Friedhofsgeheimnisse erklärt

Hannah lueftet Friedhofsgeheimnisse von Diana Hillebrand

Hannah lueftet Friedhofsgeheimnisse von Diana Hillebrand

„Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse“ ist ein richtig dickes Buch mit über 150 Seiten, da wurden meine Erwartungen wirklich übertroffen. Nicht nur ein Kinderbuch. Ein Hardcover mit durchaus auch harten Inhalten und Fakten. Ja einfach ist das Buch nicht, und auch nicht leicht. Die Hannah im Buch interessiert sich für den Tod und fängt an die Leute darüber auszufragen, passenderweise hat Sie einen Vater der sich mit dem Thema schon ausgiebig beschäftigt hat, so das Sie wirklich megaviele tolle Informationen bekommt. Sehr spannend. Viele Totenbräuche und Kulturen werden angesprochen. Riten und Geschichten vorgestellt. In Wort und Bild.

Witzigerweise taucht am Anfang ihrer Forschungen auch noch ein alter Freund der Mutter auf, und der ist auch noch Friedhofsgärtner – also besser kann die Ausgangslage bald nicht sein. Schon sehr praktisch, aber auf mich wirkt es auch etwas konstruiert. Darüber kann ich aber dann doch ganz gut hinwegschauen, weil es sonst einfach wirklich toll ist was für ein Wissen sich im Buch entfaltet. Und die Figur des Friedhofsgärtners auch einfach extrem sympatisch ist. So einen gibts hier leider auf meinem Friedhof nicht.

Das Buch ist kein Bilderbuch, sondern sehr Textlastig. Und so manches mal fand ich Hannah doch ein wenig sehr altklug und oberschlau für eine Zehnjährige, aber gut die  Kinder heute bringen einen ja wirklich oft zum staunen. Stichwort kein Bilderbuch: trotzdem gibt es ganz besondere und superschöne Illustrationen, die mich sehr begeistert haben. Ein lockerer Strich kombiniert mit Farbenfreude und tollen Texturen. Einfach klasse:

die Illustratorin

http://www.stefanie-duckstein.de

Was mich persönlich doch ziemlich bewegt hat war die Geschichte die nebenbei erzählt wird über den Papa von Hannah. Der ist nämlich in Krisengebieten der Welt unterwegs, und da hatte ich teilweise echt einen Kloß im Hals. Echt schwer Kost. Ich hätte da persönlich Bedenken und würde sehr genau überlegen welchen Kindern ich sowas zumuten kann. Auch würde ich gar nicht sagen das es ein reines Kinderbuch ist, denn auch als Erwachsener gibt es interessante Details zu erfahren, und unterhalten wird man aufjedenfall auch. Vielleicht liest man es am besten zusammen, denn es ist sicher ein Buch was Redebedarf weckt.

Sonst ein wirklich interessantes Buch, und sehr schön gestaltet! Es gibt ja zum Thema wirklich einiges in der Kinder- und Jugendliteratur , im Gegensatz zu den Büchern für Erwachsene, meistens wird der Tod dort in Geschichten verarbeitet hier finden wir beides. Geschichten und ganz viele Erklärungen.

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Hannah lüftet Friedhofsgeheimnisse

Eine Geschichte über den Tod und was danach kommt

Diana Hillebrand

Illustrationen: Stefanie Duckstein

Kösel Verlag, 16,99 €

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von der  Autorin und der Illustratorin zusammen gibt es auch ein Weihnachtsbuch

http://www.diana-hillebrand.de/buecher/kinderbuecher/paulas_wilde_weihnachtsjagd/

Schwester Tod – zur Trauerkultur

dscn7132Im letzten Beitrag sprach ich über das trauern und klagen im Angesicht des Todes und heute möchte ich ein dazu passendes Buch vorstellen.

Schwester Tod – weibliche Trauerkultur, Abscheidsrituale, Gedenkbräuche, Erinnerungsfeste

von Erni Kutter

Kösel Verlag, Paperback, 17,95 €

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„Schwester Tod“ – der Tod, das Sterben und alles drumherum, ein Bereich um den sich immer mehr die Frauen gekümmert haben, neudeutsch auch Carearbeit. Ein wirklich umfassendes Buch, wo mir einerseits einiges wieder begegnet und andererseits viel neues zu finden ist.

Die Autorin hat sich mit Traditionen und Überlieferungen befasst, und gibt sehr viele praktische Hinweise zur Ausgestaltung und Begleitung von Sterben, Tod und Trauerzeit. In unseren Breitengraden sind wir doch recht traditionslos geworden, und in vieles spielen Paragrafen und Gesetze hinein. Der Kontakt zum wesentlichen, wozu eben auch das Sterben gehört, geht verloren. In diesem Buch finden wir einen wunderbaren Zugang zu alten Sitten und Bräuchen und einem liebevollem Umgang mit all den Themen rund um das Sterben. Es nimmt einem die Angst und führt heran an eine sinn- und liebevolle Art der Begleitung. Bringt das Sterben, welches ja nun täglich geschieht und von dem wir alle betroffen sind, wieder näher heran. Sehr berührend und herzlich fühlt sich das beim lesen für mich an.

Das Buch beginnt mit einem Kapitel über Symbole und innere Bilder, als Sprache der Seele, Unterstützung in schweren Zeiten – welch schöne Einleitung. Man spürt die profunde Kenntnis zur Religions- und Kulturgeschichte und es ist spannend wieviele Geschichten sich im Buch finden. Dann, ganz ausführlich, zur Frühgeschichte und Volkstradition, über Totenkulte hin zur europäischen Sagenwelt.

~

„Eine Schale will ich sein

empfänglich für die wunder des Lebens

Eine Schale für Dich, heilige Weisheit…

~

Dann wird uns die Tödin vorgestellt, ja auch hier eine weiblich Gestalt. Heilige Damen oder mythische Gestalten mit Ihren Werkzeugen

Im zweiten Teil geht es um die Sterbebegleitung, ganz lebensnah und praktisch. Es werden Rituale aufgezeigt, es geht um Abschiede, um Sterbeammen und Seelenwächterinnen. Richtig friedlich wird mir zumute. Ich finde gerade alte Bräuche geben sehr viel Halt und Rituale helfen mit den Dingen umzugehen.

Es folgt nun im dritten teil das Thema der Bestattungskultur. Es geht um die Zeit zwischen Tod und Beerdigung. Die ganz praktischen und notwendigen aber auch hilfreichen Abläufe. Was ist uns möglich zu tun, was kann uns begleiten, und wie gehen wir um mit den Dingen?

Danach geht es um Abschiedsfeier, Trauerrituale und Beisetzung. Viele Beispiele und Geschichten sind auf den Seiten zu finden und alte Abschieds- und Gedenkbräuche werden vorgestellt.

~

„Im gehen der Spirale beweg ich mich nach innen

und spür mit allen Sinnen ins Zentrum meines Seins.

Im gehen der Spirale verlasse ich das Alte

und leg es in die Spalte

von Mutter Erdes Schoß.

Im gehen der Spirale erkenne ich das Leben

und fange an zu weben,

was neu entstehen soll“

~

Das letzte und fünfte Kapitel handelt dann von unserer Erinnerungs- und Gedenkkultur, hier wird auch nochmal auf Ahnenfeste im Jahreskreis hingewiesen – der November ist ja der Ahnenmonat schlechthin. Am Ende werden der Tödin noch einige Seiten gewidmet und  Gedichte, Segenssprüche und Gebete runden am Ende alles ab – in deutscher Sprache – ich kenne viele der Lieder auf Englisch.

Also wie ihr seht kein wissenschaftliches Buch und keine reine Erzählung, sondern mit wirklich praktischem Wissen und einer Fundgrube an umsetzbaren Ritualen für die eigenen Wege. Ein wenig mehr gestalten hätte man das Buch können um diesem Schatz einen würdigen Rahmen zu geben. Aber im Nutzen der Inhalte kann dann ja jeder selber kreativ werden.

~

 

 

Mein Totentanz – wider die Ordnung

cemetery-1688304_1280In dieser speziellen Stille fanden sich alle Gäste nach und nach vor der kleinen Kapelle ein. Viele Menschen die ich noch nie gesehen habe oder sehr lange nicht mehr und auch viele bekannte Gesichter. Auch an diesem glühend heißen Sommertag alle vorbildlich in Schwarz gekleidet. „Getragen“ nennt man wohl diese Stimmung. Es war wie ein kleines Rollenspiel.

Ich war noch nicht auf allzuvielen Beerdigungen und die Abläufe sind mir immer noch nicht vertraut. Nie hat mir jemand etwas dazu erklärt, nie wurde ich weiter befragt was ich dazu zu sagen habe oder mir wünsche, noch das ich etwas mitgestaltet hätte, außer vielleicht das Grabgesteck… diesmal Rittersporn. Beim einnehmen der Sitzplätze war schon unklar wer wo zu sitzen hat, zumindest saß wenigstens meine Schwester neben mir. Die Rede, des sonst sehr sympatischen Pfarrers, machte mich ärgerlich und erst heute wurde mir klar das der Verstorbene anscheinend echt was mit Glauben und Kirche am Hut hatte. Nicht zum ersten mal hatte ich bei einer Beerdigungsrede den Eindruck, das da von einer anderen Person gesprochen wurde als die, die ich gekannt habe. Es war trotz der extremen Hitze draußen kalt in der kleinen Kapelle, die Stuhlgruppen standen in einem rechten Winkel zueinander und ich fühlte mich beobachtet auf meinem Stuhl am Rand. Es war furchtbar unbequem.

Das Heulen – woher auch immer es kam, machte Druck in meiner Kehle und stieg den Hals weiter hinauf bis in den Kopf, verkrampft und fröstelnd saß ich auf meinem Platz. Irgendwann konnte ich es nicht mehr aufhalten, … liefen die Tränen einfach. Aber nur ganz vorsichtig und leise traute ich mich in mein Papiertaschentuch zu schnauben. Bloß keinen Ton von sich geben. Auch die anderen zückten nur verschämt hier und da ein Taschentuch.

Als wir dann aus der Kapelle stolperten, gab es wieder so kleine Ordnungsprobleme, wer wie und wo den Urnenträgern hinterherlief. Eine Zeremonie mit festen Regeln, die keiner kennt, wenns nicht so traurig wäre, wärs echt zum schieflachen. Die Trompetenspieler begleiteten uns mit ihrem wunderschönem Spiel und die Töne trugen uns den Weg entlang. Die heiße Sonne trocknete die Tränen – is ja jetzt auch mal gut, nich. Eng standen wir aufgereiht im schmalen Gang zwischen den niedrigen Hecken und kleinen Urnengräbern. Unsicher und irgendwie steif. Ich spüre es innerlich brodeln wenn ich daran denke. Eine immense Kraft und den Wunsch auszubrechen. Nur gerade so geht es. Dunkel pocht es unter der dünnen Haut. Die wilde Frau in mir, die sich nur knapp bändigen läßt.

Jammern und Klagen, bei uns doch verpönt. bei Trauer vielleicht kurzfristig erlaubt, aber dann doch soll man sich auch mal wieder zusammenreißen, einkriegen, ruhig sein. Beschwörung des „alles ist gut“ … und hey, nein das ist es eben nicht, und das ist auch kein Trost. Wenn alles gut wäre würdest Du mich jammern und klagen lassen, mir mein Gefühl zugestehen oder allen anderen die es sich noch trauen zu zeigen, die sich vielleicht gar keinen Kopf machen und einfach sind, wie Sie gerade sind.

Ich denke an das Geheul der Wölfin – La Loba (Die Wolfsfrau erzählt), ich denke an das eigene heulen was für eine kurze Zeit morgens direkt nach dem aufwachen und den ersten unklaren, noch freien  Sekunden wie ein Sturm über mich hereinbricht und meinen Körper überrollt, so sehr das mir zum kotzen zumute ist und später als ich es mir nicht mehr erlaube, implodiert.

Was braucht es um den Ton nach außen zu lassen? Töne zu machen, Laute auszustoßen in einer reglementierten Welt in welcher dem kleinsten Baby schon das weinen abtrainiert werden soll, „pscht, sill“. Der Ausdruck von Schmerz niedergemacht wird mit der Erklärung, das daß was man empfindet nicht wahr sei und man gefälligst anders sein solle … so lang und so sehr bis man seine Gefühle schon gar nicht mehr kennt und sich heimlich fragt was mit einem nicht stimmt, weil man das alles so gar nicht so sieht, wie man es gesagt bekommt und irgendwie auch gar nicht mehr so richtig fühlt und alles mit dem Kopf angeht. Ein Bauchgefühl nur noch vorhanden ist in Form von Unwohlsein und Schmerz, von Magen-Darm-Problemen und Menstruationsbeschwerden.

Eine Welt in der alles geordnet abläuft, und man herausfällt wenn das innere im außen Ausdruck findet. Früher wurde mir verboten zu singen weil es anscheinend so schlimm klang, zu sprechen hat man ruhig, und zu heulen gar nicht. La Loba La Loba*, wo ist dein Geheul?

Wie der Ton im Hals sitzt, das Schluchzen und das Elend, alles verkrampft… noch tagelang.  Wie könnte man nur einfach laut sein, einfach sich gehen lassen, sich hingeben, fallen lassen, schreien, klagen, seufzen, greinen, jammern, heulen…

Gesittet läuft die Trauergemeinde den Urnenträgern hinterher, nur leises schneuzen, und rote Augen sieht man… Bäche von Tränen stumm gestürzt…aus den Fenstern der Seele die Wangen hinunter, im versteckten und verschämten, gebeugte Köpfe, den Blick auf den Boden, Tränen den Hals entlang in den Ausschnitt hinein, zumindest bei den Frauen … Papiertaschentuch… feuchte Knäule in den Fäusten.

Wut… ein pochen in den Schläfen, ein laut schlagendes Herz, ein Geheul was sich aus der Kehle presst, ein Schrei in den Himmel, ein Kleid ungefärbt und ungebleicht. Geballte Fäuste. Kraft die den ganzen Körper anspannt, ein Knurren tief aus dem Bauch, zusammengekniffene Augen, die letzte Tränen auspressen, fast schon Grimasse das Gesicht und mit einem mal bricht sich der Ton in die Stille, ein Laut, ein Schluchzen und Jammern.

Heulen wie es kommt, fast wie ein Gesang. Ein echtes Klagelied, ohne Worte, aber erdig und voll. Ein Kniefall zwischen den sauber geschnitten Hecken, der helle Stoff im Staub. So wie Rotz und Wasser im Gesicht. Gezeichnete Tränenspuren. Huhuuuuaaaaahhhhuuuu

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dies ist ein Text für die Blogparade vom Totenhemdblog:

https://totenhemd.wordpress.com/2016/10/04/unsere-november-blogaktion-ich-hab-mit-den-toten-getanzt/

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Vor einigen Jahren habe ich mich aufgrunde meiner Arbeit in einer archäologischen Sammlung und einer Wanderausstellung intensiv mit dem Thema Totentanz beschäftigt – unglaublich was für eine Fülle an Litertaur es zum Thema gibt – begriffen habe ich die Sache bis heute nicht, aber ich vermute einen Drang dahinter. Einem Drang nach Ausdruck, denn dem Tod entkommt keiner.

http://www.berlin.de/kultur-und-tickets/archiv/2777555-2805649-erzaehl-mir-was-vom-tod-interkative-auss.html

http://www.philosophieren-mit-kindern.de/erzaehl_vom_tod.html

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Ich erinnere mich gern an eine Szene aus „Six Feet Under“ in welcher der Protagonist Nate in einem Boot steht, unfähig seiner Trauer Ausdruck zu verleihen, sein Blick Richtung Strand auf welchem sich schwarzgekleidete Klageweiber versammelt haben.

Eine wunderschöne Idee in der Serie ist, das all die Sterbenden ihre schon verstorbenen Liebsten sehen, sozusagen von Ihnen abgeholt werden. Ich finde das sehr tröstlich, diese Idee des Wiedersehens und abgeholt werdens.

http://www.serienjunkies.de/SixFeetUnder/alle-serien-staffeln.html

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Literatur:

*die Geschichte der La Loba erzählt von der Auferstehung. die wilde Frau singt über den Knochen, die sorgsam zusammengetragen wurden, um ihne neue Seelenkraft einzuhauchen.

„Die Wolfsfrau erzählt“ https://reingelesen.wordpress.com/2013/05/01/davor-die-wolfsfrau-erzahlt/

„Die Bücherdiebin“ – hier ist der Tod eine liebevolle Figur welche den gerade gestorbenen in die Arme schließt. Den Gedanken mag ich sehr.

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In vielen Kulturen gab es Klageweiber. Das waren Frauen die man dafür bezahlte anwesend zu sein und zu heulen und zu jammern und zu klagen. Ich denke das ergab auch eine Art Schutzraum in welchem man selbst besser weinen konnte, weil die Scham überwunden werden kann wenn man nicht alleine ist mit seinem Geheul. Später fand das manchmal noch Ausdruck bei den Totenwachen.

Das Klageweib vor Christus: http://www.rhm.uni-koeln.de/138/Kudlien.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Klageweib

http://www.zeit.de/1990/11/flehen-der-klageweiber – das hätte ich gern gehört

http://www.spiegel.de/reise/staedte/schweiz-vom-duesteren-zug-der-klageweiber-a-72420.html

Lebenshilfe mit Sofort-Effekt

dscn7073„Kopf hoch“ – guter Buchtitel, der schon eine Möglichkeit der ersten Hilfe anspricht. Der Körper spiegelt wieder wie es uns geht und so können wir den Körper auch nutzen das es uns besser geht indem wir auf unsere Körpersprache achten.

Das kleine Überlebensbuch ist ganz bezaubernd, mit superniedlichen Zeichnungen von Kai Pannen. Es werden viele kleine Übungen vorgestellt die absolut einfach sind und sofort durchführbar.

Für die die es genauer wissen wollen ist alles dazu erklärt – was macht diese kleine Übung eigentlich und warum funktioniert Sie. Insgesamt werden 12 Übungen vorgestellt.

Von mir ne ganz dicke Empfehlung für Zuhause, alle Wartezimmer, Therapeuten und helfende Berufe. Für Erwachsene und Kinder anwendbar, weil es so einfach ist und echt hilfreich.

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Von den kleinen Selbsthilfebüchern von Kösel gibt es eine ganze Reihe, das kleine Ordnungsbuch hatte ich schonmal vorgestellt.

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Dr. med. Claudia Croos-Müller

Kopf hoch

Das kleine Überlebensbuch

Soforthilfe bei Stress, Ärger und anderen Durchhängern

Kösel Verlag, 9,99 €

Die Mönche und ich – Mary Paterson – eine Reise

das möchte ich sehr gern nochmal empfehlen

reingelesen

Die Moenche und ich von Mary Paterson„Die Mönche und Ich“ ist ebenso eine Einladung wie auch eine kleine und eindrucksvolle Reise. Mary Paterson, eine Yogalehrerin aus Toronto/Kanada, hat sich nach dem Tod Ihrer Eltern zu einem 40 Tages Retreat nach Frankreich begeben. Zu einem Ort namens „Plum Village“. Plum Village ist ein buddhistisches Kloster mit Meditationszentrum, offen für Besucher aus der ganzen Welt, welche auch zahlreich dorthin finden. Das buddhistische Zentrum wurde 1982 vom vietnamesischen Mönch und Zenmeister Thích Nhất Hạnh gegründet, der seitdem dort wohnt.

Wir dürfen Mary begleiten. Tag für Tag. Liebevoll hat Sie jedem Tag ein kleines Kapitel gewidmet in welchen Sie Geschichten aus dem Kloster erzählt. Über das Leben dort, die Mönche und die Besucher, die Abläufe, den Buddhismus und Ihre Yogapraxis. Es gibt Kapitel über „Klarheit“, „sich einlassen“, „Wechselwirkung“ und 37 anderen essentiellen Themen.

Als ich das Buch entdeckte dachte ich an leichte Unterhaltungslektüre, das ist es aber keinesfalls. Es steckt…

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Klimabotschafter di Caprio

Leonardo di Caprio ist als Friedensbotschafter der vereinten Nationen unterwegs und informiert sich über den Klimaschutz. Zei Jahre war er unterwegs. Hier der Film auf Deutsch, noch 2 Tage frei im Netz. Sehr guter und spannender Film und sehr wichtig!

Kraftquelle Ahnen – Kontakt zu unseren Vorfahren

dscn6492Passend zur Jahreszeit, ob Du nun Halloween, Samhain, Allerheiligen oder Allerseelen begehst. „Kraftquelle Ahnen“ – ein Buch zur Erforschung der eigenen Wurzeln und der Verbindungen zu den Ahnen, mit vielen Fallgeschichten der schamanischen Arbeit der Autorin.

Monnica Hackl ist Heilpraktikerin, hat Theologie, Germanistik und Sozialpädagogik studiert, praktiziert seit langem als Heilerin und hat schon einige Bücher veröffentlicht.

Dieses Kleine Büchlein hier finde ich persönlich sehr interessant eben durch die verschiedenen Beispiele aus der Praxis. Mit dem Thema kann ich sehr viel anfangen als Kriegsenkelin. Nach den ersten Geschichten wird eine sehr schöne Zeremonie beschrieben, in welcher es darum geht die Schwierigkeiten der Menschen  durch Liebe zu heilen. Viele Lebensprobleme basieren ja darauf kein liebevolles Fundament mitbekommen zu haben – „Die Wunde der Ungeliebten“ heißt auch ein Buch. Ich glaube ja persönlich das all der Krieg auf der Welt schlußendlich auf vielen inneren Leerstellen beruhen, Leerstellen die eben eigentlich mit Liebe gefüllt sein sollten. Geliebt zu werden macht Menschen verdammt stark. Und wer sich geliebt fühlt, kann wertschätzend und mit Achtung durch das Leben gehen, der behandelt sich und auch andere mit Respekt.
Leider braucht man für diese vorgestellte Zeremonie viele Menschen die eben entsprechend mitschwingen und mit Herz dabei sind. Ich war dann gleich total frustriert weil ich das so gar nicht in der Umsetzung sehe. Aber gut kleine Rituale habe ich dann doch schon in meiner Kriegsenkelgruppe ausprobiert. Wer weiß wohin uns das noch führt.

Zum Glück kam dann aber auch so schnell ein Trost denn es folgen noch viele kleinere Rituale oder Visualisierungen/Meditationen – wie auch immer man es nennen mag. Auf jedenfall sind Sie umsetzbar, und das teilweise sogar recht einfach.

Ich empfinde die Schreibweise der Autorin sehr authentisch und bodenständig. Das schamanische Tun so beschrieben das es gut verständlich ist. Sie verspricht nichts und zeigt auch die Grenzen der Ahnenarbeit auf. Bei der schamanischen Arbeit geht es auch nicht um irgendwelche Tada -Momente, sondern es sind die Feinheiten, oft auch zartes, erste Impulse, und es ist keine Sache wo alles Rosarot schimmert. Das bringt die Autorin auch deutlich rüber. Nicht immer läßt sich bei den Ahnen eine Antwort finden.

Inhalt: Wer sind unsere Ahnen?, Die vergessenen Ahnen, Wenn die Ahnen rufen, Das große Ahnenritual, Die heilige Magie der Säulen und Pfeiler, Andere Selen spüren, Begegnung auf schamanischen Reisen, Schamanische Arbeit im Zellgedächtnis, Die Stammbaumheilung, Die Pflanzen der Ahnen, Selbst zu guten Ahnen werden.

Die perfekte Zeit hat gerade begonnen für den Kontakt zu den Ahnen.

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Monnica Hackl

Kraftquelle Ahnen

Wie wir uns mit den Vorfahren versöhnen und ihren Schutz und Beistand gewinnen

15,99 €, Ansata Verlag

Dresden revisited

dscn5742„Von einer Heimat die einen nicht fortlässt“ – lautet der leicht zu übersehende Untertitel.

Bei diesem Titel mußte ich zuschlagen, ich hab regelrecht drauf gewartet. Peter Richter schreibt über seine Heimatstadt Dresden. Selbst ist er wohl seit über 25 Jahren nicht mehr hier ansässig und lebt als Korrespondent in Amerika, genauer gesagt in New York (was mich ziemlich beeindruckt). Und wie es so ist mit den Wirklichkeiten, just kam das Buch raus, war das Stück „89/90“, was auf einem seiner früheren Bücher mit dem selben Titel basiert, hier bei uns auf der Bühne.  http://www.staatsschauspiel-dresden.de/home/89_90/

Keine Frage, das dieses Buch von mir als in Dresden geborene, Zurückgekommene und hier Lebende gelesen werden mußte. Im Zuge der Überlegungen bin ich mir sehr unsicher ob ich mich als Dresdnerin sehe, wobei es mir immer wichtig ist zu betonen das ich hier geboren bin, und mich schon sehr viel mit diesem Ort verbindet, da sich für mich an dieser Stadt sehr viele meiner Themen festmachen. Oder vielleicht habe ich diese Themen auch gerade weil ich hier geboren bin?

Richters Buch ist Buch in 29 kurzen Kapiteln. Eine Art öffentlichen nachdenken auf 150 Seiten.

„Dresden revisited“.. also zusagen „wieder zu Besuch“, oder auch „zurückbesucht“… wurde meine Badewannenlektüre, sprich: Ein entspanntes Lesevergnügen. Ich mag den Ton, die Art, wie der Autor schreibt. Ein Mann in meinem Alter und einem so komplett anderem Leben. Natürlich ist auch sein Blick auf die Stadt ein anderer als meiner – das ergibt sich schon daraus das er seine Kindheit im schicken grünen Stadtteil verbracht hat, mit viel Freiheiten wie es scheint, und ich meine sozusagen unten im grauen smoggeschwängertem Tal, und damals eher in staatlichen Einrichtungen als im Wald.

Auch wenn es eine angenehme und leichte Lektüre war, gibt sie viele Anstöße und eröffnet mir eben nochmal andere Zugänge und Blickwinkel. Ein anderes Dresden. Trotzdem ergeben sich am Ende gleiche Ergebnisse im Denken. Ich hab soviele Eselsohren gemacht, ich könnte glatt ein Antwortbuch schreiben. Was leider unklar bleibt für mich ist, welcher Teil des Buches aus der gehaltenen Rede besteht, aus der das Buch hervorging. „Dresdner Reden“ heißt die Reihe, die ich persönlich nicht weiter verfolge. Hätte mich aber schon interessiert in diesem Fall. Ab ca. Seite 100 schwächelt es etwas und wird mir auch etwas schwammig aber am Ende – beim Bogen Dresden-Deutschland- Amerika holt er das wieder raus.

Das Buch ist ein sehr persönliches, die Sicht auch privilegiert, aber sich ernsthaft auseinandersetzend. Hinzu kommen die Vergleiche mit Peter Richters aktueller Lebenswelt – dem heutigen Amerika, besonders am Ende – durchaus interessant. Die Seiten über die Bewegung der Pegidisten scheinen mir schon etwas veraltet, hat man sich doch schon lang damit befaßt, die Bewegung wurde nun auch schon 2 Jahre alt, aber ja, sie gehören wohl jetzt dazu wenn man von Dresden spricht, grade die letzten Monate ist mir diesbezüglich doch eine regelrechte Sachsenbeschimpfung aufgefallen – die einfach sehr verallgemeinert, und in dieser Hinsicht kann es auf keinen Fall schaden über das Thema zu sprechen bzw. schreiben – und das macht er auch differenziert und detailliert.

Besonders spannend waren für mich einzelne Figuren die Richter aufführt, Abwanderungen zur Historie und zu Gesellschaftsthemen. Eine Lieblingsgeschichte ist die vom Bild „Der Raub der Töchter des Leukippos“ von Rubens die er aufführt um zu erklären wie kippelig doch so ein Image einer Stadt sein kann. Wobei es doch wirklich je nach Person immer ein anderes Dresden sein wird. Geschichtlich hat Peter Richter so einiges zu erzählen, und ich hoffe das diesbezüglich noch ein Buch folgen wird. Ich würde sehr gern mehr von Ihm zur sächsischen Geschichte lesen.

Das Dresden was ich sehe ist oft sehr gemütlich, zu oft zu gemütlich – langsam, und veraltet, zuviele Beamte und zu viele entsprechend verkrustete Strukturen, zu CDUlastig, immer noch typisch Osten (Sozialisation), mit zu vielen Westlern an den höheren Stellen. Zu einseitig oft was die Förderung von Kultur und Kunst angeht. Zu sehr auf das Alte besonnen – wir haben nur einen festen geförderten Platz für moderne Kunst – ein kleines Haus in der Rähnitzgasse, übrigens ein sehr schöne Ecke unweit vom goldenem Reiter – der frisch poliert das Ende der Hauptstraße und die Grenze der Neustädter Seite anzeigt, bevor es Richtung Barock und Altstadt über die Elbe geht. Ein weiteres stark gewachsenes Projekt, die Ostrale sieht wohl gerade ihrem Umzug entgegen da die Stadt Dresden es nicht fertig bringt ein geeignetes Stück Fläche zur Verfügung zu stellen. Der Sozialabbau (z.B. Bildungs- und Frauenprojekte etc.) ähnlich wie in anderen Städten, Politik für die mit Kohle, ist jetzt nicht so Dresden typisch, aber auffällig in unserer hübsch sanierten Stadt(mitte). Spaltung zwischen Arm und Reich wird auch hier immer deutlicher. Und immer noch weht einwenig der Wind des Tales der Ahnungslosen über uns, wie mir scheint, grad so im Vergleich mit Leipzig oder dem hippen Berlin, welches auch seine Rolle spielt im Buch.

In meiner Kindheit war die Altstadt schwarz, verbrannt, Reste aus dem Krieg zwischen den viereckigen Ostbauten. Heute strahlt alles längst frisch saniert und lockt die Touristen an. Es ist schön geworden keine Frage, und inzwischen bin ich auch mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche versöhnt. Besucher aus anderen Städten loben die Weitläufigkeit, ich hab beim Wiedereinzug Grünes vermisst. Wir haben ein sehr gute ausgebautes Nahverkehrsnetz (mit wenigen Schwachstellen) und nun soll auch endlich mal was für die Radfahrer gebaut werden.

Eine gewisse Liebe ist nicht zu verleugnen, und es ist wunderschön, grade am frühen Abend auf der Brühlschen Terrasse zu flanieren, wenn man Glück hat spielt jemand Jazz um die Ecke, die Aussicht und das Panorama sind immer wieder, ein Hochgenuß. Der Große Garten, das „neue“ Hygienemuseum, die Elbe und die Heide. Und für mich sehr wichtig die lebendige wuselige Neustädter Ecke mit viel Subkultur – also die junge Seite, die Peter Richter auch erwähnt und die auch zu Dresden gehört, allerdings muß sich da wohl noch etwas mehr Raum erobert werden.

Ich weiß nicht wie das Buch für Menschen wäre die Dresden nicht kennen, ich mag es sehr. Ein kluges, feines, spannendes und auch humorvolles Buch.

Hier noch einen ergänzenden Link zu einem Radiointerview.

http://www.deutschlandfunk.de/peter-richter-dresden-revisited-das-ist-kein-nest-von-alten.700.de.html?dram%3Aarticle_id=364665

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Peter Richter

Dresden revisited

Von einer Heimat die einen nicht fortlässt

Luchterhand Verlag, 18,00 €

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eine andere Rezension:

http://www.kulturernten.com/peter-richter-dresden-revisited/

 

 

Die Ehefrau

dscn6402Eine Frau, die sich für das Schreiben interessiert, und wohl auch Talent dazu hat, erzählt von Ihrem Ehemann, dem Schriftsteller. In Rückblenden erfahren wir, dass er ihr Dozent auf dem College war und sie sich dort im Literaturunterricht kennengelernt haben. Das war in den 1950iger Jahren.
Er hält sie damals für sehr talentiert. Sie ihn eher nicht, und doch schaut sie zu ihm auf und ist beeindruckt von seinem Auftreten.

Die beiden brennen schlußendlich durch, sie gerade im ersten Semester, heiraten später und bekommen 3 Kinder. Er – Jo Castleman – wird berühmt. Joan dagegen nimmt den Platz der Ehefrau an seiner Seite ein. Keine Rede davon, daß Sie weitergeschrieben hätte, nach ihren vielversprechenden Anfängen auf dem College. Viel aber, davon die Rede wie Männer aus der Welt des Schreibens zusammenfinden und diskutieren. Die Frauen bewundern diese Männern und flirten mit Ihnen, oder sie stehen als Ehefrauen in eigenen Gruppen beisammen. Ein eigenes erfolgreiches bzw. überhaupt gutes, tiefsinniges Schreiben traut man ihnen, also den Frauen gar nicht erst zu. Die Posten scheinen klar verteilt.

Das Buch beginnt mit der Reise zu einer Preisverleihung. Beide sind inzwischen Jahrzehnte verheiratet, Jo hat viele Bücher veröffentlicht, das erste handelte von den eigenen Beziehungsanfängen, machte ihn bekannt.

Ich möchte in meinen Rezensionen nicht zu sehr spoilern – jeder soll die Bücher selbst für sich entdecken. In dieser Hinsicht rate ich ab von anderen Rezensionen zum Buch, da die meisten meiner Meinung nach, viel zu viel verraten.

Ich selbst bin irritiert von einigen anderen Rezensionen die ich zum Buch fand. Achtung eine dieser spoilernden Geschichten:  z.B. im Deutschlandradio Kultur http://www.deutschlandradiokultur.de/meg-wolitzer-die-ehefrau-bissige-abrechnung-mit-maennlicher.1270.de.html?dram:article_id=367047

Immer wieder wird vom Humor des Buches gesprochen oder auch einem satirischem Blick auf den Schriftstellerbetrieb. Vom „amüsanten Blick“, und die „Times“  meint etwas von „irrsinnig witzig“ – so steht es auf dem Buchrücken. Entweder ist das ein spezieller amerikanischer Humor – die Schriftstellerin Meg Wolitzer ist Amerikanerin – oder ich bin anscheinend ziemlich Humorlos. Oder die dritte Variante, es ist ziemlich ernst, und so empfinde ich es. Was jetzt nicht heißt, das es nicht auch hin und wieder mal etwas zum Lächeln ist.
Finde ich das Buch und das Thema eher ernst weil mir bewußt ist das Frauen auch hier nicht gleichberechtigt sind? Haben die, die es humorvoll finden das Thema nicht verstanden? Jetzt würde ich gern Meg Wolitzer persönlich fragen.

„Was macht die Kunst?“
Joe: „Ach, ich gebe alles, antwortete Joe mit einem tiefen Seufzer. „Und das ist nicht besonders viel“.

Ein signifikanter Satz wie sich später zeigt.

Joan dazu:

„Joe konnte immer gut an sich zweifeln. Die gesamten Fünfziger, Sechziger, Siebziger, Achtziger und die erste Hälfte der Neunziger hindurch gab er sich als verletzlicher, leidender Künstler, ganz gleich, ob er gerade betrunken oder nüchtern, gut oder schlecht rezensiert, geschmäht oder geliebt war.“

Ich finde das Buch fängt sehr gut an, obwohl die Autorin selbst erst Ende der 1950ger geboren wurde, beschreibt sie das Collegeleben  authentisch, zumindest gelingt es mir, mich hier sehr gut einzufühlen. Es erinnerte mich an andere Bücher, die ich gern las, ich muß zugeben von männlichen Autoren. Ich mag diesen Ort des amerikanischen Colleges. Kann aber auch sein, dass ich eine zu romatische Vorstellung davon pflege, weil ich zuviel „Gilmore Girls“ im Kopf habe, eine amerikanische Serie, in der es sehr viel um kluge Mädchen geht.

Meg Wolitzer weiß, wovon sie schreibt. Bisher  veröffentlichte sie elf Bücher und ihr Mann ist, wie im Buch, auch Schriftsteller. Ich habe bisher noch nichts von ihr gelesen, kann da aus keinem Kontext sprechen, sondern nur für dieses eine Buch. Das ich wiederrum noch nichts von Ihr gelesen habe, also noch nicht auf Ihre Bücher aufmerksam wurde, kann wirklich sehr gut mit dem Thema an sich zu tun haben, eben das männliche Autoren meistens in der ersten Reihe stehen und weibliche in der zweiten.

Auf der Seite des DuMont Verlages erfahren wir wenig über Meg Wolitzer, aber im Netz finden sich andere Informationsquellen. Und das dem Buch zugrundeliegende Thema findet sich im Leben der Autorin wieder, und vermutlich in dem vieler Frauen. Es ist das Thema männlichen Könnens und weiblichen Könnens, und wie dieses in unserer Welt „platziert“ wird und welche Beachtung die Geschlechter jeweils finden bzw. nicht finden.

Ein durchaus feministisches Buch, welches von einer Wahrheit erzählt, die im lezten Jahrhundert noch krasser war, als heute. Und was heute erschreckend aktuell ist. Das Buch ist schon über 10 Jahre alt, wurde jetzt erst übersetzt, was man dem Werk aber nicht anmerkt.
Die Autorin schreibt über das männliche und weibliche schreiben und wir kennen Sie doch alle die Long- und Shortlists der Bücherpreise – die weiblichen Autoren können wir an einer Hand abzählen. Und das liegt sicher nicht an der Qualität ihrer Arbeiten. Die den Frauen aber durch nicht-Nominierung und Nichtbeachtung abgesprochen wird.

Joan die Protagonistin und Erzählerin in „Die Ehefrau“ berichtet über das Leben Ihres „schreibenden“ Mannes und so nebenbei auch ein wenig von sich, ihrer Ehe und am Rande aus Ihrem Familienleben. In der Geschichte dreht sich aber Schlußendlich alles um Joe bis zum Knall am Ende des Buches. So wie es sich anschließend ergeben hat, daran haben beide Ihren Anteil, basierend auf den Entscheidungen die beide getroffen haben oder unterlassen haben zu treffen. Vielleicht spielt hier auch die Gewohntheit eine Rolle oder die fehlende Vorstellungskraft das es hätte auch anders gehen können.

Der mittlere Teil ist für meinen Geschmack zu lang und ich fand den Teil einwenig langweilig. Ddie Spannung hielt sich doch ziemlich in Grenzen. Und ich denke ohne etwas über die Autorin zu wissen, fragt man sich doch etwas, worauf Sie denn nun hinaus will. Das Ende überzeugt, aber hat mich gleichzeitig auch enttäuscht, immerhin läßt es einen Ausblick offen.

„Das Mädchen schämte sich, dachte ich, eine Geschichte öffnete sich vor mir, und ich verspürte Erleichterung darüber, eine literarische Distanz mir selbst und diesem Mann gegenüber einnehmen zu können“

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Meg Wolitzer

Die Ehefrau

Übersetzung: Stephan Kleiner

DuMont Buchverlag, 23,00 €

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passende Bücher:

„Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenides – wg. der Protagonistin

„Sommer ohne Männer“ von Siri Husvedt – weibliches schreiben

 

… und über uns kein Himmel

dscn6401Geschichte und Psychiatrie im Comic. Krasses Thema, krasses Buch. Ein Baby, das beim erweiterten Suizidversuch der Mutter  im Jahr 1935 überlebt und fortan in Heimen, Pflegeanstalten und Kliniken untergebracht wird. Ein Junge, sein Name Fritz Blume.

Der Zeichenstil hat mir erst gar nicht gefallen, aber die Geschichte ist so heftig, dass die kantigen Zeichnungen irgendwie doch sehr gut dazu passen. Es hat mich sehr ergriffen. Ich habe schon einiges gelesen und gesehen über Heime in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Thema ist ja heute nicht mehr ganz unbekannt, das Menschen sehr schnell als sogenanntes „unwertes“ Leben klassifiziert wurden, oder sagen wir lieber, diesen Stempel aufgedrückt bekamen, um dann in Erziehungsheime und Anstalten geschickt zu werden. Viele wurden getötet, gequält oder zwangssterilisiert.
Zucht und Ordnung im allerschlimmsten Sinne, macht Fritz von Anfang an durch. Mit schlimmster Brutalität, und das oft auch noch von Christen/Nonnen, die regimetreu in den Erziehungsanstalten ihre uneingeschränkte Macht und Gewalt auslebten, selbst den Kindern und auch den Kleinsten gegenüber.
Weil die Mutter sich und Ihre Kinder töten wollte, wird sie als kranke Person eingestuft und somit auch ihre Kinder als krank definiert – der Hintergrund spielte damals keine Rolle. Es gibt kein Entkommen für Fritz.

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Was mir nicht bewusst war ist, dass auch in sogenannten Waisenhäusern so schlimm mit den Kindern umgegangen wurde – aber es vermischt sich später, weil Fritz als „gestört“ angesehen wird.  Getötet wird er nicht, wie viele seiner Kameraden, und er überlebt alle Misshandlungen und Quälereien. „Ausmerzen durch Hunger und Arbeit hieß das Programm der Nazis“ – wenn das mal alles gewesen wäre. Aber es war viel schlimmer. Seine Arbeitskraft wird schamlos ausgenutzt und hier finden sich Methoden der weißen Folter – Folter die man den Menschen nicht ansieht. Als er etwas größer ist, kommt er zu einem Bauern, und dort vom Regen in die Traufe. Aber er begegnet hier einer Kuh, der es genauso geht wie Fritz und hier erlebt er das erstemal Zuneigung. Sehr berührend….

Als der Krieg vorbei ist – er spielt im Buch keine Rolle –  geht es genauso weiter wie zuvor.

Was diese Grafik Novel sehr besonders macht, ist dass hier tatsächliche Personen vorkommen und es ein echter Lebenslauf ist. Wirklich beklemmend. Und für mich immer noch und immer wieder schockierend, wie die alten Nazis nach dem Krieg einfach weitermachen konnten. Meistens an den vorherigen Arbeitsstellen, oft gar mit Beförderung nach dem Entnazifizierungsprogramm – unfassbar. Echte Beispiele werden hier aufgeführt. Die Geschichte basiert auf autobiografischen Schriften von Fritz, der nicht schwieg.

Ärzte und Pfarrer, bis in die 1950iger, 1960iger Jahre hinein, bis zur Rente, durften Sie unbehelligt weitermachen, auch wenn sie an Menschenversuchen beteiligt waren – auch das nicht neu. Irgendwas ist da so verdammt schief gelaufen. Und wenn man sich dann vorstellt, welche Nachfolger von ihnen ausgebildet wurden, dann weiß man, wie weit der Nationalsozialismus mit seinen kruden Ansichten in das Leben heute hineinreicht. So war es nicht nur in der Medizin und Pflege/Erziehung der Fall sondern durchaus auch gern in Behörden oder den Schulen. Das hat starke Auswirkungen, vor allem wenn wir auf das Menschenbild schauen, welches die Nationalsozialisten verbreitet haben und welches heute in unseren Systemen immer noch stark zu erkennen ist. Es geht immer um gesellschaftliche Normen, damals und heute. Auch nach dem Krieg verschwanden immer wieder nicht passende junge Menschen in Heimen – die DDR hat da auch noch eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Die Opfer kämpfen heute noch um Wiedergutmachung..

Die Geschichte von Fritz geht weiter, leider endet sie abrupt und man erfährt nicht so richtig, was aus ihm geworden ist, aber es gelang ihm wohl, sich ein Leben aufzubauen.

Die Konzentrationslager wurden befreit. Viele Kliniken und Heime, blieben noch Jahre nach Kriegsende, so wie sie waren. Keiner kam und befreite die gequälten Seelen. Unfassbar traurig.

Der Geschichte geht eine kurze Einleitung zum Thema voraus und folgt ein langes und interessantes Nachwort, welches den Bogen bis heute schlägt; allerdings hätte ich mir hier weniger Fachtermini und eine einfachere Sprache gewünscht, um für jeden Leser verständlich zu sein.

Wenn wir denken das ist heute vorbei, so liegen wir falsch. Vieles erlebt ein Comeback. Es kommen wieder mehr bestimmte starke Medikamente zum Einsatz und für unpassende Kinder gibt es heute die Diagnosen wie ADHS. Viele Kinder werden mit dem gefährlichen Ritalin behandelt, welches oft heftige Nebenwirkungen hat.
Das ganze geht aber noch viel weiter mit der modernen Forschung – welches Menschenbild haben wir, und was liegt dem Zugrunde, sehr schön zusammengefasst und sehr lehrreich im Nachwort zur Sprache gebracht.

Ein wichtiges Buch!

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Robert Krieg/Daniel Daemgen
…und über uns kein Himmel
Graphic Novel

95 Seiten, 14,90 Euro

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von Gerda wurde ich auf einen weiteren Fall aufmerksam gemacht: http://www.zeit.de/1964/08/der-merkwuerdige-fall-heyde

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