Das Unbekannte – Anna Sommer

„Das Unbekannte“ erzählt die Geschichte einer Frau die ein Baby findet. Manchmal streift die Geschichte sehr am Rand der Realität, aber das stört nicht. Dazu sind Geschichten ja auch da, um Möglichkeiten auszuloten und zu erzählen. Was wäre wenn..?
Ich habe mir das Buch aus besonderen Gründen gerade jetzt herausgesucht: Diese Woche ist Aktionswoche für kinderlose Menschen. Die Aktion nennt sich „World Childless Week„. Da ich selbst von dieser Kinderlosigkeit betroffen bin und die Grafik Novel von Anna Sommer mich sehr berührt hat, wollte ich hier auch darauf aufmerksam machen. Das ganze ist ein ziemliches Tabuthema, die betroffenen Menschen werden oft nicht ernst genommen oder es kommen die immer selben Sprüche. Dabei kann das ganze eine sehr sehr schmerzhafte Angelegenheit sein – bei vielen über eine sehr lange Zeit.

Im Buch beginnt die Geschichte damit, daß eine Frau, Helen heißt sie, in ihrem Geschäft ein Baby findet. Sie versteckt es in den Lagerräumen. Sie erzählt niemandem davon, auch nicht ihrem Freund. Nach und nach erfahren wir wie das Leben dieser Frau aussieht – während sie jetzt immer wieder ihr Leben unterbricht um sich um das Baby zu kümmern.
In einem weiterem Erzählstrang lernen wir zwei junge Mädchen kennen, Vicky und Wanda – sie teilen sich ein Zimmer. Eines der Mädchen hat eine Affäre mit ihrem Lehrer.
Beide Geschichten wechseln immer wieder ganz abrupt einander ab. Das hat mich ein wenig irritiert, passt aber auch irgendwie zur Geschichte.
Die Frau mit dem Baby überlegt was sie machen soll. Zur Polizei gehen z.b. oder ist eine Adoption möglich? Ihr Mann weiß immer noch nichts und bringt einen kleinen Hund mit nach Hause.
Beide Geschichten sind miteinander verwoben und treffen sich am Ende doch recht überraschend. Was hat es auf sich mit diesen Frauenleben? Weche Wege gehen Sie Helen, die sich ein Kind wünscht und damit nicht verstanden wird, Vicky mit ihrer Affäre und ihre zimmergenossin Wanda, die auch nicht grade schöne Wege geht. Leicht haben sie es alle nicht. Sie sind verstrickt in ihren Wegen, verhakt im Jetzt. Gibt es andere Möglichkeiten für sie alle?

In ganz schlichten, genauen, zielgerichteten Linien ist dieser Comic gezeichnet, darauf mußte ich mich erstmal einstellen. Ich habe den Eindruck die Zeichnerin Anna Sommer weiß ganz genau was sie zeigen möchte. Die Schlichtheit der Zeichnungen hat mich doch etwas verwundert, kannte ich doch bisher eher das Gegenteil an Zeichenstilen, schräges, krummes, suchendes, buntes, farbiges, dunkles, klecksiges… hier ein ganz simpler schwarzer Strich. Die Figuren empfinde ich in ihrer Klarheit sehr ausdrucksstark und schnell hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, fühle ich vor allem mit der Frau mit, die das Baby findet.
Es wird klar das Sie sich ein Kind gewünscht hat, und liebt es heiß und innig, aber kann sie es einfach behalten? Wie erklärt sie es ihrem Mann? Leider endet die Geschichte sehr traurig – wie ich finde. Aber wohl auch ziemlich realitätsnah.

Anna Sommer hat schon einige Bücher herausgebracht und die Frauenfiguren scheinen mir immer ganz besonders zu sein. Frauenleben das Thema. Ich bin sehr auf den Geschmack gekommen. Sie hat eine Seite mit schönen Beispielen, und schreibt übrigens auch Kinderbücher. Die Papercuts von ihr finde ich genial. Mal schauen was noch zu bekommen ist, manches ist wohl schon ausverkauft.
Vielleicht kennt ihr auch schon Arbeiten von ihr, da sie auch als Illustratorin z.b. für Die Zeit tätig war.
Ich bin begeistert und möchte euch das Buch ans Herz legen. Für jemanden wie mich, als kinderlose Frau, spinnen sich bei vielen Bilder ganze Gefühlsberge dahinter zusammen. Vielleicht werde ich ein paar Zeichnungen ausmalen oder so… was haltet ihr von der Idee? Und was würde die Künstlerin wohl dazu sagen?
Übrigens hat Anna Sommer sogar eine Wikipedia Seite, leider ganz ohne Bilder. Schaut doch mal vorbei, auch beim Schweizer Verlag editionmoderne.

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Anna Sommer

DAS UNBEKANNTE

Handlettering von Noyau
ISBN 978-3-03731-173-8
96 Seiten, schwarz/weiss, 22 x 30, Hardcover
CHF 35.00/EUR 28.00, inkl. Versand

edition moderne

Erschienen April 2018
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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar

 

 

 

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Pirasol

Pirasol – das ist im Roman eine alte Villa. Das Zuhause der alten Gwendolin. Sie lebt schon eine ganze Weile hier. Früher mit dem viel älterem Ehemann und dem Sohn, der eine inzwischen tot, der andere lange fort. Die alte Dame ist aber nicht allein. Sie hat sich, wie schnell klar wird leider, auf eine Mitbewohnerin eingelassen. die Mitbewohnerin ist um einiges Jünger und schaltet und waltet sehr bestimmend. Gwendolin fühlt sich überhaupt nicht wohl damit.
Dieser Geschichtenstrang zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch das Buch und ist ein ziemlich angespannter Strang, mir wird am Schluß schon ganz hibbelig, so gespannt bin ich auf die Auflösung.
In den Zeiten dazwischen erinnert sich Gwendolin an ihre Zeit die Sie in Pirasol verbracht hat, aber auch an ihre Kindheit und Jugend im Krieg und vor allen den Nachkriegsjahren.

„…und sich gewundert hatte, warum er nur Papier ohne Zeilen benutzte und sich weigerte, seine Schrift auf gezogenen Linien abzulegen.“

Die ganze Geschichte hat etwas schleifendes, so wie das Leben Gwendolin geschliffen hat, wird auch der Leser geschliffen. Es fiel mir schwer das mitzumachen und durchzuhalten. Denn zwischendurch stopp es kurz und dann wird neu angesetzt. alles wird mehrfach aufgegriffen, jedesmal geht es ein Stück tiefer und Häppchenweise erfahren wir was in der Vergangenheit passiert ist.
Erfahren wie Gwendolin ihre Eltern verlor und in welcher bangen Hoffnung sie nach dem Krieg grade so überlebt.
Es scheint Sie ist erstarrt durch das was Sie schon früh erlebt hat. In ihrer Ehe wird das Ihr und dem gemeinsamen Sohn zum Verhängnis.
Was macht man nun mit diesen Erfahrungen, die einen still werden ließen. Was macht man jetzt im hohen Alter mit diesem Leben?

„… und Gwendolin spürte, wie sie sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete: die Einsamkeit, wenn man andere Menschen zueinander geführt hatte.“

Susan Kreller hat eine feine angenehme Sprachmelodie in den Roman gewirkt, immer wieder webt sie kleine Poesien sein, die viel Atmosphäre erzeugen. Eine echte Stärke des Romans. Er hat mich sehr berührt und so manches mal sind mir die Tränen gekommen, was mir eher selten beim lesen passiert.
Beim schleifenden der Geschichte bin ich mir nicht scher ob es ein ausgefuchstes Stilmittel ist, welches uns immer mehr hineinziehen soll oder ob es nicht eine Schwäche in der Erzählung ist? Zwischendurch empfand ich es schon durchaus auch als lästig und hätte mir gewünscht das die Dinge mit einem mal „erledigt“ werden und nicht zwei-, dreimal wieder angefasst werden um dann doch noch wieder neues zu offenbaren. Ja ich denke man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und es hätte ihr vielleicht auch gut getan. Aber ich glaube dann wäre nicht diese besondere Stimmung zu Tage getreten. Welches Leben läuft schon gerade? Was gelingt schon im ersten Anlauf? Und ja, wie vieles gelingt nie?

„..und der das, was war, in aller Lautstärke vergaß.“

Worüber ich froh war, das war das versöhnliche Ende, welches ich Gwendolin auch aus tiefstem Herzen gegönnt habe.
Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird. Ein kleiner Wermutstropfen, auch wenn es die Geschichte von Gwendolin ist, dreht sich doch sehr viel mal wieder um die Männer, erst den Vater, dann den Ehemann und später den Sohn. Die Frauen bleiben zu oft Randfiguren, sehr schade.

„Er lachte, weil es seine Art zu weinen war … und wie sie selbst weinte, indem sie nicht mehr weinte“

Näheres zum Inhalt:

Das Mädchen was von einer Nachbarin gerettet wird, unter Umständen die ihr das fühlen abgewöhnen. Umstände die viel Kraft kosten um sie zu überleben. Der Vater der aus dem Krieg heimkehrt, mit dem das Mädchen in seiner Abwesenheit all die Bücher geteilt hat, die eigentlich längst verbrannt sein sollten. Bücher die das Mädchen nie vergessen wird, und die auch ihr Sohn ganz heimlich entdeckt, viel viel später. Bücher spielen eine große Rolle und haben sehr viel zur Rettung beigetragen – ich kenne das. Bücher die einen sich selbst wiederfinden lassen. Bücher die trösten oder neue Welten zeigen. Bücher die ein Heimatgefühl oder Geborgenheit schenken. Bücher auch in Form von Buchläden als Zufluchtsorten und Buchhändlern als Vertraute.
In der Erstarrung und Einsamkeit findet Gwendolin ein aufgewecktes paar graue Augen und lässt sich davon einnehmen. Lernt das Haus Pirasol kennen und verliebt sich sofort. Die Ehe wird ein Alptraum, die grauen Augen werden hart und bitter und lassen besonders am gemeinsamen Sohn alle Bösartigkeiten und Demütigungen aus. Strafen Gwendolin mit einer Kälte die Sie weiter in einer stummen Erstarrung verharren lässt. Der Widerstand so zart und leise das er nur für sehr kleine Glücksmomente reicht. Für ihren Sohn reicht es nicht.

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Pirasol
Susan Kreller

Piper/Berlin Verlag
Hardcover 20,- €  / Taschenbuch 11,- €

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Ein Auszug aus dem Roman erhielt den GWK- Förderpreis 2014
Susan Kreller: Geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium, den Hansjörg-Martin-Preis (2013) und 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis für »Schneeriese«. Sie arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin und Literaturwissenschaftlerin

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zum reinhören
https://www1.wdr.de/kultur/buecher/susan-kreller-pirasol-104.html

Die Schlange von Essex

Mit der „Schlange von Essex“ gewann Sarah Perry 2017 den britischen Buchpreis für den besten Roman und das Beste Buch insgesamt. Leider habe ich keinen Vergleichswert was britische Bücher angeht. Das Wissen um den Preis hat mich aber angehalten dabei zu bleiben, denn ich wahr mehrfach versucht das Buch wegzulegen. Es ging mir zu langsam vorwärts und schien mir in mancher Hinsicht zu leicht vorhersehbar.
Eine Stärke des Buches sind sicher die Schilderungen der Atmosphäre und der Landschaft von Essex.
Die Geschichte plätschert so ein wenig vor sich hin.
Cora, eine junge Mutter, verliert ihren Mann durch Krankheit. Für Sie ist es ein Befreiungsschlag. Wir Schreiben das Jahr 1893. Sie und Ihr Sohn, der vermutlich Autist ist, ziehen für eine Weile aufs Land. Cora hat eine ganz große Schwäche für Fossilien und liebt es in der Erde zu wühlen. Dabei haben Sie eine Begleiterin, die sich um beide kümmert – wach, sozial engagiert und ein wichtige Stütze für beide. Überhaupt mag ich die Frauen, die hier viel Platz einnehmen, sehr. Durchaus kann man bei einigen von emanzipierten Personen sprechen.
Es gibt dann noch 2 Nebenfiguren, deren Rollen mir nicht so ganz klar wurden, ich fand Sie bisweilen etwas nervig. aber wir erfahren durch diese beiden etwas über die Chirurgie der damaligen Zeit.
Die Beziehung aber, um die sich der Hauptteil der Geschichte dreht – also außer der Beziehung zur Landschaft von Essex – ist die Beziehung zwischen Cora und dem Pfarrer des kleinen Örtchens auf dem Land. Aldwinter.
In der Beschreibung lesen wir das es besonders um die zwei Einstellungen der beiden gehen soll. Der Religion und der Wissenschaft. das tut es durchaus, aber der Pfarrer ist doch ein ziemlich offener Geist und jung genug um sich mit neuen Denkansätzen zu befassen. So wurde ich dann diesbezüglich ein wenig enttäuscht.
Am Ende ist einiges verloren gegangen, hat sich anders entwickelt als gedacht, und vieles scheint in der Geschichte Anfang und End e gefunden zu haben.

„Anmutig und intelligent“ erzählt… so heißt es auf dem Buchrücken. Mir hätte ein bisschen weniger Anmut ganz gut gefallen, ein bisschen mehr Spannung. Wobei die Küste schon sehr gut beschrieben ist und die Schlange von Essex wohl die größte Überraschung bietet, neben dem leichten Grusel und der Aufregung, welche die Bürger überfällt. Und das sehr gut zu spüren ist durch die Zeilen.
Ach und um Liebe geht es auch, an vielen Stellen zwischen allen möglichen Personen, auf alle möglichen Arten.
Das Buch ist sicher eine ganz gute Abend- oder Urlaubslektüre. Nicht zu fordernd, nicht zu heftig, und durchaus unterhaltsam. Ich denke er braucht etwas um seine wirkung zu entfalten. Was der Autorin sehr gut gelungen ist, wie ich finde, Sie versetzt einen ganz wunderbar in eine andere Zeit.

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Sarah Perry
Die Schlange von Essex
Übersetzt von Eva Bonné
Eichborn Verlag, 24,- €

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Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den Wellcome Book Prize.

Der Sommer ihres Lebens

Eine Amsel. Sie singt ihr Lied. Und dann begegnen wir Frau Wendt. Vor dem Speisesaal. Sie macht sich Gedanken über Zeit und Ewigkeit und überlegt wohin Sie muß.
Frau Wendt läuft an ihrem Rollator durchs Haus und nach draußen. Immer wieder verschwimmt das Jetzt und Erinnerungen tauchen auf. Wir dürfen dann das „Mädle“ kennenlernen, welches in Mathe so viel besser wie die Buben war.
Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch. Es erzählt soviel über diese Geschichte und die Erzählweise. Gerda wie sie springt und Gerda wie sie nur noch langsam mit dem Rollator vorwärts kommt. Mir schnürt es ein wenig die Kehle zu.

Es wird schnell klar das Gerda eher eine Außenseiterin war, was mich persönlich gleich mit ihr verbindet, weil es mir auch so ging. Und Gerda hat eigene Interessen und weiß sich zu beschäftigen.
In kleinen dunklen Kästchen erzählt die Stimme aus dem Off…  Gerda Wendt die sich erinnert, …sich erinnern will.

Mein nächstes Lieblingsbild: Gerda mag Zahlen und Sterne, von denen sie sagt sie sind ihr ähnlich… sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht. *Schluck*
Ist das nicht wundervoll getroffen, dies Spiegelung in der gedachten Fensterscheibe?
Gerda beginnt einen vielversprechenden Weg und doch, wie bei sovielen Frauen, gibt es die Institution Ehe und ein Kind. Aber das ist nicht das Ende der Geschichte.
Ich möchte nicht viel mehr verraten. Ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Eine Anmerkung ist mir noch wichtig, mir gefällt das das Altenheim neutral bis positiv dargestellt ist.
Mein letztes Lieblingsbild zeige ich nicht, es ist das mit den vielen „i“´s.
Dieses Grafik Novel berührt sehr. Liegt es am sentimentalen der Erinnerungen – wie es eben Erinnerungen so an sich haben? An der „schwere“ und den „Umständen“ des Alterns? Oder weil ich persönlich Verbindungen ziehe? An der eigenen Einstellung zum Tod, der ja unweigerlich folgt? Irgendwann ist es zu Ende. Für jeden von uns. Wir treffen Entscheidungen. Dinge nehmen ihren Lauf und wie Gerda sagt: „am Ende bleibt nur eine Möglichkeit übrig, eine Wirklichkeit.“
Die Farben und Zeichnungen ziehen mich ganz schön hinein in die Geschichte. Aber auch die Geschichte selbst berührt mich sehr. Es bleibt ein Kloß im Hals. Ein Menschenleben.

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Der Sommer ihres Lebens

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80 Seiten, farbig, 19 x 29 cm, Hardcover

20,- €,  Reprodukt

Zwei Schwestern

Petra Oelker erzählt in „Zwei Schwestern“ von der Reformationszeit in Hamburg – passend zum Lutherjahr.
Vor diesem Hintergrund läßt Sie das Leben damals so wunderbar lebendig werden und erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Frauen, deren Leben sich erstmal kaum berührt. Die eine noch jung, schon als Kind ans Klosterleben gewöhnt und als Nonne bislang gut aufgehoben in einem katholischem Orden, der nicht mehr lang Bestand hat, denn die Hamburger Bürger haben sich entschlossen der Reformation zu folgen. Die andere Frau schon alt, verwitwet und durchaus wohlhabend, lebt in einem eigenem Haus auf dem Hof des Sohnes und folgt für damalige Verhältnisse sehr der eigenen Nase. Beides sehr sympathische Figuren, die es trotz des relativen Wohlstands, als Frauen zu dieser Zeit, nicht einfach haben.

Nach diesem Buch bin ich entgültig ganz großer Fan von Frau Oelker und finde es außerdem sehr schön das Rowohlt das Büchlein festgebunden mit Leinenrücken und einigen kleinen Zeichnungen herausgegeben hat. Liebevoll gesetzt – die kleinen Details machen einfach was aus. Ein wirkliches hübsches Geschenkband. Ich hatte letztes Jahr dieses Buch hier schon vorgestellt – ein richtig dicker historischer Schmöker.

Man könnte meinen die Geschichte wäre leichte Unterhaltung, aber ich lese durchaus eine kritische Stimme durch die Zeilen hindurch, was das Buch noch gehaltvoller und runder macht. Hier wird nichts beschönigt, sondern die Zeit meiner Meinung nach sehr lebensecht aufgezeigt. Ich war schon zwischendurch immer wieder sehr begeistert was alles in der Geschichte steckt. Die Erzählung beginnt 1533 im Mai. Wir erfahren viel über das Klosterleben, etwas über die Medizin der damaligen Zeit, über Heilpflanzen, über den Kaufmannsberuf, das Familienleben und eben die Vorgänge der Reformation und dem Frauenleben damals. Die Autorin ist dem Norden Deutschlands ganz treu, ich glaube ihre meisten Büchern spielen dort. Die Geschichte basiert auf Recherchen im Hamburger Archiv und einem dort gefundenem Testament. Welches auch am Ende des Buches eine wichtige Rolle spielt.

Ich hab so den Eindruck ich kann es gar nicht richtig wiedergeben was mich so fasziniert hat, aber es ist ein wirklich tolles Buch, man findet sich mitten in einer anderen Zeit wieder und fiebert mit den 2 Protagonistinnen mit, nebenbei bekommt man auch nochmal einen anderen Blick auf die Reformation, die leider auch sehr viel Zerstörungswut geweckt hatte … schon damals hatten die Menschen Schwierigkeiten neben dem einen auch etwas anderes zu akzeptieren.

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Petra Oelker

Zwei Schwestern

Rowohlt, 12,00 €

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Petra Oelker, Jg. 47, Autorin und Journalistin, hat schon sehr viel geschrieben und ist demnächst auch in Hamburg wieder live auf Lesetour zu erleben. http://www.petra-oelker.de/

Schlechte Gesellschaft

Ein Generationenroman sozusagen. Verschiedene Zeitschienen und eine Familie der Frauen. Die Autorin für mich eine Neuentdeckung und auch ihr erstes eigenes Buch. Ich frage mich was biografisches in der Geschichte steckt. Denn in „Schlechte Gesellschaft“ geht es um Papiere eines Schriftstellers, um seinen Nachlass. Und Katharina Born, die Autorin, hat selbst vor diesem Roman das Werk ihres Vater herausgegeben.
Im Roman gibt es eine Judith die auch sehr gern überraschend gefundene Papiere des Vaters verlegen möchte. Dieser Vater und sein schreiben, sowie sein Jugendfreund spielen eine wichtige Rolle im Leben der Frauen Judith, ihrer Mutter Hella und auch ihrer Tochter Alexia.
Am Anfang war ich nicht sehr begeistert schon wieder so eine Geschichte die ständig zwischen den verschiedenen Zeiten hin- und her springt, und ich hab auch zwischendurch immer mal vorblättern müssen, weil ich zu neugierig war wie die entsprechende Zeitschiene weiterging. aber ich muß sagen es war sehr spannend, das ganze Buch lang.

Ich kann gar nicht so genau sagen was mich an dem Buch so gefesselt hat. Es ist aufjedenfall sehr gut erzählt. Die Figuren machen neugierig. Man folgt auf einer Seite den Frauen durch die Jahrzehnte, und andererseits Andreas Wieland, einem Doktoranden, der eben die Papiere des Schriftstellers sozusagen entdeckt und großes vermutet.

Auch ein Ort, ein Dorf um genau zu sein, namens Sehlscheid spielt eine große Rolle – wie die Bühne im Theater präsentiert sich Schlußendlich alles hier. Das schwere Leben der bäuerlichen Vorfahren, die Verheiratung, das Gebären und sterben der Frauen. Das ankommen und heimkehren der Männer. die Nach- und Vorkriegszeit, die Verwandlung in ein Dorf erst voller Nationalsozialisten und dann voller Besatzer. Spät einkehrender Wohlstand. All die großen und kleinen Vergehen, Verbrechen, Kuppeleien werden hier aufgeführt. Zwischendurch gibt es immer wieder etwas heftige Szenen die mich als Leserin doch etwas mitgenommen haben.

Es ist schon erstaunlich was alles in diesem Roman erzählt wird und wieviele Personen die Autorin lebendig entstehen läßt. Wie Sie vieles kurz aber prägnant in den Raum setzt, der sich sofort füllt mit inneren Bildern. Richtig gut. Das Ende fand ich erst nicht so glücklich, aber als ich es verdaut hatte mußte ich schon sehr grinsen, wie das Leben eben manchmal so ist, nicht glatt, nicht gradlinig und wenig vorhersehbar.

Ein richtig gelungener Roman und freue mich auf weiteres von der Autorin.

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Katharina Born

Schlechte Gesellschaft

Eine Familiengeschichte

Hanser Verlag, 19,90 €

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Katharina Born, geboren 1973 in Berlin, deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Herausgeberin. 2007: Literaturpreis Ruhr, 2008: 2. Preis des Dietrich-Oppenberg-Medienpreises der Stiftung Lesen für eine Rezension in der Jüdischen Allgemeinen, 2008: Georg-K.-Glaser-Preis des Landes Rheinland-Pfalz für die Erzählung Melsbacher Hohl, 2009: Ernst-Willner-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für die Erzählung Fifty-fifty, 2010 Jahrestipendium des Landes Niedersachsen

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Bild:

Katharina Born 2010 Copyright: Peter-Andreas Hassiepen

noch etwas persönliches über die Autorin:

http://www.deutschlandradiokultur.de/das-erbe-des-vaters.1153.de.html?dram:article_id=182436

 

Emmas Reise – Petra Oelker

dscn5714Seit langem habe ich wieder mal einen historischen Roman gelesen und das auch noch von einer mir vollkommen unbekannten Autorin.

Es hat eine Weile gebraucht bis ich mich an die Sprache von Frau Oelker gewöhnt habe, mir waren es manchmal auch sehr viele Worte/Beschreibungen, aber die Geschichte hat mich doch schnell gepackt. Schön mal wieder so ein Abenteuerroman wo man so richtig in andere Welten versinken kann. Und nebenbei lernt man auch noch was zur Geschichte – um den 30jährigen Krieg, über das Gebiet Hamburg/Osnabrück bis Amsterdam.

Spannend auf jedenfall. Und so gemütlich wirklich abendelang eine Geschichte zu verfolgen und neugierig zu sein wie es weitergeht. Ich weiß nicht ob ich es richtig verstanden habe, aber am Ende klang es so als würde es eine Fortsetzung geben, daran wäre ich sehr interessiert, nicht nur weil die Figuren Emma und Valentin mir ans Herz gewachsen sind, sondern eben auch aus Interesse an den Lebensläufen und Gewerken der damaligen Zeit, die hier lebendig beschrieben werden.

Emma eine Tochter aus gutem Haus lebt in Hamburg, einer sicheren Handelszone im 30jährigem Krieg. Sie ist fast erwachsen und Ihr Stiefvater und Ihr Pate halten schon Ausschau nach einer passenden Verbindung für Sie, einem gutem Ehemann, der für die Familie, politisch und handelstechnisch passend ist und auch noch den richtigen Glauben hat. Viele rechte hatten die Frauen damals nicht.

Aber Emma hat das Glück eine Einladung nach den Niederlanden zu bekommen, wo die andere Hälfte ihrer Familie lebt, die Sie bis zum heutigen Tage noch nicht kennengelernt hat, aus gründen die wir nach und nach erfahren.

Damals war das Reisen noch eine große Sache, vor allem für ein so junges Fräulein. Es ist ein langer Weg. Viele Wochen wird er gehen, sehr abenteuerlich wird er sein und vielen verschiedenen Menschen und Situationen wird Sie begegnen. Sie reist nicht allein, das wäre gar nicht gegangen. Ihr Reisebegleitung, der junge Valentin war allerdings nicht so geplant. Überhaupt kommt es auf der Reise zu vielen Überraschungen, die am Ende aber gut ausgehen – was mich persönlich auch sehr froh gemacht hat.

Die beiden Figuren sind liebevoll „gezeichnet“. Und auch besonders schön sind immer wieder auftauchende Berufe, vom Maler bis zum Weber. Valentin stammt aus einem Teppichweberhaushalt (Gobelinwerkstatt), und ich hoffe dazu wird es einiges in der Fortsetzung geben, das interessiert mich schon allein als Handarbeiterin sehr.

Mit kleinen Ausbrüchen zwar, aber sehr authentisch merkt man dem Buch an wie bemüht die Autorin ist ein wirkliches Zeitgemälde darzustellen und das ist Ihr sehr gelungen. Ich werde sicher mal Ausschau halten nach anderen Werken. Petra Oelker ist Jg 47. Hat schon viele Sachbücher und Biografien erarbeitet und war als Jounalistin tätig. Eine lange Liste von Romanen findet man bei Rowohlt. Da gibts also noch einiges zu lesen. Das 17.Jahrhundert und die Gegend haben es Ihr scheinbar auch sehr angetan. Das Interesse an der genauen Recherche spürt man sehr im Roman „Emma Reise“, auch wenn ich mir die anderen Titel so anschaue; und genau so etwas mag ich sehr weil es einen wirklich in andere Zeiten versetzt beim lesen und lebendige Bilder im Kopf entstehen läßt.

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Karte des Reiseweges im Umschlag des Taschenbuches

Das Buch ist frisch erschienen am 26.8.2016 und nächsten Donnerstag zum Beispiel am 29.9. liest die Autorin in Hamburg vor und dann geht es auf große Lesetour. Hut ab. Unter dem Link findet Ihr eine Leseprobe.

Oh und noch eine für mich nette Textstelle – bezieht sich auf Gebäck damaliger Zeit, klingt sehr lecker:

„..der Duft des honigsüßen, mit Ingwer, Pfeffer, Nelken, Zimt und einem Hauch Muskat gewürztem Holunderkonfekts..“

oder

„…die zimtduftenden Mörseküchlein, mit Majoran, Ysop und Rosmarin, in Öl gebacken…“

Sehr interessante Zusammenstellung, oder? Da würden mich jetzt brennend die Rezepte interessieren!

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Petra Oelker

Emmas Reise

Rowohlt, 14,99 €

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Ps.: einen Wermutstropfen gibt es: das Papier – vermutlich empfindet das nur jemand der Hochsensibel ist, ich weiß es nicht. Das ist ein sehr trockenes Papier und das hat wirklich meinem Atem beim lesen manchmal echt belastet.

 

 

Wir sind doch Schwestern

DSC05063Den Schmöker hat mir die liebe Mina von Aig an taigh ausgeliehen – Sie macht übrigens über das Pfingswochenende einen Lesemarathon und man kann mitmachen.

400 volle Seiten, das is ja so mein Ding. 🙂

Es geht um das Leben 3er Schwestern und um den 100. Geburtstag der Einen herum entspinnen sich die Lebensgeschichten der 3 Frauen. Es gibt immer wieder Zeitsprünge von heute zu gestern, beginnend mit dem Jahr 1945. Erst war ich deshlab ein bisschen enttäuscht weil ich grade zuviel mit den Themen des 2. Wk´s beschäftigt bin und dachte och nö nich noch son Thema, aber dann wars ok. Denn das Buch ist gute Unterhaltungsliteratur. Aber auf 400 Seiten für 3 Leute ist der Platz natürlich begrenzt und so wird manches eben weniger ausgiebig erzählt um den Höhepunkten dann etwas mehr Raum geben zu können. Auch wenn sich alles um den 100. Geburtstags Gertruds lang hangelt ist die Hauptperson doch eher Katty. Ihren Namen konnte ich am Schluß schon nicht mehr „hören“. Katty hier Katty dort. Ansonsten sind die 3 Schwestern doch auch ein Buch über die Emanzipation die im Leben so und so passieren kann. Und auch ein Zeugnis dafür wie unterschiedlich sich Wege entwickeln können. Am schönsten sicherlich das alle 3 Schwestern eben diesen besonderen Geburtstag feiern können und nebenbei auch noch Ihre Beziehung aufarbeiten und Frieden schließen mit sich und Ihrer Geschichte.

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