Sophie hat die Gruppe verlassen

Sophie hat die Gruppe verlassen“ – der Titel hat mich sofort angesprochen, aber er täuscht in gewisser Weise. Ich dachte dabei an Geschichten aus dem Internet, darum geht es aber nicht. Es geht aber durchaus darum, dass Dinge und Menschen gehen, Situationen verlassen; auf die eine oder auch andere Weise, freiwillig oder zufällig.

Dreizehn überraschende Kurzgeschichten versammelt Sybil Schreiber in diesem Buch. Manche Themen und Details wiederholen sich in Variationen. Mit der Geschichte von Sophie fängt es an. Sophie, die Urlaub in fremden Wohnungen macht… noch eine der milderen Storys in dieser Sammlung, und mit viel Atmosphäre.
Zwischendurch wird es in diesem Kurzgeschichtenband richtig bitterböse, aber nicht nur das….
Zwischen den Geschichten gibt es kleine „Gedichte“ die den Eindruck der vielen „Enden“, und der nicht vorhandenen „Möglichkeiten“, noch verstärken. Nach Sophie – deren Geschichte mir sehr gefallen hat mit dem überraschendem Ende – folgt die Story über Cowboyfüsschen – die fand ich richtig zauberhaft, voller Phantasie und Tiefe. Cowboyfüsschen hat mit ihren 36 Jahren beide Eltern verloren und nennt sich selbst Old Shatterhand. Um ihre Trauer zu verarbeiten macht sie sich auf die Suche nach Winnetou.

In allen Geschichten wird uns ein Blick hinter die Fassaden geschenkt, und dieser ist oft erschreckend, und wenn kurzfristig vielleicht lustig, dann nur ganz kurz, sehr kurz. Manchmal sind es ganz kleine Begebenheiten, Gesten, die plötzlich einen Graben öffnen oder die Geschichte am Ende nochmal in eine ganz andere Richtung drehen.

Wir treffen auf einsame Herzen, und diese auch aufeinander, begegnen schmerzhaften, depressiven Strukturen. Werden Zeuge von Ausbrüchen und Umbrüchen. Manchmal möchte man in die Geschichten eintauchen und die Protagonisten retten z.b. in „Scherbensuppe“. Leben was sich in einer Sackgasse befindet, was sich nicht auf dem Weg des „alles wird gut oder besser“ befindet, sondern meistens in eine ganz andere Richtung geht. Ein bisschen durchdrehen, melancholische Blicke sammeln, die letzte Kraft zusammennehmen, überraschende Schritte wagen.

Ganz anregend dann dazwischen wieder Geschichten wie „verdammter Kraftort“ – mit piecksenden Yogamatten, „fieser“ Yogalehrerin, schlimmer Mutter und regelmäßigen Dampferfahrten. Einfach herrlich. Und ja ich mag das Happy End.
Die meisten Geschichten sind nichts gewesen für meine bevorzugte Lesezeit – vorm Schlafen – zu aufregend, auch wenn es eher die leisen Aufreger sind, aber durchaus welche die so ein richtiges „bäm“ ans Ende setzen. Und bei diesen Enden ist auch nicht klar ob die jetzt wirklich positiv gemeint sind oder im nächsten Moment, der nicht mehr erzählt wird, was gruseliges passiert.
Da wartet sie auf einen Anruf, aber es klingelt an der Tür, … da sucht sie eine Adresse auf und wird auch eingelassen, man kennt sich nicht wirklich… es bleibt ein gewisses Misstrauen und eine Wachheit die einen die Geschichten weiterspinnen lässt.
Der kleine Prolog, der das Buch mit Wucht beginnen lässt, später mit „Herz schlagen“ und einer kotzenden Moderatorin eine Fortsetzung findet, setzt mit der Epiloggeschichte einen starken Punkt. Gekonnt eingerahmt würde ich sagen, sehr schöne Idee für so eine Kurzgeschichtensammlung.

Das Buch kommt aus der Schweiz, so wie auch der Verlag.
Der Salisverlag schreibt über Sybil Schreiber:

Sie wuchs mitten in München auf, besuchte die Schauspielschule in New York, machte eine Ausbildung zur Modedesignerin und arbeitete danach als Redakteurin für annabelle, Schweizer Familie und Tages-Anzeiger. Die freischaffende Autorin schreibt seit 18 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann die meistgelesene Kolumne der Schweiz »Schreiber vs. Schneider« in der Coop-Zeitung. Mittlerweile sind acht Bücher von ihnen erschienen. Sie gibt Schreib- und Biografiekurse und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. Wenn sie nicht gerade schreibt, lässt sie sich am liebsten im Rhein treiben oder isst Marzipanschokolade.

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Sybil Schreiber
Sophie hat die Gruppe verlassen
Salis Verlag
144 Seiten, 19,00 €
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Salis über sich selbst: Salis ist ein unabhängiger Buchverlag für Belletristik und Sachbuch. In der Sparte Literatur konzentrieren wir uns auf junge und jung gebliebene Autorinnen und Autoren mit dem Ziel, diese langfristig aufzubauen und zu begleiten. Die Sachbücher behandeln alltägliche Themen, gesellschaftliche wie auch politische Anliegen. Salis publiziert rund acht neue Titel pro Jahr und konzentriert sich auf inhaltlich wie formal hochwertige Bücher.
Also hier könnt ihr euer Indiebook kaufen z.b. am Indiebookday 😉
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Ps.: Bei Facebook haben fast 1800 Leute den Post gesehen, ich bin geflasht, wow
Denke es liegt daran das die Autorin und ihr Mann vorbeigeschaut haben. So toll *freu*

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Der Ursprung der Liebe – Liv Strömquist zum zweiten

Nach dem wunderbaren, einzigartigen und extrem empfehlenswerten Comic „Der Ursprung der Welt“ zur Kulturgeschichte der Vagina legt Liv Strömquist nach! „Der Ursprung der Liebe“ heißt der neue Titel. Hammerharte Lektüre. Mir blieb doch manches Mal die Luft weg beim Lesen, und ich brauchte echt Pausen um den Inhalt stückchenweise zu verarbeiten. Einfach phänomenal, wenn man Dinge liest, die man sich auch schon oft gedacht hat, oder jemand sehr ähnliche Fragen stellt, wo man sich sonst recht allein fühlt mit seinen Ansichten. Aber auch ganz schön heftig wie es zu rattern anfängt bei so mancher Theorie, über die Liebe, das Verhalten in Partnerschaften, also Beziehungen zwischen zwei Menschen, hier vornehmlich Mann und Frau.
Bekannte Paare müssen herhalten, was sehr schlau ist, denn sie geben wunderbare Beispiele ab für alle möglichen „Fehl“tritte, und Liv zeigt uns eine ganze Menge, was so schief laufen kann.
Wie ist das mit der Liebe? Alles Biologie? Oder soziale Konstruktion?
Wir treffen Diana und Charles, Britney Spears und ihren Ehemann, Mr Big und Carrie aus „Sex in the City“ und noch viele viele andere Paare. Bekannt und unbekannt.
Hier merke ich, wie sich meine Auffassung stark unterscheidet – je nachdem ob Bauch oder Kopf grad involviert sind.
Mehr als einmal bleibt einem der Mund offenstehen, denn Liv haut echt so einige krasse Punkte raus, über die sich, glaube ich, so zumindest noch keiner getraut hat zu reden. Wie z.B. die Thematik, daß selbst die furchtbarsten Männer, auch wenn sie Pflegefälle sind, viel jüngere und sehr liebevolle oder zumindest fürsorgliche Frauen bei sich haben. Was im Umkehrschluss kaum vorkommt. Wusstet ihr, daß Nancy Reagan ihren dementen Mann noch bis zum Ende pflegte? Oder auch Hemingway (sehr tragische Familie die Hemingways), der von seiner 4. Ehefrau lange Jahre betreut wurde. Was bringt nur all die Frauen dazu? Der krasseste hier aufgezählte Fall ist Oona Chaplin, viele Jahre (36) jünger als Charles, pflegte ihn über 30 Jahre lang… wow!

Das Buch ist 130 Seiten stark. Viel Inhalt, unterteilt in einige Kapitel, die aber recht fließend ineinander übergehen. Im ersten Kapitel geht es zuerst um Fernsehserien, die allen den gleichen Klischees folgen und so ein Rollenverständnis fabrizieren/wiederholen, was sich eben durch diese Serien und ihre Zuschauer extremst potenziert. Auch dadurch, daß darüber gelacht wird. Wenn man, gerade als Frau da mal genau hinschaut, sag ich nur: Wut ahoi!

Warum landen wir in solchen Arrangements? Sprich Paarbeziehungen und Ehen. Diese sind oft sehr sehr einseitig und immer wieder ähnlich aufgeteilt. In Frauen die Fürsorge geben und Beziehungsarbeit leisten und Männer, die da sind, aber weder das gleiche tun, noch groß etwas eigenes wirklich in die Beziehung einbringen, und nennen das dann Liebe? Ich denke wir werden es alle kennen. Auch wenn es natürlich positive Ausnahmen gibt.

Ich habe mich in den letzten Jahren oft gefragt was eigentlich Liebe wirklich ist. Heute sage ich: Echte Liebe gibt es für mich nur an ganz wenigen Stellen – die Liebe eines Kindes was seine Eltern bedingungslos liebt kann ich z.B. nur noch biologisch betrachten – es ist und bleibt ein hochabhängiges Verhältnis, denn das Kind ist  angewiesen auf die Zuwendung, um zu überleben -, …. denn das was wir gemeinhin Liebe nennen, hat meist viel mehr mit Erwartungen und Bedürfnissen zu tun. Oder, wie Liv eben auch aufzeigt, mit Biologie und Prägung, und nicht mit Freiheit.
Echte Liebe basiert aber auf Freiheit. Wir in unserem Zeitalter, die wir an die Liebesheirat glauben, und viele Menschen viel Energie und Geld investieren in dieses ominöse Liebesding – so von wegen „du bist mein ein und alles“ (Hilfe!), hören sowas natürlich nicht gern. Erst macht dich die Biologie schwach und dann springt deine soziale Konditionierung an. Wie oft geht es z.B. um Macht?
Wo mir das schon immer arg aufgestoßen hat, das ist die Popkultur – diese ganzen Songs und Bücher, in denen sich alles um die eine wahre Liebe dreht, sind für mich nur verstörende Versionen symbiotischer Abhängigkeiten. Und mir ging das schon in meinen 30ern mega auf den Senkel. Drama Drama und alle finden es toll. Auch darauf geht die Autorin ein. Und ja, na klar ist richtiger Liebeskummer total beschissen und schlimm, aber sehr wahrscheinlich gar nicht mal so wegen dieser anderen Person.

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Liv Strömquist erklärt uns das alles, auch warum Mädchen auf Typen stehen, die sich nicht für sie interessieren und Jungs eher kein Interesse haben feste Beziehungen einzugehen. Nur kurz dazu: Drama bauscht schön auf – ich denke auch das kennt fast jede*r. Was das alles mit Sexualität zu tun hat? Auch das wird erklärt. Es geht um das Konstrukt der Ehe durch die verschiedenen Zeitalter, um Selbstbestimmung bzw. eben keine Selbstbestimmung, Eifersucht, Gewohnheitsrechte. Alte Freiheiten und neue Erfindungen. Liv erklärt uns kurz das Patriarchat und was Liebe mit Marktwirtschaft, Macht und Religion zu tun hat, sehr genial! Augenöffnend! Die Dekonstruktion dessen, was gemeinhin als Liebe verstanden wird …und findet dann doch zum Schluß etwas Versöhnliches. Und wünscht uns viel Glück.
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Ja es gibt eine Menge zu bedenken, vieles zu hinterfragen und es heißt den vielleicht schon gespürten Zweifeln wirklich Raum zu geben und sich dann etwas Zeit zu nehmen das alles auch zu verdauen. Dieses Paarkonstrukt ist wirklich eine recht unglückliche Erfindung, vor allem für Frauen. Chuck Spezzano sagte schon so schön: „Wenns wehtut ist es keine Liebe!“ Also Achtung.

Wer weiß, vielleicht gehts ja dann im nächsten Buch um das Scheitern der Idee der Kleinfamilie, auch ein echt wichtiges Thema, das im Untergrund schon länger gärt. Wir werden sehen 😉 Jetzt erstmal ran an den „Ursprung der Liebe“.

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Liv Strömquist
Der Ursprung der Liebe
Avant-Verlag
20,- sehr gut angelegte €

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Liv Strömquist, geboren 1978 in Lund, Schweden, ist eine der einflussreichsten feministischen Comiczeichnerinnen. Die studierte Politikwissenschaftlerin zeichnet regelmäßig für unterschiedliche schwedische Magazine und Zeitungen. Ihre Buchveröffentlichungen befassen sich mit sozialen Fragen.

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Interview:
http://www.deutschlandfunkkultur.de/liv-stroemquist-ueber-geschlechterklischees-ehefrauen-die.2156.de.html?dram:article_id=411687

Artikel:
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/der-ursprung-der-liebe-von-liv-stroemquist-unfassbar-witzig-a-1195140.html

Der Sommer ihres Lebens

Eine Amsel. Sie singt ihr Lied. Und dann begegnen wir Frau Wendt. Vor dem Speisesaal. Sie macht sich Gedanken über Zeit und Ewigkeit und überlegt wohin Sie muß.
Frau Wendt läuft an ihrem Rollator durchs Haus und nach draußen. Immer wieder verschwimmt das Jetzt und Erinnerungen tauchen auf. Wir dürfen dann das „Mädle“ kennenlernen, welches in Mathe so viel besser wie die Buben war.
Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch. Es erzählt soviel über diese Geschichte und die Erzählweise. Gerda wie sie springt und Gerda wie sie nur noch langsam mit dem Rollator vorwärts kommt. Mir schnürt es ein wenig die Kehle zu.

Es wird schnell klar das Gerda eher eine Außenseiterin war, was mich persönlich gleich mit ihr verbindet, weil es mir auch so ging. Und Gerda hat eigene Interessen und weiß sich zu beschäftigen.
In kleinen dunklen Kästchen erzählt die Stimme aus dem Off…  Gerda Wendt die sich erinnert, …sich erinnern will.

Mein nächstes Lieblingsbild: Gerda mag Zahlen und Sterne, von denen sie sagt sie sind ihr ähnlich… sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht. *Schluck*
Ist das nicht wundervoll getroffen, dies Spiegelung in der gedachten Fensterscheibe?
Gerda beginnt einen vielversprechenden Weg und doch, wie bei sovielen Frauen, gibt es die Institution Ehe und ein Kind. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.
Ich möchte nicht viel mehr verraten. Ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Eine Anmerkung ist mir noch wichtig, mir gefällt das das Altenheim neutral bis positiv dargestellt ist.
Mein letztes Lieblingsbild zeige ich nicht, es ist das mit den vielen „i“´s.
Dieses Grafik Novel berührt sehr. Liegt es am sentimentalen der Erinnerungen – wie es eben Erinnerungen so an sich haben? An der „schwere“ und den „Umständen“ des Alterns? Oder weil ich persönlich Verbindungen ziehe? An der eigenen Einstellung zum Tod, der ja unweigerlich folgt? Irgendwann ist es zu Ende. Für jeden von uns. Wir treffen Entscheidungen. Dinge nehmen ihren Lauf und wie Gerda sagt: „am Ende bleibt nur eine Möglichkeit übrig, eine Wirklichkeit.“
Die Farben und Zeichnungen ziehen mich ganz schön hinein in die Geschichte. Aber auch die Geschichte selbst berührt mich sehr. Es bleibt ein Kloß im Hals. Ein Menschenleben.

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Der Sommer ihres Lebens

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80 Seiten, farbig, 19 x 29 cm, Hardcover

20,- €,  Reprodukt

Die Löffelliste

Ein Beitrag zur jährlichen Novemberblogparade des Totenhemdblogs

Zuerst denke ich dabei an „den Löffel abgeben“ und daran „etwas auszulöffeln“ – früher hieß es: „was man sich eingebrockt hat“.. also alles jetzt nicht so positiv besetzt.

Wikipedia schreibt dazu: Die unverzichtbare Tätigkeit des Essens steht bei dieser Redewendung Pate, mitsamt der Tatsache, dass im Mittelalter und früher Neuzeit das Armeleuteessen üblicherweise ein Brei in einer Schüssel für alle inmitten des Tischs war, wofür ein jeder seinen eigenen Löffel parat hatte. Diesen höchsteigenen, nicht selten selbstgeschnitzten, Löffel wegzulegen, ist dabei gleichbedeutend mit dem Ende des Lebens.[1] 

Da haben wir es also! Die Löffelliste steht für all die Dinge die wir noch machen möchten bevor wir Jenen eben abgeben – allerdings gibt es noch eine abgewandelte Löffelliste, dazu mehr am Ende. Die Standardlöffelliste ist sowas wie eine freiwillige To-do Liste für mein Leben. Sowas wie eine dicke fette Wunschliste. Meine Güte was für ein Thema. Meine Liste war mal… ich habs in den letzten Jahren vermieden über meine Liste nachzudenken.  Es gibt ein Problem.

Das Problem ist der Glauben an diese Liste. Die Löffelliste macht mich traurig und ich spüre meine Hoffnungslosigkeit zu manchen Dingen. Ich hab mir vieles gewünscht was nicht in Erfüllung gegangen ist und was ehrlich gesagt auch so Richtung Zukunft ganz schön schwarz aussieht, also nicht mehr passieren wird oder sehr unwahrscheinlich scheint.

Ich wollte immer eine eigene Familie und Kinder. Ich wollte mit Ihnen an einem großen Holztisch Spiele spielen. Mein Lebenstraum ist ein eigener Garten. Und ich, die dann morgens im Bademantel mit ihrem heißen Tee nach draußen treten kann. Den Himmel und die Erde begrüßen, und allen Pflanzen und Tieren guten Morgen sagen. In Miniminiform hatte ich das schon mal auf einem Balkon, mit vielen vielen Pflanzen. Die Morgenrunde war natürlich obligatorisch.

Naja, ich merk bei vielen Themen das es einfach nichts mehr werden kann, oder auch das Geld fehlt, und ich merke eben wie der Glauben nachlässt, der früher noch so stark war, damals als noch mehr Zeit war. Inzwischen bin ich älter geworden habe viel erlebt. Und gewisse Situationen haben sich nicht verbessert.

Egal, ich wage mich an eine neue Liste, dann schreib ich die Dinge die ich mir wünsche, aber von denen ich mir nicht vorstellen kann das sie noch wahr werden, einfach mit unsichtbarer Tinte. Und manches kommt vielleicht in einer anderen Form oder in einer kleineren Variante.

Die Reihenfolge sagt nichts über die Wichtigkeit der Punkte aus und die Liste die hier steht ist nur ein Ausschnitt, man muß ja noch Geheimnisse haben:

Ich möchte gern nochmal mit Alpakas zusammen sein, und mit Pferden, gern ein paar Stunden Reitunterricht nehmen, Ziegen streicheln und füttern und Gespräche mit Schafen führen und unbedingt mal Hühner streicheln und Kühe.
Ich möchte erleben wie mein Kater die Natur entdecken kann und raus kommt… so wie ich auch.
Ich möchte gern Gesangsunterricht nehmen und ein klassisches Lied singen und auch ein bisschen Brecht oder so.
Ich möchte eine wichtige Rede halten. (vielleicht ja wirklich mal bei einem TEDtalk)
Schreiben ( gibt da verschiedenes was angedacht ist)
und Vorlesen ( Im Frühjahr mache ich bei einer Art Poetryslam/Spokenwords Veranstaltung mit, tja auch da gibt`s Spätstarter)
Ich möchte eine Nacht draußen verbringen, vielleicht im Wald
Ganz oft noch in einem See baden
Über eine taunasse Wiese rennen und tanzen
Ich möchte Zeit mit Kindern verbringen
Etwas Gutes weitergeben
Ich möchte unbedingt wieder Bogenschießen
Ich mag Kanu fahren und Bergwandern
Nochmal nach ganz oben auf eine Berghütte und nach Lanzarote, (gern mal die Wüste kurz sehen)
Mal richtig lange hier bei uns im Bellevue frühstücken gehen mit netter Gesellschaft
Und ich würde eben auch gern einen Baum pflanzen und ein (Baum)Haus bauen
Ich möchte gern mal ein richtiges festliches Kleid anhaben und das auf einer schönen Feier oder so tragen
Überhaupt möchte ich gern mal ein Fest feiern.. statt den Taufen, Kindergeburtstagen, runden Geburtstagen, Schuleinführungen, Hochzeiten, ein Fest einfach für mich, so wie ich es mir wünsche
Ich möchte mal richtig Klettern gehen
Mindestens einen Quilt nähen und einmal komplett in selbstgenähter Kleidung sein
Ich wünsche mir mal eine lange Massage, so lange bis ich genug hab und nicht die Zeit rum ist.
Ich möchte nochmal an Orte meiner Kindheit und Jugend fahren
Ich möchte ans Meer und tagelang die Zeit am Strand verbringen
Ich möchte eine Rundreise machen zu Menschen die ich im Internet kennengelernt habe
Und ich würde zu gern den Führerschein machen
Mit meinem Hund (den ich nicht mehr habe oder noch nicht) durch die Wälder stromern
Einen Schneemann bauen (hoffentlich gibt`s diesen Winter Schnee bei uns)
Platz für Gäste haben und diese bekochen
Erdbeeren selber pflücken, am liebsten mit meiner Schwester
Rakubrand machen (nach Japan reisen)
Holz- und Siebdrucken
Shibori probieren
An einem Bergbach sitzen
Am liebsten überhaupt tagelang in einer Werkstatt werkeln
In einer schönen Hängematte liegen und unter einem Baum um durch die Blätter in den Himmel zu schauen… das am liebsten in meinem eigenem Garten
Am Feuer stehen und singen und meine eigene Trommel schlagen

usw.

 

Wieviel Löffel.. heißt wieviel Kraft.. hast du noch? Das ist die andere Löffelgeschichte, die ich bei Ash gefunden habe.

Vielleicht wird das ja was mit dem Quilt, ich geh jetzt zumindest mal an die Nähmaschine. Dort nähe ich kleine Blocks und Miniquilts alias Mugrugs (große Teetassenuntersetzer). Mehr dazu demnächst auf meinem Handarbeitsblog, bei Madame Flamusse.

Dort und auch sonst hab ich aufjedenfall das Motto: „Einfach mal was machen“. Das bedeutet für mich das ich mein Leben jeden Tag versuche so zu gestalten wie ich es mir wünsche, so das es vielleicht gar keine Löffelliste mehr braucht. ❤
Mir ist aufgefallen, das es schon was hat auch noch Wünsche zu haben. Menschen denen das Leben immer wieder so in die Quere kommt das Sie nach und nach keine Wünsche mehr haben sind oft sehr traurig. Außer sie sind einen langen Weg gegangen und haben Frieden gefunden der auf einer inneren Zufriedenheit beruht. Es kann durchaus pragmatische Wege dahin geben. Manch Einem bleibt auch nichts anderes übrig. Die Grenze ist sehr fein zwischen dem „Zufrieden sein“ und dem „Aufgegeben haben“ oder „sich mit dem abfinden der Realitäten“.
Wünsche können verloren gehen wenn man ihnen zuwenig zuhört! Auch wenn mich manche Wünsche traurig machen werde ich sie in Ehren halten, man weiß schließlich nie was passiert. Auch wenn ich kein Kind geboren habe, vielleicht treffe ich woanders etwas was dem nahe kommt. Auch Ideen z.b. wollen auf die Welt gebracht werden. Und nicht nur Kinder brauchen mütterliche Liebe.

Eure

Madame Flamusse

 

Bauchweh Teil 2 – Blogparade „Mein Körper (und ich)“

Der Körper. Der einen von Anfang an begleitet. Ist man dieser Körper? Oder ist man nur in Ihm? Aufjedenfall ist klar er ist da und so richtig bestimmen über ihn kann ich nicht. Er macht ganz schön viel ohne mich. Er funktioniert tagtäglich in einem faszinierendem Zusammenspiel all der inneren Organe und der Muskeln, Nerven, Haut und Fasern. Und manchmal funktioniert er eben gar nicht so wie er soll. Da schmerzt er. Da wuchert er. Da wachsen Sachen wo sie nicht hingehören. Oder verschwinden Teile wie Zähne und Haare in langen Prozessen oder anfallsweise. Manchmal spielt alles verrückt und man dreht fast durch, auch aus Angst das es nicht mehr aufhört. Oder weil man grade nicht mehr klar denken kann.
Wenn man da mitten drin steckt und gefühlt so gar keinen Einfluß nehmen kann, da ist da nicht viel morgen. Und mitten im Schmerz oder der Krankheit ist es kaum vorstellbar wie es ohne war; und wenn es einem gut geht ist auch die Erinnerung an die schlimmen Momente eben nur mehr Erinnerung.

Endometriose. Sie wird oft lang nicht erkannt. Regelschmerzen werden nicht als ungewöhnlich betrachtet und auch Bauchweh oft viel zu schnell der Psychosomatik zugeordnet, was dann in der medizinischen Realität heißt: da machmer nichts, entspannen sie sich einfach mal, oder so ähnlich.
Überhaupt wird über die monatliche Regel viel zuwenig gesprochen. Auch unter Frauen. Echt jetzt? Ja, is so. Wenn man mal was erfährt dann von Frauen die ja gar kein Problem haben oder die jeden Monat Tabletten schlucken um klar zu kommen im Alltag.
(Text Teil 1 -> hier entlang)

Als meine Frauenärztin meinte das ich Endometriose hätte drängte Sie recht schnell auf eine Op und die Einnahme der Pille. Von alternativen Behandlungsmethoden war keine Rede, geschweige denn von einer Wahl. Und auch wenn ich seit vielen Jahren diese monatlichen Tage voller Schmerz und Elend gewohnt war, war es jedesmal wieder eine ungute Zeit, ein sprichwörtlicher Krampf und Kampf, vielleicht auch weil da eben niemand war um drüber zu reden. Man nicht funktionierte in einer Welt wo man parat zu stehen hat.
Ich hatte das Glück das mein Zyklus sehr regelmäßig war und ich ungefähr planen konnte. So schaute ich wo es ging, das ich in dieser einen Woche im Monat keine Termine hatte, das ich genug zu Essen zu Hause hatte um nicht rausgehen zu müssen usw. Schlimm war es wenn ich mich an den 2,3 schlimmsten Tagen auf Arbeit schleppen mußte und alles an mir sich unwohl anfühlte.

Manchmal gab es Lichtblicke, Monate wo es nicht ganz so schlimm war.
Ich habe ja letztens schon geschrieben das ich dann operiert wurde. Und ich sage euch es hat nichts verändert. Man hat wohl jede Menge Streuungen gefunden und ich hatte Glück das alles glatt gelaufen ist. Inzwischen habe ich im Internet von genug Frauen gelesen die nicht soviel Glück hatten, wo z.b. die Blase oder der Darm in Mitleidenschaft gezogen wurden oder verletzt wurden durch die Op. Manche Frauen haben sich x mal unter das Messer gelegt. Das Ding ist aber das die Endometriose dort dann oft Narbengewebe erzeugt und andere Beschwerden hinzukommen.
Die Pille kann das sozusagen stilllegen, viele Sorten gibt es da nicht, die die es gibt haben, wie die meisten Pillen, oft starke Nebenwirkungen, die leider von den Frauenärzten verschwiegen werden.
Bei mir und auch bei anderen Frauen bleibt die Menstruation dann vollends weg. Und nein das fühlt sich nicht gut an. Die Frauenärztin damals meinte ich solle doch froh sein, andere Frauen würden sich drüber freuen. Dabei ist so eine monatliche Blutung, ja viel mehr als nur eine Blutung. Sie ist ein Teil eines zutiefst weiblichen Rhythmus, eine innere Reinigungsprozedur und gehört zum Frau sein dazu.

Ich fühlte mich wie ein Luftballon gefüllt mit Kieselsteinen. Durch die Pille veränderten sich auch meine Gefühle und mein Körper zeigte komische Symptome – auch Schmerzen nur anders. Viele Pillen verursachen oder verstärken depressive Tendenzen, lösen Kopfschmerzen aus oder Übelkeit usw. Die Pille ist das Gegenteil von einem gutem Körpergefühl, bzw. verwehrt sie dieses. Sie steht im Weg und hilft nicht, außer das sie die Endometriose wohl stoppen kann. Ich finde es unfassbar das die moderne Medizin nicht ein Stück weiter denkt, aber überraschen tut mich das nach meinen allgemeinen Erfahrungen nicht.

Zwei Jahre nach der Op startete meine Revolution. Ich hatte entgültig die Nase voll davon mich nur noch mies zu fühlen. Ich setzte die Pille ab, meine Ärztin hatte keine Alternative und rief mir eine Art Fluch hinterher das die Endometriose ja jetzt wieder froh wachsen könne. Super. Das ich dort nicht mehr hin bin – auch klar. die nächste Frauenärztin wollte dann übrigens gleich meine Gebärmutter ganz entfernen, als wäre diese nur ein Stein im Schuh.
Und ja nach ein paar Jahren ist Sie auch wieder gewachsen, die Endometriose, aber ich lebe damit. Momentan weiß ich nicht wie es aussieht. Nachdem ich unterschiedliche Ärzte und Ärztinnen ausprobiert habe hatte ich erstmal keinen Nerv mehr.

Jetzt will ich euch aber nicht weiter zutexten sondern darüber schreiben was mir geholfen hat und hilft:

* Ich lese jede Menge (alternative) Literatur über Frauenkörper, Frauenweisheiten, Frauentraditionen, Frauengesundheit usw.
z.b. Die weise Wunde Menstruation, Der Ursprung der Welt, Frauenkörper Frauenweisheit, Das Tao der Frau, Die Weisheit der Menstruation etc. gibt wirklich tolle und hilfreiche Bücher

*Ich nutze Kräuter wie z.b. für Tees oder als Duftöl – mir hilft Melisse, Hopfen, Lavendel, Kamille zum entspannen und entkrampfen

*ich teste mich durch verschiedene homöopathische Mittel, auch als Mittel zum Spritzen (Endometrium), geholfen haben mir Sepia, Lachesis, Pulsatilla, Nox Vomica, Colocynthis, Chamomilla, Belladonna, Ignatia – wichtig ist hier immer zu schauen wie und welche Beschwerden im Moment da sind (die Ratgeber von GU kann ich empfehlen) – was ich immer zu Hause habe und was sehr gut bei Krämpfen hilft ist das Schüsslersalz Nr. 7 (Magnesium)

*In der Zeit wenig essen und vorallem leicht verdauliches, Wasser trinken ist immer gut. Wurzelgemüse stärkt und eine gute Suppe ist sehr wohltuend – da heißt es nach dem Typ zu schauen (mir war oft kalt und ich hab Wärme gebraucht) -> hilfreich kann hier die TCM sein
Eher nicht so gut sind Milchprodukte, Kaffee, Fleisch, sehr gut ist alles Grüne, das man besten zumindest gedämpft

*Zitrone: mit dem Saft einreiben (hilft bei allen Krämpfen) Zitronensaft trinken hilft gegen Kopfschmerz, Blutarmut und depressiven Verstimmungen

*Mineralstoffhaushalt: mit Endometriose geht oft ein Mangel an Nährstoffen einher, wie z.b. Eisenmangel (Ferritinwert checken), Zinkmangel, Vitamin B Mangel usw. -> großes Blutbild machen lassen -> dadurch das man Beschwerden hat (unbedingt eine Liste machen) gibt es eine Indikation dafür, sonst müßte man das meiste selber zahlen. Wenn der Arzt sich querstellt zum nächsten gehen. Hilfreich sind hier oft Ärzte für Hämatologie, ich war in einer Krebspraxis! Nehme seitdem zusätzlich Nährstoffe zu mir, das sollte regelmäßig geprüft werden. Der Körper ist ein fein abgestimmtes System und man kann nicht einfach was zuführen und fertig. Hier heißt es sensibel vorzugehen und gut zu beobachten. Außerdem verschiedene Mittel testen. Das Eisen aus der Apotheke ist meistens nicht verträglich, ich habe, nachdem ich schon total verzweifelt war und eine starke Anämie hatte, endlich bei Vitaminexpress ein verträgliches Eisen gefunden. Manchmal sind auch gefühlte Depressionen einfach Nährstoffmängel, und ich finde es ein ganz großes Versäumnis, das sowas nicht als allererstes überprüft wird beim Hausarzt. Davon sind sehr sehr viele Frauen betroffen udn wissen es nicht. Unser alltäglicher stress verbraucht unmengen an Eisen, bzw schädigt die Aufnahmefähigkeit des Darmes, so das nicht alle Nährstoffe verwertet werden können – natürlich sollten auch gute Nährstoffe zugeführt werdn also frische Nahrungsmittel, kein Fertigessen

*Kuscheln mit der Wärmflasche, hinlegen

*überhaupt 3 Gänge runterschalten, egal was man müßte oder sollte, du gehst vor, also ist verwöhnen und ausruhen angesagt

*ruhige Spaziergänge wenn möglich/Tageslicht

*Schlaf bzw ausruhen

*leichte Yogaübungen/Gymnastik – hinlegen 🙂

*Akupressur, hier lohnt es sich nach Büchern zu schauen, es gibt mehrere Punkte die man selbst behandeln kann und ich habe damit hervorragende Erfahrungen gemacht. Man muß aber drauf gefasst sein das es nicht immer gleich hilft. Es braucht Ruhe dafür und etwas Geduld – die Punkte müssen schon so 15 bis 20 Minuten behandelt werden.
Z.b. gibt es 2 Leistenpunkte die sehr hilfreich sind

*Eft Klopftechnik, hierzu gibt es einige Anbieter bei Youtube die das erklären, da mußt du mal schauen welcher Dir zusagt. Ich finde die Erklärungen von Magic Button Maxim (Ja es ist mit der Akupressur verwandt) oder Michaela Thiede sehr gut

*Atemübungen – da hab ich viel aus meiner Singgruppe mitgenommen. Singen und Tönen ist ganz famos, dadurch wird das Zwerchfell bewegt und unsere inneren Organe angeschubst. Wenn wir dann richtig tief atmen, so wirklich in den Bauch rein, hilft das sich zu lockern und damit den Krämpfen entgegen zu wirken, sehr gut sind – also wenn man Töne machen mag, tiefe Töne und erdiges wie das U… ruhig raustöhnen, es hilft!
Im Alltag atmen wir oft viel zu flach und dadurch entstehen auch permanente Verkrampfungen – man kann da wirklich jeden Tag was machen.

*Keine Tampons – das gehört zur Thematik Körperverhältnis. Das ist ja oft ein verkrampftes Thema an sich. Und die Tage gibts ja irgendwie oft nur so im Geheimen obwohl 50% der Weltbevölkerung monatlich davon betroffen sind. Oft wird das Menstruatiosnblut mit etwas unreinem und ekligem in Verbindung gebracht und die Tampons verbergen das dann schön… Stichwort Werbung, Unsichtbar, Geruchslos, Sauber  – alles klar. Aber wie geht man eigentlich mit sich und seinem Körper um wenn man denkt das jeden Monat etwas widerliches und schlechtes mit diesem passiert und dieser Körper etwas ekliges absondert? Deine Einstellung zu Dir und deinem Körper macht etwas aus. Ich denke das Blut will fließen, übrigens tut es das auch in der Schwerelosigkeit raus aus der Vagina! Also würde ich sagen stehen wir dem nicht im Wege und verstopfen den Ausgang mit Zellstoff und seinen Zusatzstoffen. Modern sind ja inzwischen die Menstruationstassen. Ich finde aber auch das ist zuviel Plastik und eine Art Verschluß, aber da muß jede selber schauen. Eigentlich ist die Menstruation ja ein Wunder, jeden Monat bereitet Sie unseren Körper darauf vor ein Kind zu empfangen und zu beherbergen.

*Wohlfühlkleidung

*Sich mit der eigenen Weiblichkeit und dem eigenem Körper auseinander setzen.
dazu gehört für mich auch sich mit natürlichen Rhythmen zu beschäftigen, in der Natur (also auch in uns) z.b. Jahreszeiten, Mondrhythmus, Tagesrhythmus, eigener Rhythmus

*Sich Zeit nehmen, am Besten schon 2,3 Tage vorher damit anfangen

Empfehlung: Broschüre des feministischen Frauengesundheitszentrums Berlin – gibt es für schlappe 7 € – viele Infos zu Nährstoffen u.a.
https://www.ffgz.de/bestellen/broschueren/endometriose-verstehen-meinen-weg-gehen.html

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http://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose.html

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http://generation-pille.com/endometriose-einziger-ausweg-pille-natuerliche-behandlung-bei-endometriose/?

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http://www.netzwerk-endometriose.de/qs-endo-was-ist-das/

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http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hysterektomie-jeder-sechsten-frau-wird-gebaermutter-entfernt-a-953374.html

 

 

 

Der 7. Beitrag – „Im Pharma-Zoo“ – „Mein Körper (und ich)“ die Blogparade

Heute gibt uns die Autorin und Jounalistin Maren Schönfeld einen Einblick in Ihr Leben mit Schmerz und Medikamenten, der Star: ein Gedicht! Der Pharma-Zoo

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Vorherige Beiträge:

Solina Thema Wohlfühlkörper und Fitness

Beitrag von Hiltrud: Schmerz und Leben und Humor

Wortbunt mit 3 Texten und Collagen

Augenwischerei

Schamhaare

Traumkörper

Chutriel und die Geschichte ihrer Panik

Monika
HPU und Hochsensibilität

Nadine
„Mein Körper und ich“ und keine Waage

Schmerz und Leben und Humor – Blogparade Beitrag 5

Ilseluise ~ Clownerie und Theologie, das nenn ich mal ne Kombination 😉
Inform einer langen Kurzmitteilung und vielen persönlichen Bildern bekommen wir hier eine Lebensgeschichte des Schmerzes gezeigt.

So ehrlich und liebevoll immer mit Hoffnung gewürzt
Hier gehts zum Beitrag von Hiltrud.

 

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die vorherigen Beiträge:

 

Wortbunt mit 3 Texten und Collagen

Augenwischerei

Schamhaare

Traumkörper

Chutriel und die Geschichte ihrer Panik

Monika
HPU und Hochsensibilität

Nadine
„Mein Körper und ich“ und keine Waage

A Monster calls – Sieben Minuten nach Mitternacht

Filmbesprechung

Ein Junge und ein Monster. Ein Monster welches eigentlich ein Baum ist, und zwar eine uralte Eibe. Das sind die 2 Hauptrollen in diesem Film. Es geht um die Familie, um Bindungen, Einsamkeit, Krankheit, Tod und um das annehmen und sehen dessen was wirklich ist. Sich selbst zu glauben, sich der Realität zu stellen und Schmerzen zu tragen. Zutiefst berührend und wunderbar umgesetzt mit viel Feingefühl und ganz besonderen Bildern.

Der Roman von Patrick Ness (2011 veröffentlicht) nach einer Originalidee der verstorbenen Siobhan Dowd wurde in fast 40 Sprachen übersetzt. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ hat zahlreiche renommierte Preise weltweit erhalten, darunter die angesehene Carnegie Medal sowie die Kate Greenaway Medal für Illustrator Jim Kay.

Ich war ewig nicht mehr im Kino bis zu diesem Film, und es war wirklich beeindruckend diese Geschichte auf einer großen Leinwand zu sehen und auch der Sound war phänomenal. Ich sag es gleich, falls ihr ihn anschaut, haltet Taschentücher bereit.

Conor (Lewis MacDougall) ein Junge von vielleicht 10- 12 Jahren lebt allein mit seiner Mutter (Felicity Jones) in einem kleinem Haus, und hat immer wieder Alpträume. Er wird in der Schule gehänselt, und wie wir dann mitbekommen ist seine Mutter sehr krank. Sein Vater nicht erreichbar für Ihn. Und dann beginnt es, regelmäßig um sieben Minuten nach Mitternacht passieren merkwürdige Dinge. Auf dem Hügel, den er von seinem Fenster aus sieht, steht ein sehr großer alter Baum. Ein Baum der zum Leben erwacht.

„Was willst du von mir?“, fragte Conor.
Das Monster presste sein Gesicht gegen die Scheibe.
Es geht nicht darum, was ich von dir will, Conor O’Malley.
Es geht darum, was du von mir willst.“

Schon gleich am Anfang war ich ganz fasziniert von den Nahaufnahmen und der Sinnlichkeit der Darstellung. Conor zeichnet gern und viel und sehr gekonnt; wir folgen dem Strich des Bleistiftes, spät am Abend in seinem Zimmer. Das Zeichnen und Malen spielt im Film eine ganz besondere Rolle. Dieses Talent verbindet Conor mit seiner Mutter, und am Ende schließt sich hier ein überraschender Kreis und es bleibt eine Magie im Raum hängen, die Trost spendet.

Es geht darum die Wahrheit auszusprechen und die Wut anzuerkennen, so schmerzhaft das auch alles ist,  und das Monster hilft Connor im Grunde dabei auch wenn das erst nicht unbedingt so scheint. Es besucht Ihn nun regelmäßig und es bleibt etwas unklar welche Rolle es spielt. Es ist kein liebes Monster. Und die Themen sind schwer und voller Wucht. So heftig das Sie uns und eben auch Conor förmlich umhauen. Es wird nichts beschönigt. Doch auch im Schmerz und den Themen Krankheit, Einsamkeit und Tod findet sich eine eigene Art der Poesie.

„Es ist ok wenn du wütend bist“

Umgesetzt wird das in Form von 3 Erzählungen, die das Monster Conor Nachts erzählt. In einer Mischung aus Collagentechnik und fließenden Aquarellstrichen werden diese Geschichten vorgetragen, absolut faszinierend und wunderschön gemacht.

Geschichten sind wichtig, sagte das Monster.

Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.

In Conors Leben taucht dann seine Großmutter (Sigourney Weaver) auf, bei der er Leben soll. Sie wirkt streng und Conor hat so gar keine Lust bei Ihr zu sein – an diesem Punkt läuft das Faß dann auch über und er spürt eine mächtige Wut, eine Wut die das Monster zu nähren scheint. Wer ist dieses Baummonster? Es ist eine Eibe so alt und groß wie es Sie in der Realität wohl kaum noch irgendwo geben wird. Der Eibenbaum steht bei uns auf der roten Liste schon im 16. Jh gab es kaum noch Eibenbäume, da Ihr Holz zur Bogenherstellung verwendet wurde. Die Eibe ist ein wirklich besonderer Baum, die meisten werden die Eibe wohl nur als Busch kennen. Auf dem Friedhof zur Grabgestaltung sehr beliebt. Und traditionell ein Baum der als Totenbaum galt.
Alles an der Eibe, außer das rote Fruchtfleich der Samen, ist giftig. Aber wie das so ist, die richtige Dosis kann auch heilen. Und in diesem Sinne hilft das Monster Conor durch seinen schmerzhaften Prozess hindurch.

„Natürlich hast du Angst, aber du wirst es schaffen!“

Ein mächtiger und wunderbarer Film!

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Sieben Minuten nach Mitternacht

Länge 108 min

Freigegeben ab 6 Jahre – ich finde das ist kein Film für so kleine Kinder, ich denke eher ab 10 – 12 Jahre geeignet

Verfilmt hat das Buch der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona,

Das Waisenhaus (2008) und The Impossible (2013)

Produzent ist Belén Atienza (Pans Labyrinth)

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http://www.siebenminutennachmitternacht.de

http://www.geo.de/reisen/community/bild/594485/Eibe-in-Llansilio

http://www.heilkraeuter.de/lexikon/eibe.htm

https://www.vitamine.com/heilpflanzen/eibe/

Die Witwen – Dagmar Leupold

In das Cover hatte ich mich schon vor längerer Zeit verliebt, und nun hatte ich einerseits das Glück dieses Buch in der Bücherei zu finden und andererseits das Pech es nur auszuleihen. Wobei man kann ja nun nicht alles nur immer sammeln, und ich bin eigentlich ganz froh das ich mich inzwischen auch wieder trennen kann von Büchern, denn irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ist ganz bestimmt ein nächster Umzug angesagt.
Der Künstler der das Coverbild gestaltet hat heißt Aleksey Kondakov. Und ich finde seine Arbeiten ganz wundervoll.

Nun das Buch war allerdings nicht gleich so wundervoll. Die Sprache kam mir so Stacattohaft vor. Immer wieder ein holpriger Satzrhythmus, an welchem die still mitlesenden Zunge hängenblieb. Es fing fast schon an mir auf die Nerven zu gehen, und dann wurde es doch ein bisschen flüssiger.

Vier gut situierte langjährige Freundinnen nehmen sich einen Chauffeur für eine kleine Fahrt ins Blaue. Die 4 Damen sind recht unterschiedliche Typen und bilden trotzdem eine fest verschweißte Gemeinschaft. Der Chauffeur ist einer dieser philosophierenden Melancholiker die oft viel zu lang textlich umherschweift (ich hatte erst schwadroniert geschrieben – doch achte ich grade auf Wörter aus Kriegszeiten, die sich leider noch viel zu oft und zu normal in unserer Sprache herumdrücken, deshalb habe ich es getilgt)… in Gedanken und Tagebucheinträgen oder auch Briefen… es schmalzte förmlich – für mich ja kein Sympath aber einfach wunderbar dargestellt von der Autorin. Überhaupt sind alle fünf im Buch echte Charakterköpfe.

Wirklich schön wird es dann, wenn die Freundinnen beginnen zu erzählen. “ Ich erzähl Euch was“ ist der richtige Start, und nun beginnen 4 ganz eigene und herzerweichende, tiefgehende wunderbare Geschichten, die mich sehr gefesselt haben. eine Freude, allesamt. Besonders angetan aber hat es mir die Geschichte die Penny erzählt – die Geschichte eines „Zurückbleibens“. Das ist für mich die echte Philosophin in der Runde, sehr feinsinnig, wie sich Schmerz, Liebe, Weisheit, Erfahrungen und das weiterleben hier verflechten.

Dann allerdings, ein für mich … ein Ende, … oh ich erinnere mich nicht wann mich ein Buchende so wütend gemacht hat. Ich war richtig sauer. Es ist verwirrend und ein echter Wermutstropfen, leider.

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Dagmar Leupold

Die Witwen

Ein Abenteuerroman

Jung und Jung, 22,- €

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Dagmar Leupold wurde vielfach ausgezeichnet und war sogar für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für dieses Buch bekam sie eine Förderung des Deutschen Literaturfonds e.v.

 

Alle reden über Trauer

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copyright by Madame Flamusse

Trauer hat viele Facetten und es gibt vieles um das man trauern kann. Trauer hat nicht immer nur etwas mit Tod und sterben zu tun, auch wenn es im erweiterten Sinne fast immer um ein sterben im Leben geht.

Trauer, Schmerz, und alle Gefühle die uns wehtun sind nicht besonders beliebt, werden oft verdrängt und kaschiert. Manchmal bewußt und manchmal unbewußt. Manchmal tragen wir auch Trauer die uns gar nicht gehört. Und manchmal erkennen wir sie nicht, selbst wenn sie uns auf der Seele sitzt.

Gefühle die der Mensch nicht mag möchte er nicht gern fühlen. Dabei ist genau das der Punkt: Gefühle sind zum fühlen da. Es ist wichtig sie zu fühlen. Es heißt in Kontakt mit deiner Seele zu gehen und in Kontakt mit deinem Innersten, dem was dich ausmacht. Trauer zu leben heißt Lebendigkeit zu feiern. Gefühle machen uns lebendig, alle Gefühle, nicht nur die schönen. Und was wären die schönen Gefühle denn ohne die Schatten – Ein Kerzenschein an einem strahlend hellem Sommertag? Wir würden sie vermutlich nicht einmal erkennen.

Trauer findet sich an so vielen Stellen. Wenn wir etwas hinter uns lassen müssen was uns lange begleitet hat, wenn ein Übergang ansteht, ein Abschied, wenn jemand geht oder wir etwas verlieren. Freunde, Job, Aussichten, einen Traum, oder wir merken das das was wir tun keine Zukunft mehr hat. Manchmal bekommen wir etwas was wir nicht möchten. Es ist nicht immer leicht einen Absprung zu finden. Zu sehen wenn etwas zu Ende ist. Und manchmal wiederum erwischt es uns so heftig, das wir kaum noch Luft bekommen. Hoffnung kann schmerzhaft sein, und auch Sehnsucht ist nicht immer süß.

Doch wo ist der Raum für all die Gefühle, die die Menschen nicht mögen, all die abgewiesenen Anteile, oder die Fässer voller ungeweinter Tränen? Zu oft machen wir weiter, zu oft schieben wir die Dinge beiseite, zu oft sagen wir später, zu oft fehlt jemand der einfach nur zuhört, jemand der sich aufs Klagen und Weinen versteht und bereit ist sich davon nicht abschrecken zu lassen. Zu oft wird einfach drüber gebügelt und ein Ratschlag ausgeteilt wo eigentlich eine Umarmung helfen würde.

Wenn jemand stirbt ist die Sache eindeutig, aber bei einer Trennung, einem Jobverlust, einer Krankheit oder einem Herzenswunsch der nun endgültig abgehakt werden muß, da soll man einfach weitermachen und nach vorne schauen. Doch wie viel in unserem Leben ist oft mit diesen Dingen verbunden. Hier eine Entscheidung für die Trauer zu treffen, kann das beste sein was Du jetzt machen kannst. Zu einem lebendigem Leben gehören alle Farben, auch die wilden und dunklen.

Die Gefühle sind da, so oder so, sie stecken in uns und machen es sich irgendwo in unseren Zellen bequem. Wenn wir unserer Seele keinen Raum geben dann wird uns unser Körper irgendwann darauf aufmerksam machen.

Traurig zu sein und dazu zu stehen macht dich authentisch, die die das nicht verstehen oder Dir sagen das Lächeln hilft, gehen einen anderen Weg und nicht neben Dir. Folge Ihnen nicht, sondern bleib bei Dir. Vertrau deinem Herzen. Nimm Dir Zeit für deinen Schmerz. Gib der Trauer Raum, lass die Tränen zu.

„Sei wer du bist und sag, was du fühlst. Denn die, die das stört, zählen nicht und die, die zählen, stört es nicht.“ 

Theodor Seuss Geisel

Bei uns wurde nicht geweint und es gab auch keine Trauer, und wenn, dann trauerte wohl jeder für sich. Ich glaube das Leben hat mir soviel trauriges geschenkt damit ich lerne das Familienmuster zu durchbrechen, lerne zu trauern und aufhöre es zu ignorieren, so wie ich es aus meiner Familie kannte und von eben diesen Generationen vor mir. Das war ein regelrecht automatisiertes Muster. Ich glaube viele Menschen sind in diesem Bereich noch Übende. Und es ist wichtig das die, die wissen das Trauer zum Leben gehört darüber sprechen und zeigen was es heißt, wenn Trauer da sein darf, was es auch heißen kann getröstet zu sein. Denn der, der die Trauer kennt weiß auch was wirklich Trost bringt.

Ich wünsche mir eine neue Trauerkultur für jede Trauer. Und Raum für Tränen die fließen dürfen. Ich wünsch mir das Schwarz keine Modefarbe ist. Ich wünsch mir das das Thema normal dazugehört. Ich wünsch mir das wir füreinander da sind, wenn es jemandem schlecht geht und das man untereinander akzeptiert das jeder seinen eigenen Weg geht. Das jede Trauer ihre eigene Zeit braucht.

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Dies ist mein Textbeitrag zur Aktion

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