Japan 4 von 5 – Die Kieferninseln

Die Kieferninseln, ein wunderschönes Cover, von einer Autorin von wegen #LiteraturvonFrauen und das Thema Japan – ich muß sagen auf das Buch war ich echt heiß. Leider mußte ich mich sehr gedulden bis ich es in der Bücherei bekommen habe.

Und dann das: die Begeisterung mancher Leser*innen bleibt mir leider ein Rätsel, bis dato hatte ich nur positive Kritiken gelesen. Aber mir gefiel schon der Anfang gar nicht, aber ich gab mir Mühe, und dachte „nicht zu früh urteilen“ und habe es weiter probiert.
Im Buch geht es um einen Mann der plötzlich abhaut – wieviele Bücher gibt es darüber, und warum wird diese abhauen kaum hinterfragt und immer wieder als so „normal“ einfach so hingenommen?
Der Protagonist ist der Überzeugung das seine Frau ihn betrügt, es wird allerdings angedeutet das dies nicht der Fall ist. Er ist Bartforscher – wird am Anfang erklärt, was bis Seite 104 aber so gut wie keine Rolle mehr spielt. Tja wozu, weshalb, warum? Der Protagonist ist mir einfach extrem unsympathisch, aber ich hatte durchaus auch schon Bücher in denen es mir genauso ging und ich trotzdem sehr gut mitgehen konnte, sogar bis hin zur Einfühlung und eines gewissen Verständnisses. Will sagen, ein nicht gefälliger Protagonist muß nicht stören, ganz im Gegenteil. Hier habe ich keine große Lust dem Herren auf seiner Reise zu folgen.
Meine Frage hier, immer mal wieder, was für eine Frau das ist, die der Protagonist da zurück gelassen hat und warum diese mit ihm zusammen ist. Das Buch wird als tiefgründig und humorvoll dargestellt z.b. auf dem Buchrücken. Ich hab den Humor leider nicht finden können. Und wo jetzt das tiefgründige her kommen soll ist mir auch etwas unklar. Ja es geht um alte japanische Kultur und einen längst toten Dichter, dessen Pfaden der Bartforscher und sein zufälliger Reisegefährte folgen. Ja es wird durchaus etwas über Japan, die alten Traditionen von Dichtung und Ästhetik erzählt… aber sonst? Nur, weil man Themen anspricht oder etwas über sie erzählt ist es ja nicht gleich tiefgründig.
Was ich mich als nächstes, und ganz besonders, Frage: Warum hat die Autorin einen Mann für diese Erzählung gewählt. – Das ganze Buch hat nur 165 Seiten. Bin also mit dem zweiten Anlauf noch ein Stück weit gekommen. Allerdings werde ich es jetzt wirklich sein lassen und nicht weiter lesen, denn wenn es bis jetzt noch nichts war, kann das auch nichts mehr werden. – Allerdings zweifel ich doch immer sehr an meinem Leseverständnis, wenn ich soviele ganz andere Meinungen lese. Wobei ich schon immer wieder mit bekomme das viele High Sensitives, wie ich, einen ganz anderen Humor haben, als die Durchschnittsbevölkerung. Aber ob es daran liegt? Ich weiß es nicht. Irgendwie fühle ich mich ganz schlecht, weil ich das, was die Kritiker so toll finden, nicht finden kann.
Nun denn, ich stelle mir das ganze mit einer Frauenfigur schon mal interessanter vor.
Hast du auch schon Bücher gelesen, die alle anderen ganz toll fanden, nur du nicht?

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Marion Poschmann
Die Kieferninseln
Suhrkamp, 20,- €

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Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Prosa und Lyrik wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik; ihr Roman Die Sonnenposition stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013.
Die Kieferninseln gewann den Buchpreis 2017 nicht, war aber immerhin auf der Shortlist.
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article168556029/Die-Shortlist-des-Deutschen-Buchpreises-ist-da.html
https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-der-deutsche-buchpreis-geht-an-robert-menasse-1.3701330

 

 

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Japanbücher – Teil 2 von 5

Die Ladenhüterin von Sayaka Murata – Japan live, Alltag im Konbini

Der Titel ist ein herrliches Wortspiel – ich weiß allerdings nicht ob es im japanisch Originaltitel auch so hin haut, ich mag so was ja gern. Die Ladenhüterin hütet das Konbini, ein japanischer 24h Supermarkt, in welchem Angestellte aus der Umgebung auch ihr Mittagsessen herbekommen. Ziemlich gut beschrieben, ich zumindest bekam gleich ein Gefühl dafür.
Außerdem ist die junge Frau eine Ladenhüterin in dem Sinn, daß sie schon über das übliche gesellschaftliche Alter zum heiraten hinaus ist, und da auch nichts in Aussicht steht. Die Familie und die wenigen Bekannten bedenken Keiko, so ihr Name, deshalb schon immer reichhaltig mit Ratschlägen. Die sie sich fast staunend anhört.

Keiko Furukura berichtet persönlich von ihrem Alltag im Verkaufsshop und ihren sensiblen Beobachtungen. Sie hat einen echten Blick für Details und hört auch ganz genau hin. Sie geht vollkommen auf in ihrem Konbini, obwohl sie nur als Aushilfe angestellt ist. Eigentlich ist das ganze nämlich ein Studentenjob, sie hat ihn aber schon viele Jahre und ist damit eine echte Ausnahme.
Wir erfahren einiges aus ihrer Kindheit, über ihre Familie, oder z.b. das sie weniger emotional war als andere Kinder und einen gewissen Hang zur „Gewalttätigkeit“ – oder ist es Pragmatismus, fehlendes Mitgefühl? hatte.
Sie merkt schon als Kind, daß die Menschen auf sie irritiert reagieren und beginnt von da an sich besser anzupassen, beobachtet ganz genau. Übernimmt sogar Stimme und Betonung, aber auch Verhaltensweisen.
Durch ihre Beobachtungen führt sie uns die moderne Gesellschaft in Japan vor, die nicht viel anders ist als auch in Deutschland. Es gibt viele Normen, und nur wenn man diesen folgt ist man Normal. Die Protagonistin z.b. ist der Norm nach eigentlich viel zu alt um in diesem Supermarkt zu arbeiten und noch nicht verheiratet zu sein. Das Ding ist, sie strebt nichts anderes an. Ihre Arbeitsstelle ist einfach ihr Ding. Dort gibt es klare Regeln und Abläufe die Sie aus dem FF beherrscht und denen Sie folgt als wären es Tanzschritte. Im Grunde lebt sie für den Konbini.
Sie hat aber durchaus noch Kontakte zu alten Bekannten aus der Schulzeit und zu ihrer Familie. Die Urteile die ihr entgegen schwappen verunsichern Sie in soweit das Sie überlegt was Sie tun kann um nicht weiter aufzufallen und weitere Urteile oder komische Blicke auf sich zu ziehen. Auch wünscht Sie sich das ihre Familie glücklich ist und sich keine Sorgen macht.

So klar wie hier im Buch diese ganzen Normen und Verhaltensweisen angesprochen werden, auch von den einzelnen Darstellern, das hat schon etwas extremes. Die Vorstellung nur wenn der andere dem entspricht was ich von ihm/ihr erwarte, nur dann ist es gut, ist eine Aussage die rüberkommt. Die gesellschaftliche Norm steht über dem individuellen Lebensvorstellungen.

Keiko versucht auch dem zu entsprechen, ziemlich ernsthaft sogar, aber das tut sie nicht für sich.

Ein weiteres interessantes Thema, welches durch die Beobachtungen Keikos hervorspringt ist die Ähnlichkeit von Gruppen untereinander. die sich so ergeben oder nach und nach durch den täglichen Umgang entstehen. Ja, alles hat eben so seine Wirkung auf uns, die Räume, die Menschen, alles was uns so umgibt. Umso schöner finde ich wie Keiko doch trotz allem Sie selbst bleibt. Eine schöne und auch etwas schräge Geschichte mit einer besonderen Heldin.

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Die Ladenhüterin von Sayaka Murata
Übersetzer/in
Ursula Gräfe

18,00 € , Aufbau Verlag

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Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman „Die Ladenhüterin“ gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/videos/sayaka-murata-roman-die-ladenhueterin-100.html

 

Japanbücher – Teil 1 von 5

Japan, eine meiner großen Lieben, auch wenn ich noch nie dort war. Ich weiß nicht wann diese Liebe genau geweckt wurde. Vielleicht war ich in einem früherem Leben Japanerin. Aber so richtig doll fing das damals an, als wir im Studium das Werk „Wilde Schafsjagd“ von Haruki Murakami lasen und auseinander nahmen. Ein Buch wie „Die wilde Schafsjagd“ hatte ich vorher noch nie gelesen. Moderne Literatur und Geschichte, Sagen und Märchenhaftes, voller Symbolik und Phantasterei bis hin zur Absurdität. Aufregend. Eine ganz andere Art zu erzählen, wie ich sie bis dahin kannte. Im Foto ist das Buch in meinem Lieblingscover zu sehen, das gibts schon lange nicht mehr.  Inzwischen habe ich es oft verschenkt und immer versucht eins mit diesem Cover zu finden.

In letzter Zeit hatte ich einige neue Bücher zum Thema Japan angelesen. Schon länger wollte ich dazu mal berichten.

 

Geständnisse von Kanae Minato – Monologe, Schuld, Rache und Grausamkeit

Die Autorin Kanae Minato hat hier schon etwas wirklich besonderes, und ich denke auch etwas ziemlich japanisches hingelegt. Ich habe das Buch trotzdem nur bis Seite 95 gelesen. Warum? Die Geschichte wird über Monologe erzählt, die teilweise wie lange Anklagen klingen, und es sicher auch sind. Eine Lehrerin, deren  kleine Tochter in der Schule verunglückt berichtet vor ihrer Klasse wie sie das ganze sieht. Jugendliche eben jener Klasse, die sie unterrichtete. Einige ihrer Schüler sind verwickelt in die ganze Sache. Schon recht früh erfahren wir grausame Details über den „Zustand“ der jungen Leute. Mir gefiel das mit den Monologen nicht, das hatte für mich etwas langatmiges und zog sich ganz schön hin. Immerhin einige Seiten habe ich geschafft. Ich kann mir aber durchaus vorstellen das es manchen gut gefällt. Der Tod der Tochter hat auch besondere Umstände denen hier nachgegangen wird. Ein Unfall?

Eine Situation, und viele unterschiedliche Erzählweisen dazu. Verschiedene Blickwinkel, verschiedene Gewichtungen…

Was haltet ihr von so kurzen Rezensionen?

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Geständnisse von Kanae Minato
Aus dem Japanischen von Sabine Lohmann
Originaltitel: Kokuhaku (Confessions)
Originalverlag: Futabasha Publishers, Tokyo 2008

16,99 €, Verlag: C. Bertelsmann
10,00 € als Taschenbuch
Erschienen:  27.03.2017

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Kanae Minato, geboren 1973 in Japan, begann ihre Karriere als Schriftstellerin mit dem Bestseller „Geständnisse“, der erfolgreich verfilmt wurde! Ihre Romane und Kurzgeschichten wurden vielfach ausgezeichnet.

https://www1.wdr.de/kultur/buecher/kanae-minato-gestaendnisse-104.html

Fortsetzung folgt

Das mini Japanspecial – Stoff

Ich würde mich als ausgesprochenen Japanfan bezeichnen. Vieles fasziniert mich sehr an der japanischen Kultur. Sehr besonders und schön finde ich die ganzen neuen Japannähbücher.

DSCN4971Momentan hier Cut-up-Couture von Koko Yamase von einer Freundin ausgeliehen, die ähnliche Faible hat

Ein Upcycling Buch für große Hemden und Sweatshirts, aber auch so eine wunderbare Inspirationsquelle. Einfach erklärt mit teilweise sehr schönen Fotos. Ich muß mal schauen woher ich nun große und schöne Hemden bekomme.

Vermutlich werde ich wohl erst mal die zu kleinen Sachen upcyclen zu einem Patchworkkleidungsstück – momentan fehlen mir noch mehr Stoffreste in den passenden Farben und eben Hemden in Übergröße.

 

Koko Yamase

Cut-up-Couture

Stiebner Verlag

16,90 €

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DSCN4968Ein weiteres und noch besser zu nutzendes Buch ist eines über Stofftaschen und Geschenke verpacken mit Stoff – das scheint eine schöne Tradition zu sein in Japan, spart bestimmt ne Menge Papier. Die Technicken sind sehr einfach aber haben einen tollen Effekt vorallem natürlich mit entsprechend schönen Stoffen, die man ja immer wieder verwenden kann. Man nennt das dafür gedachte Tuch Furoshiki.

Inzwischen gibt es ja überall auch in Deutschland japanischen Stoff zu bestellen, und sonst tut es auch jeder andere Stoff, man braucht nur die Ränder einfassen und schon kanns losgehen. Der Titel des Buches täuscht. Es gibt viele Taschenideen aber genausoviele Geschenkverpackungsideen. Hier z.B. kann man Stoff schon passend genäht und aus Japan bestellen japanwelt.de

Es sind sehr viele Beispiele im Buch, für alle mögliche Formen, einfach toll, und ja auch sehr Umweltbewußt und wie ich finde auch sehr edel so eine Verpackung aus schönem Stoff.

Christiane Hübner

Furoshiki

Taschen ohen Nadel und Faden

Topp Verlag

14,99 €

Die Fortsetzung zu diesem Beitrag findet Ihr auf meinem Handarbeitsblog Madame Flamusse. Und falls Euch Japan noch ein wenig mehr interessiert, Land, Leute, Tradition, Essen, Reisen und die ganzen merkwürdigen Feiertage, dann schaut doch mal bei http://nipponinsider.de/ rein, da gibts beständig tolle Sachen zu entdecken. ❤

 

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