Stille, ein Wegweiser – zum Vorlesetag

Stille, ein Thema was mir sehr nahe ist, weil ich sehr viel Zeit in meinem Leben allein verbracht habe, und auch weil ich als hochsensible Person leise Töne lieber mag, als all den Krach, der uns tagtäglich so umgibt. Das Alleinsein und die Stille sind zwei Themen, mit denen viele Menschen unserer hektischen Gesellschaft aber kaum noch umgehen können, manche haben regelrecht Angst davor und können Ruhe kaum aushalten, oder auch das Alleinsein. Es gelingt wohl selten jemandem auf Anhieb. Es ist eine Übungssache, die viel mit dem inneren Frieden und einer Freundschaft mit sich selbst zu tun hat.
Ich kann es sehr empfehlen, denn man kommt sich sehr nah, und das wird mit der Zeit sehr schön und verändert alles nachhaltig, auf eine positive Art und Weise. Stille bringt uns näher heran an alles und lässt uns gewahr werden, was um uns und in uns stattfindet. Stille klärt, zeigt uns Essenzen, das Wesentliche wird hör- und sichtbarer. Stille lässt uns Wertigkeiten neu sortieren.
Über die Stille möchte ich gern einmal schreiben, darum tue ich mir auch so schwer mit diesem wundervollen Buch. In vielem spricht mir der Autor aus dem Herzen, aber dann gibt es immer wieder so kleine Feinheiten, die ich ein bisschen anders sehe. Und ich möchte meinen Text doch aus mir heraus schreiben, ohne zu sehr beeinflusst zu sein. Diesen kleinen Ausschnitt zum Vorlesetag habe ich gewählt, weil Kagge hier über das Staunen erzählt, was mir selbst eine wichtige Sache ist, als ganz grundsätzliche Einstellung zum Leben.
Erling Kagge ist ein Abenteurer und hat z.b. lange Zeiten die Antarktis bereist. Er kennt die Stille der großen Weite und der Kälte, die Stille fernab jeglicher Zivilisation. Eine Stille also, die wir nie erfahren werden.
Meine Stille dagegen fand ich inmitten der Orte an denen ich lebte und aus ganz anderen Zusammenhängen heraus. Aber die Stille die mit dem eigenen Kern eine Resonanz eingeht ist dieselbe, ob hier im Park, in der Stadt, oder dort draußen im ewigen Eis, denke ich.
Zum Vorlesetag 2018 habe ich euch hier einen kleinen Textausschnitt aufgenommen. Viel Freude dabei!
Wie hältst du es mit der Stille? Was ist Stille für dich?

Das Buch ist sehr schön gestaltet, außen ganz weiß und unter dem Schutzumschlag zeigt sich die Stadt in einem lauten, buntem Bild.. unter der Stille des Weiß. Die stille über dem Lärm des Alltags.
Auch innen wunderbar, mit einem dieser angenehm glatten kühlen Papiere, zwischen den Texten einzelne Fotos und Malereien. Ein Quellennachweis im Anhang – so wie ich das mag.
Erling Kagge widmet sich in „Stille“ in 33 Kapiteln seinen Antworten darauf, was Stille eigentlich ist. Er spricht mit verschiedenen Menschen darüber und befasst sich mit der Philosophie. Stille ist auch ihm ein Bedürfnis. Und er versucht sie uns nahe zu bringen. Was ihm gelingt. Ein guter Erzähler.

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Erling Kagge
Stille / Ein Wegweiser
Aus dem Norwegischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg
In Deutschland 2017 erschienen
Insel Verlag
144 Seiten, 14,- €

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Die Grasbeißerbande

Kinder und Hospiz, zwei Wörter die man nicht gern in einem Satz zusammen liest. Aber auch Kinder sterben, und ich bin froh das es Hospize gibt. Jedem Mensch sollte es möglich sein an seinem Lebensende einen Platz in einem Hospiz zu bekommen. Hospize sind Häuser, die am Ende der Lebenszeit die Menschen umsorgen und auf ihrem letzten Weg begleiten. Auch Zugehörige finden hier Fürsorge.

„Kinderhospizarbeit ist ein Versprechen, betroffene Kinder und Jugendliche und deren Familien auf ihrem Weg bis zum Ende zu begleiten. Das erfordert den Einsatz von Zeit und Geld. Ohne den unermüdlichen Einsatz von mehr als 80.000 ehrenamtlich Tätigen, wäre dieses Versprechen nichts wert. Darüberhinaus müssen bis zu 70% der anfallenden Kosten für diese bedeutsame Aufgabe durch Spenden finanziert werden.“

Ein Grund warum es nun das Buch „die Grasbeißerbande gibt. Die Autorin und der Autor, das Ehepaar Stanberger sind über einen Freund auf das Thema aufmerksam geworden und stellen ihr Projekt gleich am Anfang des Buches vor.

In jedem Jahr sterben ca. 5000 Kinder noch vor ihrem 15. Lebensjahr an einer lebensverkürzenden Erkrankung.

Das Sterben ist vielen Menschen fremd geworden, es gehört nicht mehr zu unserem Alltag. Und das Sterben von Kindern wird noch weniger thematisiert. Der Tod und die damit verbundenen Themen sind meist raus aus den unmittelbaren Lebensumfeldern, hinein in Kliniken und Heime. Das Hospiz ist hier eine positive Ausnahme, denn Hospize widmen sich dem Sterben in seiner Ganzheit, geben den Menschen noch Lebensqualität bis zum Schluß, soweit wie es möglich ist. Als ich vor vielen Jahren die wunderbare Wanderausstellung „Erzähl mir vom Tod“ hier in Dresden begleiten durfte, habe ich das erste mal ein Hospiz besucht und war sehr angetan von dieser Arbeit und empfinde diese Räume als ungemein wichtig.
Ebenso wichtig wie den Tod wieder mehr Raum zuzugestehen im alltäglichen Leben. Ich habe z.b. in meiner Kindheit und Jugend niemanden wirklich trauern erlebt und auch meinen ersten toten Menschen erst sehr spät im Erwachsenenalter gesehen, obwohl meine Mutter beruflich mit dem Thema zu tun hat.

Das der Tod uns so fern geworden ist, macht es oft schwer darüber zu sprechen oder sich damit auseinander zu setzen. Ich muß sagen auch ich persönlich habe Angst vorm sterben.
Dabei ist es – so schlimm es auch immer wieder scheinen mag – etwas, was zum Leben unabdingbar dazugehört.
Mit dem Buch „Die Grasbeißerbande“ haben die Autoren sich ein doppeltes Tabuthema vorgenommen – den Tod und den Tod von Kindern. Denn in der „Graßbeißerbande“ geht es um Kinder die sterben. Es ist ein herzzerreißendes Buch was einen mittenrein trifft. Auf jeder Doppelseite gibt es ein Kinderbild und die Frage eines Kindes.

Ich war wirklich in dem Irrglauben das Kinder das mit dem Sterben irgendwie besser greifen können, …vielleicht weil sie noch nicht so lange am Leben sind? Vielleicht noch eine Verbindung zu den Welten haben die vor der Geburt oder nach dem Tod kommen. Aber wenn ich mir die Fragen durchlese wird mir so schwer ums Herz – und grade jungen Menschen fällt es wahrscheinlich sehr schwer sich vom Leben zu verabschieden : „Weint Batman auch?“ fragt Timo 5 Jahre alt oder Jennifer, 13 Jahre fragt: „Wird mit mir auch meine Liebe zu dir begraben?“

 Ich kannte noch kein Kind persönlich was gestorben ist, aber über die Ferne. Und vielleicht haben auch manche von den kleinen Erdenbürgern ihren Frieden machen können. Bei alten Menschen kann man sagen „sie haben ihr Leben gelebt, hatten ihre Zeit“, aber bei Kindern… Sterben ist wohl nie einfach. „Die Gradbeißerband“ ist aufjedenfall ein Augenöffner. Und es ist gut das dieses Projekt das Thema Kinder und sterben aufnimmt und sich für Kinderhospizarbeit engagiert.
Am Ende des Buches gibt es viel Platz und einige Seiten ganz für dich und deine Beschäftigung mit dem Thema Tod und Sterben. Vielleicht der richtige Platz für eine Reflektion.

Hier könnt ihr durch den Buchkauf unterstützen:

Zur Buchbestellung – und damit gleichzeitigen Unterstützung der Hospizarbeit: https://www.grasbeisserbande.de/produkt/die-grasbeisserbande/

Hier gibt es noch einen Film zur gleichnamigen Ausstellung zu sehen – er ist eingebettet in die Körperweltenaustellung, von der ich kein Fan bin und deswegen nur den Link hier poste und nicht den Film. Du kannst ja weiterklicken wenn du magst: https://www.rnf.de/mediathek/video/wenn-kinder-ueber-den-tod-sprechen-die-grasbeisserbande/

Und hier könnt ihr direkt für die Hospizarbeit spenden bei der Grasbeißerbande

SPENDENKONTO

IBAN
DE24 4265 0150 0090 2508 46

BIC/Swift-Code
WELADED1REK

Sparkasse Vest Recklinghausen

BLZ 426 501 500
Kontonr. 902 508 46

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Die Grasbeißerbande
Das Sterben wieder ins Leben holen
22,95 €
https://www.grasbeisserbande.de/

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https://www.evangelische-zeitung.de/nachrichten/top-thema/news-detail-top-thema/nachricht/was-die-grasbeisserbande-noch-wissen-moechte.html

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https://www.zeit.de/2017/47/tod-kinderliteratur-thema-konfrontation

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Kleines Ritual – Gedenken und Erinnern

Es ist soweit, die dunklen Zeiten beginnen. Wie ich finde, eine magische Zeit. Dieser Tage wird gefeiert. Halloween, Dia de los Muertos, Allerseelen, Allerheiligen und wie sie alle heißen diese Tage. In unseren modernen Zeiten vermischen sich Traditionen und jeder sucht sich raus was passt. Halloween hat inzwischen ja auch Deutschland erobert. Ja, warum auch nicht. Am Ende geht es immer um die selben Themen: Unsere Ahnen, den Tod und die Erinnerung.
Es wird den Alten und Vorangegangenen gedacht. Wir erinnern uns. Wehmütig oder auch fröhlich mit guten Geschichten. Die Zeit um den Tod mal wieder ins Leben zu holen. Es heißt die Grenzen zwischen den Welten sind nun wie ein haudünner Schleier und die alten Seelen kommen zu besuch, die Sonne dagegen besucht die Unterwelt.
Wollen wir die Seelen empfangen? Oder lieber abwehren? Wie gehst du mit Erinnerungen um? Wie würdigst du deine Ahnen? Lässt du Sie ein? Bist du in Frieden mit Ihnen? Stellst du ein Licht für sie auf? Oder besuchst du den Friedhof? Wie geht es dir mit der dunkleren Jahreszeit?
Richte dir doch eine kleine Ecke ein. Herbstlich gestaltet, mit Blumen – eine Totenblume ist z.b. die Chrysantheme, und wenn du hast, nimm Fotos deiner Vorfahren oder Verstorbenen, Anverwandten und Zugehörigen – ja auch nicht Verwandte zählen dazu. Zünde ein Licht an als Wegweiser und um die Dunkelheit ein wenig zu erhellen. Vielelicht hast du auch etwas zum räuchern – z.b. Myrre, Weihrauch, Sandelholz. Gib eine kleine Gabe dazu.
Wenn du keine Bilder hast schreib die Namen auf kleine Zettel. Nimm Dir bewußt Zeit an die Menschen zu denken, dich zu erinnern. Nimm Platz. Was hast du mit ihnen erlebt? Welche Geschichte magst du besonders gern? Welcher Schritt ist vielleicht noch zu tun? Was oder wer war dieser oder jener Mensch für dich? Brauchst du noch eine Zeit der Trauer oder des Abschieds oder möchtest eine klare Trennung vollziehen? Was sind deine Anliegen und Themen?
Erinnere dich und schreibe es auf, wenn du magst.
Spüre die Energie die dabei entsteht. Genieße deine Besinnung und den Kontakt. Schließe das ganze dann bewußt ab z.b. mit dem löschen der Kerze, einer kleinen Verbeugung oder einem Segensspruch.
Hast du Fragen? Schreib mir einfach

Zum Tag des Friedhofs – Lebensraum Friedhof

Der alte Friedhof

Ich wohne gegenüber von einem alten Friedhof, teile dieses Areals sind etwas verlottert und unglaublich charmant. Es wachsen dort sehr unterschiedliche Bäume und Pflanzen. Viele alte große Exemplare, viele Buchen und Eichen, Ebereschen, Birken und die üblichen Nadelhölzer. Überall finden sich Farne und Gräser. Riesige Koniferen sind längst über die Gräber hinaus gewachsen. Eibenbüsche überdecken wie Höhlenwände alte Familiendoppelgräber, Rosenstöcke schlagen aus.  Im Unterholz hört man es rascheln, viele Amseln waren dort die letzten Jahre zu sehen. Katzen gehen auf den schmalen Pfaden zwischen den Grabreihen gern spazieren, vorbei an rostigen Zäunen, die gerne mal von Baumstämmen überwachsen wurden. Soviel gibt es hier auf diesem Fleckchen Erde zu entdecken, jedes Jahr wieder etwas Neues.

Auf dem Friedhof meiner Kindheit – Neuer Annenfriedhof Dresden

Ich hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu Friedhöfen. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß man mit mir als Baby und Kleinkind gern auf dem Friedhof spazieren ging – ich sehe auch heute noch viele Eltern mit ihren Kleinkindern. Eine der wenigen Erinnerungen an meine Oma väterlicherseits ist auch ein Aufenthalt auf dem Friedhof. Wir haben dort die Spatzen gefüttert.
Der Friedhof meiner Kindheit hatte eine riesige und phänomenale Allee. Noch immer gibt es von einem Teil meiner Familie dort ein Grab. Vor einigen Jahren habe ich ein kleines Ahornbäumchen gepflanzt. Der Friedhof ist immer noch so schön. Leider komme ich nur selten hin. Wird Zeit das ich mal wieder vorbeischaue, auch um zu kucken ob das Ahornbäumchen den heftigen Sommer überstanden hat.

Weinende Frauenfigur

Dafür fühle ich mich meinem Friedhof hier sehr verbunden. Man eignet sich Orte einfach auch an, wenn man sie lange kennt und immer wieder über die Jahre die gleichen Wege geht, die Jahreszeiten verfolgt und all die kleinen und großen Veränderungen. Es gibt viele alte Gräber, wunderbar restaurierte und extrem verfallene – das Geld reicht nicht um alles zu erhalten. Alte Bildhauer- und Steinmetzkunst aus den verschiedenen Zeiten sind auf „meinem“ Friedhof zu bewundern, und auch ganz moderne Grabsteine.

Mein Lieblingsgrabstein ist ein Würfel auf 4 Stahlbeinen. Im Würfel gibt es tiefe Löcher. Manchmal steckt dort eine Feder drin oder eine Blume. Oben auf dem Stein ist eine kleine Kuhle, hier sammelt sich das Wasser, eine Tränke für Insekten und Vögel. Ich geh oft auf dem Friedhof meine Runde und fast immer an diesem Grab vorbei. Es ist sehr liebevoll gepflegt.
Manche Gräber sind das leider überhaupt nicht. Hin- und wieder pflanze ich dort bei den kahlen Gräbern etwas oder verteile ein paar gesammelte Samen wie z.B. von der Akelei, die es in vielen Farben auf dem Friedhof gibt. Im Sommer gieße ich auch hier und dort und fülle vor allem die Wasserschälchen auf, von denen es für die Tiere viel zu wenig gibt.

Dieser ganz besondere Platz so mitten in der Stadt, dieser Friedhof mit seinen vielfältigsten Pflanzen und Tieren, Raum für Insekten und Vögel, ist ein ganz eigener Lebensraum. Hier treffen sich Tod und Leben, über den Jahreslauf, und an den Gräbern die Menschen und ihre Erinnerungen. Die Natur als Lehrmeisterin schlechthin wenn es um das Werden und vergehen geht. Naturbetrachtung ist im Grunde genommen Therapie.

 

Ich selbst habe hier auf dem kleinen Friedhof schon Leben gerettet: Bienen und Vögel die in den Wassertonnen am ertrinken waren. Und eine Amsel habe ich beim Sterben begleitet, für mich ein sehr intensiver Moment. Hin- und wieder treffe ich auf eine kleine Katze ohne Schwanz, wir kennen uns so gut, das wir ein Stück miteinander gehen und etwas streicheln darf ich auch. Die anderen Katzen gehen den Menschen lieber aus dem Weg, oft sind sie wahrscheinlich auch auf der Jagd.
Im hinteren Teil wohnte auch ein Eichhörnchen, gesehen habe ich es nur selten, aber manchmal knuspern gehört, wenn ich dran denke nehme ich ein paar Nüsse mit. Und wie oft in den Abendstunden gab es wunderbare Vogelkonzerte. Und auch die Menschen lassen sich nicht lumpen, auf vielen Beerdigungen spielt eine wunderbare Blasmusik auf, mit den schönsten Stücken, hab inzwischen ein ganz anderes Verhältnis zur Blasmusik gewonnen, weil es immer wieder so gut klingt und ergreifend ist, hier zuzuhören zwischen den alten Bäumen und Gräbern.

Ich finde diesen Lebensraum so wichtig. Wieviele Pflanzen und Kräuter habe ich im Laufe der Jahre hier entdeckt, viele Heilpflanzen sind dabei. In unserer Zeit wo die Städte zugepflastert sind und überall auch noch die letzten Brachen bebaut werden, sind diese kleinen Biotope umso wichtiger. Ein wenig Ruhe, Besinnung und eben Platz für all die Tiere. Bäume die unsere Luft reinigen und frischen Sauerstoff schenken, so wichtig, auch für unser Stadtklima. wie ich finde ein unterschätztes Thema. Auf dem Friedhof kann ich Luftholen, zwischen all dem Grün. Ganz besonders denke ich auch an die Insekten, Bienen und Vögel – sie werden immer weniger, Friedhöfe sind enorm wichtig für sie. Diese Räume müssen geschützt werden, auch für uns und inklusive der Ruhe, die es zu bewahren gilt. Hier bei meinem kleinem Friedhof führt nun leider eine neue Bahnlinie entlang und viele lange und laute Güterzüge stören über den Tag und auch die Nacht, es wurde nicht daran gedacht einen Lärmschutz mit zu bauen, was ich sehr bedauere. Dafür möchte ich mich einsetzen.
Ich wünsche mir mehr Sensibilität für solche Themen und eben auch diesen Raum für Trauernde, wo Sie in Ruhe sein dürfen. Aber auch für uns andere die wir hier einfach gern spazieren gehen, ganz nah dran am Lauf des Lebens. Noch ein paar Sitzmöglichkeiten mehr wären toll. Die Bewahrung möglichst vieler Bäume, und verwachsener Ecken finde ich wichtig. Das auch mal Totholz liegen bleiben darf und das es für Insekten und Vögel Möglichkeiten gibt ungefährlich an Wasser zu kommen. Ich werde weiterhin die Jahreszeiten hier besonders verfolgen, schauen welchen Pflanzen ich begegne, denn oft geben genau diese uns einen Hinweis darauf was wir brauchen und darauf hoffen das wieder mehr Vögel und Schmetterlinge zurück kommen. Wir können das mit der Pflege solcher Naturstücke und der Auswahl der Pflanzen mit beeinflussen. Und sicher ist an vielen Stellen noch Platz für ein Wasserschälchen.

Danke fürs lesen, hast du auch etwas über einen Friedhof zu erzählen?

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Leuchtende Gräser,

dort wo sich Amsel und Eichhörnchen von ferne zunicken,

zwischen den alten Bäumen und verwitterten Grabsteinen,

wo der Tod so nah ist und das Leben sprießt.

Die Stille des werdens und wachsens

den KonzertRaum bereitet für den Gesang der gefiederten Freunde,

neben der heiligen Eibe, dort wo ich mich mit der kleinen schwanzlosen Katze auf einen Schwatz treffe

und wir nicht über das Leben philosophieren sondern nur leise flüstern

was dringend zu sagen ist,

etwas über die Schönheit und Freude,

kleine Liebkosungen austauschend

gehen wir ein Stück zusammen

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Das Unbekannte – Anna Sommer

„Das Unbekannte“ erzählt die Geschichte einer Frau die ein Baby findet. Manchmal streift die Geschichte sehr am Rand der Realität, aber das stört nicht. Dazu sind Geschichten ja auch da, um Möglichkeiten auszuloten und zu erzählen. Was wäre wenn..?
Ich habe mir das Buch aus besonderen Gründen gerade jetzt herausgesucht: Diese Woche ist Aktionswoche für kinderlose Menschen. Die Aktion nennt sich „World Childless Week„. Da ich selbst von dieser Kinderlosigkeit betroffen bin und die Grafik Novel von Anna Sommer mich sehr berührt hat, wollte ich hier auch darauf aufmerksam machen. Das ganze ist ein ziemliches Tabuthema, die betroffenen Menschen werden oft nicht ernst genommen oder es kommen die immer selben Sprüche. Dabei kann das ganze eine sehr sehr schmerzhafte Angelegenheit sein – bei vielen über eine sehr lange Zeit.

Im Buch beginnt die Geschichte damit, daß eine Frau, Helen heißt sie, in ihrem Geschäft ein Baby findet. Sie versteckt es in den Lagerräumen. Sie erzählt niemandem davon, auch nicht ihrem Freund. Nach und nach erfahren wir wie das Leben dieser Frau aussieht – während sie jetzt immer wieder ihr Leben unterbricht um sich um das Baby zu kümmern.
In einem weiterem Erzählstrang lernen wir zwei junge Mädchen kennen, Vicky und Wanda – sie teilen sich ein Zimmer. Eines der Mädchen hat eine Affäre mit ihrem Lehrer.
Beide Geschichten wechseln immer wieder ganz abrupt einander ab. Das hat mich ein wenig irritiert, passt aber auch irgendwie zur Geschichte.
Die Frau mit dem Baby überlegt was sie machen soll. Zur Polizei gehen z.b. oder ist eine Adoption möglich? Ihr Mann weiß immer noch nichts und bringt einen kleinen Hund mit nach Hause.
Beide Geschichten sind miteinander verwoben und treffen sich am Ende doch recht überraschend. Was hat es auf sich mit diesen Frauenleben? Weche Wege gehen Sie Helen, die sich ein Kind wünscht und damit nicht verstanden wird, Vicky mit ihrer Affäre und ihre zimmergenossin Wanda, die auch nicht grade schöne Wege geht. Leicht haben sie es alle nicht. Sie sind verstrickt in ihren Wegen, verhakt im Jetzt. Gibt es andere Möglichkeiten für sie alle?

In ganz schlichten, genauen, zielgerichteten Linien ist dieser Comic gezeichnet, darauf mußte ich mich erstmal einstellen. Ich habe den Eindruck die Zeichnerin Anna Sommer weiß ganz genau was sie zeigen möchte. Die Schlichtheit der Zeichnungen hat mich doch etwas verwundert, kannte ich doch bisher eher das Gegenteil an Zeichenstilen, schräges, krummes, suchendes, buntes, farbiges, dunkles, klecksiges… hier ein ganz simpler schwarzer Strich. Die Figuren empfinde ich in ihrer Klarheit sehr ausdrucksstark und schnell hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, fühle ich vor allem mit der Frau mit, die das Baby findet.
Es wird klar das Sie sich ein Kind gewünscht hat, und liebt es heiß und innig, aber kann sie es einfach behalten? Wie erklärt sie es ihrem Mann? Leider endet die Geschichte sehr traurig – wie ich finde. Aber wohl auch ziemlich realitätsnah.

Anna Sommer hat schon einige Bücher herausgebracht und die Frauenfiguren scheinen mir immer ganz besonders zu sein. Frauenleben das Thema. Ich bin sehr auf den Geschmack gekommen. Sie hat eine Seite mit schönen Beispielen, und schreibt übrigens auch Kinderbücher. Die Papercuts von ihr finde ich genial. Mal schauen was noch zu bekommen ist, manches ist wohl schon ausverkauft.
Vielleicht kennt ihr auch schon Arbeiten von ihr, da sie auch als Illustratorin z.b. für Die Zeit tätig war.
Ich bin begeistert und möchte euch das Buch ans Herz legen. Für jemanden wie mich, als kinderlose Frau, spinnen sich bei vielen Bilder ganze Gefühlsberge dahinter zusammen. Vielleicht werde ich ein paar Zeichnungen ausmalen oder so… was haltet ihr von der Idee? Und was würde die Künstlerin wohl dazu sagen?
Übrigens hat Anna Sommer sogar eine Wikipedia Seite, leider ganz ohne Bilder. Schaut doch mal vorbei, auch beim Schweizer Verlag editionmoderne.

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Anna Sommer

DAS UNBEKANNTE

Handlettering von Noyau
ISBN 978-3-03731-173-8
96 Seiten, schwarz/weiss, 22 x 30, Hardcover
CHF 35.00/EUR 28.00, inkl. Versand

edition moderne

Erschienen April 2018
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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar

 

 

 

Welttag der Suizidprävention 2018

Heute ist er wieder, der Tag der Suizidprävention. Jonas Monar hat ein tolles Video für [U25] gemacht. ❤
Viele von euch wissen schon das mir das Thema sehr am Herzen liegt, u.a. auch weil ich selber sehr dunkle Zeiten erlebt habe und weil ich eine Zeitlang im Projekt [U25] tätig war. Ein Projekt das Peergroupberatung per Mail anbietet für junge Menschen unter 25 Jahren. Denn gerade bei Jungen Menschen ist die Suizidrate sehr hoch.
Ich möchte heute wieder auf das Thema aufmerksam machen. Grade in letzter Zeit ist mir wieder aufgefallen wie unsensibel wir Menschen oft sind. Wenn es jemandem schlecht geht, brüllt dieser Mensch das selten in der Gegend rum. Nein, die Zeichen sind oft klein. Bemerkungen am Rande. Oft fehlt auch die Kraft das mehr zu thematisieren, da so vieles vielleicht schon abgewunken wurde, wenn jemand sagt das es ihm/ihr schlecht geht, das vielleicht auch öfter sagt. Zu viele Menschen nicht zugehört haben, und es nicht ernst genommen haben. Bitte achtet auf eure Mitmenschen und fragt lieber einmal zuviel als einmal zu wenig. Nehmt die Menschen ernst wenn sie sich öffnen und sagen das es ihnen nicht gut geht oder sie Dinge nicht mehr schaffen.

Bei Problemen geht oft ein Rückzug mit einher und das Sozialleben ist eingeschränkt, sprich es gibt wenig Kontakte. Deswegen ist dann vielleicht dieses eine kleine Gespräch grade besonders wichtig. Wenn es euch selbst zu viel ist dann verweist die Person doch bitte an Beratungsstellen oder die Telefonseelsorge, sucht vielleicht eine Adresse einer Beratungsstelle raus oder oder oder. Jede Kleinigkeit kann hilfreich sein.
Wir reden über soviele Sachen, Reaktionen kommen meißt nur zu lustigem, ganz besonders im Netz. Bitte überhört und überseht nicht die ernsteren Seiten Ihr könntet Menschenleben retten.
Projekte wie [U25] sind übrigens immer auf Spenden angewiesen, die meiste Arbeit dort ist Ehrenamtlich, genauso wie bei der Telefonseelsorge, dabei ist es so so wichtig was dort getan wird.

Wie kannst du nun konkret helfen außer z.b. Hilfe zu suchen? Du kannst einfach da sein, mal nachfragen wie es geht, einfach zuhören – ohne Ratschläge. Den Menschen einfach so annehmen wie er*sie grade ist. Gefühlen einen Raum lassen. Die Person in den Arm nehmen, zum Kaffee einladen, oder anders zeigen das da jemand ist der  Interesse hat.

http://dubistmirwichtig.de/

https://www.lokalo24.de/lokales/kassel/suizid-praevention-geschaeftsfuehrerin-dertelefonseelsorge-einsamkeit-zugenommen-10221432.html

Warum werden wir immer einsamer? Warum ist es immer schwieriger Verständnis zu finden?

Japan 4 von 5 – Die Kieferninseln

Die Kieferninseln, ein wunderschönes Cover, von einer Autorin von wegen #LiteraturvonFrauen und das Thema Japan – ich muß sagen auf das Buch war ich echt heiß. Leider mußte ich mich sehr gedulden bis ich es in der Bücherei bekommen habe.

Und dann das: die Begeisterung mancher Leser*innen bleibt mir leider ein Rätsel, bis dato hatte ich nur positive Kritiken gelesen. Aber mir gefiel schon der Anfang gar nicht, aber ich gab mir Mühe, und dachte „nicht zu früh urteilen“ und habe es weiter probiert.
Im Buch geht es um einen Mann der plötzlich abhaut – wieviele Bücher gibt es darüber, und warum wird diese abhauen kaum hinterfragt und immer wieder als so „normal“ einfach so hingenommen?
Der Protagonist ist der Überzeugung das seine Frau ihn betrügt, es wird allerdings angedeutet das dies nicht der Fall ist. Er ist Bartforscher – wird am Anfang erklärt, was bis Seite 104 aber so gut wie keine Rolle mehr spielt. Tja wozu, weshalb, warum? Der Protagonist ist mir einfach extrem unsympathisch, aber ich hatte durchaus auch schon Bücher in denen es mir genauso ging und ich trotzdem sehr gut mitgehen konnte, sogar bis hin zur Einfühlung und eines gewissen Verständnisses. Will sagen, ein nicht gefälliger Protagonist muß nicht stören, ganz im Gegenteil. Hier habe ich keine große Lust dem Herren auf seiner Reise zu folgen.
Meine Frage hier, immer mal wieder, was für eine Frau das ist, die der Protagonist da zurück gelassen hat und warum diese mit ihm zusammen ist. Das Buch wird als tiefgründig und humorvoll dargestellt z.b. auf dem Buchrücken. Ich hab den Humor leider nicht finden können. Und wo jetzt das tiefgründige her kommen soll ist mir auch etwas unklar. Ja es geht um alte japanische Kultur und einen längst toten Dichter, dessen Pfaden der Bartforscher und sein zufälliger Reisegefährte folgen. Ja es wird durchaus etwas über Japan, die alten Traditionen von Dichtung und Ästhetik erzählt… aber sonst? Nur, weil man Themen anspricht oder etwas über sie erzählt ist es ja nicht gleich tiefgründig.
Was ich mich als nächstes, und ganz besonders, Frage: Warum hat die Autorin einen Mann für diese Erzählung gewählt. – Das ganze Buch hat nur 165 Seiten. Bin also mit dem zweiten Anlauf noch ein Stück weit gekommen. Allerdings werde ich es jetzt wirklich sein lassen und nicht weiter lesen, denn wenn es bis jetzt noch nichts war, kann das auch nichts mehr werden. – Allerdings zweifel ich doch immer sehr an meinem Leseverständnis, wenn ich soviele ganz andere Meinungen lese. Wobei ich schon immer wieder mit bekomme das viele High Sensitives, wie ich, einen ganz anderen Humor haben, als die Durchschnittsbevölkerung. Aber ob es daran liegt? Ich weiß es nicht. Irgendwie fühle ich mich ganz schlecht, weil ich das, was die Kritiker so toll finden, nicht finden kann.
Nun denn, ich stelle mir das ganze mit einer Frauenfigur schon mal interessanter vor.
Hast du auch schon Bücher gelesen, die alle anderen ganz toll fanden, nur du nicht?

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Marion Poschmann
Die Kieferninseln
Suhrkamp, 20,- €

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Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Prosa und Lyrik wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik; ihr Roman Die Sonnenposition stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013.
Die Kieferninseln gewann den Buchpreis 2017 nicht, war aber immerhin auf der Shortlist.
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article168556029/Die-Shortlist-des-Deutschen-Buchpreises-ist-da.html
https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-der-deutsche-buchpreis-geht-an-robert-menasse-1.3701330

 

 

Ab jetzt ist Ruh von Marion Brasch

Familie Brasch jetzt im Kino

reingelesen

abjetztistruh Ein Buch zum Thema Leben im Osten. Ein Buch zum Thema Leben als kleine Schwester von 3 Brüdern. Ein Buch zum Thema Leben auf der Suche nach Gefühlen und Worten.

Ich kann die Kritik anderer Leser nicht nachvollziehen, daß zu wenig Namen genannt werden oder Figuren auftauchen ohne erklärt zu werden. Für mich ist das Buch von Marion Brasch ein emotionssuchendes Buch, in dem die Protagonistin vorallem in sich Selbst sucht und nach Erklärungen in der Familiengeschichte.

Man kann dieses Buch gut lesen ohne in der DDR gelebt zu haben und man kann es gut lesen ohne die Brüder, den Vater und die anderen „Stars“ zu kennen. Denn das ist nicht wirklich das, was eine Rolle spielt. Es geht um Marion und Ihr Leben. Und um Ihren Weg der Suche nach sich selbst in diesem gewissen Kontext ihrer Familie und der DDR.

Die Sprache ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber durchaus interessant…

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Japanbücher – Teil 3 von 5

Erinnerungen aus der Sackgasse von Banana Yoshimoto – von Naiv bis Abgeklärt

Bei diesem Buch von Frau Yoshimoto stehe ich vor einem Rätsel. Zwei Bücher von ihr habe ich bisher gelesen – Sly und Kitchen. Beide habe ich für gut befunden und es gibt auch noch einige die mich interessieren würden.
In „Erinnerungen aus der Sackgasse“ scheint mir alles etwas rund gelutscht, und dadurch irgendwie sperrig und befremdlich, ich weiß nicht ob ihr das verstehen könnt.
In jeder Geschichte steckt Traurigkeit, es geht immer um nahe Beziehungen, Liebe und Freundschaft, etwas geht verloren. Aber irgendwie scheint es nie so richtig schlimm, weil da immer eine Art weiche Wattewolke auftaucht um die Figur aufzufangen. Da läßt sich Schmerz natürlich besser verarbeiten, wenn da immer noch etwas ist, sei es das Hinterzimmer in der Kneipe des Onkels inklusive nettem Barkeeper, oder sei es die Familie und ihr Restaurant. Vieles kommt mir doch sehr gestrigelt und gekämmt vor. Zu glatt und irgendwie auch kindlich erzählt. Zwischendurch dann aber immer wieder eine abgeklärte auch manchmal deftige Sprache, die so gar nicht dazuzupassen scheint. Große Gefühle kamen bei mir nicht auf.

Ein wirklich merkwürdiges Buch. Und als ich das Nachwort lass war meine Verwirrung vollständig. Banana Yoshimoto erzählt wie anrührend für sie selbst die Geschichten waren. Sie erzählt davon qualvolle Erinnerungen abzulegen, und das ihr vor allem die letzte Geschichte, die wie das Buch heißt, sehr sehr wichtig war zu erzählen. Allerdings kenne ich es auch das es gerade dann am schwierigsten wird, weil man nicht genug Abstand hat zur Geschichte, die es zu erzählen gilt. Das erreicht dann die Leser*innen nicht besonders gut.
Auch wenn Frau Yoshimoto meine kleine Rezension sicher nicht lesen wird, möchte man ja keinem Menschen zu nahe treten der es schafft so ein ganzes Werk zu vollbringen und hier vielleicht seine wichtigsten Geschichten versammelt hat. Also lies ich mir Zeit und suchte nochmal nach einem neuem Gefühl für das Buch, aber das will nicht kommen. Manchmal ist es ja durchaus so, das Geschichten ihren wahren Gehalt erst im Nachgang ausbreiten.

In der ersten Geschichte – Das Geisterhaus – trifft sich ein Paar, und dann geht es wieder auseinander um Erfahrungen zu sammeln und sich fortzubilden – das ist so ein bisschen traurig, aber auch nicht richtig. Dann finden sie wieder zusammen, und das ganz selbstverständlich. Es geht auch um Geister, aber eher viel um kulinarisches und die jeweiligen Familienbetriebe. Und ich habe keine Ahnung was mir diese Geschichte sagen soll, ich empfinde sie als sehr seicht und auch zu lang. Eine kleine Moral gibt es am Ende, aber für mich jetzt nichts erhellendes.
Die zweite Geschichte, die hat mir noch ganz gut gefallen, heißt „Maamaaa!“ Eine Frau bekommt ausversehen vergiftetes Essen in der Kantine. Sie überlebt und nichts ist mehr wie vorher. Sie beginnt dem Gift in ihrem bisherigen Leben nachzuspüren.
Hier können wir einerseits einer interessanten Auseinandersetzung der Protagonistin folgen, gleichzeitig kommt einem aber eben auch immer dieses weiche „Aufgefangensein“ in Form von Großeltern, Freund, Heirat usw. entgegen.
Ich hatte mir das Buch ausgesucht, weil es auf dem Buchrücken heißt, daß auch in den tiefsten Sackgassen Glück zu finden ist – hier erscheint mir das aber immer etwas arg herbeigeholt oder danebengestellt. Das ist mir zu kitschig und zu weit weg vom Leben wie ich es kenne. ein wenig so wie in diesen Hollywoodschinken.
In der dritten Geschichte geht es um eine besondere Freundschaft, und einen tragischen Todesfall. Diese Geschichte ist wirklich sehr traurig, und ich würde sagen die Beste im Buch. „Überhaupt nicht warm“ ist der Titel.
Tomos Glück heißt die vierte Geschichte. Eine junge Frau die Einiges durch hat und sich verliebt, aber darum geht es gar nicht so, ich finde die Story läuft so vor sich hin, nur um am Ende eine Feststellung zu treffen, schade.
Und die letzte Geschichte ist eben die, des Buchtitels: „Erinnerungen aus der Sackgasse“. Eine echt miese Trennung treibt eine junge Frau zur Veränderung. Sie kriecht über der Kneipe des Onkels unter und trifft dort einen Barkeeper mit dem sie sich anfreundet und der ihr hilft die Trennung zu verarbeiten. Viel Lebensphilosophie, Gespräche und naja so diese üblichen Wege in solchen Geschichten. Hätte ich auch nichts dagegen diese Protagonistin zu sein. Vielleicht kennt ihr das Lied: „Ein Freund ein guter Freund, ist das beste was es gibt auf der Welt….“

Insgesamt finde ich zog das Buch sich doch sehr, und teilweise war ich echt irritiert von der Audrucksweise. Das manchmal etwas kindliche im Erzählstil fand ich auch anstrengend, aber das konnte ganz schnell umschlagen ins Analysierende hinein. Nicht mein Buch, werde mir aber die anderen auf meiner Liste schon noch anschauen. Es ist ja auch selten so, daß einem von eine*r Autor*in alles gefällt.

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Erinnerungen aus der Sackgasse
Fünf Erzählungen

Aus dem Japanischen von Annelie Ortmanns

Diogenes Verlag, 18,- €

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Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch ›Kitchen‹ schrieb sie, während sie als Kellnerin in einem Café jobbte und sich dort in die Blüten der ›red banana flower‹ verliebte, daher ihr Pseudonym. Es verkaufte sich auf Anhieb millionenfach. Ihre Bücher erreichen auch außerhalb Japans ungewöhnlich hohe Auflagen.

Dazwischen etwas aus Südkorea: Die Vegetarierin – das Hörspiel

Die Vegetarierin, Hörspiel nach dem Roman von Han Kang – Fleischlos, auf das nötige reduziert?

Bis 13.8. kann das Hörspiel über den SWR2 noch angehört werden.  Und hier beim NDR noch bis September. Und falls euch asiatische Literatur interessiert, würde ich mir das nicht entgehen lassen. Obwohl das Buch schon länger auf meiner Wunschliste stand habe ich es bisher nicht gelesen. Ich spreche hier jetzt vom Hörspiel. Und das war ein wirklich intensives Erlebnis. Sehr beeindruckend. Eine starke Geschichte, die mich gleich in ihren Bann gezogen hat.
Yeong Hye ist bisher eine einfache und brave Ehefrau gewesen, hat das getan was ihr Mann erwartet hat. Beide führen eine leidenschaftslose Ehe. Zuerst berichtet ihr Mann.

Yeong Hye hatte einen Traum und sortiert von da an alles Fleisch aus dem Kühlschrank aus.  Ab sofort gibt es nur noch fleischloses Essen und ab sofort lehnt sie jedwede Nahrung mit tierischen Produkten ab. Der Ehemann ist sehr verärgert. Die Ehefrau schweigt.

Gradlinig wird die Geschichte erzählt, mit nur wenigen Worten macht uns die Autorin klar was Sache ist. Was für ein unangenehmer Mensch z.b. der Ehemann ist. Oder wie wenig mitfühlend die Eltern sind, die sich extrem einmischen in die Ernährung ihrer Tochter. Vor allem der Vater erwartet, daß selbst die erwachsene Tochter ihm gehorcht. Yeong Hye bleibt aber ganz gradlinig, ohne ersichtlichen Aufruhr, bei ihren Ansichten. Keiner fragt nach ihrem Traum, aber alle wollen das sie wieder „normal“ wird. Einzig ihre Schwester scheint das ganze mit etwas Sorge zu betrachten.

Fleischlos wirkt auf mich auch die Erzählweise dieser Geschichte, auf das nötigste reduziert. Gerade mal 72 min. lang. Das Original Hörbuch geht über 5 Stunden. Vieles wird nur angedeutet und ist trotzdem sehr klar. Unterstrichen wird das ganze hier beim Hörspiel durch die reduziert eingesetzte Musik, bzw. von einem Tönen. Ja es sind mehr Töne als Musik. Teilweise sehr düster.

Wichtig für die Geschichte ist zu wissen das es eine koreanische Geschichte ist. Dort ist der Vegetarismus ganz etwas anderes als in unseren Breitengraden und eine echte Rebellion.

Die junge Frau wird immer dünner und hört irgendwann ganz zu essen auf. Und es scheint nur einen Menschen zu geben der sie wirklich sieht. Der die Schönheit begreift mit der sich Yeong Hye „befasst“. Doch die Schwester erzählt uns noch eine andere Geschichte.

Absolut poetisch, emotional, berauschend und sinnlich.
Patriarchale Strukturen und Vegetarismus als zerstörerischer Akt der Gegenwehr.

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Die Vegetarierin, Hörspiel nach dem Roman von Han Kang

Übersetzung aus dem Koreanischen: Ki-Hyang Lee
Bearbeitung und Regie: Irene Schuck
Mit Paul Herwig, Meike Droste, Judith Engel,Wolfgang Pregler, Michael Wittenborn, Jonas Minthe, Hedi Kriegeskotte, Franz Ferdinand Möller-Titel, Achim Buch, Anne Moll, Stefan Haschke, Sebastian Rudolph u.a.
Produktion: NDR 2017

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Die Autorin:
Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, seitdem erschienen zahlreiche Romane, die unter anderem mit dem mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Für „Die Vegetarierin“ erhielt sie 2016 gemeinsam mit ihrer Übersetzerin den Man Booker International Prize. Zuletzt erschien von ihr bei Aufbau der Roman „Menschenwerk“, der ebenfalls für den Man Booker International Prize nominiert war und mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis ausgezeichnet wurde. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul.

Das Buch:
http://www.aufbau-verlag.de/index.php/die-vegetarierin.html

https://www.welt.de/reise/Fern/article123431798/Wenn-das-Essen-vom-Teller-zu-kriechen-versucht.html
https://abenteuerinasien.wordpress.com/2016/06/09/ein-vegetarier-in-korea/

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