Voll der Osten

Jaron Verlag / Harald Hauswald

Momentan tourt eine Ausstellung durch Deutschland. „Voll der Osten“ Fotografien von Harald Hauswald, der 1954 in Radebeul bei Dresden geboren wurde und mit Anfang 20 nach Ostberlin ging.
Dazu gibt es ein wunderbares Bildband, welches der Berliner Jaron Verlag herausgebracht hat.
Leider habe ich selber die Ausstellung bis jetzt nicht gesehen, aber ich habe nun das Buch, welches ich liebenswürdigerweise vom Jaron Verlag zur Verfügung gestellt bekam. Vielleicht fast noch besser, so kann ich mich hier ganz in Ruhe in die einzelnen Bilder vertiefen.

„Wer Fotos der DDR der achtziger Jahre für eine Publikation sucht, legt Bilder oft mit der Bemerkung beiseite, dass diese offenbar aus der Nachkriegszeit stammen. Der Verfallszustand der Städte war grausig.“

Zitat aus „Verfall“

Ich habe ein großes Faible für Fotografie und besonders für Alltagsfotografie. Der Fotograf Harald Hauswald ist bekannt für seine dokumentarische Arbeit. Er fotografierte was andere (mit Absicht) übersahen. Er zeigte die Welt hinter der Propaganda.
Zu jedem Bild gibt es einen kleinen Text, verfasst vom Historiker Stefan Wolle. Zwischendurch werden Schlüsselbegriffe von Hauswald aufgegriffen wie „Widerspruch“ oder „Sehnsucht“ zu denen es dann jeweils eine Deutsch/Englische Doppelseite zu lesen gibt.

…Über allem schwebt die sozialistische Gesellschaftsordnung, die durch die Staatsordnung garantiert wird […] Bei so vielen Verordnungen fragen sich viele Zeitgenossen oft, warum überall Unordung herrscht.“

Zitat aus „Ordnung“

Die Atmosphäre ist so nochmal ergänzend eingefangen. Wenn man sich darauf einlässt, betritt man hier eine ferne Welt, und kann kaum glauben, dass dies alles noch gar nicht so lange her ist. Bei mir kommen auch Erinnerungen hoch und mich fasziniert der Band sehr. Viele Themen werden aufgegriffen. Der Kosmos des Alltags der DDR. Jugend und Alter, Wildheit und Ordnung. Die kleinen Nischen des privaten Glücks. Protestbewegung. Aber auch den ganz normalen „staatlichen“ Alltag mit seinen Symbolen und Normen bekommt man zu sehen, inklusive Verfall und Großbauten. Kinder, Soldaten, Arbeiter, Jugendliche.
Die Tristesse, die für mich eng in Verbindung steht mit der ehemaligen DDR, ist hier wunderbar eingefangen. Genauso wie das Leben, was sich eben nicht einsperren lässt. Ganz bezaubernd immer wieder die Bilder von neugierigen Kindern, oder von Ausbrüchen und vom Widerstand junger Menschen, die sich z.b. auch in der DDR durch ihr Aussehen abhoben. Dazwischen ein Sportfest, in Reih und Glied und Männer in Uniformen – Polizisten, Soldaten, Arbeiter. Am Ende des Buches wird von einem liebevollem Blick des Fotografen gesprochen, dem kann ich nur zustimmen. Damals gab es Ärger wegen der Bilder, heute sind Sie ein wunderbares Zeitdokument, und ich möchte eine große Empfehlung aussprechen.

„Ich wollte den Osten, ohne Schminke zeigen, so wie ich ihn gesehen habe“, sagt Hauswald

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auf Youtube gibt es einige Videos mit Hauswald, in denen er über seine Bilder spricht

 

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Hier kann man sich einen Eindruck über die Fotografien verschaffen, es kann gut sein das man schon eins kennt: https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/voll-der-osten-ausstellung-101.html

Infos zur Ausstellung, die bestellt werden kann: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/voll-der-osten-6611.html

Ein schöner Artikel zur Ausstellung: https://www.sz-online.de/nachrichten/kultur/voll-der-osten-3878943.html

Die Seite des Fotografen: http://www.harald-hauswald.de/

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Harald Hauswald (Fotos) / Stefan Wolle (Text)
VOLL DER OSTEN
Leben in der DDR
Ein Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung
herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und OSTKREUZ Agentur der Fotografen
€ 12,–
durchgehend Deutsch und English
Broschur, 128 Seiten, 108 Fotos, 18 QR-Codes
ISBN 978-3-89773-856-0
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Die andere Seite – 17. Juni ´53

Zum heutigen 17. Juni möchte ich euch nochmal dieses wunderbare Comic empfehlen. Außerdem kann man heute diesen Live erleben auf Twitter. Ein ganz tolles neues Geschichtsprojekt, welches Geschichte direkt erfahrbar macht. Erdacht und erstellt von Dr. Richard Millington, der Deutschlehrer in England ist. Viele Informationen und eine große Bücherliste dazu auf: https://17juni1953live.wordpress.com/
Direkt zum Twitterprojekt geht es hier: https://twitter.com/17Juni1953live
Damals als das letzte Quentchen Freiheit in der DDR erstarb bis 89.

https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/17juni1953-1119.html
Inklusive Aufruf für einen Wettbewerb

reingelesen

DSCN2987Vor kurzem hatte ich „Deutschland als Bilderbuch“ vorgestellt, es war im Grunde genommen nur Westdeutschland gemeint (obwohl das Buch von Deutschland spricht), bis auf wenige Ausnahmen. Auch in vielen Filmen wie z.B. dem kürzlich gesendetem 3 Teiler Ku`damm 56 wird Westdeutschland dargestellt, alles arg nett. Hübsch, bunt, bisschen Revolution der Jugend, aber sonst? Alle sind versorgt und in den besten Kleidern gekleidet und Mangel an Nahrung oder Wohnraum wird schlichtweg nicht thematisiert.
Gut am Rande bekommt man etwas von der anderen Zone, dem Osten mit – da gehts dann um die neue sozialistische Bewegung, Versammlungen, aber eben nur ganz am Rand. Und leider auch nur positiv dargestellt. So als wäre der Krieg zuende und einfach alles wieder ok. (die Fortsetzung von Kudamm ist ein bisschen besser aber auch glattgelutscht)

In „17. Juni – die Geschichte von Armin und Eva“ dagegen dreht es sich um den Osten, also der…

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Heeme – ein Heimkehrerinnenbuch

„Heeme“, eine Mischung zwischen Erfahrungsbericht und Kurzroman. Ich habs direkt von der Autorin bekommen, mit Widmung. Sowas freut natürlich immer ganz besonders. Stephanie Auras-Lehmann kommt aus dem Spreewald und war selbst lange fern der Heimat. Sie ist eine aus der Generation, die in der Kindheit/Jugend die Wiedervereinigung Deutschlands erlebt hat. 1982 wurde sie geboren. In der Geschichte von „Heeme“ verarbeitet sie eigene Erlebnisse und Erinnerungen aus der Zeit nach der „Wende“ bis zu ihrer eigenen Heimkehr 2009 nach Finsterwalde. Dort hat Sie inzwischen eine Rückkehrerinitiative für den Landstrich Elbe-Elster aufgebaut.

Die Protagonisten haben alle sehr lustige Namen, und es ist durchaus ein leichtes Buch was sich sehr gut lesen läßt – mit einer Überarbeitung wäre es bestimmt auch was für einen Verlag der Bücher in einfacher Sprache rausbringt. Da fehlt nämlich noch jede Menge Literatur.

Die Heldin der Geschichte hat einen typisch Ostdeutschen Namen: Peggy 😉 und bleibt irgendwie übrig nach dem Schulabschluss im Osten. Alle anderen haben die Heimatstadt schnell verlassen, denn dort gibt es so gut wie keine Zukunft, sprich Ausbildungsstellen. Irgendwann packt es dann auch Peggy, und sie macht sich auf in die neue weite Welt. Die Möglichkeiten beim Schopfe packen. Da heißt es erstmal „sich zurecht zu finden“, die westlichen Gepflogenheiten kennenlernen und sich ganz neu eingewöhnen. So richtig Freunde findet Peggy aber nicht, und man merkt sie hängt an der Heimat. Doch das leben meint es auf eine andere Weise sehr gut mit ihr und Sie macht Karriere – allerdings mit so einigen Hürden und nicht immer erfreulichen Ereignissen. Aber sie schlägt sich tapfer durch und bleibt am Ball und kommt weit. Und zwar bis hinüber über den großen Teich: New York.
Doch daheim im ruhigen Städtchen wartet der Freund und irgendwann muß Peggy sich entscheiden.

Wofür sie sich entscheidet ist klar, wenn man den Untertitel liest. Manch einer wird sie für verrückt erklärt haben und nunja, im Osten stehen die Chancen bis heute ja nicht gerade zum besten wenn es um das Thema Arbeit geht. Und will man denn nicht gerade als junger Mensch die Welt erkunden?

Stephanie hat mir vorne ins Büchlein geschrieben „Rückkehren verbindet“, dem kann ich nur von Herzen beipflichten. Ich hab beim Lesen auch gleich die Verbindung gespürt, auch wenn ich älter bin und früher weg bin und schon nach dem Studium zurückkam.
Das hat auf jedenfall etwas mit dem Thema Heimat zu tun – auch wenn auf mich jetzt weder Liebe noch Eltern gewartet haben – dafür die Großeltern. Im Laufe der Jahre hat es mich schon immer wieder auch verwundert wo es überall sächsische Enklaven gibt und wieviele jüngere Menschen Woche für Woche zwischen Ost- und Westdeutschland pendelten. Jemand der bis New York gekommen ist, kenne ich allerdings nicht.

Wir leben heute in einer Welt, in der Familien oft verstreut sind und auch Freunde selten am gleichen Ort wohnen. Die Welt ist verdammt groß geworden. Es gibt durchaus viele Möglichkeiten, wenn man sie denn findet, oder das Geld dazu hat. Denn es hat immer auch mit Glück zu tun wie weit man kommt und was man damit anfangen kann. Viele können auch nur in die Ferne schauen, und sehnen sich vielleicht gerade deshalb besonders danach. Doch wenn man die Welt auch weiter weg kennengelernt hat sieht man die Heimat oft nochmal mit anderen Augen. Spätestens wenn es ans Famlie gründen geht überlegt man sich doch wohin, grade wenn man Familie hat mit der man sich auch versteht. Großeltern sind doch sehr hilfreich für die Kinder und auch alte Freunde sind schon was besonderes.
So kehrt manche*r wieder Heim und ist Glücklich damit und bestenfalls bringt die Person auch noch was mit, wie Stephanie Auras-Lehmann ihre Geschichte und ihr Projekt für Heimkehrer*innen.

Stephanie Auras-Lehmann

Heeme
14,99 €

https://www.heeme-buch.de/

 

Die Grüne Grenze

Ich machs kurz, meins war es nicht. Ich habs ziemlich lang probiert aber ich fand das Buch, soweit ich es gelesen habe, furchtbar träge. Im Buch geht es um ein Künstlerpaar, welches im Grenzgebiet der DDR wohnt und eine kleine Tochter hat. Die Mutter bzw. Schwiegermutter auch in der Nähe.
Unglaublich zäh wand sich die Geschichte, die sich im ersten Teil vorallem um den Mann und jungen Vater dreht.
Im nächsten Stück ging es um die kleine Tochter. Hier stieß mir sehr auf wie furchtbar altklug und wenig kindlich dieses Mädchen dargestellt wurde. Das ist mir auch bei anderen Büchern und Schilderungen von Kindern schon aufgefallen, das so etwas selten gelingen.
Wenn ihr positive Beispiele habt schreibt mir doch etwas in die Kommentare.

Eigentlich hatte ich mich bezüglich der Thematik (DDR, Grenzgebiet, Geschichte) sehr auf das Buch gefreut, auch wenn ich irritiert war das es von einer US Amerikanerin geschrieben wurde. Was ja durchaus auch neugierig macht.
Ich hab jetzt leider nicht so ganz die Titel parat, aber kann es sein das das Thema grade sehr beliebt ist bei amerikanischen Autoren und Autorinnen? Ja manchmal hilft vielleicht der Abstand, wenn man also nicht involviert war, aber ich glaube hier nicht unbedingt. Vielleicht bin ich auch zu voreingenommen. Faszinierend ist die Geschichte der deutschen Teilung natürlich schon. Zu be_greifen allerdings recht schwierig wie ich finde.

Bei anderen scheint das Buch sehr gut anzukommen. Im unten verlinken Radiobeitrag wird es „poetisch“ geannnt – nun Poesie fand ich für mich nicht. Aber wie es eben so ist, die Empfindungen für Bücher bleiben subjektiv, auch wenn es sicher ein paar Eckpunkte gibt an denen man gute Bücher bzw. gute Geschichten festmachen kann. Ich denke es hätte durchaus bessere Kandidaten gegeben für die Nominierung zum Leipziger Buchmessepreis: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/preis-der-leipziger-buchmesse-isabel-fargo-cole-und-esther-kinsky-nominiert-a-1192423.html gegeben.

Mich wundert es immer noch das ich grade Bücher die für Preise nominiert sind oft gar nicht so mag. Und ja, leider kann ich hier keine Empfehlung aussprechen

http://www.deutschlandfunk.de/isabel-fargo-cole-die-gruene-grenze-poetische-landnahme-im.700.de.html?dram%3Aarticle_id=408757
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Isabel Fargo Cole
geboren 1973 in Galena, Illinois, wuchs in New York City auf. Sie lebt seit 1995 lebt sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin. Ihr nominierter Roman „Die grüne Grenze“ spielt in Sorge, einem Dorf in der Sperrzone der DDR, in das ein junges Künstlerpaar 1973 zieht.

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Die Grüne Grenze
Edition Nautilus
26,- €

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https://www.volksstimme.de/kultur/literatur-amerikanerin-veroeffentlicht-harz-roman

Die deutsche Einheit – persönlich

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Brühlsche Terasse

Wohl die meisten wundern sich jedes Jahr aufs neue wie lang das schon wieder her ist, also die zumindest die es interessiert, das alles. Mir kommt es ein bisschen vor wie „noch nicht so lange her“. Es ist wohl eines dieser prägenden Erlebnisse, die immer einen wichtigen Meilenstein in meiner eigenen Geschichte ausmachen werden. Als Kind das Land verlassen, es aber nie vergessen. In der Bewusstheit aufgewachsen das mich die Verwandten von Drüben nie würden besuchen kommen können – zumindest bis zum Rentenalter. Und dem Wissen das alles was ich im Westen genoß für meine fast gleichaltrige Kusine nicht stattfand. Eine zeit lang habe ich ein Kinderbuch abgeschrieben, um es Ihr zu schicken – es war natürlich immer viel zu wenig Text und lang durchgehalten hab ich auch nicht. In die Briefe legte ich Papiertaschentücher mit ausgeschnittenen Kreisen, in welche ich 10 Pfennig Stücke packte, in der Hoffnung das Sie sich auch mal ein Duplo im Intershop kaufen konnte. Ich weiß gar nicht ob diese präparierten Briefe überhaupt angekommen sind.

Am Anfang war es anstrengend und komisch, im Aufnahmelager und später dann hatte ich furchtbares Heimweh. Es gab jetzt Taschengeld, und das wollte ich sparen um zurück zu meiner Oma zu fahren. Das ist mir nie geglückt, aber wir wurden in den Sommerferien nach dem Osten verschickt. Kann ich heute gar nicht recht glauben. Hatten die Eltern denn keine Angst das wir nicht mehr zurückkommen? Eine Wanderin zwischen den Welten. Ich beobachtete ziemlich genau wie es drüben und nüben so war. Man gewöhnt sich schnell an die guten neuen Sachen anderes dagegen irritiert einen schon länger, z.B. die Kinder und Ihr Verhalten. Im Osten waren es kleine Erwachsene, die Erfüllungsplicht eingeimpft von Anfang an. „Sei bereit, immer bereit“ …der tägliche Spruch. Sie waren meistens dünn und blass. So wie ich auch. Ich mußte damals im Osten bevor die Schule für mich losging zu einer Kur deswegen. Keine schöne Sache.

Im Westen waren die Kinder irgendwie weicher und besser genährt, alles war bunter. Ihre Art, ihr Spiel, der Schulunterricht und die Süßigkeiten sowieso. Ich erinnere mich noch wie ich mit einem Mädchen Blumen sammeln ging für ein Herbarium, schön war das. Oder wie locker alles in der Schule war und wie frei. Allerdings weit waren Sie nicht gekommen, und Sie schrieben sogar noch mit Bleistift und das in der zweiten Klasse. Ich erinnere mich an meine erste Milchschnitte, meine Güte war das lecker und fremd. Manchmal kaufe ich mir noch eine, auch wenn ich weiß das es eher Sondermüll ist. Aber Sie sind so speziell toll. Dann gab es total lustige Lutscher mit denen man pfeifen konnte. Und erst die ganzen tollen bunten Kinderbücher.

So wirklich selbstverständlich ist das heute alles immer noch nicht, es ist immer noch eine Form von Luxus, etwas besonderes, etwas was unheimliche Heimeligkeit ausstrahlt und ich stehe nur am Rand und schau es mir an, ich gehöre nicht dazu. Im Gegensatz dazu die oft kantigen DDR Kinderbücher, in einer schlichten Grafik und Illustration gestaltet meistens, so ne ganz bestimmte Art von Zeichnung. Es gibt ein Sammelband, das hab ich noch auf meiner Wunschliste – denn auch hier gab es schöne Geschichten, z.B. die mit dem Wolkenschaf. Die meiste Zeit lasen wir eh russische Märchen. Die mich heute manchmal arg an die Odyssee erinnern. Meine Oma las viel vor, das hab ich später sehr vermisst. So wie Ihren Garten und das Handarbeiten mit Ihr.

Als ich nach einem halben Jahr im Übergangslager im Westen dann wieder in die Schule ging wurde ich aufgefordert von der DDR zu erzählen. Aber beim besten Willen wußte ich nicht was ich sagen sollte. Es kamen auch keine konkreteren Fragen, schade eigentlich. Alles aus dieser Zeit hat sich intensiv eingeprägt, z.B. der Schreibwarenladen – dort wurde ich oft hingeschickt um mit einem Zettel in der Hand Zigaretten für den Vater zu holen. Die vielen wunderbaren Sachen dort, bedruckte Bleistifte, Schreibpapier mit Bildern, bunte Radierer und wie gut alles roch. Zu der Zeit kam grad das Umweltschutzpapier auf und trotzdem war alles so schön, eigentlich schöner, diese graubeige Papier – damals mußte man die Lehrer fragen ob man diese Schulhefte überhaupt nehmen durfte. Die 80iger. Es war irgendwie so ein bisschen Wunderland und das wirkt bis heute, Schreibwarenläden… mmmh wenn ich mal drin bin komme ich nicht so schnell raus. Ach und ich hätte total gern wieder so einen Stifteigel, das war einfach ein echtes Westprodukt, kennt Ihr die? Gibts die noch? Bunt bedruckte Bleistifte sind irgendwie leider sehr selten geworden, ich halte immer Ausschau danach, aber momentan reagiert wohl eine neue Sachlichkeit das Sortiment.

Ich war dann in der siebten oder achten Klasse und kein glückliches Schulkind, als die Mauer fiel. Man hatte schon etwas mitbekommen von den Montagsdemos, und telefonierte dazu auch, aber immer ganz vorsichtig weil man nie wußte was abgehört wird. Wenn ich mich daran erinnere sitze ich alleine in der Mitte unserer braunen Ledercoach und schaue heulend Fernsehen. Es war taghell, vermutlich war das ein paar Tage nach der tatsächlichen Begebenheit. Aber es bleibt in Erinnerung wie seinerzeit ein Raunen wie eine Welle über uns hinweg ging, die Mauer ist weg. Und dann die berührenden Bilder im Fernsehen. All die glücklichen Menschen und diese Idee von Freiheit die über dem Land wehte.

Leider hat man mit uns nicht darüber gesprochen, zumindest erinnere ich mich nicht daran und erst viele Jahre später fing ich an mir die Puzzelteile zusammen zu setzen, bis heute, und ich bin noch nicht fertig, die Interessengebiete wandeln und verlagern sich auch. Und für mich sind dann Bücher wie „17.Juni“ oder „Treibsand“ eine echte Offenbarung.

Unsere erste Fahrt mit dem Auto als komplette Familie zurück in den Osten sollte nicht die letzte bleiben. Es folgten viele Stunden auf der Autobahn und nebenbei beobachtete man den Fortschritt des Ausbaus der Strecken. Das erste Mal war noch sehr viel einspuriger Verkehr. Echt jetzt, ungelogen. Die Grenze war klar zu erkennen und lange lange Schlangen, aber das kannte man ja als Ostbürger und wir waren geduldig.

Inzwischen wohne ich seit fast 15 Jahren wieder in meiner Geburtsstadt, aber ein wenig Fremd fühle ich mich immer. Und ich bin wohl auch eher am Ende jetzt hier ein wenig hängengeblieben aus Mangel an Wahlmöglichkeiten. Und ich weiß nicht ob ich bleibe, ich wollte schon oft weg. Was nicht heißt das es nicht gut war wieder her zu kommen, es war wichtig, ja. Aber irgendwann heißt es weiterzugehen. Im Moment hab ich eher den Eindruck das ich mich damit abfinden muß wie es wohl jetzt ist, aber das sich abfinden war noch nie meine Stärke.

So wie sich damals eben viele auch nicht abgefunden haben mit den Zuständen und dem eingeschränktem Leben in der DDR. Heute gibt es andere Begrenzungen und Einschränkungen und ich finde auch nicht gut wie das alles gelaufen ist, aber ich bin sehr froh und sehr dankbar das es wieder ein Deutschland gibt. Was für eine kuriose Geschichte das ist mit diesen aufgeteilten Zonen, und den fremdbeherrschten Landstrichen. Ich will mal glauben das es heute anders ist und wir wieder mehr ein selbst bestimmtes Land sind als damals.

Das ganze Wochenende schon dröhnen die Feierlichkeiten von der Altstädter Seite hier zu uns auf der anderen Elbseite rüber. Wieder mal Feuerwerk. Und grad kommt im Radio etwas über den Besuch von Frau Merkel und ich schäme mich wieder fremd für die dümmlichen Parolen der Demonstranten. Und auch finde ich die Realitätsferne unserer Politiker unsäglich. Am Ende aber ist das meistens weit weg und man muß selber zusehen wie man mit seinem eigenem Leben klar kommt. So gern wäre ich einfach vorbeigegangen und hätte unsere Kanzlerin mal um ein Gespräch gebeten aber das ist nur eine Träumerei. Langsam wirds wieder ruhiger in der Stadt und ich werd mich zur Feier des Tages mit einem Cidre aus dem Bioladen und Richters „Dresden revisited“ in die Wanne legen. Angeheizt ist.

 

Die andere Seite – 17. Juni ´53

DSCN2987Vor kurzem hatte ich „Deutschland als Bilderbuch“ vorgestellt, es war im Grunde genommen nur Westdeutschland gemeint (obwohl das Buch von Deutschland spricht), bis auf wenige Ausnahmen. Auch in vielen Filmen wie z.B. dem kürzlich gesendetem 3 Teiler Ku`damm 56 wird Westdeutschland dargestellt, alles arg nett. Hübsch, bunt, bisschen Revolution der Jugend, aber sonst? Alle sind versorgt und in den besten Kleidern gekleidet und Mangel an Nahrung oder Wohnraum wird schlichtweg nicht thematisiert.
Gut am Rande bekommt man etwas von der anderen Zone, dem Osten mit – da gehts dann um die neue sozialistische Bewegung, Versammlungen, aber eben nur ganz am Rand. Und leider auch nur positiv dargestellt. So als wäre der Krieg zuende und einfach alles wieder ok. (die Fortsetzung von Kudamm ist ein bisschen besser aber auch glattgelutscht)

In „17. Juni – die Geschichte von Armin und Eva“ dagegen dreht es sich um den Osten, also der Zone, die unter Stalins Macht stand und sowjetisiert werden sollte, als Arbeiter- und Bauernstaat. Ich hatte das Thema damals in meiner Geschichtsabschlußprüfung und habe nach diesem Comic gemerkt das die Schulbücher doch auch ziemlich viel weggelassen haben.

Was war das für eine Zeit, 8 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs? Vielleicht war es ja im Westen wirklich alles schon so hübsch, im Osten war es das nicht, dort gab es noch Lebensmittelmarken und die Arbeit war hart, es ging darum den Soll zu erfüllen, der immer wieder angezogen wurde. Bauern wurden enteignet, zwangsintegriert in die LPG – den landwirtschaftlichen Großbetrieb der DDR.

Den Rahmen bildet eine sehr traurige Liebesgeschichte. Der Lauf der Dinge im Frühsommer ´53 wird dem Leser sehr gut nahe gebracht. Viele unschuldige Menschen sind damals im Gefängniss gelandet oder im Gulag, den Arbeitslagern der Sowjetunion. Vom Regen in die Traufe. Viele flüchteten schon vorher in den Westen und viele wohl auch danach, bis dem später durch den Bau der Mauer ein Ende gesetzt wurde.

DSCN2988Solche Momente unserer deutschen Geschichte dürfen nicht vergessen werden. Es darf nicht vergessen werden das die DDR ein Unrechtsstaat war, der am Ende doch genauso seine Bürger missbrauchte wie der Nationalsozialismus dies tat. Diese Zeiten sind lang noch nicht aufgearbeitet.

Meine Mutter ist 53 geboren, und wenn ich mich da mal so richtig hineinversetze was für Zeiten das waren, wie die Welt für die Menschen damals aussah in der DDR. Wie wenig Freiheit es gab, wie grau alles war und wie förmlich vorbestimmt die Lebenswege durch den staatlichen Einfluß, wie geschlossen das Land. Das ist schon eine ganz andere Welt wie heute. Immer wieder heftig wieviel sich in einem Menschenleben ändern kann.

Das kleine Buch hier konnte durch Förderung der brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung realisiert werden. Ich kann nur sagen: bitte mehr davon. Das ist Geschichte wie man Sie gut versteht, weil Sie so erzählt wird wie die Menschen sie erleben. Ich hoffe auf Fortsetzungen. Wirklich tolles Projekt mit viel Inhalt.

 

Autoren: Alexander Lahl, Tim Köhler, Max Mönch

Illustration von Kitty Kahane

17. Juni – Die Geschichte von Armin & Eva

Verlag Walde+Graf bei Metrolit

http://www.museumsmagazin.com/2013/03/berlin/die-geschichte-von-armin-eva/

schaut auch mal hier beim Tagesspiegel

http://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/geteilte_stadt_berlin/pwiejunideraufstand100.html
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andere Comics:
https://reingelesen.wordpress.com/2015/07/29/widerstandscomic-grenzfall/
https://reingelesen.wordpress.com/2016/08/25/wendecomic-treibsand/

 

Die Schwestern – Judka Strittmatter

DSCN2985Holprig, sehr holprig war der Einstieg in dieses Buch, wollte es schon sein lassen, aber dann war ich doch zu neugierig und hab die Disziplin angeschaltet und weiter gings.
Und es wurde besser. Die Sprache, der Textfluß. Wenn auch immer wieder ellenlange irgendwie vertrackte Sätze kamen, die das Verständnis erschwerten.

Ein wenig schwer fiel es mir auch, und das bis zum Ende die Schwestern auseinander zuhalten, was mir komisch vorkommt. Obwohl eigentlich immer Martha erzählt. Aber manchmal kam es mir vor als wäre Martha auch Johanne. Ich weiß nicht wieviel biografisches drin steckt bzw wie eins zu eins und wie auf verschlungeren Wegen. Am Ende schreibt ja jeder nur aus seiner Erfahrung heraus. Nur manchmal wenn der Autor selbst noch zu nah dran ist an seinem Thema – was ich hier Stellenweise vermute – wird es manchmal für den Leser schwierig zu folgen.

Viele Kriegsenkel werden sich wohl wiederfinden in diesen Verhältnissen die eher Antiverhältnisse sind. Die keine wirkliche Nähe oder Empathie besitzen und wo selbst die Schwester im Bezug auf die Eltern nicht auf der einen Seite stehen. Ich kann den Schmerz darüber nachfühlen. Manchmal wenn die Familie gegen einen ist fühlt es sich an als wäre es die ganze Welt und wenn dann auch noch die Schwester so anders und so weit weg in Ihrem handeln und leben agiert. Wie soll man sich fühlen? Explizit erzählt Martha das am Beispiel eines Besuchs. Ihr selbstgebackener Kuchen wird nicht gelobt, das Geständniss zur Therapie zu gehen ignoriert und schlußendlich als Ihr die Tränen kommen verlassen die Eltern ganz schnell den Tisch um sich anderen Dingen zu widmen.

Die Beziehungen sind sehr gut dargestellt, gefällt mir wie Sie auf den Punkt beschrieben werden. Die Themen benannt. Der Verhalten beschrieben. Ich bennen das extra weil ich es als eine gewisse Kunst finde dies zu benennen, Worte zu finden. Auch wenn es einfach wirkt, ist das nicht immer das schwierigste, dieses Zwischenmenschliche realistisch zu beschreiben?

Der Versuch eines gemeinsamen Urlaubs der Schwestern, vielleicht eine Art letzter Versuch einer Annäherung aber das in den Gefilden der Kindheit, da war vielleicht schon mit Ungutem zu rechnen? Nun wer nicht wagt der nicht gewinnt, wird sich Martha wohl gedacht haben.

Ein erster Eindruck zum Verhältnis der Schwestern: Martha über die Haare von Johanne “ ..das Gefühl auslöste, als beiße sie mit einem plombierten Zahn auf Alufolie..“ also wer da das Gesicht nicht verzieht.

Im laufe der Geschichte wird klar das auf der einen Seite die Eltern stehen mit Schwester Johanne die sagt „irgendwann muß es auch mal gut sein“ wenn die Sprache von Martha auf die Zeiten früher gebracht wird, in welcher sich Martha umgeben fühlt von Kälte und Häme. Eine Therapeutin erklärt Ihr das Sie beim Bäcker eben keine Koteletts bekommt. Aber Martha fällt es schwer loszulassen. Ist es ja auch. Der Kopf weiß das alles, aber das Herz sehnt sich nach Anerkennung und Zugehörigkeit, zutiefst menschliche Bedürfnisse. Der Schmerz von Demütigung und nicht gesehen werden treibt Sie um, immer und immer wieder.

Eine tolle Stelle finde ich den Vergleich der Eltern und Ihrer Spießigkeit und Unnahbarkeit mit der Scholle im Gartenverein, wo „Malve und Hortensie sich nur hintendran quetschen durften“

„wozu das Leben bejahen, wenn es auch Koniferen gab“

Ein wunderbarer Satz, wobei die Autorin wahrscheinlich im speziellen Fall der Konifere nicht von der heilsamen Wirkung weiß, aber egal, ich verstehe genau was Sie meint.

Neben all dem ein zweiter Erzählstrang; das Hotel „Sandbank“ – früher nur für Westler und hohe Tiere offen heute ein Hotel für Jedermann. Es geht um Gerüchte von Spitzeln, Stasi und Devisenhandel. Die Akte des Direktors wurde nun 20 Jahre nach der Wende gefunden, gerade zum Zeitpunkt als Johanne und Martha die alte Heimat aufsuchen. Synonym?

Es geht immer wieder um die Wandlung der Menschen die vorher im Sozialismus lebten und sich nun ihren Weg suchen im fremden Kapitalismus und einer versprochenen Freiheit, die manche auf gewisse Weise auch finden. Aber dies und das bleibt auch auf der Strecke oder muß sogar zurückgelassen werden um besser weiterleben zu können. Und Mitarbeiter die nach der Wende lange keine Arbeit hatten sind nun Ihrem Chef besonders treu, der eben auch im neuen Rahmen verstand mit den Menschen umzugehen. Wendehälse hier und dort. Was zählt da noch die Vergangenheit? Das Unrecht von damals?

Was konnte ein Einzelner schon tun gegen den Lauf der Geschichte?

Und was zählt ist doch das Jetzt, so denkt zumindest die Managerin des Hotels, Esther, die Martha aus Jugendzeiten noch kennt. Als Mädchen früher auf der anderen Seite, im Singkreis, bei den Christen.

Wie so oft: mal wieder finde ich den Klappentext schlecht weil er nicht stimmt, vorallem im Resümee: „Am Ziel Ihrer Reise – dem früheren Devisenhotel „Sandbank“ – werden die Schwestern mit einem Verrat konfrontiert, der über Nacht zum Zerwürfnis führt“ da ist Johanne schon längst abgereist.

Es gibt einen Verrat, ist es wirklich ein Verrat? Aber hat dieser überhaupt mit den Schwestern zu tun? Und das Zerwürfnis der Schwestern finde ich ein ganz eigenes Thema und vor allem besteht das nicht von Anfang an der Geschichte?

Ich weiß nicht genau ob ein Westdeutscher das Buch genau so versteht wie ein Ostdeutscher der noch Erinnerungen bzw. ein bisschen Wissen aus der DDR hat, wäre mal interessant zu erfahren. Bestimmte Stimmungen werden wahrscheinlich anders aufgefasst. Aber das schlechte Verhältnis zu den Eltern gibt es sicher so auch im Westen, denn das ist doch eher ein Generationenthema und keins der Staatsform.

Trotz schwerem Start merke ich gerade, wo ich hier darüber schreibe das ich das Buch gut fnde und wichtig. Ich werd es nochmal lesen glaub ich.

Judka Strittmatter

Die Schwestern

Aufbau Verlag

19,99 €

Deutschlandcomic

DSCN2958Von 1949 bis 2008 Deutschland in Bilder erzählt, ein fabelhaftes Buch. Richtig gut. Isabel Kreitz hat sehr verschiedene Ereignisse herausgepickt und jedem eine Seite zeichnungen gewidmet, links davon immer ein ganz kurzer Erklärungstext und das Jahr, z.B.

„Jetzt! neu! Der Supermarkt!“

1949 Im Sommer eröffnet die Hamburger Konsumgenossenschaft Produktion einen sogenannten „Selbstbedienungsladen“ nach dem Vorbild schwedischer Konsumvereine.“

Dazu dann eine kleine Geschichte die in einem altherggebrachtem Geschäft spielt wo die Hausfrauen dann über diese merkwürdige Idee der Selbstbedienung herziehn.

Immer wieder sind die Zeichnungen zum Text eine echte Überraschung und mit viel Humor erzählt. Wirklich immer eine Gute Idee dahinter.

Themen sind z.B. 1957 Pamir in Not, 1973 Ölfreier Sonntag , 1983 Der Bundestag sieht grün, sehr lustig ist z.B. auch die Story 1983 Herr Kujau geht einkaufen, falls sich jemand daran erinnert, da gabs ja später auch nen Film drüber usw.

DSCN2961Was mir ein wenig fehlt ist das Thema Ost West, es ist erheblich mehr Westdeutsche Geschichte vorhanden so das der Titel nicht ganz passt. Und 2011 als das Buch erschien wäre die Ostgeschichte ja schon wirklich gut möglich gewesen zu erzählen, ja das finde ich schon sehr schade. Man hätte das Buch von zwei Seiten aus erzählen lassen können.
Der Stil von Isabel Kreitz gefällt mir allerdings sehr gut. Sonst hat Sie sehr viele Kinderbücher illustriert wie z.B. Häschen in der Grube oder den Klassiker Pünktchen und Anton. Es lohnt sich ihre Seite mal zu besuchen, es gibt einiges zu entdecken. http://isakreitz.de/ Sie hat eine lange Liste an Werken, schon einige Preise gewonnen und zeigt aus vielem einen Ausschnitt.

Wer möchte, hier gibt es einen ausführlicheren Artikel zum Buch im Spiegel.

Isabel Kreitz

Deutschland ein Bilderbuch

19,99 €, erschienen 2011

Dumont Verlag

***

Da wird sich nie was ändern“ – ein Comic zum Jahr 1989 in der DDR. Ein ebenso tolles, wenn auch ganz anderes Comic zur deutschen Geschichte. Den Jaja Verlag kannte ich bis dato noch nicht. Wie es aussieht ein ganz bezaubernder hochengagierter Verlag.

DSCN2959 DSCN2960Die Autorin, 1979 in Neubrandenburg geboren hat die Stimmung wirklich sehr gut rübergebracht un dich hab bei manchem Bild gegrinst wie Detailgenau Sie den Osten mit wenigen Strichen wiedergegeben hat.

Da Sie selbst erst 10 Jaher alt war im denkwürdigen 89iger Jahr hat Sie viel mit Leuten gesprochen und sich viele geschichten von damals erzählen lassen. Das Buch ist auch wirklich sehr authetisch. Es gibt eine Hauptfigur Karla 17, deren Vater bei der SED im Kreisbüro arbeitet, und kleinere Nebengeschichten. Alles inklusive Flucht und Spitzel, und natürlich den Demos damals. Echt Gut.
Ein ähnliches Buch hatte ich letzten Sommer schon mal ausgeliehen – also unsere Bibliothek ist da wirklich gut am Start mit den neuen Comics – Die Geschichte „Grenzfall“ die auch die Stimmung kurz vorm Mauerfall wiederspiegelt. Wichtige Zeitgeschichte gut erzählt und auch für junge Menschen perfekt aufbereitet. So mag ich Geschichte. Nah dran und verständlich, erzählt in Biografischen Skizzen.

Wer noch mehr wissen will klickt einfach mal auf den Ttel, dort gibts auf der Verlagsseite noch mehr Bilder und Text. Ja und den Verlag werd ich auch mal versuchen im Auge zu behalten, gefällt mir Megagut. So herrliche Themen, so eine Vielfalt, schaut unbedingt mal rein. Ganz besonders interessieren würde mich ja das. Oder auch das Drachenbuch, die Postkarten, der Turnbeutel, das Origamipapier, das Abc Berlinbuch und und und 🙂

Ulla Loge

Da wird sich nie was ändern

18,- €, erschienen 2015

JaJa Verlag

Widerstandscomic Grenzfall

DSC05550Ich liebe Comics, auch wenn ich etwas wählersich bin und sicher subjektiv was den Zeichenstil angeht. Aber wer ist das nicht. Grenzfall hab ich gestern Nacht an einem Stück gelesen. Die Geschichte beginnt 1982 und erzählt anhand des Schülers Peter Grimm ein Stück DDR Geschichte. Genauer gesagt die Geschichte der Enstehung des Widerstand der am Ende zum Ende der Deutschen Demokratischen Republik führte. Im Anhang befindet sich ein Glossar mit wichtigen Begriffen und auch Zwischendurch werden DDR Vokabeln geklärt, für die jüngere Generation.

„Grenzfall“ wäre ein gutes Buch für den Geschichtsuntericht, weil hier einfach und in einem Unterhaltsstil wichtige deutsche Geschichte erzählt wird. Greifbar durch den privaten Faden eines jungen Lebens. Peter bekommt erst Probleme in der Schule – im Grunde wegen Nichtigkeiten. Später soll er angeworben werden vom Spitzeldienst, und in der zweiten Hälfte der Geschichte sehen wir Peter, nun mit Frau und Kind, als Bespitzelter und politischen Aktivisten.

Der Zeichenstil, ist schwarz-weiß und schlicht. Schrift sehr gut lesbar. Insgesamt ein guter Comic bzw eine interessante Graphic Novel. Und der Stil kommt der Geschichte sehr entgegen. So wird Geschichte gut greifbar finde ich, vorallem für junge schulmüde Menschen, die mal ein bisschen Unterhaltung brauchen und trotzdem was lernen wollen.

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Erschienen ist das Buch beim Avant Verlag
http://www.avant-verlag.de/comic/grenzfall

14,95 €

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Weitere Comics auf meinem Blog hier:
https://reingelesen.wordpress.com/2016/08/25/wendecomic-treibsand/
https://reingelesen.wordpress.com/2016/04/08/die-andere-seite/

Weitere Comics zum Thema:
http://www.avant-verlag.de/comic/berlin_geteilte_stadt
http://www.christoph-links-verlag.de/index.cfm?view=3&titel_nr=918
http://www.avant-verlag.de/comic/drueben

In Zeiten des abnehmendes Lichts – Eugen Ruge

Den Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hatte ich lange auf meiner Liste. Ich überlegte noch zwischen ihm und „Der Turm“. Den Turm habe ich dann aber im Ersten angeschaut, das war ok auch wenn ich mehr von der Geschichte erwartet hatte, nachdem was so drüber besprochen und wie Sie gehypt wurde – und da hat mich das Buch überhaupt nicht mehr angemacht, obwohl oder gerade weil ich auch in Dresden geboren wurde und hier meine ersten 8 Jahre meines Lebens verbrachte.

Nun gut, also die 2. Wahl. Und ehrlich auch nicht so ganz mein Geschmack. Das Buch bekam 2011 den  Deutschen Buchpreis, was ich so  nicht nachvollziehen kann. Aber sowas ist eher immer auch etwas Subjektiv.

Natürlich hat mich besonders das Thema DDR interessiert, und doch dachte ich das auch mehr über das Exil erzählt wird. Genauso wie ich es schön gefunden hätte mehr von der 3. Generation – in Person des Alexander, zu lesen. Das Buch wurde inzwischen sogar als Theaterstück umgesetzt. -> Deutsches Theater

Ich finde die grauen Eminenzen des Staates, in Form von merkwürdigen aber damals wahrscheinlich typischen Kollegen, der Arbeit der Protagonisten und dem entsprechendem Zusammen(k)leben – obwohl recht priviligiert,  haben zuviel Raum in diesem Buch und vieles war mir ungemein unsympatisch. Das graue Wabern von einem sich krampfhaft am Leben haltendem Staatssystem voller irgendwie sinnlos Beschäftigten ist richtiggehend körperlich spürbar. Ein ekliges Gefühl. In diesem Sinne hat E. Ruge es aufjedenfall geschafft das ganze sehr „lebendig“ darzustellen aber Freude das zu lesen macht es nicht, es wird einem nur übel davon. Vielleicht ist es das was manche so gut daran finden.

Und natürlich ist es wie mit allem was einem begegnet – zuerst erkennt man das was mit einem Selbst zu tun hat. Diese Themen springen einen regelrecht an (für mich hier das Thema der Generationen) und werden von einem anderem Leser wahrscheinlich ganz anders beurteilt ud gedeutet.

Wieder bekommen die Alten viel Raum – und auch wenn Sie die Geschichte begründet haben fehlt mir der Blick auf die Jungen und von den Jungen… sie ist mir zu spärlich gesät. Und nunja jetzt weiß ich wenigstens was hinter dem interessanten Titel verborgen ist, aber im Grunde würde ich den Inhalt den ich gelesen habe gerne abstreifen. Und doch hat es mich so lange bei der Stange gehalten das ich es Zuende gelesen habe. Nochmal lesen werde ich es auf keinen Fall.

Hier gibt es noch eine ausführlichere ganz andere Rezension: ->

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