Leinensee – Anne Reinecke

„Leinsee“ ist der erste Roman von Anne Reinecke. Er wurde schon hochgelobt und ist nominiert für den Debütpreis der LitCologne 2018, außerdem gab es ein Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin für das Manuskript Leinsee im Jahr 2012. Hier sieht man, dass es doch eine Weile dauert bis man so ein feines Werk zustande bekommt.
Ich hatte das Ganze als Hörbuch, und das war eine sehr gute Entscheidung, wie ich dann feststellen durfte. Der Lesende, der Schauspieler Franz Dinda, war ganz wunderbar. Seine Stimme, ja seine ganze Person scheint komplett mit Karl verbunden. Ich war gar nicht mehr so am zuhören, sondern regelrecht mittendrin.
Am Anfang habe ich mich gefragt warum ein Mann die Geschichte liest, obwohl es eine Frau geschrieben hat. Und klar frage ich mich auch wieder warum eine Frau einen männlichen Protagonisten wählt – davon gibt es ja nun mal schon sehr viele.
Wie wäre die Geschichte gewesen wenn es eine junge Künstlerin gewesen wäre? Nun ich denke der Rahmen des ganzen hätte erhebliche Probleme gemacht. Denn der junge Karl ist schon recht bekannt in der Szene, und es ist nun mal so, dass auch hier die Männer erheblich mehr Chancen haben, wenn wir die Realität betrachten. Aber die Literatur ist ja durchaus auch da um anderes auszuloten.

*Achtung in diesem Artikel wird gespoilert*

Auch ein anderer Handlungsstrang wäre sehr viel „schwieriger“ gewesen, wenn es eine Künstlerin gewesen wäre. Dazu gleich mehr. Ich denke es ist schon ausschlaggebend, das die ganze Geschichte eingebettet ist in einen großen Reichtum. Das dieser Reichtum durch das „Kunst machen“ entstand, gibt dem ganzen natürlich eine gewisse Coolheit. Die Kunst wird sehr ausgiebig thematisiert, was mir, als ehemalige Kunststudentin, sehr gut gefallen hat. Es ist nicht irgendeine Kunst, sondern schon was spezielles, es geht um Objektkunst. Um das sammeln und bewahren und um Erinnerungen. Auf einer anderen Ebene um weiches und lebendiges was sich später in er ausgehärteten Masse wiederfindet. Eine schöne Symbolik.
Auch dem jungen Karl geht es erstmal viel um Erinnerungen. Ich würde sagen das erste Drittel der Geschichte ist damit gefüllt.
Der junge und erfolgreiche Künstler Karl bekommt die Nachricht über den Tod des Vaters, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Der Vater hat sich suizidiert, weil er ohne die Frau an seiner Seite nicht mehr leben wollte. Die Mutter des Künstlers ist nämlich schwer erkrankt.
Der Vater hat sich auch hier am Schluß davon gestohlen.
Auch die Eltern waren Künstler, und zwar sehr bekannte. Der Sohn hat unter einem anderen Namen gearbeitet – er wollte seinen eigenen Weg gehen. Und das hat sehr erfolgreich funktioniert.
Nun wird er mit seiner Vergangenheit und dem Leben seiner Eltern konfrontiert. Übernimmt sozusagen ihr Haus, Atelier und Grundstück. Besucht die Mutter, die ihn nicht erkennt.
Karl bleibt und eignet sich die Vergangenheit inklusive Haus, Grundstück und Kunstwerken an. Das verändert viel für ihn und sein bisheriges Leben. Einfach ist es nicht aber durchaus aufregend und neu.
Und dann treffen wir Tanja, neben Karl und der Kunst im Roman, die dritte Hauptfigur. Ein Kind aus der Nachbarschaft, mit dem Karl sich anfreundet. Ein Kind, was auch ihn seine kindliche Seite ausleben läßt. Welches aber ganz ohne weitere Verbindung zu sein scheint. Die Figur schwebt förmlich in Karls Kosmos, und scheinbar nur dort. Es beginnt eine Art großes Spiel, welches ihn wiederum sehr mit der Arbeit seiner Eltern verbindet. Auch mit der Mutter kann nochmal eine neue Art von Beziehung beginnen, auf den letzten Metern.

Mir hat die Geschichte sehr gefallen, nur gegen Ende hin empfand ich eine Schwäche in der Beschreibung der Beziehung von Karl und Tanja, die vielleicht so etwas wie seelenverwandt sind. Es war CD 5 von 6. Da rutscht Anne Reinecke zu schnell über die Veränderung hinweg, meiner Meinung nach, das hat mir richtig einen Stich versetzt beim hören. Eine andere Leserin schrieb sowas in der Art, wie dass sie es toll fände das es zwischen Karl und Tanja, die beiden Hauptfiguren, so gar nicht komisch war in der Geschichte. Mir dagegen hat dieses „komisch“ gefehlt. Es bleibt für mich ein wenig flach – wo wir doch vorher auch viel an Karls Gedanken beteiligt werden, hier fehlen sie an der Stelle wo der große Altersunterschied zwischen Karl und Tanja immer wieder doch irgendwie Thema ist, und über den sehr schnellen Lauf der Jahre, als Tanja vom Mädchen zur jungen Frau heranwächst. Es wird schon versucht das in einigen Bildern darzustellen, aber mir geht das alles zu rund und zu einfach. Ich würde sagen „gerade in unseren Zeiten“, da würde doch sofort Verdacht aufkommen, wenn ein erwachsener Mann und ein kleines Mädchen befreundet sind. Vielleicht ist das alles auch viel zu heimlich, aber über eine so lange Zeit? Da ist niemand groß, der diesen kleinen Kosmos wirklich stört, bis auf einmal, dem auch eine lange Pause folgt und ein ganz selbstverständliches Wiedertreffen.

Ich freue mich auf mehr von dieser Autorin und bin gespannt auf die Themen.

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Hörbuch
6 CD , 7 Std. 39 Min.
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 27.00

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Heeme – ein Heimkehrerinnenbuch

„Heeme“, eine Mischung zwischen Erfahrungsbericht und Kurzroman. Ich habs direkt von der Autorin bekommen, mit Widmung. Sowas freut natürlich immer ganz besonders. Stephanie Auras-Lehmann kommt aus dem Spreewald und war selbst lange fern der Heimat. Sie ist eine aus der Generation, die in der Kindheit/Jugend die Wiedervereinigung Deutschlands erlebt hat. 1982 wurde sie geboren. In der Geschichte von „Heeme“ verarbeitet sie eigene Erlebnisse und Erinnerungen aus der Zeit nach der „Wende“ bis zu ihrer eigenen Heimkehr 2009 nach Finsterwalde. Dort hat Sie inzwischen eine Rückkehrerinitiative für den Landstrich Elbe-Elster aufgebaut.

Die Protagonisten haben alle sehr lustige Namen, und es ist durchaus ein leichtes Buch was sich sehr gut lesen läßt – mit einer Überarbeitung wäre es bestimmt auch was für einen Verlag der Bücher in einfacher Sprache rausbringt. Da fehlt nämlich noch jede Menge Literatur.

Die Heldin der Geschichte hat einen typisch Ostdeutschen Namen: Peggy 😉 und bleibt irgendwie übrig nach dem Schulabschluss im Osten. Alle anderen haben die Heimatstadt schnell verlassen, denn dort gibt es so gut wie keine Zukunft, sprich Ausbildungsstellen. Irgendwann packt es dann auch Peggy, und sie macht sich auf in die neue weite Welt. Die Möglichkeiten beim Schopfe packen. Da heißt es erstmal „sich zurecht zu finden“, die westlichen Gepflogenheiten kennenlernen und sich ganz neu eingewöhnen. So richtig Freunde findet Peggy aber nicht, und man merkt sie hängt an der Heimat. Doch das leben meint es auf eine andere Weise sehr gut mit ihr und Sie macht Karriere – allerdings mit so einigen Hürden und nicht immer erfreulichen Ereignissen. Aber sie schlägt sich tapfer durch und bleibt am Ball und kommt weit. Und zwar bis hinüber über den großen Teich: New York.
Doch daheim im ruhigen Städtchen wartet der Freund und irgendwann muß Peggy sich entscheiden.

Wofür sie sich entscheidet ist klar, wenn man den Untertitel liest. Manch einer wird sie für verrückt erklärt haben und nunja, im Osten stehen die Chancen bis heute ja nicht gerade zum besten wenn es um das Thema Arbeit geht. Und will man denn nicht gerade als junger Mensch die Welt erkunden?

Stephanie hat mir vorne ins Büchlein geschrieben „Rückkehren verbindet“, dem kann ich nur von Herzen beipflichten. Ich hab beim Lesen auch gleich die Verbindung gespürt, auch wenn ich älter bin und früher weg bin und schon nach dem Studium zurückkam.
Das hat auf jedenfall etwas mit dem Thema Heimat zu tun – auch wenn auf mich jetzt weder Liebe noch Eltern gewartet haben – dafür die Großeltern. Im Laufe der Jahre hat es mich schon immer wieder auch verwundert wo es überall sächsische Enklaven gibt und wieviele jüngere Menschen Woche für Woche zwischen Ost- und Westdeutschland pendelten. Jemand der bis New York gekommen ist, kenne ich allerdings nicht.

Wir leben heute in einer Welt, in der Familien oft verstreut sind und auch Freunde selten am gleichen Ort wohnen. Die Welt ist verdammt groß geworden. Es gibt durchaus viele Möglichkeiten, wenn man sie denn findet, oder das Geld dazu hat. Denn es hat immer auch mit Glück zu tun wie weit man kommt und was man damit anfangen kann. Viele können auch nur in die Ferne schauen, und sehnen sich vielleicht gerade deshalb besonders danach. Doch wenn man die Welt auch weiter weg kennengelernt hat sieht man die Heimat oft nochmal mit anderen Augen. Spätestens wenn es ans Famlie gründen geht überlegt man sich doch wohin, grade wenn man Familie hat mit der man sich auch versteht. Großeltern sind doch sehr hilfreich für die Kinder und auch alte Freunde sind schon was besonderes.
So kehrt manche*r wieder Heim und ist Glücklich damit und bestenfalls bringt die Person auch noch was mit, wie Stephanie Auras-Lehmann ihre Geschichte und ihr Projekt für Heimkehrer*innen.

Stephanie Auras-Lehmann

Heeme
14,99 €

https://www.heeme-buch.de/

 

Pirasol

Pirasol – das ist im Roman eine alte Villa. Das Zuhause der alten Gwendolin. Sie lebt schon eine ganze Weile hier. Früher mit dem viel älterem Ehemann und dem Sohn, der eine inzwischen tot, der andere lange fort. Die alte Dame ist aber nicht allein. Sie hat sich, wie schnell klar wird leider, auf eine Mitbewohnerin eingelassen. die Mitbewohnerin ist um einiges Jünger und schaltet und waltet sehr bestimmend. Gwendolin fühlt sich überhaupt nicht wohl damit.
Dieser Geschichtenstrang zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Buch und ist ein ziemlich angespannter Strang, mir wird am Schluß schon ganz hibbelig, so gespannt bin ich auf die Auflösung.
In den Zeiten dazwischen erinnert sich Gwendolin an ihre Zeit die Sie in Pirasol verbracht hat, aber auch an ihre Kindheit und Jugend im Krieg und vor allen den Nachkriegsjahren.

„…und sich gewundert hatte, warum er nur Papier ohne Zeilen benutzte und sich weigerte, seine Schrift auf gezogenen Linien abzulegen.“

Die ganze Geschichte hat etwas schleifendes, so wie das Leben Gwendolin geschliffen hat, wird auch der Leser geschliffen. Es fiel mir schwer das mitzumachen und durchzuhalten. Denn zwischendurch stopp es kurz und dann wird neu angesetzt. alles wird mehrfach aufgegriffen, jedesmal geht es ein Stück tiefer und Häppchenweise erfahren wir was in der Vergangenheit passiert ist.
Erfahren wie Gwendolin ihre Eltern verlor und in welcher bangen Hoffnung sie nach dem Krieg grade so überlebt.
Es scheint Sie ist erstarrt durch das was Sie schon früh erlebt hat. In ihrer Ehe wird das Ihr und dem gemeinsamen Sohn zum Verhängnis.
Was macht man nun mit diesen Erfahrungen, die einen still werden ließen. Was macht man jetzt im hohen Alter mit diesem Leben?

„… und Gwendolin spürte, wie sie sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete: die Einsamkeit, wenn man andere Menschen zueinander geführt hatte.“

Susan Kreller hat eine feine angenehme Sprachmelodie in den Roman gewirkt, immer wieder webt sie kleine Poesien sein, die viel Atmosphäre erzeugen. Eine echte Stärke des Romans. Er hat mich sehr berührt und so manches mal sind mir die Tränen gekommen, was mir eher selten beim lesen passiert.
Beim schleifenden der Geschichte bin ich mir nicht scher ob es ein ausgefuchstes Stilmittel ist, welches uns immer mehr hineinziehen soll oder ob es nicht eine Schwäche in der Erzählung ist? Zwischendurch empfand ich es schon durchaus auch als lästig und hätte mir gewünscht das die Dinge mit einem mal „erledigt“ werden und nicht zwei-, dreimal wieder angefasst werden um dann doch noch wieder neues zu offenbaren. Ja ich denke man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und es hätte ihr vielleicht auch gut getan. Aber ich glaube dann wäre nicht diese besondere Stimmung zu Tage getreten. Welches Leben läuft schon gerade? Was gelingt schon im ersten Anlauf? Und ja, wie vieles gelingt nie?

„..und der das, was war, in aller Lautstärke vergaß.“

Worüber ich froh war, das war das versöhnliche Ende, welches ich Gwendolin auch aus tiefstem Herzen gegönnt habe.
Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Wermutstropfen, auch wenn es die Geschichte von Gwendolin ist, dreht sich doch sehr viel mal wieder um die Männer, erst den Vater, dann den Ehemann und später den Sohn. Die Frauen bleiben zu oft Randfiguren, sehr schade.

„Er lachte, weil es seine Art zu weinen war … und wie sie selbst weinte, indem sie nicht mehr weinte“

Näheres zum Inhalt:

Das Mädchen was von einer Nachbarin gerettet wird, unter Umständen die ihr das fühlen abgewöhnen. Umstände die viel Kraft kosten um sie zu überleben. Der Vater der aus dem Krieg heimkehrt, mit dem das Mädchen in seiner Abwesenheit all die Bücher geteilt hat, die eigentlich längst verbrannt sein sollten. Bücher die das Mädchen nie vergessen wird, und die auch ihr Sohn ganz heimlich entdeckt, viel viel später. Bücher spielen eine große Rolle und haben sehr viel zur Rettung beigetragen – ich kenne das. Bücher die einen sich selbst wiederfinden lassen. Bücher die trösten oder neue Welten zeigen. Bücher die ein Heimatgefühl oder Geborgenheit schenken. Bücher auch in Form von Buchläden als Zufluchtsorten und Buchhändlern als Vertraute.
In der Erstarrung und Einsamkeit findet Gwendolin ein aufgewecktes paar graue Augen und lässt sich davon einnehmen. Lernt das Haus Pirasol kennen und verliebt sich sofort. Die Ehe wird ein Alptraum, die grauen Augen werden hart und bitter und lassen besonders am gemeinsamen Sohn alle Bösartigkeiten und Demütigungen aus. Strafen Gwendolin mit einer Kälte die Sie weiter in einer stummen Erstarrung verharren lässt. Der Widerstand so zart und leise das er nur für sehr kleine Glücksmomente reicht. Für ihren Sohn reicht es nicht.

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Pirasol
Susan Kreller

Piper/Berlin Verlag
Hardcover 20,- €  / Taschenbuch 11,- €

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Ein Auszug aus dem Roman erhielt den GWK- Förderpreis 2014
Susan Kreller: Geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin

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zum reinhören
https://www1.wdr.de/kultur/buecher/susan-kreller-pirasol-104.html

Das Glück ist ein Vogerl

Zur Abwechslung mal etwas leichtere Lektüre, dachte das hilft mir beim einschlafen.
Der Buchrücken sagt: „Eine literarische Komödie über die Liebe und die Tücken der Unsterblichkeit“.
Nun ja die Liebe, spätestens seit Liv Strömquist wissen wir, das es damit nicht ganz so einfach ist.
Hier haben wir den Franz, dessen Name sehr sehr oft erwähnt wir diesem Buch, sowie auch die Namen der anderen Protagonisten und Protagonistinnen, der Musiklehrer ist, aber eigentlich lieber ein Rockstar wäre. Früher hatte er auch mal eine Band. Inzwischen versucht er mehr schlecht als recht, Kindern die Musik nahe zu bringen.
Er wohnt zusammen mit seiner Frau – die im Buch nicht gut weg kommt – und seiner Tochter in einem vererbten Häuschen. Finanziell sieht es nicht so rosig aus, auch ein Grund warum sich der Franz nicht um seine Rockstarkarriere kümmern kann.
In der Ehe krieselt es, aber der Franz hängt an seiner Frau, warum wird mir leider nicht klar, denn die Frau, sie heißt Linn und ist Übersetzerin, ist einfach nur nervig und einem Glücksguru hörig, für den sie im laufe der Geschichte auch anfängt zu arbeiten. Die beiden, also Franz und Linn wollten eigentlich zusammen einen Workshop besuchen, aber da fingen die Probleme dann erst richtig an.
Eine Tochter gibt es auch, die pupertiert und hat es auch nicht einfach mit den viel beschäfigten Eltern und als Lehrerkind.
Nach einem Unfall sieht der Franz plötzlich einen Geist und fragt sich ob er jetzt ein Burnout hat.

Die beiden Herren machen sich dann gemeinsam auf eine Reise, also Franz und der Geist, und es ist einiges los in der Geschichte. Mich erinnert der Schreibstil sehr an meine Jugend, in der ich gern Christine Nöstlingers „Gretchen Sackmaier“ las. Das kommt vielleicht daher das die Autorin Ingrid Kaltenegger in Salzburg aufwuchs. Sie trifft den Ton aufjedenfall gut, man muß es halt mögen. Insgesamt ganz gute und leichte Unterhaltung mit einem positiven Ende. Also etwas zum entspannen. Allerdings ist mir die Rollenverteilung dann doch etwas zu konservativ und alles etwas zu vorhersehbar.

Die Autorin ist übrigens die nächsten Monate auf Lesereise.

Der Titel der Geschichte geht auf ein Lied zurück, welches auch eine wichtige Rolle im Buch spielt, hört doch mal rein:

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Ingrid Kaltenegger
Das Glück ist ein Vogerl
Hoffmann und Campe
20,- €

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Ingrid Kaltenegger, geboren und aufgewachsen in Salzburg, ist Schauspielerin und Drehbuchautorin. 2015 wurde ihr Text Punks Not Dead mit dem Deutschen Kurzkrimipreis ausgezeichnet. Ingrid Kaltenegger lebt mit ihrer Familie in Köln. Das Glück ist ein Vogerl ist ihr erster Roman.

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Wer gern Vögel mag, der schaue doch mal auf meinen Handarbeitsblog, dort ist ein nettes Osterküken gelandet, inklusive Link zur Anleitung.

Und es schmilzt

Selten hatte ich ein Buch mit so einem schönem Einband, geschweige denn einem echtem Farbkonzept und solch einem farbigen Schnitt. Wirklich wunderschön gemacht und sehr verführerisch. Schlußendlich hat mich die Gestaltung auch verführt das Buch zu lesen.
Das ist eines der Bücher aus dem Überraschungspaket vom S. Fischer Verlag gewesen, ich hatte dazu etwas im Artikel über das Bloggen geschrieben. Ich bin eine Weile drumrum geschlichen, weil der Klappentext so klang als wäre es kein Buch für sensible Menschen wie mich.  Aber dann war ich doch zu neugierig.
Die Autorin wird in ihrem Heimatland Belgien sehr gefeiert. Belgien also, puh, da hätte ich jetzt doch ein paar Fragen.
Denn, Achtung! dieses Buch ist brutal und es ist mir ein Rätsel, wie man dieses Werk feiern kann. Ich weiß nicht warum so ein Buch geschrieben wird und wozu?

Mir gingen lange nach dem lesen die Figuren, besonders die 2 Mädchen, die Hauptfigur Eva und die kleinere Tesje, nicht aus dem Kopf und ich hätte gern darauf verzichtet. Der Aufbau der Spannung ist logisch, dadurch das mal hier mal dort was gestreut wird. Darin sehe ich jetzt kein besonderes Talent, sondern eine Schreibtechnik die immer funktioniert, oder sagen wir meistens. Erstaunlich ist für mich die Dicke des Buches. Ich frag mich jetzt, ist denn da wirklich so viel passiert, das es echt diese vielen Seiten füllt?

Wir begegnen Eva, und ihrer Familie. Ihrer dysfunktionalen und kaputten Familie, in der die Kinder vollkommen allein auf sich gestellt scheinen. Und im Grunde nicht mal wirklich mit dem nötigsten versorgt sind.
Schnell läßt uns Lize Spit in der Atmosphäre ankommen. Das gelingt ihr ganz hervorragend. Die Beschreibung des Dorfes und seiner Bewohner. Wir werden teilhaben an kleinen Ritualen und dem Alltäglichen, befinden uns ganz nah dran. Ein Ort, begrenzt, und jeder kennt jeden. Schnell kommt Lize Spit zur Sache, hier und dort werden die Samen gestreut, die später aufgehen. In anderen Rezensionen las ich das der Anfang seine Längen hätte, das kann ich so nicht sagen. Es gibt nicht soviel Handlung aber eine Verdichtung von Atmosphäre, der Nährboden auf dem sich die Grausamkeiten entfalten.

Und da geb ich einem Kommentar auf dem Buchrücken recht: „…gnadenlos, knallhart und kompromisslos grausam…“ Die Auswahl ist immer klein für Eva. Ob es um einen eigenen Platz geht, um das Essen, gute Momente, Freunde. Es gibt keine Vertrauten, dafür aber einen kleinen Kreis von „Freunden“. Jungs. Und dann noch ein Mädchen. Diese Verbindungen, die tage auf dem Dorf, das alles ist wirklich gut geschrieben.

Aber warum Gewalt – die so schon so verbreitet ist – auch noch so detailiert in der Literatur schildern, wie es hier passieren wird? Wenn eben nichts daraus gezogen werden kann. Oder was bitte sollte man aus expliziter Schilderung von Gewalt ziehen? Die Wucht der Brutalität und des Leidens, welchen einen innerlich fast erschlägt? Und die Momente der Gewalt werden hier und da gestreut, sie wachsen, nach und nach. Kleine Begebenheiten bis zu einer furchtbaren Tat an Eva. Als gäbe es nicht schon genug schreckliches im Leben des Mädchens, der Schwestern… Und das Ende? Ich bin so überhaupt nicht einverstanden damit. Gut es bleibt eine kleine Lücke die unserer Interpretation überlassen ist….

Ich hoffe nicht das so viele Menschen das Buch lesen und ich hoffe es wird kein Erfolg. Es wird drüber gesprochen und ich bin entsetzt wenn ich Lob darüber höre. In der japanischen Literatur gab es ja dieses exzessive sich selbst zerfleischen und zeigen, in der Postmoderne, aber hier kann ich es nicht einsortieren.
Wie kann man selbst in solche eine brutale Welt einsteigen als Schriftstellerin,  es kommt mir ein wenig krank vor, im Sinne von einer Art Selbstgeiselung oder auch Bösartigkeit . Oder ist es die Verarbeitung eines Traumas? Sollte dieser Text nicht unbedingt eine Triggerwarnung dabei haben? Ich habe es weiter gelesen, weil ich immer noch auf einen kleinen Fitzel von gutem hoffte. Das ein kleines Stück gutes Ende dabei sei. Aber das Ende ist ja nicht mal ein richtiges Ende.
Die Autorin hat es geschafft das man die Kälte am eigenem Leib spürt und diese graue Wolke um alles. Das man mitten drin ist. Aber wer will schon mitten in so einem Horror sein, der für einige Menschen sehr wahrscheinlich nah an der Realität ist?

Ich bin froh das ich zwischen dem Lesen und der Rezension einige Monate habe vergehen lassen, so das ich jetzt im Nachgang durchaus auch der Qualität die das Buch hat Raum geben konnte. Denn direkt nach dem lesen war ich einfach nur geschockt und wütend. Ich wünschte mir trotzdem noch ich hätte es nicht gelesen.

Hat jemand von Euch das Buch gelesen? Wie geht ihr mit so etwas um?

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Lize Spit
Und es schmilzt
S.Fischer Verlag

22,- €

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Die Schlange von Essex

Mit der „Schlange von Essex“ gewann Sarah Perry 2017 den britischen Buchpreis für den besten Roman und das Beste Buch insgesamt. Leider habe ich keinen Vergleichswert was britische Bücher angeht. Das Wissen um den Preis hat mich aber angehalten dabei zu bleiben, denn ich wahr mehrfach versucht das Buch wegzulegen. Es ging mir zu langsam vorwärts und schien mir in mancher Hinsicht zu leicht vorhersehbar.
Eine Stärke des Buches sind sicher die Schilderungen der Atmosphäre und der Landschaft von Essex.
Die Geschichte plätschert so ein wenig vor sich hin.
Cora, eine junge Mutter, verliert ihren Mann durch Krankheit. Für Sie ist es ein Befreiungsschlag. Wir Schreiben das Jahr 1893. Sie und Ihr Sohn, der vermutlich Autist ist, ziehen für eine Weile aufs Land. Cora hat eine ganz große Schwäche für Fossilien und liebt es in der Erde zu wühlen. Dabei haben Sie eine Begleiterin, die sich um beide kümmert – wach, sozial engagiert und ein wichtige Stütze für beide. Überhaupt mag ich die Frauen, die hier viel Platz einnehmen, sehr. Durchaus kann man bei einigen von emanzipierten Personen sprechen.
Es gibt dann noch 2 Nebenfiguren, deren Rollen mir nicht so ganz klar wurden, ich fand Sie bisweilen etwas nervig. aber wir erfahren durch diese beiden etwas über die Chirurgie der damaligen Zeit.
Die Beziehung aber, um die sich der Hauptteil der Geschichte dreht – also außer der Beziehung zur Landschaft von Essex – ist die Beziehung zwischen Cora und dem Pfarrer des kleinen Örtchens auf dem Land. Aldwinter.
In der Beschreibung lesen wir das es besonders um die zwei Einstellungen der beiden gehen soll. Der Religion und der Wissenschaft. das tut es durchaus, aber der Pfarrer ist doch ein ziemlich offener Geist und jung genug um sich mit neuen Denkansätzen zu befassen. So wurde ich dann diesbezüglich ein wenig enttäuscht.
Am Ende ist einiges verloren gegangen, hat sich anders entwickelt als gedacht, und vieles scheint in der Geschichte Anfang und End e gefunden zu haben.

„Anmutig und intelligent“ erzählt… so heißt es auf dem Buchrücken. Mir hätte ein bisschen weniger Anmut ganz gut gefallen, ein bisschen mehr Spannung. Wobei die Küste schon sehr gut beschrieben ist und die Schlange von Essex wohl die größte Überraschung bietet, neben dem leichten Grusel und der Aufregung, welche die Bürger überfällt. Und das sehr gut zu spüren ist durch die Zeilen.
Ach und um Liebe geht es auch, an vielen Stellen zwischen allen möglichen Personen, auf alle möglichen Arten.
Das Buch ist sicher eine ganz gute Abend- oder Urlaubslektüre. Nicht zu fordernd, nicht zu heftig, und durchaus unterhaltsam. Ich denke er braucht etwas um seine wirkung zu entfalten. Was der Autorin sehr gut gelungen ist, wie ich finde, Sie versetzt einen ganz wunderbar in eine andere Zeit.

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Sarah Perry
Die Schlange von Essex
Übersetzt von Eva Bonné
Eichborn Verlag, 24,- €

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Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den Wellcome Book Prize.

Die Grüne Grenze

Ich machs kurz, meins war es nicht. Ich habs ziemlich lang probiert aber ich fand das Buch, soweit ich es gelesen habe, furchtbar träge. Im Buch geht es um ein Künstlerpaar, welches im Grenzgebiet der DDR wohnt und eine kleine Tochter hat. Die Mutter bzw. Schwiegermutter auch in der Nähe.
Unglaublich zäh wand sich die Geschichte, die sich im ersten Teil vorallem um den Mann und jungen Vater dreht.
Im nächsten Stück ging es um die kleine Tochter. Hier stieß mir sehr auf wie furchtbar altklug und wenig kindlich dieses Mädchen dargestellt wurde. Das ist mir auch bei anderen Büchern und Schilderungen von Kindern schon aufgefallen, das so etwas selten gelingen.
Wenn ihr positive Beispiele habt schreibt mir doch etwas in die Kommentare.

Eigentlich hatte ich mich bezüglich der Thematik (DDR, Grenzgebiet, Geschichte) sehr auf das Buch gefreut, auch wenn ich irritiert war das es von einer US Amerikanerin geschrieben wurde. Was ja durchaus auch neugierig macht.
Ich hab jetzt leider nicht so ganz die Titel parat, aber kann es sein das das Thema grade sehr beliebt ist bei amerikanischen Autoren und Autorinnen? Ja manchmal hilft vielleicht der Abstand, wenn man also nicht involviert war, aber ich glaube hier nicht unbedingt. Vielleicht bin ich auch zu voreingenommen. Faszinierend ist die Geschichte der deutschen Teilung natürlich schon. Zu be_greifen allerdings recht schwierig wie ich finde.

Bei anderen scheint das Buch sehr gut anzukommen. Im unten verlinken Radiobeitrag wird es „poetisch“ geannnt – nun Poesie fand ich für mich nicht. Aber wie es eben so ist, die Empfindungen für Bücher bleiben subjektiv, auch wenn es sicher ein paar Eckpunkte gibt an denen man gute Bücher bzw. gute Geschichten festmachen kann. Ich denke es hätte durchaus bessere Kandidaten gegeben für die Nominierung zum Leipziger Buchmessepreis: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/preis-der-leipziger-buchmesse-isabel-fargo-cole-und-esther-kinsky-nominiert-a-1192423.html gegeben.

Mich wundert es immer noch das ich grade Bücher die für Preise nominiert sind oft gar nicht so mag. Und ja, leider kann ich hier keine Empfehlung aussprechen

http://www.deutschlandfunk.de/isabel-fargo-cole-die-gruene-grenze-poetische-landnahme-im.700.de.html?dram%3Aarticle_id=408757
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Isabel Fargo Cole
geboren 1973 in Galena, Illinois, wuchs in New York City auf. Sie lebt seit 1995 lebt sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin. Ihr nominierter Roman „Die grüne Grenze“ spielt in Sorge, einem Dorf in der Sperrzone der DDR, in das ein junges Künstlerpaar 1973 zieht.

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Die Grüne Grenze
Edition Nautilus
26,- €

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https://www.volksstimme.de/kultur/literatur-amerikanerin-veroeffentlicht-harz-roman

Der Sommer ihres Lebens

Eine Amsel. Sie singt ihr Lied. Und dann begegnen wir Frau Wendt. Vor dem Speisesaal. Sie macht sich Gedanken über Zeit und Ewigkeit und überlegt wohin Sie muß.
Frau Wendt läuft an ihrem Rollator durchs Haus und nach draußen. Immer wieder verschwimmt das Jetzt und Erinnerungen tauchen auf. Wir dürfen dann das „Mädle“ kennenlernen, welches in Mathe so viel besser wie die Buben war.
Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch. Es erzählt soviel über diese Geschichte und die Erzählweise. Gerda wie sie springt und Gerda wie sie nur noch langsam mit dem Rollator vorwärts kommt. Mir schnürt es ein wenig die Kehle zu.

Es wird schnell klar das Gerda eher eine Außenseiterin war, was mich persönlich gleich mit ihr verbindet, weil es mir auch so ging. Und Gerda hat eigene Interessen und weiß sich zu beschäftigen.
In kleinen dunklen Kästchen erzählt die Stimme aus dem Off…  Gerda Wendt die sich erinnert, …sich erinnern will.

Mein nächstes Lieblingsbild: Gerda mag Zahlen und Sterne, von denen sie sagt sie sind ihr ähnlich… sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht. *Schluck*
Ist das nicht wundervoll getroffen, dies Spiegelung in der gedachten Fensterscheibe?
Gerda beginnt einen vielversprechenden Weg und doch, wie bei sovielen Frauen, gibt es die Institution Ehe und ein Kind. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.
Ich möchte nicht viel mehr verraten. Ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Eine Anmerkung ist mir noch wichtig, mir gefällt das das Altenheim neutral bis positiv dargestellt ist.
Mein letztes Lieblingsbild zeige ich nicht, es ist das mit den vielen „i“´s.
Dieses Grafik Novel berührt sehr. Liegt es am sentimentalen der Erinnerungen – wie es eben Erinnerungen so an sich haben? An der „schwere“ und den „Umständen“ des Alterns? Oder weil ich persönlich Verbindungen ziehe? An der eigenen Einstellung zum Tod, der ja unweigerlich folgt? Irgendwann ist es zu Ende. Für jeden von uns. Wir treffen Entscheidungen. Dinge nehmen ihren Lauf und wie Gerda sagt: „am Ende bleibt nur eine Möglichkeit übrig, eine Wirklichkeit.“
Die Farben und Zeichnungen ziehen mich ganz schön hinein in die Geschichte. Aber auch die Geschichte selbst berührt mich sehr. Es bleibt ein Kloß im Hals. Ein Menschenleben.

***

Der Sommer ihres Lebens

,

80 Seiten, farbig, 19 x 29 cm, Hardcover

20,- €,  Reprodukt

Mutterkörper – Muttergehäuse

„Muttergehäuse“, mein erstes Buch aus dem Kremayr und Scheriau Verlag aus Österreich, die eine sehr interessante Auswahl bei den Romanen haben.
Mich hat das Thema besonders interessiert; und die wunderbare Aufmachung des Buches hat mich sehr angezogen. Ist ja doch nicht so üblich, das Bücher so ein schönes Rundumpaket bilden. Übersichtliche Kapitel gliedern die Geschichte der Autorin.
Gertraud Klemm schreibt von ihrem großen Kinderwunsch. Sie hat einen Partner und ist im richtigen Alter und gut eingebettet in das soziale Leben. Überall um sie herum bekommen die Freunde Kinder. Wachsen zu Familien, werden aus Pärchen, Trios. Wunschkind. So sehr gewünscht. Aber es klappt nicht.
Mich hat das Thema gleich gepackt und auch die wunderbare „Schreibe“. Hab mich sofort festgelesen. Einiges kommt mir sehr bekannt vor, auch wenn meine eigene Situation doch anders ist. Manchmal fast lakonisch, aber ausführlich und die Ecken und Zwischenräume auslotend, wird erzählt wie das ist wenn es nicht klappt. Wieviel Fragen da entstehen. Wieviel Trauer, Schmerz und Abgrenzung da passiert. Wie tief das geht und was es alles so umfasst, wenn es einem nicht gelingt schwanger zu werden. Und wie dafür eine Erklärung gesucht wird. Immer mit einem Auge auch bei den Anderen, denen mit Schwangerenbauch, Krankenhauserfahrung und Kindern.
Das Muttergehäuse will wohl keine Mutter sein. Müßte es nicht Kindergehäuse heißen? Ja, bloß ohne Kind? Ist es ein Körper der nicht mitmacht, bei dem was eigentlich so verdammt natürlich erscheint. Also doch Muttergehäuse. Das Mütterliche ist schon da, und der Wunsch eben Mutter zu sein. Was fehlt ist das Kind.

Gertraud Klemm fand keinen Trost in Büchern, deswegen hat Sie das „Muttergehäuse“ geschrieben. Für die denen es auch so gut. Sich Verstanden fühlen hilft, da hat Sie absolut recht.
Hier ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Die Autorin und Ihr Mann beschließen zu adoptieren. Und das auch noch in Afrika. Der nächste Stolperstein fürs Umfeld.
Insgesamt bleibt die Geschichte aber ganz stark beim eigenen Körper und den eigenen Gefühlen und Gedanken. Das erscheint manchmal befremdlich, vor allem dort wo später das Adoptivkind vorkommt. Ist aber auch konsequent in der Form und ergibt eine runde Sache.
Zwischendurch immer wieder Seiten mit Traumnuancen. Hier bleibt man nicht an der Oberfläche, sondern dringt ins Innerste vor. Wir kommen der Autorin und der Thematik des Kinderwunsches sehr nah.
Ein gelungenes Buch, was sich trotz der Thematik gut lesen lässt.

***
Gertraud Klemm
Muttergehäuse
Kremayr und Scheriau
19,90 €
***

Gertraud Klemm (Autorin)

1971 in Wien geboren. Biologiestudium, Gutachterin bei der Stadt Wien, seit 2006 freie Autorin. Ihr zuletzt erschienener Roman „Aberland“ wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 nominiert. Etliche Preise und Stipendien, u.a.: Wiener Literatur Stipendium, Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014

 

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Chimamanda Ngozi Adichie – Liebe Ijeawele…

Nachdem ich „Mehr Feminismus – ein Manifest und vier Stories“ mit Begeisterung gelesen hatte, war ich eigentlich ziemlich gespannt drauf wann Chimamanda Ngozi Adichie (seit ich auf Instagram bin erwarte ich manchmal das es mir auch hier die Wörter ergänzt *lach*) irgendwann einmal zum Thema Kindererziehung, bzw. überhaupt über das Thema Familie gründen, Kinder kriegen, leben mit Mann und Kind, zu sagen hätte.
Nun liegt das kleine Buch „Liebe Ijeawele… – wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“ vor. Ein langer Brief an eine Freundin der Autorin, die Mutter einer Tochter wurde.
15 Vorschläge – die mir manchmal aber doch etwas Rat_schlagend daherkommen, fast das Buch zusammen. Trotzdem aber viel wichtiges dabei.
Wie z.b. das Thema nett und freundlich sein – darauf werden wir als weiblich geborene Menschen ja stark geprägt. Und wieviele Frauen haben ihr Leben lang ein schlechtes Gewissen wenn Sie sich ausnahmsweise mal durchsetzen, sich um sich selbst kümmern.
Das ist bei uns in Europa auch nicht anders als in Afrika. Echt erschreckend. Leider. Also lasst uns die permanente Nettigkeit vergessen und uns lieber der Authentizität zuwenden, und das auch unseren Kindern beibringen.
An vielen Stellen merkt man natürlich das C.N. Adichie aus einem ganz anderem Kulturkreis berichtet, das habe ich ja auch schon bei „Mehr Feminismus“ angemerkt. Aber ich finde das macht es eigentlich nur doppelt interessant, weil wir noch dazu lernen und interessante Vergleiche haben. Und sie selbst zieht auch Vergleiche zwischen dem Heute und den Erfahrungen aus Ihrer eigenen Kindheit.

Das Thema Geschlechterrollen werden wir überall und auf verschiedene Weise finde. Und hier und dort setzt man sich damit einfach schon mehr auseinander, bzw. soll es auch Völker geben in denen die Geschlechterrollen ganz anders verstanden werden.
Wir spüren das hier in Deutschland Europa vielleicht gar nicht so deutlich, deswegen heißt es genau da auch besser hinzuschauen und eingeschlagene Pfade zu hinterfragen. Vieles ist so normal, weil wir damit aufgewachsen sind und unser Umfeld uns nur dieses eine Bild geboten hat – was aber eben nicht heißt das es in Ordnung ist oder man sich dem auf immer und ewig unterwerfen müßte. Ich freue mich z.b. das es inzwischen auch professionellen Frauenfußball gibt, obwohl dieser Sport eine Männerdomäne ist – die Frauen setzen sich hier langsam durch, und spielen meist den besseren Fußball, weil echten Fußball. Da geht es wirklich mehr um den Sport als um Personenhype und Geld, wie bei den Männern.
Frauen fehlen immer noch in den Chefetagen und Vorständen – und ich meine Frauen die auch Frauen bleiben und nicht zu männlichen Attitüden wechseln um sich in der Männerwelt durchzusetzen. Zum Glück ist es heute inzwischen wenigstens normal wenn auch der Mann sich mit den Kindern befasst oder einkauft und zu Hause mal kocht – Haushaltstechnisch hat sich leider wenig geändert und die Hauptlast liegt weiterhin auf den Schultern dern Frauen. Was wiederum mit der Selbsteinschätzung zu tun hat. Männer denken nach 2 kleinen Sachen das Sie mega was gemacht hätten – is ja schon auch besonders das sie überhaupt geholfen haben (Ironie) und Frauen machen ganz viel nebenbei und als ganz selbstverständlich, weil sie eben daraufhin erzogen worden – auch solche Themen spricht die Autorin an. Wo wenn nicht vorallem zuerst Zuhause zeigt sich wie die Dinge laufen.
Vielleicht kein Wunder das Carearbeit auch hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird; und auch das Ehrenamt eine starke weibliche Seite hat.
Darüber sollten wir nachdenken wenn wir unseren Töchtern und Söhnen etwas zeigen, erklären, und sie mitmachen lassen. Kinder wollen z.b. immer einfach gern mitmachen was die Erwachsenen so tun, ob das nun der Haushalt ist oder etwas anderes. Welches Vorbild bieten wir Ihnen? Was bekommen Sie mit? Und was machen sie dann nach?
Was ist biologisch und was sozial und erlernt? Das ist manchmal für jemand der mittendrin steckt nicht so einfach auszumachen. Und grade deshalb ist es wichtig Fragen zu stellen.

Ein Büchlein was zum Denken anregt. Und Fragen aufwirft.

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Chimamanda Ngozi Adichie
„Liebe Ijeawele… – wie wir unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“
Fischer Taschenbuch, 8,- €
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