Am Strand – Der Film

Endlich mal wieder ins Kino, darauf hab ich mich gefreut. Ich habe Kinokarten gewonnen, für die Buchverfilmung eines meiner Lieblingsautoren. Ja, manchmal mache ich auch Ausnahmen und lese zwischendurch wieder etwas von Männern. Wobei es viele Jahre her ist, als ich „Am Strand“ das erste mal las – noch vor meiner Konzentration auf Bücher von Frauen.

„Am Strand“, „On Cesil Beach“ der Originaltitel, eine Literaturverfilmung nach dem Buch von Ian McEwan. Auch wenn die Begebenheiten vor allem in den 60igern spielen, ist diese Geschichte immer noch eine Geschichte für unsere Zeiten. Ein Lehrstück dafür,  was passieren kann, wenn Erwartungen meilenweit auseinanderdriften, nicht genug geredet wird und die Konventionen wichtige Momente den Bach runter gehen lassen und Ozeane von Entfernungen entstehen.
Zwei junge Menschen, Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle), begegnen sich, kommen sich näher und verlieben sich. Es wird geheiratet. Wir treffen die beiden in ihrer Hochzeitsnacht in einem Hotel am „Cesil Beach“ (ist erfunden, ebenso das Hotel).

 

Die Verfilmung hält sich eng an das Buch, aber es gibt einige entscheidende Unterschiede. Eine, vielleicht eher subjektive, Florence erscheint mir im Film viel selbstbewußter als im Buch. Vieles was im Buch aus dem Off kommt, wird hier von den beiden Protagonisten nun doch ausgesprochen. Holt viel nach vorn, was eigentlich im Original jeder für sich behält. Ich denke, man hätte es durchaus noch etwas subtiler gestalten können. Aber das ist wohl sicher immer wieder die Frage bei einer Buchverfilmung: Wie stellt man Gedanken dar oder einen Erzähler/eine Erzählerin?

Zwei junge Menschen

Edward wächst in einer etwas wilden Familienkonstellation auf, die aber unheimlich viel Sympathie ausstrahlt. Die Mutter verunglückte als Edward ein Kind war und ist seitdem sehr durcheinander. „Gehirngeschädigt“ ist der Begriff, den sein Vater gebraucht und der Edward so einiges klar macht. So wachsen er und seine Zwillingsschwestern in einem sehr chaotischem, aber ganz bezaubernden kleinem Haus auf. Es ist ihre Normalität. Der Vater, ein Grundschuldirektor, liebt seine Familie, aber schafft es kaum für Ordnung zu sorgen. Einige der schönsten Szenen spielen sich in genau diesem Haus ab; als Florence zu Besuch kommt. Sie nimmt Kontakt zu Edwards Mutter auf – hier sehen wir z.B. so gar keine Berührungsängste – hilft beim aufräumen und kocht sogar. Die ganze Familie verliebt sich sofort in sie. Edward ist zutiefst gerührt. Ein Film in welchem auch Männer Tränen fließen lassen, zumindest Edward.

Florence´s eigene Familie ist eher kühl, eine andere Klasse, Geld ist da. Sie studiert Geige und möchte auf die Bühne. Der Vater ist sozusagen Industrieller, und als wir ihm begegnen fällt auf, wie er Florence begrüßt. Die Mutter nennt das gekonnte Geigenspiel der Tochter Gefidel. Das beeindruckt Florence zum Glück wenig. Sie gründet ein Quartett und hat große Pläne.
Übrigens wunderschöne klassische Musik im Film. Ich habe einige Stücke ganz unten für euch notiert.

Als die Hochzeit näher rückt, beginnt Florence sich mit dem Thema Sex näher zu befassen und verspürt ein großes Gruseln bis hin zum Ekel. Ihrer jüngeren Schwester kann sie sich anvertrauen, aber sonst hat sie niemanden mit dem sie drüber sprechen kann. So normal auch die Nähe und der Körperkontakt zwischen den beiden zu sein scheint, alles was über Händchenhalten, Umarmen und Küssen hinaus geht, findet Florence wenig verlockend. Edward dagegen ist ganz verliebt in ihre Schönheit, aber auch rücksichtsvoll und bemerkt nichts davon.

Die Hochzeitsnacht

Der Film beginnt am Abend der Hochzeit im Hotelzimmer des frisch getrauten Paares – hier sind wir dem Buch ganz nah. Ein Essen auf dem Zimmer, unter der Beobachtung der Kellner. Zwischen Erwartungsdruck, Aufregung, Konventionen und der daraus folgenden „Steifheit“ der Situation, wird uns aber auch viel Liebe gezeigt und das Bemühen der beiden, das anzugehen, was sie denkt, was nun erwartet wird und das, was er sich schon so lange wünscht. Das wonach er sich sehnt und das, was sie so gerne auslassen würde.
Die Situation im Film wird immer wieder unterbrochen mit Bildern aus der Zeit vorher. Wunderschön fand ich die Kameraführung, die immer respektvoll dort Abstand hält, wo es nötig ist, nichts ans Licht zerrt, nichts ins Blickfeld rückt, was nicht nötig ist und mit großer Sorgfalt agiert. Ich war gespannt, wie gewisse Szenen im Film gezeigt werden. Da, wo es viel um Stimmungen, Gefühle und Ängste geht, die zwischen „Nähe“, „Küssen“ und „Luftholen“ stattfinden. Da wo man im Buch verfolgen kann, wie Edward das Ängstliche und Nervöse seiner Frau als Lust deutet. Und Florence nach vorne flüchtet, um irgendwie doch zu entkommen.
Schon das Ausziehen wird fast zu einer Belustigung. Wenn man da nicht diese große Unsicherheit und Besorgnis hindurch spüren würde. Beide furchtbar nervös. Florence versucht ihr bestes, wir sehen aber auch ihre angespannten Hände. Und dann passiert ein Missgeschick. Die Situation kippt vollends. Kurz sehen wir Florence – und Andeutungen. Ein Flashback? Also eine traumatische kurze Erinnerung.
Die Darstellung ist durchaus gelungen. Die kleinen Momente werden wunderbar ausgelotet und genau richtig beleuchtet.

Florence scheint so sehr auf sich bezogen, dass es ihr wohl nicht möglich ist, die andere Seite wirklich zu sehen. Aber vielleicht weiß sie auch einfach nicht wie. Ich hatte die Geschichte ganz anders in Erinnerung und bin nun selbst ganz überrascht davon, was ich behalten habe und was nicht. Es ist eben nicht nur ein stürmischer junger Mann, der keine Rücksicht nimmt, aber wohl einer der hilflos ist und nicht weiß, was er tun soll. Dessen Stolz so sehr verletzt wird, und der wohl den Eindruck gewinnt, unter Prämissen geheiratet zu haben, die vorher nicht klar waren. Florence dagegen hat sich schon etwas zurecht gelegt und überlegt, wie Sie ihrem Mann entgegen kommen kann, und anscheinend ist das ihre einzige Lösung. Vielleicht braucht sie körperliche Lust nicht, weil sie alles in der Musik findet. Oder das, was im Film kurz angedeutet wird, steht ihr im Weg.

Kino

Die große Leinwand im Kino und das Soundsystem in solchen Sälen machen sehr viel aus, und ziehen einen zusätzlich richtig in den Film hinein. Aber auch die Kamera, die einerseits weite Landschaften zeigt, Füße und Beine beim Gehen verfolgt oder Details ins Visier nimmt, die sehr ausschlaggebend sind, ist ganz fabelhaft.

Ich hatte heute den Kinosaal ganz  für mich. Da haben einige Menschen etwas verpasst. Aber diese Geschichte ist eben nicht einfach, nicht laut, nicht actiongeladen und schrill, aber tiefgehend, ziemlich herzzerreißend und voller wunderschöner Bilder.

Florence und Edward beim Picknick, auf dem Crocketfeld, beim Spazieren, Edwards Elternhaus, die Landschaft, das Meer, der Strand. Die Farben. Sehr schöne Kostüme. Die oft die Differenz zwischen den beiden jungen Leuten auf vorsichtige Weise unterstreicht – sie, die gepflegte konservative Frau der klassischen Musik. Er, der etwas wilde Naturbursche, mit einem Hang zum Rock´n Roll.

Das Schauspiel und die Geschichte

Saoirse Ronan, die die Florence Ponting spielt, hatte ich erst kürzlich nochmal in „Abbitte“ gesehen, da war sie noch ein Kind. In beiden Filmen spielt sie die weibliche Hauptrolle, und das exzellent. In beiden Filmen hat die Figur jeweils etwas in dem sie ganz aufgeht. In Abbitte sind es die selbst erfundenen Geschichten und die überbordende Phantasie und hier in „Am Strand“ ist es die klassische Musik und das Geigenspiel. „Am Strand“ ist eine ganz typische Ian McEwan Geschichte, die kleinen Begebenheiten, Unausgesprochenes, zuviel Gedachtes, was sich zu großen Dramen auswächst und allerschmerzlichst endet, die Leben der Beteiligten zutiefst prägen. Es gibt keine guten Enden. Ich mag das, auch wenn es sehr traurig ist. Aber es ist einfach so nah dran am echten Leben, wo es eben selten dieses „Friede Freude Eierkuchen Happyend“ gibt, wie in so vielen anderen Filmen. Ich glaube das ist auch das, was so betört; vor allem, wenn man selbst diese tragischen und schmerzhaften Seiten des Lebens kennt, lässt sich hier viel Resonanz spüren.

Was mich am Kino ein wenig stört ist, dass ich dort nicht so ungehemmt weinen kann, wie Zuhause. Ihr braucht auf jedenfall Taschentücher.

Einige der klassischen Stücke

J.S. Bach: Partita for Violin Solo No. 3 in E Major, BWV 1006-1. Preludio
Beethoven: String Quartet in B Flat Major, Op. 130-6. Finale (Allegro)
Haydn: String Quartet in G Major, Hob. III:81 (Op.77 No.1) – 1. Allegro moderato
Schubert: String Quartet No. 14 in D Minor, D. 810″ Death and the Maiden – 1. Allegro
J.S. Bach: Suite for Cello Solo No. 1 in G Major, BWV 1007-1. Prélude
Schubert: String Quartet No. 14 in D Minor, D. 810″ Death and the Maiden – 2. Andante con moto
Mozart: String Quintet in D Major, K.593-1. Larghetto – Allegro
Rachmaninov: Symphonic Dances, Op. 45-1. Non allegro

Achtung Spoiler zum Ende des Films:
Noch im gegenseitigen Verlassen gestehen sich die beiden doch ihre Liebe. Edward aber zu wütend und zu geschockt, vermutlich über den Vorschlag seiner Frau, bleibt am Strand zurück, während Florence alleine ins Hotel geht und ihre Sachen packt. Sie sehen sich nicht wieder. Die Ehe wird schriftlich anuliert – der Briefverkehr findet nur zwischen den Eltern statt. Man bleibt als Zuschauer irgendwie fassungslos zurück und fragt sich, wie das so laufen konnte. Für mich war es immer der Punkt, wo Edward ihr nicht nachläuft; jetzt ist es für mich aber auch der Punkt, wo Florence einfach geht.
Vor allem wenn man zum Ende hin erfährt, das Florence dann ihren ewig um sie werbenden Musikerkollegen geheiratet hat und mit ihm drei Kinder bekam. Edward bleibt alleine und überwindet diese Nacht nie.

Als ich Florence in ihrem türkisen Kleid so steif auf dem Bett liegen sah, bereit die Dinge über sich ergehen zu lassen, habe ich mich auch gefragt, wieviele Frauen das heute immer noch tun. Als junge sexuell unerfahrene Frauen, aber auch später…

In Erinnerung hatte ich, dass Edward derjenige war, der das ganze „verdorben“ hat und zu stolz war hinter seiner Frau her zulaufen. Sicher ist daran auch etwas wahr. Aber Florence hat eben auch ihren Anteil. Es wird nicht ganz klar. Aber wann ist es das schon. Wir wissen nur, etwas Schönes fand ein überaus schmerzliches Ende.

Ich habe noch eine Kinokarte zu verschenken, schreib mir wenn du sie haben möchtest.

***
Buch:
Ian Mc Ewan
„Am Strand“
Taschenbuch
208 Seiten / 2008
Diogenes Verlag
10,00 €

Film:
Am Strand bzw. On Cesil Beach
von Dominic Cooke , 2018

***

Advertisements

Pirasol

Pirasol – das ist im Roman eine alte Villa. Das Zuhause der alten Gwendolin. Sie lebt schon eine ganze Weile hier. Früher mit dem viel älterem Ehemann und dem Sohn, der eine inzwischen tot, der andere lange fort. Die alte Dame ist aber nicht allein. Sie hat sich, wie schnell klar wird leider, auf eine Mitbewohnerin eingelassen. die Mitbewohnerin ist um einiges Jünger und schaltet und waltet sehr bestimmend. Gwendolin fühlt sich überhaupt nicht wohl damit.
Dieser Geschichtenstrang zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Buch und ist ein ziemlich angespannter Strang, mir wird am Schluß schon ganz hibbelig, so gespannt bin ich auf die Auflösung.
In den Zeiten dazwischen erinnert sich Gwendolin an ihre Zeit die Sie in Pirasol verbracht hat, aber auch an ihre Kindheit und Jugend im Krieg und vor allen den Nachkriegsjahren.

„…und sich gewundert hatte, warum er nur Papier ohne Zeilen benutzte und sich weigerte, seine Schrift auf gezogenen Linien abzulegen.“

Die ganze Geschichte hat etwas schleifendes, so wie das Leben Gwendolin geschliffen hat, wird auch der Leser geschliffen. Es fiel mir schwer das mitzumachen und durchzuhalten. Denn zwischendurch stopp es kurz und dann wird neu angesetzt. alles wird mehrfach aufgegriffen, jedesmal geht es ein Stück tiefer und Häppchenweise erfahren wir was in der Vergangenheit passiert ist.
Erfahren wie Gwendolin ihre Eltern verlor und in welcher bangen Hoffnung sie nach dem Krieg grade so überlebt.
Es scheint Sie ist erstarrt durch das was Sie schon früh erlebt hat. In ihrer Ehe wird das Ihr und dem gemeinsamen Sohn zum Verhängnis.
Was macht man nun mit diesen Erfahrungen, die einen still werden ließen. Was macht man jetzt im hohen Alter mit diesem Leben?

„… und Gwendolin spürte, wie sie sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete: die Einsamkeit, wenn man andere Menschen zueinander geführt hatte.“

Susan Kreller hat eine feine angenehme Sprachmelodie in den Roman gewirkt, immer wieder webt sie kleine Poesien sein, die viel Atmosphäre erzeugen. Eine echte Stärke des Romans. Er hat mich sehr berührt und so manches mal sind mir die Tränen gekommen, was mir eher selten beim lesen passiert.
Beim schleifenden der Geschichte bin ich mir nicht scher ob es ein ausgefuchstes Stilmittel ist, welches uns immer mehr hineinziehen soll oder ob es nicht eine Schwäche in der Erzählung ist? Zwischendurch empfand ich es schon durchaus auch als lästig und hätte mir gewünscht das die Dinge mit einem mal „erledigt“ werden und nicht zwei-, dreimal wieder angefasst werden um dann doch noch wieder neues zu offenbaren. Ja ich denke man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und es hätte ihr vielleicht auch gut getan. Aber ich glaube dann wäre nicht diese besondere Stimmung zu Tage getreten. Welches Leben läuft schon gerade? Was gelingt schon im ersten Anlauf? Und ja, wie vieles gelingt nie?

„..und der das, was war, in aller Lautstärke vergaß.“

Worüber ich froh war, das war das versöhnliche Ende, welches ich Gwendolin auch aus tiefstem Herzen gegönnt habe.
Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Wermutstropfen, auch wenn es die Geschichte von Gwendolin ist, dreht sich doch sehr viel mal wieder um die Männer, erst den Vater, dann den Ehemann und später den Sohn. Die Frauen bleiben zu oft Randfiguren, sehr schade.

„Er lachte, weil es seine Art zu weinen war … und wie sie selbst weinte, indem sie nicht mehr weinte“

Näheres zum Inhalt:

Das Mädchen was von einer Nachbarin gerettet wird, unter Umständen die ihr das fühlen abgewöhnen. Umstände die viel Kraft kosten um sie zu überleben. Der Vater der aus dem Krieg heimkehrt, mit dem das Mädchen in seiner Abwesenheit all die Bücher geteilt hat, die eigentlich längst verbrannt sein sollten. Bücher die das Mädchen nie vergessen wird, und die auch ihr Sohn ganz heimlich entdeckt, viel viel später. Bücher spielen eine große Rolle und haben sehr viel zur Rettung beigetragen – ich kenne das. Bücher die einen sich selbst wiederfinden lassen. Bücher die trösten oder neue Welten zeigen. Bücher die ein Heimatgefühl oder Geborgenheit schenken. Bücher auch in Form von Buchläden als Zufluchtsorten und Buchhändlern als Vertraute.
In der Erstarrung und Einsamkeit findet Gwendolin ein aufgewecktes paar graue Augen und lässt sich davon einnehmen. Lernt das Haus Pirasol kennen und verliebt sich sofort. Die Ehe wird ein Alptraum, die grauen Augen werden hart und bitter und lassen besonders am gemeinsamen Sohn alle Bösartigkeiten und Demütigungen aus. Strafen Gwendolin mit einer Kälte die Sie weiter in einer stummen Erstarrung verharren lässt. Der Widerstand so zart und leise das er nur für sehr kleine Glücksmomente reicht. Für ihren Sohn reicht es nicht.

***

Pirasol
Susan Kreller

Piper/Berlin Verlag
Hardcover 20,- €  / Taschenbuch 11,- €

***
Ein Auszug aus dem Roman erhielt den GWK- Förderpreis 2014
Susan Kreller: Geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin

***

zum reinhören
https://www1.wdr.de/kultur/buecher/susan-kreller-pirasol-104.html

Wovon wir nicht sprechen

Ich könnte sagen, ein schönes Buch, wenn, ja wenn da nicht die Härte des Themas wäre. Joanne Fedler widmet sich in „Wovon wir nicht sprechen“ dem Thema „Gewalt an Frauen“. Die Protagonistin arbeitet als Rechtsberaterin in einem Frauenhilfsverein „SISTAA“ genannt. Und die Hälfte des Romans hat damit zu tun.
Die zweite Hälfte dreht sich um das Leben dieser Rechtsberaterin, die selbst auch schon einiges hinter sich hat, bei dem ihre Ursprungsfamilie eine Rolle spielt.

*Achtung mein Text könnte triggernde Elemente enthalten*

Das Thema im Roman kommt nicht von ungefähr. Einmal hat die Autorin selbst bei einer Anlaufstelle für misshandelte Frauen gearbeitet UND wenn wir uns umschauen: es passiert jeden Tag! von daher bin ich auch froh das es Bücher gibt die solche Dinge aufgreifen.

Ein wenig Statistik:

Weltweit ist sexualisierte und häusliche Gewalt für Frauen bis 44 Jahren die häufigste Ursache für Tod und Behinderung / Quelle: Heise.de

In Deutschland wird alle 3 Minuten eine Frau vergewaltigt / Quelle: die Netzfrauen

… allein im Jahr 2015 über 104.000 Frauen durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner misshandelt – durch Drohungen, einfache oder gefährliche Körperverletzung, Stalking oder sogar Mord. / Quelle: Tagesschau

Trotz schwerem Themas hat mir die Geschichte und das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Es hat für mich gegen Ende ein paar kleine Schwächen, wo mir nicht so ganz klar wird, wie und was jetzt mit einigen Figuren der Geschichte geschieht. Aber es ist insgesamt schön erzählt, wenn man das überhaupt bei einem solchem Thema sagen kann. Joanne Fedler scheut sich nicht auch krasse Dinge anzusprechen, Gewalt und Schmerz zu thematisieren. Das erschrickt durchaus erstmal, aber vielleicht würde es nicht passen dies in einer solchen Geschichte auszublenden oder nur anzudeuten? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Da dieses benennen nun aber nicht ständig der Fall ist und es einen zweiten Erzählstrang gibt, ist es für mich ertragbar gewesen.
Mich hat die Story gefesselt und ich freue mich, das ich das Buch zufällig in der Bibliothek gefunden habe. Schon allein deshalb, weil mich das Thema beschäftigt und ich durch den ganzen Themenkomplex Feminismus/Erziehung/Frauenrechte  etc. auch immer wieder auf das Thema Gewalt gegen Frauen stoße. Erschreckend wie sehr diese Realität so so viele Frauen weltweit betrifft und schockierend wie wenig darüber gesprochen wird. Und noch schlimmer, es ändert sich nichts. Dieser Fakt scheint, wie so vieles, als Normalität hingenommen zu werden, vorallem von Männern, die die Gesetze machen, als Polizisten arbeiten und die Gewalt größtenteils ausüben. Ich denk da gleich an den Gesetzentwurf zum Thema Vergewaltigung in der Ehe, worüber so unfassbar lang (20 Jahre) gesprochen wurde und die männlichen Politiker feixend im Bundestag saßen und sich amüsierten. https://twitter.com/tagesschau/status/864177990229528576?lang=de

Lange Zeit war das Thema vollständig tabuisiert. Viele der betroffenen Frauen fühlen sich immer noch hilflos. Scham und Angst vor Gerede oder weiteren Übergriffen hemmen sie, ihre Rechte einzufordern und Hilfe zu suchen. Viele sprechen mit niemandem über die erlebte Gewalt. / Quelle: Frauen gegen Gewalt

Etwas was mich sehr betroffen gemacht hat war die Nutzung der Namen von Gewaltopfern für die Figuren des Romans, die am Ende des Buches aufgelistet sind, mit jeweils einer kurzen Erklärung was Ihnen widerfahren ist.

Die Protagonistin der Geschichte heißt Faith. Sie hat ihr eigenes Päckchen zu tragen, denn in ihrer Familie ist ein Kind verstorben und das Verhältnis zu ihren Eltern und ihrer Schwester ist nicht gerade einfach. Faith scheint auch etwas aus der Art geschlagen. Aber sie hat eine Großmutter, Nonna, die sie sehr liebt. Mit der sie sprechen kann, mit der sie eine ganz besondere Verbindung hat.
Doch das reicht leider nicht aus, damit sie selbst mit sich zurecht kommt. Ihr Arbeit macht sie voller Hingabe und mit unglaublich viel Engagement, oft hat sie ein besonderes Gespür für die Vorgänge und eines für die Menschen, gleichzeitig scheint sie damit aber auch vor sich selbst zu flüchten und vor der eigenen Geschichte. Doch die Dinge kommen in Bewegung, nach und nach gibt es kleine Veränderungen und wichtige Begegnungen. Kurz vor Schluß wird es fast ein bisschen kitschig, aber das ist vollkommen ok. So ein bisschen Glück….

Von mir unbedingt eine Leseempfehlung. Das war mal wieder ein Buch welches mich angezogen hat und was ich in einigen wenigen Tagen gelesen habe. So ein Schmöker, den man nicht weglegen möchte, auch wenn es schon wieder zu spät ist. Ich mochte die „Figurenzeichnungen“ und habe gern den Gedanken und Überlegungen von Faith gelauscht, die manchmal ein wenig herb und kühl rüberkommt,  aber im Grunde genommen eine Seele von Mensch ist. Es es schön gewesen ihren „Prozess“ durch den Sie geht zu beobachten.
Es ist eines dieser Bücher, wo man sich am Ende ein wenig wundert das es so dick ist, weil man auch den Eindruck hat, daß ja nun gar nicht so sehr viel passiert wäre, aber das ist es eben doch. Es hat sich nur so gut zusammengefügt und ist so gut erzählt, das es unterhält und die Zeit schnell vergeht und man mittendrin ist in der Geschichte.

***
Joanne Fedler
Wovon wir nicht sprechen
Droemer, 443 Seiten
19,99 €

***
Joanne Fedler studierte Jura und engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte.
auf der Verlagsseite gibt es nun ein interessantes Video mit der Autorin: Gründe für das Schreiben dieses Buches

***
Artikel und Lesestoff zum Thema

https://www.tagesschau.de/inland/gewalt-frauen-deutschland-101.html

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/gewalt-gegen-frauen-zahlen-und-fakten.html

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/260339/gewalt-gegen-frauen

https://www.rundschau-online.de/aus-aller-welt/femizid-wenn-aus-liebe-toedliche-gewalt-wird-28073808

https://diestoerenfriedas.de/femizid-und-das-ohrenbetaeubende-schweigen-der-gesellschaft-ein-wake-up-call/

 

„das letzte“ – Dietland Falk

Dieses Buch hat mich doch eine Weile begleitet, es war nicht immer einfach zu nehmen und besser in Häppchen zu verdauen. Es haut einen echt um, durchaus im positiven Sinne. Es hat Gewicht und erwischt einen mit einer Wucht, der man nicht allzuoft begegnet in Büchern, vielleicht auch weil eine gewissen Scheu vor schwereren Themen beim Leser und der Leserin da ist.

Grad beim schreiben muß ich an „Tschik“ denken, das hier aber ist noch eine ganze Spur heftiger. Könnte mir durchaus auch eine Verfilmung sehr gut vorstellen. Für mich ist das große Kunst wie Dietlind Falk hier Verzweiflung und psychische Ausnahmezustände zu Papier gebracht hat. Auch wenn es einem am Anfang echt fast erschlägt, es lohnt sich sehr dran zu bleiben, es gibt auch ein Happy End, und das hat diese Geschichte auch verdammt verdient.

Das Umfeld und die Protagonisten werden vielen fremd sein und anderen sehr vertraut. Egal zu welcher Gruppe man gehört, man steigt mitten rein. Wenn man anfängt zu lesen verschwindet die Grenze zwischen Leser*Inn und Hauptfigur. Wir landen dort wo wir von Innen auf die Geschehnisse schauen. So heftig das an vielen Stellen auch ist, und man krasse Momente förmlich erlebt, die Heldin es nicht einfach hat, das Leben hier verdammt hart zuschlägt, nie wird es larmoyant oder zäh. Hurmorvoll finde ich das Buch aber trotzdem nicht – wie es auf dem Buchrücken steht – muß es für mich aber auch nicht sein. Muß dazu sagen das es mir oft so geht, das andere über Sachen lachen die mich eher betroffen machen, will sagen ich bin da wahrscheinlich kein Maßstab.

Die Protagonistin hatte kein einfaches Leben, sie hat, wie es so schön heißt, einen Knacks weg. Schon länger in Therapie und mit Medikamenten versorgt, hangelt sie sich von einem Tag zum nächsten. Zuviel Schlimmes ist in der Vergangenheit passiert. Ihr ist nur noch die Mutter geblieben, die soviel verloren hat das Sie alles mögliche einsammelt und reparieren möchte. Beide haben mit ihren „Päckchen aus der Vergangenheit“zu kämpfen – hier blitzt auch die Kriegsenkelthematik ganz klar durch (Stichwort Mutter/Großmutter/Erziehung).
Dann gibt es da noch einen Therapeuten in einer winzigen Nebenrolle, genauso wie Nachbarn und andere Outsider; und! die Wg. Die große Krise wird zur Chance für alle. Und Liebe gibt es auch.

Das Buch ist wirklich phänomenal und ich bin froh das ich den Albinoverlag entdeckt habe – er wurde 2015 neu gegründet. Schaut unbedingt mal rein.

Liebe Dietland Falk ich möchte mehr von Dir lesen! Hier gehts zu einem Interview mit der Autorin -> Jg. 85/Übersetzerin

*

„hart, stark, mitreißend“

***

Dietland Falk

das letzte

Albino Verlag

16,99 €

***

Das Geräusch des Lichts und die Welt der Mosspflanzen

dscn8040Ein Rahmen, in welchem sich die Geschichten wie Schichten von feinsten Fäden verweben. Manchmal ganz lose oder nur durch ein Detail verbunden und manchmal so als wäre es nur ein einziges festes Stück.
Kanada, Moos, Eis, Winter und der Planet der Tschu werfe ich mal als umschreibende Stichworte ein.
Es beginnt in einem Wartezimmer, von wo aus sich die Geschehnisse ausbreiten, und das so atmosphärisch dicht, sensibel und detailreich das ich ganz schnell versinke.  In der ersten Geschichte, in welcher das Moos die geheime Hauptrolle spielt z.b., oder  in der Geschichte mit dem Jungen der die Ausgänge zu einer anderen Welt finden will, weil er wissen möchte wohin seine Mutter und seine Schwester verschwunden sind.

Überhaupt zieht sich das Verschwinden wie ein roter Faden durch das Buch. Verschwundene Menschen, – verloren gegangen und die, die sie suchen und in ihren Spuren wandeln.

Alle landen irgendwie in Kanada, und wie es scheint an ein und dem selben Ort; und irgendwie in den jeweils eigenen Wirklichkeiten. Die Themen sind nicht immer einfach und es ist kein Buch welches man schnell liest. Zuviele Sätze und Geschichtenstückchen muß man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Hochsensible werden es mögen, selten achtet jemand auf soviele Kleinigkeiten und Ihre Beschaffenheit, wie hier die Erzählerin.
Es ist mein erstes Buch von Katharina Hagena , die durch ihr Buch „Der Geschmack von Apfelkernen“ bekannt wurde.

Was mich immer wieder etwas verwirrt hat war die Unterteilung des Buches, was aber auch daran liegen kann das ich wirklich so tief in die Geschichten eingestiegen bin, das es mich immer etwas verstörte wenn plötzlich eine andere Wirklichkeitsebene, gar ein anderer Ort, auftauchte, plötzlich dran war. Wobei mir ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen lieb gewesen wäre.

Ein wunderbares Buch. Ich liebe die Moosgeschichte, wahrscheinlich weil ich Moos so liebe und selten so über eine Pflanze gelesen habe. Irgendwie genauso weich wie das Moos selbst, wenn auch rätselhaft, so wie eigentlich das ganze Buch und vor allem das Ende. Welches für mich ein wenig so nach klingt wie Eis auf Eis. Weis, Kalt, sehr kalt, Kanada.

„Dritter sein“ – läßt den Kopf dann richtig brizzeln. Solche Geschichten sollte es viel öfter geben. Ich schreibe in Gedanken nebenbei das Drehbuch dazu, so grandios erzählt fand ich die Geschichte von R.D. … R D.. merkst du was -> ER DE – das Buch hat immer wieder solche Spielereien zu bieten. Famos famos. R. D. ein toller Junge der mit wachen Augen und einem Forschergeist die Welt erkundet – mit einem Vater der ihn nicht versteht und einen Großvater der voll auf seiner Seite ist… überhaupt merke ich bein lesen wie ich mich hier und da verbünde mit den Suchenden.

Ein wundervolles Buch. Es hat ein schönes Cover, gutes Papier, rundum gelungen.

***

Katharina Hagena

Das Geräusch des Lichts

Kiwi Roman, 20,- €

***

Ganz neugierig bin ich auch auf ein weiteres Werk: „Vom Schlafen und Verschwinden“ von 2012.

Und ich werde mal nach der Verfilmung von „Der Geschmack von Apfelkernen“ schauen. Aber ich glaube ich hab ihn sogar schon gesehen.

Katharina Hagena – eine deutsche Schrifstellerin, – Jg. 67, Mutter und Autorin, Literaturwissenschaftlerin, Stipendiengewinnerin, mehrfach ausgezeichnet, mit eigenem Wikipediaartikel, Schirmherrin der Hamburger Mediclowns, und hier gehts zu ihrer Homepage http://www.katharinahagena.de

 

 

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article1830037/Katharina-Hagena-Mutter-und-Erfolgsautorin.html

Die Ehefrau

dscn6402Eine Frau, die sich für das Schreiben interessiert, und wohl auch Talent dazu hat, erzählt von Ihrem Ehemann, dem Schriftsteller. In Rückblenden erfahren wir, dass er ihr Dozent auf dem College war und sie sich dort im Literaturunterricht kennengelernt haben. Das war in den 1950iger Jahren.
Er hält sie damals für sehr talentiert. Sie ihn eher nicht, und doch schaut sie zu ihm auf und ist beeindruckt von seinem Auftreten.

Die beiden brennen schlußendlich durch – sie gerade im ersten Semester, heiraten später und bekommen 3 Kinder. Er – Jo Castleman – wird berühmt. Joan dagegen nimmt den Platz der Ehefrau an seiner Seite ein. Keine Rede davon, daß Sie weiter geschrieben hätte, nach ihren vielversprechenden Anfängen auf dem College. Viel aber davon die Rede wie Männer aus der Welt des Schreibens zusammenfinden und diskutieren. Die Frauen bewundern diese Männer und flirten mit Ihnen, oder sie stehen als Ehefrauen in eigenen Gruppen beisammen. Ein eigenes erfolgreiches bzw. überhaupt gutes, tiefsinniges Schreiben traut man ihnen, also den Frauen gar nicht erst zu. Die Posten scheinen klar verteilt.

Das Buch beginnt mit der Reise zu einer Preisverleihung. Beide sind inzwischen Jahrzehnte verheiratet, Jo hat viele Bücher veröffentlicht, das erste handelte von den eigenen Beziehungsanfängen, machte ihn bekannt.

Ich möchte in meinen Rezensionen nicht zu sehr spoilern – jeder soll die Bücher selbst für sich entdecken. In dieser Hinsicht rate ich ab von anderen Rezensionen zum Buch, da die meisten meiner Meinung nach, viel zu viel verraten.

Ich selbst bin irritiert von einigen anderen Rezensionen die ich zum Buch fand. Achtung eine dieser spoilernden Geschichten:  z.B. im Deutschlandradio Kultur http://www.deutschlandradiokultur.de/meg-wolitzer-die-ehefrau-bissige-abrechnung-mit-maennlicher.1270.de.html?dram:article_id=367047

Immer wieder wird vom Humor des Buches gesprochen oder auch einem satirischem Blick auf den Schriftstellerbetrieb. Vom „amüsanten Blick“, und die „Times“  meint etwas von „irrsinnig witzig“ – so steht es auf dem Buchrücken. Entweder ist das ein spezieller amerikanischer Humor – die Schriftstellerin Meg Wolitzer ist Amerikanerin – oder ich bin anscheinend ziemlich Humorlos. Oder die dritte Variante, es ist ziemlich ernst, und so empfinde ich es. Was jetzt nicht heißt, das es nicht auch hin und wieder mal etwas zum Lächeln gibt.
Finde ich das Buch und das Thema eher ernst, weil mir bewußt ist, das die Frauen auch hier nicht gleichberechtigt sind? Haben die, die es humorvoll finden das Thema nicht verstanden? Jetzt würde ich gern Meg Wolitzer persönlich fragen.

„Was macht die Kunst?“
Joe: „Ach, ich gebe alles, antwortete Joe mit einem tiefen Seufzer. „Und das ist nicht besonders viel“.

Ein signifikanter Satz wie sich später zeigt.

Joan dazu:

„Joe konnte immer gut an sich zweifeln. Die gesamten Fünfziger, Sechziger, Siebziger, Achtziger und die erste Hälfte der Neunziger hindurch gab er sich als verletzlicher, leidender Künstler, ganz gleich, ob er gerade betrunken oder nüchtern, gut oder schlecht rezensiert, geschmäht oder geliebt war.“

Ich finde das Buch fängt sehr gut an, obwohl die Autorin selbst erst Ende der 1950ger geboren wurde, beschreibt sie das Collegeleben  authentisch, zumindest gelingt es mir, mich hier sehr gut einzufühlen. Es erinnerte mich an andere Bücher, die ich gern las, ich muß zugeben von männlichen Autoren. Ich mag diesen Ort des amerikanischen Colleges. Kann aber auch sein, dass ich eine zu romantische Vorstellung davon pflege, weil ich zuviel „Gilmore Girls“ im Kopf habe, eine amerikanische Serie, in der es sehr viel um kluge Mädchen geht.

Meg Wolitzer weiß, wovon sie schreibt. Bisher  veröffentlichte sie elf Bücher und ihr Mann ist, wie im Buch, auch Schriftsteller. Ich habe bisher noch nichts von ihr gelesen, kann da aus keinem Kontext sprechen, sondern nur für dieses eine Buch.
Das ich wiederum noch nichts von Ihr gelesen habe, also noch nicht auf Ihre Bücher aufmerksam wurde, kann wirklich sehr gut mit dem Thema an sich zu tun haben, eben, das männliche Autoren meistens in der ersten Reihe stehen und weibliche in der zweiten.

Auf der Seite des DuMont Verlages erfahren wir wenig über Meg Wolitzer, aber im Netz finden sich andere Informationsquellen. Und das dem Buch zugrundeliegende Thema findet sich im Leben der Autorin wieder, und vermutlich in dem vieler Frauen. Es ist das Thema männlichen Könnens und weiblichen Könnens, und wie dieses in unserer Welt „platziert“ wird und welche Beachtung die Geschlechter jeweils finden bzw. nicht finden.

Ein durchaus feministisches Buch, welches von einer Wahrheit erzählt, die im letzten Jahrhundert noch krasser war, als heute, aber auch heute erschreckend aktuell ist. Das Buch ist schon über 10 Jahre alt, wurde jetzt erst übersetzt, was man dem Werk aber nicht anmerkt.
Die Autorin schreibt über das männliche und weibliche schreiben und wir kennen Sie doch alle die Long- und Shortlists der Bücherpreise – die weiblichen Autoren können wir an einer Hand abzählen. Und das liegt sicher nicht an der Qualität ihrer Arbeiten. Die den Frauen aber durch Nicht-Nominierung und Nicht-Beachtung abgesprochen wird.

Joan die Protagonistin und Erzählerin in „Die Ehefrau“ berichtet über das Leben Ihres „schreibenden“ Mannes und so nebenbei auch ein wenig von sich, ihrer Ehe und am Rande aus Ihrem Familienleben. In der Geschichte dreht sich aber Schlußendlich alles um Joe bis zum Knall am Ende des Buches. So wie es sich anschließend ergeben hat, daran haben beide Ihren Anteil, basierend auf den Entscheidungen die beide getroffen haben oder unterlassen haben zu treffen. Vielleicht spielt hier auch die Gewohnheit eine Rolle oder die fehlende Vorstellungskraft das es hätte auch anders gehen können.

Das Ende überzeugt, aber hat mich gleichzeitig auch enttäuscht, immerhin läßt es einen Ausblick offen.

„Das Mädchen schämte sich, dachte ich, eine Geschichte öffnete sich vor mir, und ich verspürte Erleichterung darüber, eine literarische Distanz mir selbst und diesem Mann gegenüber einnehmen zu können“

***

Meg Wolitzer

Die Ehefrau

Übersetzung: Stephan Kleiner

DuMont Buchverlag, 23,00 €

***

passende Bücher:

„Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenides – wg. der Protagonistin

„Sommer ohne Männer“ von Siri Husvedt – weibliches schreiben

So träumten die Frauen“ von Kathrine Kressmann Taylor – weibliches schreiben/Frauenrollen

 

***
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/meg-wolitzer-literatur-star-ueber-nacht-a-1054031.html

 

Ich freue mich das ich geboren bin – Birgit Vanderbeke

dscn5674Kurz bevor ich die Sprache anfing wirklich nervig zu finden war ich dem Sog des Buches auch schon vollkommen erlegen.

Ja die Sprache ist merkwürdig, aber Sie passt zum Konzept. Ein Kind erzählt, so hört es sich für mich an – bzw. ein Kind erzählt wie sich das Erwachsene eben vorstellen das ein Kind erzählt; das aber in einer flüssigen Schriftsprache.

„…ich wäre gern ein liebes Mädchen gewesen, aber ich schaffte es nicht…“

Ich fing das Buch Abends in der Wanne an zu lesen und konnte nicht mehr aufhören – sprich das Wasser war irgendwann kalt und die Haut ganz schrumpelig, habe es dann die nächsten 2 Abende fertig gelesen – konnte es kaum aus der Hand legen. Es hat mich in seinen Bann gezogen. Ich hoffte auf ein gutes Ende, darauf auch, das sich etwas zum besseren verändert… eine echte Flucht gelingt, nicht nur in Gedanken.

„Wenn man lesen kann, kann man zaubern und sich in alle Länder in der ganzen Welt versetzen oder in Tiere verwandeln….“

Ich hatte viele Bilder im Kopf, grobe Illustrationen zu den schlimmen Dingen die hier nebenbei vorkommen, plötzlich auftauchen, so erzählt werden als wäre es Normalität… was es im Leben dieses Mädchens auch ist. Ein wirklich sehr eigenes Buch, heftige Beschreibungen dazwischen über Schläge und Misshandlungen und darüber allein zu sein, ausgeliefert. Und wie die Dunkelheit dann manchmal als Schutz zu einem kommt um den Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen.

„Lieber gar nicht lieb haben als trotzdem, dachte ich, weil man bei trotzdem im Grunde nichts machen kann.“

Davon das die Geschichte in den 60igern spielt merkt man nicht wirklich etwas. Die Rahmenhandlung spielt auch keine allzu wichtige Rolle. Auch wenn manche Begegnungen ausschlaggebend sind, z.B. für die Liebe zu den Geschichten und Märchen über Orte weit weg, die das kleine Mädchen faszinieren. Geschichten in die Sie sich flüchtet.

Am Ende franst es ganz und gar aus – das Buch, – die Geschichte, – was das Mädchen erzählt. Ich habe die Orientierung dann vollends verloren und ich verstehe nicht warum die Autorin so ein Ende setzt, oder was Sie damit sagen will. Es geht viel um „hätte“ und ich frage mich ob das Mädchen einfach durchgedreht ist…

Sicher kein Einzelschicksal was hier geschildert wird, schockierend in der Normalität des Brutalen, wie es selbst heute noch Kinder erleben müssen. Man wünscht sich man könnte das Mädchen retten,… an manchen Stellen ist es schwer zu ertragen.

***

Faszinierend in der Sprache, Sog erzeugend in der Erzählung und teilweise schwer auszuhalten. Die Hoffnung die andere hier finde lese ich nicht. Auch wenn das Mädchen eine starke Persönlichkeit vorzuweisen hat und fast schon altklug und weise daher kommt, es hilft Ihr nicht beim davonkommen. Sie findet eine Strategie die Dinge zu ertragen, mir wäre es soviel lieber gewesen wenn Sie abgehauen wäre…

***

Ich kenne  die Schriftstellerin nicht – Sie hat aber schon einige Preise für ihre Werke bekommen. Ich kann leider keine Vergleiche ziehen zu Ihren anderen Büchern. Ich weiß nicht ob es Ihre Kindheit war was Sie hier beschreibt…so manches spricht dafür, z.b. die Sprache und für mich auch Ihr Blick auf dem Foto, aber ich weiß nicht ob das nicht reine Interpretation meinerseits ist.

***

Erst heute las ich wieder davon wie ein Kind von seinem Onkel zu Tode gequält wurde, mitten in Deutschland. Lasst uns die Augen offenhalten und die Ohren.

***

Birgit Vanderbeke

Ich freue mich, dass ich geboren bin

Piper, 18, 00 €

 

 

Nach allem…

DSCN4810Wie wenn man ein Papier entfaltet, so entfalten sich hier die Geschichten der 3 Protagonisten, um die sich das Buch dreht. Eine, erst mal nicht so spannend wirkende – 3 Personen auf einem Bahnhof, aber durchaus vielversprechende, Ausgangslage und der etwas merkwürdige Titel des Buches habe mich sehr angesprochen.

Ein Mann der für die Kameraüberwachung an einem Bahnhof eingeteilt ist und 2 Menschen, ein Mann und eine Frau, die dort auf einer Bank am Bahnsteig sitzen und auch sitzen bleiben.

„Nach allem was ich beinahe für dich getan hätte“ erinnert mich ein wenig an „Die geschlossene Gesellschaft“ von Sartre. Nur das es in diesem Kreis eine Unbekannte gibt und nur 2 die sich kennen. Trotzdem ist die ganze Geschichte wie ein kleines Universum für sich in welchem 3 Welten aufeinandertreffen.

Ein Buch darüber, das, wie die Dinge wirken und aussehen, nicht unbedingt damit was zu tun hat wie Sie wirklich sind. Das Wege, die wir in unserem Leben gehen, sich sehr abrupt ändern können. Das es hilft beieinander zu sein, und den Dingen und den Nächsten, auch dem Unbekannten, seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Lucy, Marotti, Simon „begegnen“ sich und uns in einem Moment der Veränderung. Hier im Basler Bahnhof, einem Ort für Ankunft und Abschied, treffen Sie aufeinander, in einem Moment des Luftholens und Still seins, in diesem kurzem Zeitraum des gerade-woher-kommens-und-noch-nicht-wissen-wohin-gehens. Einem sehr offenem und zugleich auch erstmal sehr verschlossenem Punkt Ihres Lebens. Wir als LeserInnen lernen nach und nach alle 3 besser kennen. Marotti der Polizist interpretiert sich in das Paar auf der Bank beim stundenlangen beobachten hinein. Lucy und Simon kommen sich näher in den langen Stunden, jeder auf seine Art, jeder nach seiner Prägung.

Während Marotti beim beobachten nach und nach den Eindruck gewinnt durch pure Gedankenkraft das Tun der beiden Personen auf der Bank beeinflussen zu können und sich das Beste wünscht. Bleibt Lucy lange in Ihren eigenen Gedanken und Gewohnheiten. Simon dagegen sucht Orientierung und irgendeinen Weg aus seiner recht aussichtslosen Lage.

Wirklich ein schönes Setting, welches nach und nach an Tiefe gewinnt und uns Stück für Stück Einblick gewährt, vor allem in Lucys und Simons Leben. Ein Kammerstück zum mehrfach lesen. Ich möchte einerseits nicht mehr erzählen um nichts zu verraten und andererseits fällt es mir auch schwer aus den bewegten Lebensgeschichten ein, zwei Sachen herauszupicken, denn ich möchte da keine Wertigkeiten setzen. Welche Dinge im jeweiligen Leben welche Rolle spielen und wie wichtig oder egal sie sind muß jeder selbst aus seinem eigenem Kontext entscheiden. Soviel sei noch gesagt es gibt ein offenes aber gutes Ende.

Ich denke ich werde es noch dieses Jahr ein zweites mal lesen.

Ich habe das Buch vom Nautilusverlag bekommen mit einem Handgeschriebenem Kärtchen, das fand ich ziemlich toll und so wunderschön persönlich, herzlichen Dank dafür. Der Verlag hat eine recht bewegte Geschichte, ein kurzes Porträt findet sich hier ->

Schaut mal rein, ein interessantes und kritisches Verlagsprogramm erwartet Euch

***

Marie Malcovati

Nach allem was ich beinahe für Dich getan hätte

Roman, Edition Nautilus, 16 €

 

Die Glücklichen

DSCN4580Die Glücklichen, ein Titel der Anderes vermuten läßt als es ist. Aber irgendwie passt er – denn es geht den Protagonisten darum ein gutes, ein glückliches Leben zu führen. Ja wer möchte das nicht. Glück, darunter versteht wohl jeder etwas ganz Eigenes.

Die Geschichte dreht sich um ein Paar mit Kind. Sie leben in einem gutem Viertel, in einem schönem Altbau und haben schöne Berufe. Er Journalist und Sie Cellistin. Sie bekommen ein gesundes Kind, den Matti. Ihnen geht es so gut, das Sie Essen gehen können und im Bioladen Kunden sind.

Am Anfang folgen Wir Ihr, Isabell. Ihren Gedanken und Wahrnehmungen. Vollblutmusikerin, mit dem Traum damit genug Geld zu verdienen, am Ende damit auch bekannter zu werden. Ehrgeizig. Irgendwie auch ein bisschen verwöhnt. Eine sehr liebevolle Mutter, die die Zeit zu Hause mit Ihrem Kind genießt. Aber irgendwann muß es wieder losgehen mit der Arbeit. Es braucht den Verdienst und auch möchte Isabell den Anschluß nicht verlieren. Aber es fällt Ihr schwer zurück zu kehren ins allabendliche Orchester, als Musikerin bei einem Musical. Wo Sie alle nur im Orchestergraben sitzen. Sie bekommt Probleme und Ihre Hand zittert, Ihr Arm macht Probleme. Zwischen An- und Entspannung, loslassen, festhalten, fließend spielen.

Georg hat andere Träume, er liebt seine Familie sehr und sieht sich als Versorger seines kleinen Rudels. Als dann plötzlich seine Zeitung „schließt“ bringt ihn das in eine riesen Bredouille. Er fühlt sich unter Druck und flüchtet in den Traum vom eigenen Häuschen auf dem Land. Eine kleine Obsession.

Beim lesen bin ich schnell im Kosmos „der Glücklichen“ versunken, und jetzt wo ich wieder daraus aufgetaucht bin finde ich es schwierig es so zu fassen das ich wahrheitsgemäß davon erzählen kann. Ich finde, nebenbei bemerkt, das auch hier der Klappentext mal wieder andere Bilder erzeugt, Bilder die dem was vor sich geht, nicht entsprechen.

Isabell denkt und fabuliert sich regelrecht einen Abstieg herbei, wie zurechtgelegt, damit man gerüstet ist wenn es soweit kommt. Noch schnell ausnutzen und genießen daß es noch nicht soweit ist. Letzte verzweifelte Einkäufe im Delikatessenladen und im Designgeschäft. Georg dagegen will jeden Euro Zusammenhalten, will sparen und sucht Auswege, auch auf dem Land. Noch das beste aus allem machen wollend. wirklich reden können Sie nicht, auch geben Sie sich durch die Umstände eher die Klinke in die Hand. Muß ja alles weitergehen.

„Eigentlich sollte ich in der Welt unterwegs sein…. „

Ja in Krisenzeiten, da lernt man die Menschen erst wirklich kennen, da zeigen sich Charakter und Wesen mehr als wenn alles palletti ist und gut läuft. Ich finde es wirklich gelungen wie Kristine Bilkau das alles schildert.  Ein kleiner Auschnitt, der aber so wichtig und so ausschlaggebend ist, für alles was kommt, für Isabell, Georg und Matti. Schlüsselmomente, Veränderung. Sie be_schreibt wunderbar diese kleinen, wichtigen Gedankengänge und Momente, die Entwicklung der Beiden und die Veränderungen im Umfeld. Alles irgendwie Hand in Hand. Ein Besuch in einer Familie, wir dürfen hinter die Fassaden schauen, wir dürfen sehen was sonst keiner sieht. Ein gutes Buch, eine gelungene Erzählung mit einem feinem Gespür und Einfühlungsvermögen geschrieben.

Das Buch bekam den Hamburger Förderpreis für Literatur. Inzwischen geht es mir so wenn ich lese Verlag Luchterhand, das ich Qualität erwarte, und die habe ich wieder bekommen. Sehr schönes Debüt. Und wie immer ist man gespannt was weiter kommen mag von der Autorin.

***

Kristine Bilkau

Die Glücklichen

Roman Luchterhand

€ 19,99

***

Bei „Das Debut“ gibt es noch ein schönes Interview zur Rezension

 

Frau Kassel will Wunder – noch ein Blogparaden Special

Frau Kassel ist krank, aber das ist, will ich jetzt mal behaupten, nur begrenzt schlimm. Denn das Kranksein bringt Bewegung in Ihr Leben. Sie macht sich auf eine Reise auf der Suche nach Heilung und Leben. Frau Kassel will Wunder und zwar richtig. Ziemlich skeptisch geworden und auch frustriert und müde saß Sie vorm Krankenhaus als Paul Sie findet. Paul der fragt ob er helfen kann und Ihr seinen Parka leiht. Diese Geste bewegt Charlotte Kassel sehr.

Sie fährt dann erstmal zu Ihrer Schwester in die Eifel – Die Eifel! Eine Gegend in der es wohl viele Heiler gibt, das hat dort Tradition. Aber ich will mal nicht weiter spoilern – Ihr müßt das Buch selber lesen.

Frau Kassel will Wunder ist auch ein Buch was geschrieben werden mußte, auch um eigenes zu erzählen. Die Autorin Ulrike Schwieren-Höger hat hier Ihre eigene Krankheit verarbeitet und reflektiert.

Hier kommen Wunsch und Wirklichkeit zusammen in einer spannenden Geschichte die ganz schön viele Themen mitbringt. Es ist einfach alles drin was eine gute Geschichte ausmacht und es ist schön Charlottes Weg zu verfolgen.

Gerade Themen wie alternative Heilmöglichkeiten werden ja gern abgetan oder belächelt und finden sich eher in spezielleren Büchern wieder. Aber so verpackt in einen Roman finde ich es wundervoll. Ich habe selber schon sehr vieles ausprobiert. Einfach mal anschauen und kuckn ob man was damit anfangen kann, offen und neugierig bleiben und natürlich Wunder finden und Freude. Eine tolle Nebenwirkung dabei ist das die Welt größer wird und man merkt wieviel es zu entdecken gibt.

Für mich persönlich gabs da natürlich auch so ein paar nette Erinnerungsmomente… wenn ich Stichworte wie Ta Ke Ti Na las oder Abschnitte über grundsätzliche Herangehensweise an das Leben. Sogar das Dämonenfüttern kommt vor. Also außer einer wundervoller Geschichte finden sich sehr viele Methoden die es lohnt auszuprobieren.

Das Buch hat sogar eine extra Seite wo sich noch Zusatzinfo findet: https://fraukasselwillwunder.com

UND es wurde selbst verlegt. Ich wünsche mir das es ganz viele Leser findet auch wenn hier kein großer Verlag die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen kann. Das Buch macht Mut und hilft beim Frieden finden und dabei weckt es auch noch die Abenteuerlust. Und das Abenteuer lauert gleich um die Ecke, ich sage Euch, so ist das!

Ein Spruch der einen durch das ganze Buch trägt und noch lang darüber hinaus:

„Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eins“

Albert Einstein

Also auf, macht Euch gute Gedanken, träumt und erwartet Wunder UND lest unbedingt dieses  Buch

***

eine weitere, sehr ausführliche Rezension gibt es bei Ulrike Sokul

 

Vorherige ältere Einträge

Follow reingelesen on WordPress.com

© 2011 – 2018

Blogstatistik

  • 31.879 Treffer
%d Bloggern gefällt das: