Ein Blick auf die andere Seite

Die Edition Büchergilde ist bekannt für die besondere Aufmachung der herausgegebenen Bücher. Da ich mich selbst viel mit Illustration befasse und der Illustratorin Theresa Schwietzer bei Facebook folge, lief mir eines dieser besonderen Bücher über den Weg. Es geht um Jenseitsvorstellen und Totenkulte: Wer diesen Blog gut kennt weiß das ich mich viel mit diesen Themen befasse.
Das Buch passt thematisch natürlich auch hervorragend in den November, der Monat des Totengedenkens und der Ahnen.

Theresa Schwietzer schreibt am Anfang des Buches das Sie durch eigene Erlebnisse bei einer Beerdigung auf das Thema kam. Sie möchte anders begraben werden und das Bedürfnis nach einer schöneren Beerdigung führt Sie zu diesem Projekt. Sie stellt uns in ihrem Buch, ja Sie hat es auch selbst geschrieben, die Riten verschiedener Länder vor. Haiti, Ecuador, Zentral- und Südafrika, sowie Indien. Länder die noch eine echte Trauerkultur haben, ganz im Gegensatz zu uns hier.

Sie erzählt uns Geschichten über den Glauben, die Götter und begleitenden Ritualen all dieser fremden Kulturen bis in die Details hinein. Und mir fiel manchmal auf das sich einiges mit meinen eigenen Gedanken und Gefühlen deckt. Ich weiß allerdings nicht woher ich das habe.

Ich bin selbst erstmal ohne jegliche Religion aufgewachsen. Als meine Oma väterlicherseits starb – ich war 4 – wurden wir Kinder ferngehalten. Später mit 8,9 Jahren lernte ich die evangelische Kirche kennen, aber lernte noch lang nichts über Trauer oder über eine Trauerkultur. Auf Beerdigungen hab ich immer noch keinen Plan wie das jetzt abläuft und schwimme so mit, was sich nicht gut anfühlt; in vielerlei Hinsicht.
Was mich mein Leben lang begleitete waren Märchen. Ich vermute das hier doch so manches zu mir gelangte, was in anderen Kulturen zur Tradition gehört. Später bekam ich noch durch die Archäologie einiges mit.

Wenn z.b. im Buch von Grabbeigaben gesprochen wird, erinnere ich mich an unsere Geschichte und die Zeichnungen und Fotos gefundener Gräber von Vorzeiten, alle mit oft reichhaltigen Grabbeigaben. Oder Thema Wiedergeburt, ein bisschen glaube ich auch daran.
Sehr gruslig empfinde ich den Vodoo (Haitit), der im Buch auch ausführlich beschrieben wird. Vodoo ist ein Importgut aus Westafrika und kam mit den Sklaven nach Haiti und (Süd)amerika.

„Ein Blick auf die andere Seite“ ist ein Sachbuch, würde ich sagen. Doch es entführt uns trotzdem in das Reich des Magischen und Mystischen, dunkel, geheimnisvoll, fremd und rätselhaft und sehr interessant.
Neben dem Thema sind vor allem die Illustrationen sehr besonders. Eine Mischung aus Drucken und Buntstiftzeichnungen, in sehr zurückhaltender Farbpallette. Hin- und wieder viel flächiges Schwarz und dann zartere Linien die auch mal einen flächigen Druck überlagern, so wie auch beim Titelbild.
Wirklich ein Kleinod, auch wenn ich mir die Texte abschnittsweise etwas weniger sachlich und mehr erzählender, märchenhafter, gewünscht hätte, das erfüllen dann die Bilder im Buch.
An die 115 Seiten ist das Werk dick, fest gebunden, mit Lesebändchen. Im Anhang eine weiterführende Literaturliste, was ich sehr schön finde.
Die Illustratorin hat auch eine schöne Seite mit vielen weiteren Arbeiten, schaut doch mal hier:

Theresa Schwietzer Portfolio.

 

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Theresa Schwietzer

Ein Blick auf die andere Seite

Edition Büchergilde

20,00 €
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Von der Verlagsseite zur Autorin:

Theresa Schwietzer lebt als freiberufliche Illustratorin und Grafikerin in Hamburg. Sie studierte Illustrations- und Kommunikationsdesign an der Münster School of Design. Neben der Fotografie begeistert sie sich v. a. für Siebdruck. Theresa Schwietzer hat u. a. für Gruner + Jahr, das Rotary Magazin, das Magazin Walden und den Wildtierpark Alexanderschanze in Freudenstadt gearbeitet.

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Neue Friedhofskultur?: http://www.deutschlandfunkkultur.de/veraenderte-friedhofskultur-picknick-am-grab.976.de.html?dram%3Aarticle_id=401295

kleine Veränderungen

dscn2815Kommt doch mal wieder richtig auf meinem Blog vorbei, nicht nur im Readermodus.
Ich habe u.a. eine neue Unterkategorie, bzw. Seite eingerichtet. Dort werde ich nun immer meine Texte verlinken die ich zu verschiedenen Themen geschrieben habe. Bisher leider immer unbezahlt, aber wer weiß was noch kommt – aufjedenfall einer meiner Schwerpunkte dieses Jahr.

Ganz frisch mein Text zum Thema „weitermachen“ auf „Umstandslos“, dem feministischen Müttermagazin – was ich als Nicht-Mutter sehr ehrenvoll finde. Generell ein grandioser Gemeinschaftsblog mit vielen unterschiedlichen Stimmen. Ich mag die Seite sehr:

würde mich über Kommentare freuen oder auch Likes – aber nur ernstgemeinte bitte: https://umstandslos.com/2017/02/10/von-fleissigen-frauen-vom-scheitern-und-vom-weitermachen-ein-appell-fuer-eine-neue-menschlichere-gesellschaft/

Desweiteren könnt ihr auf der Seitenleiste rechts nun die Verlinkungen zu Facebook sehen. Dort habe ich eine Seite für meine Illustrationen eingerichtet – sie ist noch im Aufbau aber ein paar Sachen könnt Ihr schon anschauen. Hab ja berichtet das ich das Thema wieder aufgenommen habe und da ein wenig mehr draus machen möchte. Schaut gern mal vorbei.

 

Zum Ende der DDR – Treibsand

DSCN5202Eines dieser Bücher welches ich gern Selbst geschrieben hätte. Das Trio Mönch Lahl Kahane kannte ich schon vom „17.Juni“ – welches mir auch ausgesprochen gut gefällt.

Beiden Graphic Novels ist gemeinsam das Politik und Geschichte auf eine einzigartige und tolle Weise erzählt wird. Inhaltlich tiefgehend und lehrreich.

In „Treibsand“ wird der Zusammenbruch der DDR aufgearbeitet und schließt damit irgendwie auch an den „17.Juni“ an – damals wurden die Aufstände gewaltsam niedergeschlagen. ´89 lief da anders – in Treibsand klingt es wie ein Versehen der Ostdeutschen Politik. Keine uninteressante Theorie, denn wenn man sich mal das Alter der Mächtigen damals anschaut und beachtet wie lange alle an der Macht waren, wie eingefahren und steif Gesetze, Vorgaben, Lauf der Dinge, was für ein riesen Apparat dahinter und wie wenig Geld…

Im Buch ist es ein amerikanischer Journalist der Deutschland besucht. Gerade hat er noch in China die blutige und gewaltsame Demonstration der Staatsmacht erlebt und ist nun voller Besorgnis beobachtet was in der DDR passiert. Er begegnet einer Frau die flüchten wollte und erwischt wurde – Ihre Geschichte und die Geschichte Ihrer Familie ist eng mit dem Staat verbunden und gibt Aufschluß darüber wie die DDR mit ihren Bürgern umzugehen pflegte.

Sehr viele Themen sind im Buch untergebracht und Detailreich erzählt – ein wirklich gutes Geschichtsbuch. Stelle ich mir perfekt vor für den Geschichtsunterricht, so lebendig und vielseitig wie es erzählt. Ich habe es jetzt 2 mal gelesen und habs trotzdem auf meine Wunschliste gesetzt (es ist aus der Bücherei).

Spoiler:

Man erfährt etwas über die Grenze, die Arbeit an der Grenze, über Gorbi und die verschiedenen Politiker der DDR. Über den Umgang mit Flüchtlingen, das Frauengefängnis Hoheneck und es geht viel um Geld. Geld für das Menschen vom Westen freigekauft wurden oder Geld was der Staat mit der Arbeit seiner vielen Gefängnisinsassen verdiente.
Die Flüchtlinge in der westdeutschen Botschaft kommen genauso vor, wie die Staatssicherheit und der Spitzelapparat, die Maueröffnung und die Demonstrationen und und und … die groben Zeichnungen in ihrer ganzen Vielfalt passen wieder hervorragend zum Buch.

Treibsand

Max Mönch und Alexander Lahl

Zeichnungen Kitty Kahane

Graphic Novel, Metrolit Verlag

gesponsert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur

Spaziergang durch die Welt der Planzen

DSCN4569Heute möchte ich Euch ein Bildband vorstellen und auch einige Bilder meiner letzten Spaziergänge zeigen.

„Die Kunst der botanischen Illustration“ ist fast so etwas wie ein Prachtband. Es wird die Sammlung des Chelsea Physic Garden vorgestellt mit einer Auswahl verschiedenster Pflanzenporträts von unterschiedlichen Künstlern.

Der Garten fand seinen Anfang 1673 als Apothekergarten und machte einige Veränderungen mit, dabei wuchs er und es sammelten sich immer mehr Pflanzen. Inzwischen ist der Chelsea Physic Garden auch für Publikum zugänglich.

Auf den ersten Seiten wird die Geschichte des Gartens erzählt. Sowie in einem kurzem Abschnitt wissenswertes zur Namensgebung der Pflanzen und zur Entstehung der Zeichnungen. Den Ton der Zeilen finde ich etwas ruppig. Begonnen hat das Erstellen von Pflanzenzeichnungen mit besonders exotischen Pflanzen, die natürlich auch irgendwann wieder verblühen oder manchmal auch eingehen – diese sollten festgehalten werden im sogenannten Florilegium. Diese Sammlung wächst seit vielen Jahren beständig.

Jedes der 70 Pflanzenpoträts bekam eine ganze Doppelseite:

DSCN4570Das Buch ist recht groß – etwas größer als Din A4 und aufgeklappt dann also mehr als Din A3, so das man sehr gut Details der Zeichnungen erkennen kann. Leider ist auf sehr glattem und leicht glänzendem Papier gedruckt – was ich wirklich schade finde. Auch der Einband hätte schöner sein können – grünes Hochglanzcover unter dem Umschlag.

Ein gutes, weiches, mattes Papier hätte dem Buch und vor allen den Zeichnungen gut getan, auch ein Leineneinband.. oder zumindest etwas passenderes zu den großartigen Zeichnungen wäre ebenfalls schöner gewesen.

Sowas finde ich immer wieder sehr bedauerlich das grade an solchen Stellen wenig auf Qualität geachtet wird. Auch ist das Buch in China gedruckt, was mich dann doch irritiert hat. Gut es ist recht günstig für 39,99 €, doch ich denke jeder Pflanzenliebhaber hätte für einen echten Prachtband auch gerne etwas mehr hingelegt, denn es geht ja gerade auch um die besondere Kunst der Illustration.

Wenn Ihr die Bilder anklickt vergrößern Sie sich.

Das Buch ist bei DVA am 18.04.2016 erschienen, kostet 39,99 €. Es hat 176 Seiten, 126 Illustrationen

„Die Kunst der botanischen Illustration“

Die schönsten zeitgenössischen Pflanzenporträts des Chelsea Physic Garden

Andrew Brown, Chelsea Physic Garden Florilegium Society (Hrsg.)

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar

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Hier nun einige meiner neueren Pflanzenfotos:

 

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