfelkernen“ schauen. Aber ich glaube ich hab ihn sogar schon gesehen.

Katharina Hagena – eine deutsche Schrifstellerin, – Jg. 67, Mutter und Autorin, Literaturwissenschaftlerin, Stipendiengewinnerin, mehrfach ausgezeichnet, mit eigenem Wikipediaartikel, Schirmherrin der Hamburger Mediclowns, und hier gehts zu ihrer Homepage http://www.katharinahagena.de

 

 

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article1830037/Katharina-Hagena-Mutter-und-Erfolgsautorin.html

Nordische Nächte – Tania Blixen

dscn7708Tania Blixen ist denke ich zumindest meiner und den älteren Generationen ein Begriff. vorallem durch ihr Werk „Jenseits von Afrika“, welchesauch verfilmt wurde.

Nun dachte ich, wie schön da kommen hier doch 2 Sachen, ah nein sogar 3 zusammen die ich mag. Einmal Kurzgeschichten, zweitens Geschichten aus dem Norden, und eine Autorin die ich eben durch Jenseits von Afrika kenne und schätze.

Leider leider muß ich aber sagen das Buch hat mich nicht gepackt. Wer Drama mag, wirkliches Drama, mit ganz viel Liebe und Dingen die aus Gründen von Stand und Konvention nicht möglich sind, wer sich für solche Dinge interessiert und mit der älteren, viel beschreibenden und ausladenden Sprache klar kommt ist das Buch bestimmt was. Bei der ersten, schon sehr langen Geschichte, hab ich Tania Blixen noch die Stange gehalten, aber als es in der nächsten Geschichte ähnlich weiterging hatte ich schon keine Lust mehr, und auch das quer reinlesen in die weiteren Erzählungen konnte mich einfach nicht genug fesseln um dran zu bleiben. Schade. aber es gibt sicher LiebhaberInnen auch für dieses Buch.

„… sie würde eine gute Partie machen und würde umgeben sein von leblosen, glatten und harten Dingen, von Gold und Silber, Diamanten und Kristall.. „

Folgende Geschichten aus verschiedenen Jahren befinden sich im Buch:

blixen

***

Tania Blixen

Nordische Nächte

Die schönsten Erzählungen

Penguin Verlag, 10,00 €

***

Hier noch der Verweis zu einem interessantem Artikel zu den verschiedenen Versionen von „Jenseits von Afrika“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/tania-blixen-jenseits-von-afrika-der-luftgeist-vom-fusse-der-ngong-berge-1971789.html

Vorherige ältere Einträge

Follow reingelesen on WordPress.com

© 2011 – 2018

Blogstatistik

  • 26,362 Treffer
%d Bloggern gefällt das: