Geschichte des Tattoos

Jérôme Pierrat, Chefredakteur eines französischen Tattoomagazins, stellte fest, dass es immer mehr Tätowierer gab, und das interessierte ihn wohl genauer. Von ihm ist der Text in diesem Buch, gezeichnet wurde das Comic von Alfred. Mich haben Tattoos schon immer fasziniert, und mich hat immer interessiert welche Bedeutungen jeweils dahinter steckten.

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Sich ein Tattoo stechen zu lassen ist ziemlich schmerzhaft, aber das hält die Leute nicht davon ab, im Gegenteil oft wird dieser Schmerz als eine Art Initiation wahrgenommen. In einer Zeit und in Kulturen, wie der unseren, wo Traditionen fehlen, vielleicht eine neue Art eines Ritus? In verschiedenen Kulturen gab es schon immer ganz bestimmte Tattoos z.B. für Krieger, Bandenmitglieder aber auch aus ästhetischen Gründen. Sichtbar oder auch absichtlich unsichtbar getragen sind sie für viele Menschen sehr wichtig und oft Statussymbole oder Kennzeichen ihrer Kultur. Die Bedeutung einzelner Bilder erforschte man dann auch, z.B. in Frankreich um Verbrecher zu identifizieren. Aber auch um andere Völker zu verstehen.

In anderen Ländern und auf anderen Kontinenten spielten die Tattoos eine viel traditionellere und auch „heilige“, eng mit der Kultur verbundene, Rolle.

Die Geschichte des Tattoos ist lang, sie sind an gefundenen Skeletten nachgewiesen wurden. Dort wo keine Kleidung vorhanden war blieben die „Zeichnungen“ erhalten. Dazu gibt es eine schöne Einführung im Buch. Verschiedene Völker, Techniken und ihre jeweilige Kunst werden vorgestellt. Erzählt wird die Geschichte im Buch von einem Gefängnisdirektor.

Es gibt wahre Künstler unter den Tätowierern, auch heute. Wo gab es Tatoos früher, wie verbreiteten sich diese und wie kamen sie zu uns bzw. waren sie schon da? Die Seefahrt ist ein wichtiger Aspekt der Geschichte. Das alles erzählt dieser spannende Comic.

Am Ende des 19. Jahrhunderts öffneten die ersten Tattoo Läden in Europa, das Tattoo begann seines Siegeszug bei uns – heute kaum mehr wegzudenken. Damals ließen sich auch die ersten Frauen tätowieren. Bekannt waren z.b. Irene Woodward, Bella Angora oder Djita Salomé. Sie ließen sich mit ihrer Kunst auf den Körpern oft lange Jahre ausstellen, tourten durch die Lande. Und es gibt einiges an Bildmaterial dazu. Es ging tatsächlich um fast komplett tätowierte Körper, auch bei den Frauen.

Einiges an Fotos ist hier zu finden:
https://www.tattooarchive.com/index.php

Alles in allem ein sehr interessantes Buch mit 66 Seiten.
In der Reihe „die Comic-Bibliothek des Wissens“ gibt es noch Themen wie: Das Internet, Bienen, Das Universum usw. alle von jeweils anderen Künstlern und Künstlerinnen und Autoren und Autorinnen.

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Tattoos (Link mit Leseprobe)
Jérôme Pierrat
und Alfred
aus der Reihe „Die Comic-Bibliothek des Wissens“
erschienen bei Jacoby Stuart
12,- €
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Herbstgedicht

Kastanien,
ich freu mich jedes Jahr
wenn ich welche finde.

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Und zufällig lief mir dazu auch noch ein Gedicht über den Weg:

Die Kastanie

Ob alt, ob jung, ob groß oder klein,
wir lieben sie doch alle, die Kastanie.

Grün und stachlig hängt sie da
im Baum wie jedes Jahr.
Platzt dann auf die enge Hülle,
sieht man sie in ganzer Fülle,
und schön glänzen tut sie auch.
Wenn sie dann zu Boden fällt,
ist es herbstlich meist bestellt.
Jedes Kind sich danach bückt,
auch Erwachsene sind entzückt,
die Kastanie zu berührenund
sie in der Hand zu spüren.
Gicht und Rheuma hält sie fern,
auch das Rotwild mag sie gern.
Nun steh‘ ich unter einem Baum
und spür‘ den leichten Windzug kaum.
Ich heb‘ eine Kastanie auf,
schon nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Zärtlich reibe ich an ihr
und denk‘ versonnen noch bei mir:
„Kastanien find‘ ich einfach edel,“
da knallt so‘ n Ding mir auf den Schädel!

(Von Josef Festing)

vielleicht habt ihr ja Lust ein eigenes Gedicht zu schreiben, oder ein Haiku oder ein Elfchen oder ein Akrostichon?
Freu mich auf eure Varianten. Kennt ihr alle diese Varianten von Wort- und Poesiespielereien?

Kastanienzeit
Ach, so schön, jedes Jahr
Schau nur, Oktoberzeit
Tada, dort, steht ein Kastanienbaum
Ah da liegen ganz viele und dort auch
Nobel, das glänzende Kastanienbraun, und diese Glätte ihrer Haut
Ich nehm nur ein paar, lass den Rest für die Kinder
Einpaar für die Jackentasche, das die Hand was zum fühlen hat

Lust & Frust

Mutterkonflikt, therapeutisches und Lebensmittel mit ein wenig Religion und viel Liebe – ich dachte genau das erwartet mich beim Roman „Muttermilch“. So zumindest, wurde es mir auf dem Buchrücken angekündigt.


Leider hab ich etwas ganz anderes bekommen und bin, ehrlich gesagt, enttäuscht. Was habe ich gefunden in diesem Buch mit dem wunderbaren Einband, darunter in Knallpink, mit immerhin 326 Seiten und einer Geschichte in 79 Kapiteln?

So war der Anfang, ich zitiere mich mal selbst:
„Muttermilch von Melissa Broder aus dem Claassenverlag und ich mag es sehr 🎉🍀 ich folge Rachel beim Kalorienzählen und genießen ihrer Diätprodukte. Begleite sie in den Yoghurtladen und zur Therapiestunde. Grade macht sie Mutterdetox und hat eine interessante Frau kennengelernt. Alles sehr humorvoll und genießerisch erzählt. Die Gestaltung des Buches passt großartig zum Inhalt.“
und
„Die knallige Covergestaltung gefällt mir und drinnen geht’s genauso munter weiter. Schon am Anfang wird klar, hier haben wir eine wahrhaft leidenschaftliche Menschin und es geht um wesentliches. Nahrung (warum, wie und wo und natürlich was) und Familie („er stellte es so dar, als ob es etwas Gutes wäre“).“

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Doch irgendwie rutscht das Thema mit der Mutter und der Therapie vollkommen beiseite. Die Familie von Rachel spielt bald kaum noch eine Rolle. In einigen Kapiteln aber kommt die jüdische Familie ihrer Freundin ins Spiel, und diese sind eher streng jüdisch, wie Rachel bei zwei Einladungen erfahren muss. Beim ersten Mal geht noch alles gut, und auch hier genießt sie alles aus vollen Zügen, inklusive der Erinnerung an jüdische Rituale und Gesänge. Beim zweiten Mal schlägt das ganze um…

Bis zum Ende des Buches habe ich kein richtiges Bild von Rachels Aussehen, im Gegensatz zur wichtigsten zweiten Figur, der Frau aus dem Yoghurtladen. Rachel zählt Kalorien und hat einen strengen Essensplan inklusive fester Einheiten im Fitnessstudio, sie ist nebenbei Comedian. Erst kontrolliert sie sich selbst immens, um später sich vollkommen grenzenlos ihren Gelüsten hinzugeben, und das in einer Geschwindigkeit und mit soviel Selbstverständnis, dass ich es kaum glauben kann. Ich hab im Laufe des Lesens auf jeden Fall Hunger bekommen und Lust mal endlich wieder Essen zu gehen.

Alle Themen verschwinden schließlich hinter der Geschichte mit Miriam, der Frau aus dem Yoghurtladen. Sie verkörpert für Rachel die Sinnlichkeit in Perfektion. Statt Mutterdetox, Therapie, Kalorienzählen und Familie geht es nun sehr viel um lesbische Liebe und Sex. Das ging mir dann irgendwann ziemlich auf die Nerven. Ich muss sagen, wenn ich vorher gewusst hätte, dass dies ein so großes Thema des Romans ist, hätte ich ihn gar nicht gelesen, es war mir auch zu viel der expliziten Beschreibungen.

Ich habe das Buch trotzdem zu Ende gelesen, weil ich hoffte, dass die versprochenen Themen doch noch zur Sprache kommen. Aber nein, dem war nicht so. Insofern, ja der knallige Inhalt spiegelt sich im knalligen cover und der Titel, auch dafür finden sich einige Deutungen. Ich will aber nicht zu viel Spoilern, falls ihr das Buch noch lesen wollt.

Was für mich nicht zutrifft ist das Zitat: „Muttermilch feiert die Befreiung des weiblichen Körpers“, es feiert die lesbische Liebe, ok, damit kann ich mitgehen. Aber ich hoffe doch, dass die Körperlichkeit von Frauen sich noch anders befreien und feiern kann.

Was nun eigentlich diese Muttermilch ist, die der Titel nennt ist mir nicht so ganz klar. Brüste spielen aufjedenfall eine Rolle im Buch. Aber vielleicht ist es auch eine Metapher für die fehlende Mutterliebe die durch Frozen Yoghurt und später andere Leckereien ersetzt wird, oder auch die Körpersäfte der Geliebten, oder sie steht für den Anteil des inneren Erwachsenen, der sich schlußendlich, wenn alles gut lief, selber nährt.


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Melissa Broder
„Muttermilch“
24,00 €

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Ich danke dem Verlag Claassen für das Rezensionsexemplar

Ein Ausflug nach Brandenburg


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Hier ist die Protagonistin Biologielehrerin und betrachtet wirklich alles mit einem biologistischem Blick, das ist ziemlich herb und selten liebevoll, aber grandios geschrieben. Die Kargheit und Weite des Brandenburgischen trägt die Geschichte mit und auch die Hauptfigur. Ein phantastisches Buch.

„Der Hals der Giraffe“, viele LeserInnen meinen, dass auch hier „nichts“ erzählt wird. Aber ich empfinde dieses Buch viel mehr als eine Verdichtung oder auch meditative Auffächerung 3er Tage der Frau Lohmark. So dicht wie „Der Hals der Giraffe“ erzählt ist, kenne ich nur wenige Bücher, für mich echte Literatur. Natürlich ist es einen Gedanken wert, ob es sich wirklich um einen Roman handelt. Aber das Wort „Bildung“ im Begriff Bildungsroman stimme ich voll zu. Bildung im Sinne von Selbsterforschung bzw. Analyse anhand von „Fakten“.

Gelebter Darwinismus

Inge Lohmark, die Protagonistin des Romans, ist Biologielehrerin an einer Schule in einer Kleinstadt in Vorpommern. Ihr Tage als Lehrerin sind gezählt. Denn es fehlen die Schüler in einem Landstrich, der von Abwanderung geprägt ist. Was durch Judith Schalansky einprägsam beschrieben wird. Darwinismus und dessen Anwendung auf ihre kleine Welt prägen das Denken und Handeln von Frau Lohmark.

Dieser Bildungsroman ist phantastisch. Bildungsroman, das passt in mehrfacher Hinsicht. Und selten habe ich einen Roman gelesen, in welchem der/die Schreibende so hinter der Hauptfigur verschwindet. Aber vielleicht ist das auch nur eine Mutmaßung, denn ich kenne Frau Judith Schalansky ja nicht. Wir werden beim Lesen Zeugen von Frau Lohmarks Gedanken, die so nahtlos in alle geschilderten Gespräche einfließen, dass es oft schwierig ist, beides auseinanderzuhalten. Was dem Roman aber überhaupt nicht abträglich ist, sondern Frau Lohmark und ihre Welt für den Leser nur noch verdichtet.

Fehlende Gefühle

Was man von Inge Lohmark erfährt, sind auch hauptsächlich ihre Gedanken – gefühlskalt wäre eine treffende Bezeichnung für ihre Person. Wenn nicht so überaus klar wäre, dass es nicht die Gefühlskälte ist, die Frau Lohmark beherrscht, sondern eher das Fehlen von Gefühl und einer eigenen Sinneswahrnehmung. Sie erklärt sich alles, aber auch wirklich alles, über Ihre ganz eigenen Ansichten vom Überleben des Stärkeren, im Sinne der sich anpassenden Natur. Eine Anpassung, um in einer sich verändernden Welt zu überleben. Was Sie selbst für sich in keiner Weise schafft.
Erstaunlicherweise stelle ich das erstmal so auch gar nicht in Frage, und frage mich auch nicht warum Frau Lohmark so ist. Heute würde ich sagen, es scheint ein Trauma zu wirken, anders sind die fehlenden Gefühle, also diese Unfähigkeit für mich schwer zu erklären. Aber so normal Trauma in unserer Welt ist, so selbstverständlich ist einfach das Inge Lohmark so ist.

Einprägsam, wunderschön

Schalansky hat so vieles in kurzen Abschnitten, wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht. Auf Frau Lohmarks Punkt wohlgemerkt. Ein sehr eigentümliches Buch. Ein sehr eigene Welt und ein sehr einprägsames Buch, wie ich es vorher noch nicht gelesen habe.

Außerdem wunderschön: Der Leineneinband mit Prägedruck.

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„Der Hals der Giraffe“
Judith Schalansky
Suhrkamp

Leineneinband ca. 20,00 €
als Taschenbuch für 10,00 €

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Text und Leseerfahrung von 2012 – überarbeitet 2021 / Habe das Buch für meinen Naturewritingkurs rausgesucht und kann es wirklich nur empfehlen.

Naturewriting – Schreibkurs

Ich möchte es euch nicht vorenthalten, am Mittwoch startet der erste Online Schreibkurs dieses Jahr. Diesmal, ganz Neu, zum Thema Naturewriting.
Es geht aber nicht nur um das Schreiben, sondern auch um Achtsamkeit, Erdung, Entspannung und Verbindung. Naturewriting ist eine wunderbare Methode um wieder mehr Kontakt zum Wesentlichen zu bekommen und deine aufmerksamkeit zu schulen.

Es gibt über den Oktober kleine Schreibimpulse per Email. Wer mag kann gern in die Facebookgruppe zum Austausch kommen oder mit mir direkt Kontakt aufnehmen. So wie es für dich passt und angenehm ist. Ich werde hier und da auch kleine Textausschnitte vorstellen zur Inspiration.

Naturewriting bringt uns näher zu uns selbst! Hast du Lust mal wieder zu schreiben? Oder suchst du einen Einstieg? Ich denke der Oktober ist der perfekte Monat für das Thema.
Wenn du fragen hast schreib mir: info@karolinkaden.de

Die Kosten des Kurses belaufen sich auf 47,- € / Start 6.10.
Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Meine Kurse eignen sich für jedes Level.

Sprachlosigkeit – Ausstellung – Teil 1

So ganz sicher waren sich die Kuratoren wohl nicht um welches Thema sich diese Ausstellung dreht, hier steht Sprachlosigkeit, dort steht Lautlos, woanders Trauma und Heilung. Wer weiß vielleicht haben sie selbst den passenden Ausdruck gesucht. Es klang vorallem sehr sehr Interessant für mich, die sich mit Sprache, Erinnerung, mit Trauma und Geschichte befasst. Leider habe ich sehr spät von der Ausstellung erfahren, was mich immer noch irritiert, und konnte nur die zwei letzten Tage nutzen. Am allerletzten Tag war sehr viel los, inklusive Veranstaltungsprogramm, aber zum Glück war ich den Tag vorher schon ausgiebig durch die Räume geschlendert. Von bunten Ecken und Tafeln wurde man zum Start geleitet:

Es gab eine Warnung, verständlicher Weise, denn es wurde viel Gewalt thematisiert. Ich glaube das habe ich bisher noch in keiner Ausstellung so erlebt. Ich seh das Thema des Traumas überall aufploppen, und vieles was ich jetzt gleich sehen würde kommt durchaus in aktuellen Diskursen vor. Das kann ich nur begrüßen. Aber Trauma im Museum? Schon eigenartig.

So startete ich neugierig und frisch desinfiziert zu meinem Rundgang. Die Besucher verteilten sich gut, so daß man Räume auch allein erleben konnte. Dadurch das einige Räume ein richtiges 3 dimensionales Raumkonzept hatten war das grandios. Hier im linken Bild habe ich ein Panorambild aufgenommen. Man konnte sich in eine Art rote Box setzen, sobald man hineintrat kam auch Ton dazu, und von dort aus überblickte man den roten Boden mit seinen starken Worten. Also so ganz sprachlos war es an dieser Stelle noch nicht oder vielleicht auch nicht mehr. Der Mensch sucht nach Ausdruck, auch für das „Nicht-Aussprechbare“. Worte nehmen hier immer einen ganz besonderen Stellenwert ein, wenn es um Traumata geht. Sie haben Gewicht.

Schon dieser erste Raum zeigt auf, dass Trauma eine körperliche Sache ist. Ich bin erfreut das Poesie hier eine Rolle spielt, nutz ich diese doch auch gern selbst und habe in meinem Kriegsenkelkontext immer wieder dazu angeregt spielerisch mit dem zu arbeiten was da auftaucht. Die Worte die sich finden lassen aufzuschreiben und zu bewegen. Auch schwere Themen lassen sich mit einfachen Mitteln angehen. Manchmal ist das Einfache gar die beste Möglichkeit.

Celan – Sprachgitter
Und jede Menge Deutungen; ein Netzwerke entsteht und eine ganze große Welt eröffnet sich in einem kurzem Text.
Auch wenn niemand unsere Texte jemals so ernsthaft untersuchen würde, können wir uns dieser Idee durchaus auch umgekehrt annehmen, vielleicht passiert das auch schon automatisch. Denn Metaphern sind doch immer hilfreich in der Poesie und unsere eigenen Themen werden wir so oder so mit hineinweben.
Es gab auch einige Workshops zur Ausstellung, die hab ich natürlich auch verpasst, dadurch das ich es erst so spät mitbekommen habe.

An diesem Punkt der Ausstellung war mir noch nicht klar wo ich gelandet war, aber im nächsten Raum eröffneten sich dann auch schon ganz andere Welten. Das Thema Kolonialismus – welches immer noch besprochen werden muss – findet hier einen Raum, der großartig mit einer Installation genutzt wird, aufklärende Zeittafeln daneben. Zwischen Kunst und Reflektion und Fakten. Die ja gar nicht so geläufig sind, wenn man sich mit dem Thema nicht befasst hat. Ich weiß gar nicht ob das heute wenigstens in den Schulen dran kommt. Die Filmindustrie hat sich dem Kolonialismus und der Unterdrückung und Quälerei über Generationen schon länger angenommen, und dort bin ich in meiner Jugend auch erst auf das Thema gestoßen, ich fand die Zahlen zum Thema hier sehr wichtig, um überhaupt eine annähernde Vorstellung zu bekommen.

Das Thema würde aufjedenfall eine eigene Ausstellung verdienen, soviel gäbe es zu berichten, vielleicht kommt das ja noch. Ab hier verschwimmen dann gefühlt Realitäten und Kunst und genaue Blicke sind vonnöten um festzustellen das manches was nun folgt ein modernes Kunstwerk ist, eine Art Sammlung zur Darstellung – Objekte, ergänzt mit Zeichnungen und Schriften, magische kleine Teile, Figuren, Fläschen, Karten, Krüge… Genaueres lest ihr auf dem Schild:

Und dann mitten im Raum, eine Heilungsdecke, mein Lieblingsstück:

Wie verrückt im Museum eine selbst erfahrene und entdeckte Weisheit zu finden, die eigentlich uralt ist, von einem mir ganz unbekanntem Volk aus Marokko. Das zeigt wieder die universellen Themen gibt es in jeder Kultur und unsere Lösungen und Hilfen sind sehr ähnlich, unterschiedlich aber in der Haltung, Wertschätzung, Lebendigkeit und Achtsamkeit. Rituale und rituelle Gegenstände als Weg der Heilung; unterstützend, schützend, begleitend, bei uns kaum noch zu finden, aber wie ich denke stark aufgeladen und enorm hilfreich.
Ich denke an mein Projekt Heildecke, was viele Frauen mit mir zusammen für 2 kranke Menschen durchgeführt haben. Magie und Kraft „eingewebt“ in eine Decke, genau wie hier.

Fortsetzung folgt in Teil 2 ….

Kleine Feuer … – Die Serie


Kleine Feuer überall

Nachdem ich mit Genuß das Buch gelesen habe war ich sehr gespannt auf die Verfilmung, kann diese aber eben auch nur aus der Perspektive der Originalgeschichte bewerten.

Ich muß sagen die Geschichte ist absolut hochwertig verfilmt wurden, aber es wurde einiges verdreht und hinzugefügt. Das ärgerte mich enorm, denn die Buchvorlage ist sehr sehr gut. Gern hätte ich verstanden warum es Änderungen gab.

Die Hauptrollen spielen 2 Familien, einmal eine alleinstehende Künstlerin mit Tochter, die von Ort zu Ort ziehen und dann eine Familie mit Mutter, Vater und 3 Kindern die schon seit Generationen am selben Ort wohnen, und eher der klassischen Aufteilung folgen. Dies ist eine Besprechung mit Spoilern.
Diese beiden Familientreffen aufeinander als die Künstlerin mit ihrer Tochter in die Stadt kommt: Mia. Mia mietet eine Wohnung bei Elena, und hilft ihr später auch im Haushalt. Die Kinder freunden sich an – Pearl hat mit jedem von Elenas Kindern eine besondere Beziehung. Und so wie Mia, die Künstlerin das schwarze Schaf in ihrer Familie ist, so ist es auch die jüngste Tochter von Elena, die eine wichtige Rolle in der ganzen Geschichte spielt.
Eine der größten Stärken der Erzählung sind die Darstellungen der feinen Dynamiken die sich in Beziehungen so abspielen, grade in Familie. Und wie sich Vieles über die Jahre sammelt und dann auch entzündet.

Die Geschichte ist phantastisch, es werden sehr viele Themen angesprochen und die Frauen haben hier aufjedenfall die Oberhand – sprich sie haben die Hauptrollen. Wobei die Männer im Buch noch viel mehr im Hintergrund stehn und in der Verfilmung der Vater der Familie plötzlich sehr viel zugeschrieben bekommt und eine starke Meinungsmache betreibt, fand ich schade. Im Buch ist er eher unsichtbar, immer auf Arbeit.

Was mir als Hinzufügung bei der Verfilmung unglaublich gut gefallen hat war die Darstellung von Mutterschaft – das wird leider im Buch nur knapp thematisiert. In der Serie bekommt das einen großen Raum und man sieht die Schwierigkeiten, die Nerven die am Ende sind, die Liebe zu den eigenen Kindern aber auch die Ablehnung die man gegenüber ihnen empfinden kann… wirklich grandios dargestellt von Reese Witherspoon, die in der Serie die weiße priviligierte (Ehe) Frau spielt.
Kerry Washington in der Rolle der afro amerikanischen Frau und Künstlerin fand ich manchmal etwas befremdlich in ihrer Gestik und Mimik, was sicher auch mit dem Buch zusammenhängt, man hat da sein eigenes Bild im Kopf, und in der Verfilmung sind alle Personen etwas anders. Leider gehen auch die Beschreibungen der künstlerischen Tätigkeit von Mia in der Verfilmung etwas unter und werden verfälscht, was ich grade am Ende sehr sehr schade finde und ich verstehe nicht warum es diese Veränderung in der Verfilmung gebraucht hat. Im Buch beschäftigt sie sich u.a. schon jahrelang mit Fotografie bevor sie studieren geht und bekommt auch ein Stipendium, das geht in der Verfilmung vollkommen unter. Auch das ihr in der Serie eine lesbische Beziehung angedichtet wird, so als könnten sich die Filmemacher nicht vorstellen das es auch eine Liebe neben der sexuellen 2erBeziehung gibt, fand ich nicht gut.

Auch die (sexuelle) Beziehung zwischen Mias Tochter Pearl und Elenas Sohn hat grade am Anfang so einen komischen Beigeschmack in der Serie die es so im Buch nicht gibt.

Es geht immer wieder um „Rasse“ bzw. Ethnie und die Rolle der Mia zeigt auch immer wieder die Prägung die sie explizit als afroamerikanische Frau erfahren hat, sehr gut gemacht … ich bin bei der Buchrezension etwas mehr drauf eingegangen, wollte aber auch nicht zu sehr spoilern. In der Rolle der Mia ziegt es sich am deutlichsten das es etwas ausmacht welche Hautfarbe du hast und wie deshalb mit dir umgegangen wird und die Rolle zeigt das ganz deutlich auf an vielen Details. Bei den Richardson und besonders Elena ist das alles sehr viel subtiler dargestellt – auch weil die Figur sich selbst für offen und gütig und nicht rassistisch hält und ein guter Mensch sein möchte. Es gibt auch noch eine illegale Einwanderin, eine Chinesin und ihr Baby – auch hier werden Rassismusthemen aufgezeigt.

Es ist mir unverständlich warum in der Serie sovieles hinzugefügt wird was es nicht braucht oder warum Dinge und Personen anders dargestellt werden wie in der Originalgeschichte (auch die Story mit der Musiklehrerin geht vollkommen unter dafür werden andere Dinge lang und breit erzählt die so nicht im Buch stehen) – das hätte es einfach nicht gebraucht. Die Filmemacher hätten gut daran getan sich enger an die Originalgeschichte zu halten. Die SchauspielerInnen sind super besetzt, keine Frage und auch die Kameraarbeit/Ausstattung, die kleinen Andeutungen zur Zeit… ist alles super. Die einzige positive Hinzufügung ist das Kapitel zur Mutterschaft. Ach und die Diskussion zum Leseclub und den „Vaginamonologen“ ist auch ganz witzig, die gibt es so im Buch nicht.


Im Buch baut sich alles sehr langsam auf, schwelende Feuer sozusagen. In der Serie dagegen gibt es immer wieder Andeutungen auf eine mehr oder minder brachiale Art und es wird im erzählen Druck gemacht den die Story aber nicht braucht. Die Feinheiten gehen leider verloren. Und trotzdem ist es eine sehr gute Serie, weil einfach die Geschichte gut ist, und ich würde sagen Preisverdächtig in ihrer Art.

Hier zum Artikel über das Buch

Trailer

Alina Simmelbauer – Wir träumen allein

Im Juli besuchte ich diese wunderbare kleine Ausstellung:

Die Nachfahren

https://www.kunstvereindresden.de/

Eine kleine feine Ausstellung im Kunstverein Dresden. Alina Simmelbauer arbeitet das Verhältnis zu ihrem Vater auf – er ist Kubaner und musste die DDR verlassen als Alina grade mal wenige Jahre alt war. Erst als 30igjährige findet sie den Mut sich auf die Suche zu machen und reist nach Kuba. Das glück ist ihr hold und sie wird liebevoll empfangen und lernt endlich ihren Vater kennen.

In der Ausstellung sehen wir Bilder von ihren Besuchen in Kuba. Wunderschöne stimmungsvolle künstlerische Fotografien. Dazu gibt es Sound und auch eine Filmaufnahme vom Meer und der kubanischen Flagge.

28.05 17.07.2021

Ein Briefumschlag. Absender und Empfänger in schnörkeligen, blassblauen Buchstaben. Die eine Adresse in Deutschland, die andere in Kuba. Nicht viel mehr hält die Künstlerin Alina Simmelbauer in ihren Händen, als sie 2011 beschließt, nach ihrem Vater zu suchen und damit ihrer eigenen Geschichte und Identität nachzuspüren.

Kuratorin: Daniela Baumann

Mir hat…

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Madgermanes von Birgit Weyhe

Zuerst bin ich in der Bibliothek über „Madgermanes“ gestolpert, welches ich aufgrund der Beschäftigung mit Ostdeutschen Thematiken mitnahm. Nach und nach entdeckte ich auch ihr anderen wunderbaren Bücher.


Die Autorin „Birgit Weyhe wurde 1969 in München geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Ostafrika und kehrte im Anschluss an ihr Abitur nach Europa zurück. Sie schloss 1997 ihr Studium in Germanistik und Geschichte ab und wandte sich der Kunst zu.“ so schreibt der Avant Verlag.
Wow, wie spannend: Ostafrika. Das ist für mich so weit entfernt, wie ein anderer Planet. Bei dieser Geschichte wird mir auch klar, warum sich Birgit Weyhe in ihren Grafik Novels so viel mit der afrikanischen Kultur beschäftigt. Ich denke wir finden in jedem ihrer Bücher etwas aus ihrer eigenen Geschichte wieder – für mich sind ihre Bücher auch so besonders, weil mir die afrikanische Kultur sehr fremd ist.
„Madgermanes“ ist für mich ein wirklich großartiges Comic. Es geht um Gast- bzw. Vertragsarbeitern aus Mosambik in der DDR. Für mich ein Kapitel der DDR von welchem ich vorm lesen dieses Comics nichts wusste.

„Von 1979 bis 1991 waren ca. 20 000 Vertragsarbeiter aus Mosambik in der DDR beschäftigt.“

Das Thema war mir vollkommen fremd. Ich wußte nur von den vielen Vietnamesen – viele davon auch noch nach der Wende im Osten zu finden, und von den Kubanern. Auch als ich meine Mutter befragte, die zu dieser Zeit, als es die vielen Fremdarbeiter in der DDR gab, eine erwachsene Frau war, wußte sie nichts davon. Schon sehr merkwürdig einerseits, andererseits lebten die Vertragsarbeiter ja auch sehr getrennt und richtiggehend abgeschottet in der Zeit ihres Aufenthaltes, in eigenen „Heimen“.
Die Autorin und Zeichnerin bringt uns das Leben dieser Menschen, und ihre großen Hoffnungen nahe. Erzählt vom ankommen und dem Alltag in der DDR, der für die Vertragsarbeiter anders war als für den/die durchschnittlichen DDR BürgerIn. Und auch wie es nach der Wiedervereinigung weiterging erfahren wir.

Sie erzählt von 4 Menschen und ihren sehr unterschiedlichen Lebensläufen, die stark geprägt waren durch die unterbezahlte, oft auch gar nicht berufsrelevante Tätigkeit in der DDR und den ihnen nur minimal zugewiesenen Lebensräumen, die sich vor allem auf das Zimmer im Wohnheim und ihre Arbeitsstellen beschränkte.
Die Arbeit war nicht nur unterbezahlt, nein, sie war auch ganz etwas anderes als das, was den Menschen damals versprochen wurde. Ganz zu schweigen von der ganzen Wohn- und Lebenssituation dieser DDR „Gäste“ über die in Madgermanes ausführlich berichtet wird. Irgendwie typisch DDR. Eine menge Begrenzungen, keine Wahl, und selbst die grundlegendsten Dinge nur ganz gering vorhanden.
Die verschiedenen Charaktere der Figuren tragen natürlich genauso zu ihren individuellen Wegen bei, und so schafft es die eine Figur sich ein eigenes und auch erfolgreiches Leben aufzubauen und die andere zerbricht an den Umständen.

Als die Mauer fiel sollten die Mosambikaner zurückkehren – viele haben ihr Geld bis heute nicht bekommen und starteten mit Nichts in der alten Heimat, die zerstört war von einem Bürgerkrieg. Bis heute kämpfen die Vertragsarbeiter um ihre Rechte. Ein trauriges Kapitel DDR Geschichte.

Nicht umsonst wurde die Künstlerin für dieses Buch ausgezeichnet. Die Geschichten sind wunderbar erzählt und bringt einem das Thema der Madgermanes wirklich nahe, vom Anfang bis heute.
Ihr Zeichenstil ist unverwechselbar und in jedem ihrer Bücher gut zu erkennen. Eine Besonderheit sind die sparsamen Farben, Flächen und Linien meiste Zweifarbig zurückhaltend.

Sie erhielt sie 2015 als erste Künstlerin den höchstdotierten deutschen Comicpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung und die Auszeichnung als „Bester deutscher Comic“ beim Max-und-Moritz-Preis.“

Quelle: Birgit Weyhe, Darjush Davar

http://www.avant-verlag.de/artist/birgit_weyhe

http://www.radiobremen.de/bremenzwei/sendungen/zwei-nach-eins/birgit-weyhe100.html

https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/madgermanes-von-birgit-weyhe-zwischen-maputo-und-karl-marx-stadt/13805776.html

Der Blogpost ist von 2019/aber erst jetzt veröffentlicht

Besuch bei der Künstlerin Mirjam Moritz

Eine schöne Erinnerung

reingelesen

DSCN4495Dammschlösschen nennt sich das schöne Haus der Künstlerin. 2006 bis 2009 wurde es saniert und beherbergt auch das Atelier und 2 Ferienwohnungen. Was mich schon eine ganze Weile besonders angezogen hat war der Garten, an welchem ich sehr oft zu allen Jahreszeiten bewundernd stehengeblieben bin. Er ist aufs feinste abgestimmt und bietet zu fast allen Zeiten etwas für das Auge.  Wunderschöne feine Farbspiele, so wie jetzt gerade, in weiß, rosé, flieder, lila bis dunkelpurpur. Bezaubernde kleine Wege aus alten Steinen bilden Kreuzgänge. Allium und Rosen setzen Akzente.

Nie hätte man in dieser unscheinbaren Nebenstraße so einen Garten erwartet. Welch ein Glück für die Urlaubsgäste die sich hier einmieten. Inmitten eines lebendigen Viertels, ruhig trotz der nah vorbeifahrenden Züge.

DSCN4489

Donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr kann man sich das kleine, erstaunlich ordentliche, Atelier anschauen. Mirjam Moritz lädt dazu ein. Ich war sehr neugierig was für Bilder eine solch talentierte Gärtnerin wohl…

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